Die sogenannte Gegenwart – Warum der Oktopus kein Zentrum hat
#046

Warum der Oktopus kein Zentrum hat

Die sogenannte Gegenwart / 13. Juni 2022 / 14 Medien

Lars Weisbrod, Ijoma Mangold

Was haben Oktopusse, Pilznetzwerke und Bitcoin gemeinsam? Sie alle funktionieren ohne Zentrale — und genau diesem Prinzip der Dezentralität widmet sich diese Folge. Statt einer reinen Krypto-Debatte geht es um die viel größere Frage: Wie verändert dezentrale Organisation Natur, Technik und Gesellschaft gleichermaßen?

„Es ist wirklich, als würde man ein neues Fenster aufmachen — mit einem bestimmten Sichtgerät Tatbestände, die man sonst anders beschrieben hat, unter diesem Aspekt beschreibbar machen zu können.“
🗣 Ijoma Mangold

Erwähnte Medien (14)

How Mushrooms Can Save the World

How Mushrooms Can Save the World

· 2011

Mycelium Running is a manual for the mycological rescue of the planet. That’s right: growing more mushrooms may be the best thing we can do to save the environment, and in this groundbreaking text from mushroom expert Paul Stamets, you’ll find out how. The basic science goes like this: Microscopic cells called “mycelium”--the fruit of which are mushrooms--recycle carbon, nitrogen, and other essential elements as they break down plant and animal debris in the creation of rich new soil.

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:01:30 „How Mushrooms Can Save the World heißt ein berühmtes Buch, wie Pilze die Welt retten können, nämlich dank ihrer Dezentralität.“

Als Beispiel für den Trend, Pilze und Dezentralität in der Natur zu feiern

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Entangled Life: How Fungi Make Our Worlds, Change Our Minds & Shape Our Futures

Entangled Life: How Fungi Make Our Worlds, Change Our Minds & Shape Our Futures

Merlin Sheldrake · 2020

The smash-hit Sunday Times bestseller that will transform your understanding of our planet and life itself. 'Astonishing ... it seems somehow to tip the natural world upside down' Observer 'Completely mind-blowing ... reads like an adventure story' Sunday Times *WINNER OF THE ROYAL SOCIETY BOOK PRIZE 2021* *WINNER OF THE WAINWRIGHT PRIZE FOR CONSERVATION WRITING 2021* The more we learn about fungi, the less makes sense without them.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:01:50 „How Mushrooms Can Save the World heißt ein berühmtes Buch, wie Pilze die Welt retten können, nämlich dank ihrer Dezentralität.“

Im Gespräch über Dezentralität als Naturphänomen wird ein bekanntes Buch über Pilze erwähnt, das beschreibt, wie Pilze dank ihrer dezentralen Organisation die Welt retten könnten. Der genaue Titel wird nur paraphrasiert, es könnte sich um Merlin Sheldrakes 'Entangled Life' oder ein ähnliches populärwissenschaftliches Pilzbuch handeln.

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Mycelium Running: How Mushrooms Can Help Save the World

Mycelium Running: How Mushrooms Can Help Save the World

Paul Stamets · 2011

Mycelium Running is a manual for the mycological rescue of the planet. That’s right: growing more mushrooms may be the best thing we can do to save the environment, and in this groundbreaking text from mushroom expert Paul Stamets, you’ll find out how. The basic science goes like this: Microscopic cells called “mycelium”--the fruit of which are mushrooms--recycle carbon, nitrogen, and other essential elements as they break down plant and animal debris in the creation of rich new soil.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:01:50 „How Mushrooms Can Save the World heißt ein berühmtes Buch, wie Pilze die Welt retten können, nämlich dank ihrer Dezentralität.“

Im Einstieg zum Thema Dezentralität wird das Buch als Beispiel für den Pilz-Trend genannt, der Dezentralität in der Natur feiert. Es wird als bekanntes Werk eingeführt, das die Rettung der Welt durch dezentrale Pilznetzwerke propagiert.

