Die sogenannte Gegenwart – Haben Dinge eine Seele
#104

Haben Dinge eine Seele

Die sogenannte Gegenwart / 13. Januar 2025 / 6 Medien

Nina Pauer, Ijoma Mangold

Zum Jahresauftakt 2025 widmet sich die Folge der überraschenden Frage, ob Dinge eine Seele haben — jenseits der üblichen kulturpessimistischen Konsumkritik. Statt über die Masse an Besitz zu klagen, geht es um die auratische, identitätsstiftende Kraft von Gegenständen, die als psychische Stabilisatoren wirken können. Im Gegenwartscheck berichtet Ijoma Mangold von einer Geschäftsidee aus der Startup-Welt: Bone Broth, also Knochenbrühe, hochpreisig vor Berliner Clubs verkauft.

„Die Dinge haben eine andere Seite, eine spirituelle oder zumindest eine auratische, eine Seite, die wir nutzen können, um aus ihr auch so etwas wie unsere eigene Identität zu schöpfen oder zu erschaffen.“
🗣 Ijoma Mangold

Erwähnte Medien (6)

Artikel über Treadwives im Zeit-Feuilleton

Artikel über Treadwives im Zeit-Feuilleton

Berit Dieselkämper

Das Phänomen der Treadwives bezeichnet Frauen, die auf Social Media ein aufwendig inszeniertes traditionelles Hausfrauen-Leben präsentieren – Backen, Putzen, Heimeligkeit als Content-Strategie. Berit Dieselkämper analysiert im Zeit-Feuilleton, wie hinter dem scheinbar einfachen, glücklichen Hausfrauenleben ein enormer Produktionsaufwand steckt: Jeder Handgriff wird inszeniert, gefilmt und optimiert. Das Paradox liegt darin, dass die Botschaft des mühelosen Glücks gerade durch extreme Mühe erzeugt wird. Der Artikel ordnet das Phänomen kulturell ein und beleuchtet, wie diese Accounts traditionelle Geschlechterrollen romantisieren und gleichzeitig als modernes Influencer-Business funktionieren.

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:11:55 „Wir hatten einen schönen Text im Zeitfeuilleton von Berit Dieselkämper, die schon nochmal toll beschrieben hat, wie aufwendig das Ganze sein muss. Also dass der Content ist, natürlich das Glück zu zeigen, aber die Aufwendigkeit von jedem einzelnen Arbeitsschritt.“

Im Gespräch über das Phänomen der Treadwife-Accounts auf Social Media und deren verschiedene Rezeptionsformen wird ein Artikel von Berit Dieselkämper aus dem Zeit-Feuilleton als lesenswerte Analyse hervorgehoben, die die aufwendige Inszenierung hinter dem scheinbar einfachen Hausfrauenleben beschreibt.

Zum Artikel bei ZEIT Online Details
Der Trost der Dinge

Der Trost der Dinge

Daniel Miller · 2010

Bad Times at the El Royale ist ein US-amerikanischer Mystery-Thriller mit Elementen des Neo-Noir-Films aus dem Jahr 2018. Die Handlung dreht sich um sieben Personen, die in einer Nacht des Jahres 1969 im heruntergekommenen Hotel El Royale am Lake Tahoe zusammentreffen und deren dunkle Geheimnisse und Pläne im Laufe des Geschehens miteinander kollidieren.

🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:43:54 „Der richtige Moment, um ein Buch, das schon ein bisschen älter ist, von einem Ethnologen, Daniel Miller, der lehrt in London. Der Trost der Dinge ist 2010 bei Surkamp erschienen und das ist der Versuch einer Alltags-Ethnologie, wo er in einer bestimmten Straße in London an Haustüren klopft, um ein Bild der Lebensgeschichten zu finden, aber nicht indem er die Leute direkt fragt, sondern zeigt mir eure Wohnung und erzählt mir etwas über die Dinge.“

Ijoma Mangold empfiehlt dieses Buch als passende Vertiefung zum Thema der Folge. Der Ethnologe Daniel Miller zeigt darin, dass Dinge nicht bloß entseeltes Industrieprodukt sind, sondern dass wir sie beseelen, indem wir sie uns aneignen und in unsere persönliche Geschichte einbauen – selbst Wertloses kann so einen auratischen Wert bekommen.

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Die unendliche Geschichte

Die unendliche Geschichte

Michael Ende

Ein geheimnisvolles Buch schlägt Bastian in seinen Bann: Die unendliche Geschichte. Begeistert nimmt er teil an den wilden Abenteuern ihres Helden Atréju und an dessen gefährlichen Auftrag: Das Traumreich Phantásien und seine Herrscherin, die Kindliche Kaiserin, zu retten. Mit der Zeit jedoch spürt Bastian, dass er mehr als nur ein unbeteiligter Zuschauer ist.

