ZEIT Bühne – Das Ich im Wir und das Wir im Ich
#045

Das Ich im Wir und das Wir im Ich

ZEIT Bühne / 25. Oktober 2023 / 6 Medien

Roman Pletter & Alice Hasters

Alice Hasters stellt ihr neues Buch 'Identitätskrise' vor und erklärt, warum Identität seit den 1950ern so zentral geworden ist: In demokratisch-kapitalistischen Systemen ist es die Aufgabe jedes Einzelnen, selbst herauszufinden, wer er ist — Identität als gesellschaftliche Pflicht. Das Gespräch mit Sascha Czajkowski, das im Rahmen der Frankfurter Buchmesse stattfand, kreist um den Kern ihres Buches: dass Identität nicht nur das Innere beschreibt, sondern immer das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft — das Ich im Wir und das Wir im Ich.

„Identität ist quasi das Ich und die Gesellschaft in ein Verhältnis setzt. Also es ist quasi das Ich im Wir und das Wir im Ich.“
🗣 Alice Hasters

Erwähnte Medien (6)

Identitätskrise

Identitätskrise

Alice Hasters

In ihrem neuen Buch analysiert Alice Hasters die Funktionsweise von Identität in westlichen Gesellschaften und untersucht die aktuelle Identitätskrise. Aufbauend auf ihrem erfolgreichen Werk über Rassismus bietet die renommierte Autorin eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Frage, wie Gesellschaften ihre kollektive Identität verlieren und wie dies die heutige Debattenkultur prägt.

🗣 Roman Pletter zitiert daraus bei ⏱ 00:00:50 „Hasters ist bekannt geworden durch ihr Buch, was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten. Das ist 2019 erschienen, jetzt hat sie ein neues Buch geschrieben mit dem Titel Identitätskrise. In dem Buch konstatiert sie eine Identitätskrise unserer Gesellschaft.“

Das neue Buch von Alice Hasters ist der zentrale Gesprächsanlass der Episode. Es wird ausführlich besprochen, daraus vorgelesen und bildet den roten Faden des gesamten Gesprächs. Hasters analysiert darin, wie Identität in westlichen Gesellschaften funktioniert und warum diese Gesellschaften in einer Identitätskrise stecken.

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The End of History?

The End of History?

Francis Fukuyama · 2006

Ever since its first publication in 1992, the New York Times bestselling The End of History and the Last Man has provoked controversy and debate. "Profoundly realistic and important...supremely timely and cogent...the first book to fully fathom the depth and range of the changes now sweeping through the world." —The Washington Post Book World Francis Fukuyama's prescient analysis of religious fundamentalism, politics, scientific progress, ethical codes, and war is as essential for a world fighti...

🗣 Alice Hasters referenziert bei ⏱ 00:21:10 „Das behauptete zumindest der Philosoph und Politikwissenschaftler Francis Fukuyama. Er schrieb 1989 den Essay »Das Ende der Geschichte« und argumentierte darin, dass wir gesellschaftspolitisch gewissermaßen im finalen Stadium angekommen waren. Liberale Demokratie hätte sich als das stabilste und friedlichste System herausgestellt.“

In einer längeren Lesung aus ihrem Buch 'Identitätskrise' referenziert Hasters Fukuyamas berühmten Essay als Schlüsseltext für die Euphorie der Nachwendezeit. Sie nutzt seine These vom Ende der Geschichte als Rahmen, um die Selbsterzählung des Westens zu beschreiben, in die ihre Generation hineingeboren wurde — und die sie nun als Illusion entlarvt.

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Baseballschlägerjahre

Baseballschlägerjahre

Christian Bangel

Die Nachwendejahre waren besonders in Ostdeutschland von rechter Gewalt geprägt. Unsere Serie "Baseballschlägerjahre" erzählt von einer Zeit, die bis heute nachwirkt.

