Warum kann Alice Weidel nur sarkastisch reden
Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Anhand der Wahlplakate der Parteien nehmen sich die drei den laufenden Bundestagswahlkampf vor — mit der Leitfrage, ob das Plakatierte noch irgendetwas mit der erlebten Wirklichkeit zu tun hat. Besonderes Augenmerk gilt dabei Alice Weidels rhetorischem Dauersarkasmus und der Frage, was dieser Ton über die politische Kultur verrät.
„Unsere Leitfrage, der wir nachforschen, ist, wie sehr bildet ein solcher Wahlkampf eigentlich die Gegenwart ab oder findet das alles auf einem anderen Planeten statt.“
Erwähnte Medien (4)
Engel-Gemälde
Marc Chagall
Marc Chagall malte zahlreiche Engel-Motive, die sich durch ihre spirituelle und poetische Ausstrahlung auszeichnen. Im Podcast wird eines dieser Werke als Gedankenbrücke genutzt: Wie Schüler im Religionsunterricht ein Bild zunächst beschreiben und dann interpretieren, wird dieselbe Methode auf die Analyse von Wahlplakaten übertragen. Chagalls Engel symbolisieren hier ein methodisches Prinzip – das bewusste Trennen von Beschreibung und Deutung als analytischer Ansatz.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:21:22 „Ich muss bei diesen Sachen immer dran denken, was wir früher im Religionsunterricht, ja, hat unser Religionslehrer immer am Overhead-Projektor so ein Bild an die Wand geworfen. Irgendwie Marc Chagall, der irgendeinen Engel gemalt hat oder so. Und dann sollten wir darüber sprechen.“
Lars Weisbrod nutzt eine Erinnerung an den Religionsunterricht als Analogie für die Methode, mit der sie die Wahlplakate analysieren wollen: erst beschreiben, dann interpretieren. Das konkrete Chagall-Werk wird nicht beim Titel genannt, nur als Engel-Motiv erinnert.
Küchengespräche
Robert Habeck · 1985
Politische Gesprächsreihe, in der der Moderator Bürger verschiedener Lebenswelten in ihren Küchen besucht und mit ihnen über aktuelle Themen diskutiert. Das Format schafft einen intimen Rahmen für authentische Dialoge, auch wenn die Inszenierung spürbar bleibt.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:26:56 „Ich wollte jetzt nur sagen, aber natürlich sind vielleicht bei den Grünen die Plakate fast am unwichtigsten, weil die sich ja jetzt sehr viel Mühe gegeben haben, auf anderen Kanälen mit anderen Mitteln diesen Wahlkampf zu bestreiten. Stichwort, das muss jetzt einmal fallen, ist fast schon überdiskutiert worden, aber Habecks Küchengespräche.“
Die Runde diskutiert die Wahlkampfstrategien der Grünen und kommt auf Habecks Videoformat 'Küchengespräche' zu sprechen, bei dem er Bürger in deren Küchen besucht und mit ihnen über politische Themen redet. Ijoma Mangold hat sich drei Folgen angeschaut – mit einer Erzieherin, der Bild-Chefredakteurin Marion Horn und einem schleswig-holsteinischen Bauern – und beschreibt das Format als inszeniert, aber durchaus gelungen. Nina Pauer kritisiert es als 'Circle-Jerk', bei dem sich Habeck und seine Gesprächspartner gegenseitig bespiegeln.
Artikel über Robert Habeck
Nina Pauer
Nina Pauer schrieb einen kurzen Text, in dem sie sich kritisch über Robert Habeck äußerte — offenbar war sie früher von ihm angetan, distanziert sich nun aber. Der Artikel löste heftige Reaktionen in den Kommentaren aus. Pauer beschreibt Habeck als jemanden, den sie einst als nahbar und 'relatable' empfand, der diesen Eindruck aber verloren hat.
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:28:27 „Habe ich auch mal kurz ganz Minitext, habe ich einen Minitext in der Zeit drüber geschrieben und es wirklich gab Randale in den Zeit-Online-Kommentaren. Also, falls ihr noch kein Zeit-Online-Abo habt, könnt ihr eins abschließen und da auch in den Kommentaren randalieren, wenn ich was gegen Habeck sage.“
Nina Pauer erwähnt einen eigenen kurzen Text in der Zeit, in dem sie sich kritisch über Robert Habeck geäußert hatte. Sie erzählt, dass der Artikel heftige Reaktionen in den Zeit-Online-Kommentaren ausgelöst habe. Der Kontext ist ihre Beobachtung, dass sie Habeck früher als nahbar und 'relatable' empfand, ihn aber mittlerweile anders wahrnimmt.
Wahlkampfsong für die Grünen
Wir sind Helden
Wir sind Helden ist eine deutsche Pop-Rock-Gruppe aus Berlin um die Sängerin Judith Holofernes, die im Jahr 2000 gegründet wurde und zuletzt in Berlin ansässig war. Nach zwölf erfolgreichen Jahren gab die Gruppe Anfang April 2012 bekannt, auf unbestimmte Zeit zu pausieren. Werdegang Judith Holofernes, die Leadsängerin der Gruppe, trat schon vor der Gründung von Wir sind Helden als Solokünstlerin in kleineren Berliner Clubs auf und veröffentlichte auch eine eigene CD (Kamikazefliege).
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:35:59 „Das Ganze wird dann halt doch immer mit einer Zeile unterlegt, die der Besitz von Wir sind Helden, der hat ein Lied für den Grünen Wahlkampf geschrieben und dann zitiert Habeck eine Zeile, die da lautet, diese Reise willst du dabei sein und irgendwann steigen unsere Kinder ein.“
Ijoma Mangold beschreibt, wie Habecks Auftritte emotional aufgeladen werden – unter anderem durch einen eigens für den Grünen-Wahlkampf geschriebenen Song eines Mitglieds von Wir sind Helden. Habeck zitiert daraus die Zeile 'Diese Reise willst du dabei sein und irgendwann steigen unsere Kinder ein', was Mangold als Beispiel für den hohen 'Gefühlspegel' der Grünen-Kampagne anführt.