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:45:33 „Oder wie heißt das in der unendlichen Geschichte? Das ist ja diese Schlangenkette, das Aurin.“

Nina Pauer verweist auf das Aurin aus der Unendlichen Geschichte als Beispiel für ein magisches Ding, das seinen Träger mit Macht und Bedeutung auflädt – passend zur Diskussion über die Beselung von Gegenständen und deren symbolische Kraft.

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Magic Cleaning

Magic Cleaning

Marie Kondo · 2017

Bei diesem Buch handelt es sich um einen Auszug aus dem Weltbestseller Magic Cleaning - Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert. Er versammelt die praktischsten und am schnellsten umsetzbaren Tipps. Entdecken Sie die Magie des Aufräumens und befreien Sie sich von unnötigem Ballast, sodass Sie zu einem ausgeglichenen Menschen werden!

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:46:41 „Auch bei Marie Kondo war ja in ihrer Aufräumfibel am Ende, du solltest ja nicht was aussortieren, einfach knallhart, sondern du solltest ja jedes Ding in die Hand nehmen und sagen, danke, dass du mich so lange begleitet hast, jetzt darfst du gehen.“

Lars Weisbrod verweist auf Marie Kondos Aufräum-Methode als modernes Beispiel für die Beselung von Dingen. In ihrer Philosophie, die im japanischen Shintoismus wurzelt, soll man sich respektvoll von Gegenständen verabschieden, damit der Geist des Dings zu einem guten Abschluss kommt.

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Mensonge romantique et vérité romanesque

Mensonge romantique et vérité romanesque

René Girard · 2014

Don Quichotte ne désire pas spontanément ; il imite Amadis de Gaule, le médiateur de ses désirs. Dans le monde moderne, le médiateur n'est plus légendaire mais réel ; le disciple désire le même objet que son modèle, il se voit donc perpétuellement contrecarré par celui-ci et, loin de le vénérer comme Don Quichotte vénérait Amadis, il dénonce en lui un rival injuste ou même un persécuteur diabolique.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:56:25 „Ach, das ist hochinteressant, weil da könnte man jetzt nochmal an René Girard, den großen Anthropologen von der Stanford University, Franzose, leider schon verstorben, erinnern, der ja so eine mimetische Theorie hat, ich habe die bestimmt hier irgendwann auch schon mal erwähnt, wonach wir die Dinge begehren, weil jemand anderes sie begehrt.“

Im Gespräch über die Aufladung von Dingen durch Influencer zieht Ijoma Mangold eine Parallele zu René Girards mimetischer Theorie: Wir begehren Dinge, weil andere sie begehren. Er wendet diese Theorie konkret auf das Influencer-Phänomen an – das Begehren des Influencers springt auf uns über. Ein konkreter Buchtitel wird nicht genannt, die mimetische Theorie ist aber vor allem mit Girards Hauptwerk assoziiert.

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Comicspezial

Comicspezial

Ein Comicspezial des Zeit Magazins beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen es schaffen, konzentriert Bücher zu lesen, während das Smartphone ständig Ablenkung bietet. Der Comic stellt das Smartphone metaphorisch als „Endgegnergerät" dar – eine Anspielung auf Video-Game-Terminologie, die die dominante Rolle des Gerätes in unserem Alltag humorvoll beleuchtet. Das Spezial thematisiert damit die digitale Dauererreichbarkeit und ihre Auswirkungen auf unsere Lesegewohnheiten und Konzentrationsfähigkeit.

🗣 Nina Pauer zitiert daraus bei ⏱ 01:06:09 „Ich habe jetzt gerade nochmal das Comicheft, das ganz tolle Comicspezial vom Zeitmagazin in der Hand gehabt. Da geht es in einem Comic darum, wie man noch lesen kann, wo so Leute angesprochen werden, die gerade ein Buch lesen und man fragt sie so, wie schafft ihr denn das zu lesen, ohne die ganze Zeit aufs Handy zu gucken und so. Und da wird das Smartphone das Endgegnergerät genannt.“

Nina Pauer zitiert ein Comicspezial des Zeit Magazins, in dem ein Comic das Smartphone als 'Endgegnergerät' bezeichnet. Der Comic handelt davon, wie Menschen es noch schaffen, Bücher zu lesen, ohne ständig aufs Handy zu schauen. Sie nutzt diese Referenz als Einstieg in das Thema Smartphone-Dominanz und digitaler Detox.

Zum Artikel bei ZEIT Online Details
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