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The Medium is the Message

The Medium is the Message

Marshall McLuhan · 2005

Instead of giving the reader just another collection of articles and interviews, "McLuhan Unbound" gives readers offprints of the original essays.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:14:29 „Naja, man könnte sagen, seit Marshall McLuhan, das Medium ist die Botschaft. Das heißt, das Medium selber muss halt inszeniert werden.“

Im Gespräch über das Phänomen des 'Meta-Selfies' – bei dem die Selfie-Situation selbst von einem Fotografen fotografiert wird – verweist Mangold auf McLuhans berühmte These, dass das Medium selbst die Botschaft ist. Er nutzt McLuhan, um zu erklären, warum heute immer die Hinterbühne der Medienproduktion mitgezeigt werden muss.

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A Artikel

Artikel über Pilze in der FAS

Novina Gülsdorf

Feuilleton-Artikel von Novina Gülsdorf in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über die erstaunliche Intelligenz von Pilzen. Der Artikel beschreibt, wie Myzel-Netzwerke lernen, sich erinnern und Entscheidungen treffen können – obwohl sie kein zentrales Gehirn haben.

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:20:11 „Ich lese mal was vor in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Im Feuilleton war ein Aufmacher über Pilze, über die Pilze, die die Welt retten. Wer hat den geschrieben? Jetzt erwischst du mich auf dem falschen Fuß.“

Lars Weisbrod liest aus einem FAS-Feuilleton-Aufmacher von Novina Gülsdorf über die Intelligenz von Pilzen vor. Der Artikel beschreibt, wie Myzel-Netzwerken eine erstaunliche Intelligenz zugeschrieben wird – sie können lernen, sich erinnern und Entscheidungen treffen, obwohl sie kein Gehirn und keine zentrale Steuerungsinstanz haben.

Zum Artikel bei FAZ Details
My Octopus Teacher

My Octopus Teacher

· 2020

Acht Jahre lang hat der Freitaucher Craig Foster die seltene Tierwelt vor der Küste Südafrikas erforscht. Seine täglichen Beobachtungen eines wilden Tintenfischs, der in einem Kelpwald lebt, entwickeln sich zu einer engen Bindung, artenübergreifend und getrennt durch Millionen von Jahren der Evolution. Der Einfallsreichtum und der schnelle Witz des Tintenfisches zeugen von einer hoch entwickelten Intelligenz.

🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:21:35 „Ich kenne mich da null aus, aber es gibt ja einen sehr erfolgreichen Oscar-prämierten Film über den Oktopus.“

Im Kontext der Diskussion über dezentrale Intelligenz in der Natur wird ein Oscar-prämierter Film über den Oktopus erwähnt. Es handelt sich sehr wahrscheinlich um 'My Octopus Teacher' (2020), der 2021 den Oscar für den besten Dokumentarfilm gewann. Der Oktopus wird als Beispiel für ein empathiefähiges Lebewesen mit dezentralem Nervensystem angeführt.

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Star Trek: Discovery

Star Trek: Discovery

· 2017

Im Mittelpunkt der Serie steht das Raumschiff U.S.S. Discovery mit der Registriernummer NCC-1031. Die Handlung ist in der Hauptzeitlinie angesiedelt, d. h. nicht in der Kelvin-Zeitlinie, in der die Reboot-Kinofilme spielen. – Die Serie spielt zehn Jahre vor „Raumschiff Enterprise“ und die Hauptrolle ist nicht der Captain des Schiffes, sondern das weibliche Crewmitglied Michael Burnham.

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:29:32 „Beschäftigte sich die ganze erste Staffel der neuen Star-Trek-Serie Discovery, die vor drei Jahren oder so lief, damit, dass irgendwie die Enterprise plötzlich nicht mehr einen Antimaterie-Materie-Antrieb hatte, oder was die sonst immer sagen, sondern einen Pilzantrieb. Sie reden immer davon, dass es im Universum ein Netzwerk aus Myzelen gibt und auf denen reisen sie irgendwie.“

Lars Weisbrod nutzt die Serie als Beispiel dafür, wie das Pilz-Paradigma die Popkultur durchdringt. Das harte Physik-Paradigma der klassischen Star-Trek-Welt wird durch eine biologische Pilz-Metapher abgelöst — für ihn ein Zeichen des kulturellen Trends zur Dezentralität und zu organischen Netzwerkstrukturen.