🗣 Alice Hasters referenziert bei ⏱ 00:24:47 „Die 90er Jahre in Deutschland werden gerade nochmal sehr viel reflektiert und diskutiert unter dem Begriff Baseballschlägerjahre. Die 90er Jahre waren eine sehr gewaltvolle, auch sehr rassistische Zeit.“

Alice Hasters verweist auf den von ZEIT-Autor Christian Bangel geprägten Begriff 'Baseballschlägerjahre', der die rassistische Gewalt der 1990er Jahre in Deutschland beschreibt. Sie nutzt ihn als Gegenargument zur verbreiteten Erzählung, die Nachwendezeit sei eine idyllische Phase gewesen.

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Triggerpunkte. Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft

Triggerpunkte. Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft

Steffen Mau

Studie von Steffen Mau zur tatsächlichen gesellschaftlichen Spaltung in Deutschland. Zentrale Erkenntnis: Die Gesellschaft ist weniger gespalten als angenommen. Große Mehrheit befürwortet menschenfreundliche Migrationspolitik, lehnt Gendern ab. Zeigt Kluft zwischen medialer Wahrnehmung und tatsächlicher Bevölkerungsstimmung.

🗣 Alice Hasters referenziert bei ⏱ 00:50:55 „Im Sommer ist eine große soziologische Studie rausgekommen. Ich glaube, der Mann heißt Steffen Mau, ein Soziologe, der beschrieben hat, über Jahre jetzt geforscht, dass die Gesellschaft in Wahrheit überhaupt nicht so gespalten ist, wie man manchmal annimmt.“

Alice Hasters bringt Steffen Maus Studie als Gegengewicht zur Annahme einer tief gespaltenen Gesellschaft ins Gespräch. Sie hebt zwei überraschende Ergebnisse hervor: eine große Mehrheit befürwortet einen menschenfreundlichen Umgang mit Migration, während das Gendern fast einhellig abgelehnt wird. Hasters nutzt die Studie, um ihre Sorge zu untermauern, dass Medien und Politik sich zu weit von der tatsächlichen Stimmung in der Bevölkerung entfernt haben könnten.

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The End of History and the Last Man

The End of History and the Last Man

Francis Fukuyama · 2006

Ever since its first publication in 1992, The End of History and the Last Man has provoked controversy and debate. Francis Fukuyama's prescient analysis of religious fundamentalism, politics, scientific progress, ethical codes, and war is as essential for a world fighting fundamentalist terrorists as it was for the end of the Cold War. Now updated with a new afterword, The End of History and the Last Man is a modern classic.

🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 01:08:04 „Also, ich glaube, das Einzige, wo ich Hoffnung schöpfen kann, ist eben Fukuyamas Idee vom Ende der Geschichte vehement abzulehnen. Dass ich denke, verabschieden von der Idee, dass irgendwas irgendwann mal zu Ende ist. Das war eine sehr, sehr schlechte Idee, finde ich, von einem Ende der Geschichte auszugehen.“

Auf die Frage nach Hoffnung angesichts multipler Krisen antwortet die Sprecherin, dass sie Fukuyamas These vom Ende der Geschichte entschieden ablehne. Diese Idee habe dazu geführt, dass wir vergessen hätten, dass unser Handeln Konsequenzen hat und wir historische Wesen sind. Gerade die Ablehnung dieser These gebe ihr den Raum, weiterzumachen.

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On Death and Dying

On Death and Dying

Elisabeth Kübler-Ross · 1969

Das Klassiker-Werk über die psychologischen Phasen der Trauer: Verdrängung, Wut, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. Ein fundamentales Buch zum Verständnis des menschlichen Umgangs mit Sterblichkeit und Verlust.

🗣 Alice Hasters referenziert bei ⏱ 01:10:26 „Und der zweite Teil beschreibt einen Trauerprozess mit diesen Phasen der Trauer, Verdrängung, Wutverhandeln, Depression und Akzeptanz.“

Alice Hasters beschreibt den zweiten Teil ihres Buches 'Identitätskrise', der auf dem Fünf-Phasen-Modell der Trauer von Elisabeth Kübler-Ross aufgebaut ist. Sie nutzt die klassischen Stufen (Verdrängung, Wut, Verhandeln, Depression, Akzeptanz) als Strukturprinzip für ihre Texte über den gesellschaftlichen Umgang mit Krisen.

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