Unter Pfarrerstöchtern – Jakob bekommt den Namen Israel
#018

Jakob bekommt den Namen Israel

Unter Pfarrerstöchtern / 31. Juli 2020 / 4 Medien

Sabine Rückert & Johanna Haberer

Jakob zieht nach 20 Jahren Exil zurück in die Heimat und steckt zwischen zwei Gefahren: Hinter ihm der wackelige Frieden mit Onkel Laban, vor ihm sein Bruder Esau, der ihn einst töten wollte — und nun mit 400 Mann anrückt. In panischer Strategie teilt Jakob seinen gesamten Besitz in zwei Lager, schickt Boten mit unterwürfigen Botschaften voraus und wirft dem Bruder verbal das geklaute Erstgeburtsrecht wieder zu Füßen, nur um irgendwo ankommen zu können.

„Er sitzt sozusagen zwischen Scylla und Charybdis. Er hat hinter sich seinen Onkel Laban, mit dem er in einem wackeligen Frieden geschieden ist. Er hat vor sich seinen Bruder Esau, der ihn vor 20 Jahren töten wollte.“
🗣 Sabine Rückert

Erwähnte Medien (4)

Psalmen

Psalmen

With an introd. by James Muilenburg. Translated by Thomas M. Horner.

🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:05:40 „In den Psalmen. Der Sound ist wie in den Psalmen. Entreiß mich doch der Hand meines Bruders, der Hand Esau.“

Sabine Rückert erkennt in Jakobs Gebet – dem laut Johanna ersten Gebet, das jemand in der Bibel für sich selbst spricht – den sprachlichen Klang der Psalmen wieder. Der Vergleich ordnet Jakobs Bitte literarisch ein.

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Die Schrift (Bibelübersetzung)

Die Schrift (Bibelübersetzung)

Martin Buber · 2019

Martin Bubers Bibelübersetzung "Die Schrift" ist eine alternative Übersetzung des hebräischen Bibeltextes, die sich durch bewusste und reflektierte Übersetzungsentscheidungen auszeichnet. Buber wählt beispielsweise "Gottheit" statt "Gott", um die Mehrdeutigkeit und theologische Offenheit des Originaltextes zu bewahren. Dies ist besonders für die Interpretation biblischer Szenen wie Jakobs Kampf relevant, wo solche sprachlichen Nuancen das Verständnis der Erzählung grundlegend prägen.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:15:55 „Martin Buber übersetzt, der jüdische Philosoph und Übersetzer, der übersetzt mit Gottheit. Du hast gegen eine Gottheit gekämpft. Also der lässt es auch offen.“

Im Gespräch über die Frage, ob Jakob mit seinem eigenen Gott oder einem fremden Gott kämpft, zieht Johanna Haberer Martin Bubers Bibelübersetzung heran. Bubers Übersetzungsentscheidung – 'Gottheit' statt 'Gott' – wird als bewusste Offenheit interpretiert, die die Ambivalenz der Szene bewahrt.

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Metamorphosen (Arachne-Sage)

Metamorphosen (Arachne-Sage)

Ovid · 2022

Die Weltgeschichte von der Schöpfung bis in die eigene Zeit – erzählt in einem einzigen fortlaufenden Gedicht von rund 12.000 Versen: In Ovids berühmtem Epos entsteht aus Altem immerzu Neues. Pflanzen, Steine, Gestirne, Tiere – alles hat seine Geschichte, zu jedem gibt es eine Erklärung, einen Mythos. Die berühmtesten dieser Verwandlungsgeschichten begegnen uns immer wieder in der bildenden Kunst; in dieser Ausgabe lassen sie sich in einer Prosaübersetzung entdecken.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:16:18 „Es gibt einen Kampf zwischen Mensch und Gott auch in der griechischen Mythologie. Und zwar zwischen zwei Frauen. Ganz interessant, fällt mir bei der Gelegenheit gerade ein. Das wollte ich dir noch schnell erzählen.“

Sabine Rückert erzählt ausführlich die Geschichte von Arachne und Pallas Athene als Parallele zum Kampf Jakobs mit Gott. Sie schildert den Webwettstreit, Athenes Zorn und die Verwandlung Arachnes in eine Spinne. Die Geschichte dient als Vergleich zwischen biblischem und griechisch-mythologischem Gotteskampf – wobei der griechische ein unseliges Ende nimmt.

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Josef und seine Brüder

Josef und seine Brüder

Thomas Mann

Diese vierteilige Romantetralogie interpretiert die biblische Geschichte des Josef neu und erforscht psychologisch die innere Komplexität der Figur. Die Erzählung verleiht dem biblischen Stoff literarische Tiefe und entwirrt religiöse sowie menschliche Dimensionen in einer ambivalenten Gegenüberstellung von Mythos und individueller Psychologie.

🗣 Johanna Haberer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:22:59 „Und ich möchte mal diese Begegnung vorlesen, wie sie der Thomas Mann beschreibt. In Josef und seine Brüder. Das ist so ambivalent und das macht auch den Esau wieder so klein, dass ich dieses Stück immer im Kopf hatte und aber gemerkt habe, dass es mich kontaminiert in meinem Verhältnis zu dem Esau.“

Johanna Haberer liest eine lange Passage aus Thomas Manns Roman vor, in der die Wiederbegegnung von Jakob und Esau geschildert wird. Sie zeigt, wie Manns Darstellung den Esau als panartigen, primitiven Charakter zeichnet und damit die Wahrnehmung dieser biblischen Figur nachhaltig geprägt hat. Beide Schwestern diskutieren anschließend, wie gemein und wertend diese Schilderung ist.

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