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Star Trek: Picard

Star Trek: Picard

· 2020

Viele Jahre sind vergangen, seit Jean-Luc Picard das Flagschiff der Föderation, die Enterprise, befehligte. Nun hat er sich fernab des Trubels auf das Weingut seiner Familie zurückgezogen. Doch als eine junge Frau dort völlig verzweifelt auftaucht und ihn um Hilfe bittet wird schnell gewahr, dass Picards Tage als Käpt’n eines Raumschiffs noch lange nicht vorbei sein sollen ….

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:30:12 „In der anderen neuen Star Trek Serie, Picard, in der zweiten Staffel, passiert etwas ganz Interessantes mit den Aliens, mit dem Volk der Borg.“

Die Borg werden in der neuen Serie als positive, konsensbasierte Utopie eines dezentralen Kollektivs dargestellt

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Vertrauen. Ein Mechanismus zur Reduktion von sozialer Komplexität

Vertrauen. Ein Mechanismus zur Reduktion von sozialer Komplexität

Niklas Luhmann · 1968

Study of theoretical aspects of social psychology, with particular reference to self-confidence and confidence in others and the effect thereof on human relations and behaviour. References, and bibliography pp. 97 to 103.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:46:18 „Von Niklas Luhmann gibt es auch aus den frühen 70er Jahren einen schönen schmalen Band, der heißt »Vertrauen«. Mit dem selbsterklärenden Untertitel »Ein Mechanismus zur Reduktion von sozialer Komplexität«. Der Gedanke dahinter ist simpel wie unabweisbar.“

Im Gespräch über die Rolle von Vertrauen in dezentralen Systemen bringt Mangold Luhmanns Klassiker als theoretische Fundierung ein. Das Buch erklärt, warum komplexe Gesellschaften nur funktionieren, weil wir permanent Unbekannten Vertrauen entgegenbringen — ein Argument, das Mangold gegen eine naive Verteufelung von Vertrauen ins Feld führt, wie sie in der Krypto-Szene manchmal anklingt.

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Digital Socialism

Digital Socialism

Evgeny Morozov

Morozov untersucht, wie dezentrale Formen sozialistischer Koordination durch moderne Daten-Infrastrukturen möglich werden könnten. Anstelle von Preismechanismen oder zentraler Planung könnte Big Data als Grundlage für nicht-marktwirtschaftliche soziale Organisationen dienen. Der Artikel revisitiert Hayeks berühmtes Argument gegen sozialistische Planwirtschaft im Zeitalter von Algorithmen und massiver Datenverarbeitung.

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:54:45 „Hat mir mal sehr gut vermittelt der Netzdenker, Netzkritiker, ich hoffe ich spreche den Vornamen richtig aus, Evgenij Morozov, der in meiner Lieblingszeitschrift New Left Review einen Artikel über Digital Socialism geschrieben hat, ich werde ihn unten verlinken.“

Lars Weisbrod empfiehlt begeistert einen Artikel von Evgeny Morozov in der New Left Review, der eine dezentrale sozialistische Alternative zum Markt entwirft. Morozovs These: Eine sozialistische Planwirtschaft müsste heute nicht mehr zentral sein, sondern könnte dezentral funktionieren — etwa durch Big Data statt Preismechanismen. Weisbrod kommt im Gespräch mehrfach auf diesen Text zurück und kündigt an, ihn unter der Folge zu verlinken.

Zum Artikel bei Newleftreview.org Details
The Second Coming

The Second Coming

William Butler Yeats · 1986

Provides an account of the writer's life, work, and place within a literary tradition.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:06:27 „Dichter William Butler, Yates, »The Center Cannot Hold«, das ist ein berühmtes Gedicht, das hat er nach dem Ersten Weltkrieg geschrieben, 1919, »The Second Coming«, also die Wiederkunft, sehr stark in so einer christlichen Bildsprache eingefangen. Und da gibt es gewissermaßen die Vorstellung, das heißt, »Things fall apart, the center cannot hold«.“

Mangold zitiert Yeats' Gedicht von 1919, um eine gegenläufige Semantik zur Dezentralitäts-Begeisterung aufzuzeigen: In der älteren Tradition ist das Zerbrechen des Zentrums eine Schreckensvorstellung, ein Vorbote der Apokalypse. Er kontrastiert damit die moderne positive Bewertung von Dezentralität mit der historischen Angst vor dem Verlust der zentralen Ordnung.

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A Cyborg Manifesto

A Cyborg Manifesto

Donna Haraway · 2016

Electrifying, provocative, and controversial when first published thirty years ago, Donna Haraway's 'Cyborg Manifesto' is even more relevant today, when the divisions that she so eloquently challenges of human and machine but also of gender, class, race, ethnicity, sexuality, and location are increasingly complex.

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:08:17 „Donna Haraway, die Philosophin, zitiere ich hier manchmal, auf sie geht das zurück, auch eine Hoffnung, dass der Mensch aus dem Mittelpunkt rückt. Donna Haraway hätte auch noch die Borg mit dazu genommen, weil sie natürlich Cyborg-Fan ist.“

Im Kontext des Posthumanismus und der Überwindung des Anthropozentrismus wird Donna Haraway als Urheberin dieser Denkrichtung genannt. Ihre berühmte Cyborg-Theorie wird implizit referenziert, wenn Lars Weisbrod sie als 'Cyborg-Fan' bezeichnet, der Technik, Natur und Pilze gleichberechtigt nebeneinander stellen will.

Zum Artikel bei Supersummary.com Details
Tausend Plateaus (Mille Plateaux)

Tausend Plateaus (Mille Plateaux)

Gilles Deleuze, Félix Guattari · 1992

‘A rare and remarkable book.' Times Literary Supplement Gilles Deleuze (1925-1995) was Professor of Philosophy at the University of Paris VIII. He is a key figure in poststructuralism, and one of the most influential philosophers of the twentieth century. Félix Guattari (1930-1992) was a psychoanalyst at the la Borde Clinic, as well as being a major social theorist and radical activist.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:09:27 „Und zwei der glänzendsten Vertreter waren Félix Guattari und Gilles Deleuze. Und die sind auch mit einem Gedankenmodell berühmt geworden, das ausdrücklich antihierarchisch war. Die haben die Metapher oder das Bild des Rhizoms eben genutzt.“

Mangold erinnert sich an sein Studium in den 90er Jahren und den Poststrukturalismus. Er beschreibt, wie Deleuze und Guattari den hierarchischen Wissensbaum durch das Rhizom als antihierarchisches Ordnungsmodell ersetzen wollten — ein Wurzelgeflecht ohne Zentrum, analog zum Pilzmyzel. Mangold findet diese Idee hochattraktiv und sieht darin eine intellektuelle Vorgeschichte heutiger dezentraler politischer Utopien.

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Encyclopédie

Encyclopédie

Denis Diderot / Voltaire · 2018

Encyclop�die de Diderot et d'Alembert - Volume 22 - TROENE-VINGTIEMEEncyclop�die, ou Dictionnaire raisonn� des sciences, des arts et des m�tiers1751-1772La Biblioth�que des Classiques pr�sente une r��dition de l'Encyclop�die de Diderot et d'Alembert, dans son int�gralit�, en 23 volumes.Symbole de l'oeuvre des Lumi�res, elle a �t� inspir�e par l'encyclop�die anglaise Chambers.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:09:49 „Bis dahin war die zentrale Metapher, auch noch bei Voltaire und Diderot, als sie die Enzyklopädie schrieben, der des Wissensbaumes, wo gewissermaßen aus der Wurzel heraus nach oben hin in einer Taxonomie sich die verschiedenen Wissensbereiche entfalten.“

Mangold erwähnt die Enzyklopädie von Diderot als Gegenmodell zum Rhizom von Deleuze/Guattari. Die Enzyklopädie verkörpert die ältere, hierarchische Wissensordnung des Baumes mit einer zentralen Wurzel, von der aus sich das Wissen taxonomisch verzweigt — genau das Modell, das die Poststrukturalisten überwinden wollten.

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