Unter Pfarrerstöchtern – Ein kleines Volk mit einer gigantischen Vision
#043

Ein kleines Volk mit einer gigantischen Vision

Unter Pfarrerstöchtern / 18. Juni 2021 / 7 Medien

Sabine Rückert & Johanna Haberer

Die Reise durch die fünf Bücher Mose erreicht das Deuteronomium — jenes Buch, das die meisten Bibelleser einfach überspringen. Es ist keine Erzählung mehr, sondern die große Abschiedsrede des alten Propheten Mose an sein Volk, ein Testament in Du-Form: Du sollst. Um die Entstehung dieses Textes zu verstehen, rekapitulieren die Schwestern die Teilung Israels in Nord- und Südreich nach Salomos Tod — mit Jerusalem als Hauptstadt der Underdogs, einer Stadt mit gerade einmal 800 Einwohnern.

„Es ist sozusagen konzipiert als eine Abschiedsrede des Mose. Des alten Propheten. Und es wird kein anderer mehr unter dem Volk Israel sein, denn dieser Prophet.“
🗣 Johanna Haberer

Erwähnte Medien (7)

How Odd of God to Choose the Jews

How Odd of God to Choose the Jews

William Norman Ewer · 2014

From the author of Jews, God, and History, this comprehensive history of the Jewish people is "an epic drama, searching and nobly conceived" ( Publishers Weekly). A compelling and readable account of the four thousand year history of a people that spans the globe and transcends the ages. From the ancient and simple faith of a small tribe to a global religion with adherents in every nation, the path of the Jews is traced through countless expulsions and migrations, the great tragedy of the Holoca...

🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:08:44 „»How ought of God to choose the Jews?« Schreibt ein jüdischer Journalist William Norman Iver. Und dann gibt es eine anonyme Antwort drauf. Not so odd, the Jews chose God.“

Johanna Haberer zitiert den berühmten Zweizeiler von William Norman Ewer und die anonyme Antwort darauf, um in das Thema des jüdischen Selbstverständnisses als erwähltes Volk einzuführen. Das Wortspiel leitet über zu Amos Oz' Reflexion über das Verhältnis von Juden zu ihrem Gott und seinem Gesetz.

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Jews and Words

Jews and Words

Amos Oz

Amos Oz und seine Tochter Fania Oz-Salzberger erforschen die zentrale Rolle von Wort, Schrift und Debatte in der jüdischen Tradition. Das Buch zeigt, wie das Judentum seit Jahrtausenden auf kritischem Hinterfragen und intensivem Austausch über religiöse Texte basiert – nicht auf unhinterfragtem Gehorsam. Es ist eine intellektuelle Auseinandersetzung mit der Frage, was Judentum als kulturelle und geistige Haltung ausmacht.

🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:09:05 „Und dann schreibt Amos Os und seine Tochter dazu, die Juden erwählten Gott und übernahmen sein Gesetz. Oder sie dachten ihn sich aus und erließen dann das Gesetz. Was zuerst kam, wissen wir nicht. Äonen aber vergingen und sie sind immer noch dabei. Es geht ihnen um Urteilsvermögen, nicht Ehrfurcht. Und nichts bleibt unumstritten.“

Johanna Haberer zitiert aus dem gemeinsamen Buch von Amos Oz und seiner Tochter Fania Oz-Salzberger, um den jüdischen Umgang mit Worten und Texten zu illustrieren. Das Zitat verdeutlicht die Kernidee, dass im Judentum das Fragen und Streiten über das Gesetz wichtiger ist als bloße Ehrfurcht – eine Haltung, die sich im Deuteronomium bereits zeigt.

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Die Juden und die Worte

Die Juden und die Worte

Amos Oz

In diesem Werk untersuchen Amos Oz und seine Tochter Fania Oz-Salzberger das historische Verhältnis der Juden zu Worten und Texten. Sie erörtern, wie das jüdische Volk seine Beziehung zu Gott und zu den biblischen Schriften gestaltete – zwischen Übernahme von Gesetz und eigenständiger Interpretation. Das Buch bietet tiefe Einblicke in die jüdische Textkultur und deren existenzielle Bedeutung für die Religionsausübung.

🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:09:53 „Und dann schreibt Amos Os und seine Tochter dazu, die Juden erwählten Gott und übernahmen sein Gesetz. Oder sie dachten ihn sich aus und erließen dann das Gesetz.“

Johanna zitiert aus dem gemeinsam mit Tochter Fania Oz-Salzberger verfassten Buch über das Verhältnis der Juden zu Worten und Texten, um den jüdischen Umgang mit den biblischen Schriften zu erläutern.

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Gott. Eine Biografie

Gott. Eine Biografie

Jack Miles · 2001

Five years after his everywhere-acclaimed, brilliantly successful, Pulitzer Prize-winning book about God as portrayed in the Old Testament--God: A Biography--Jack Miles gives us his striking consideration of Christ. He presents Christ as a hero of literature based only in part on the historical Jesus, asking us to take the idea of Christ as God Incarnate not as a dogma of religion but as the premise of a work of art, the New Testament.

🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:09:54 „Ich habe natürlich in unserem Buch Jack Miles Gott eine Biografie nachgeschlagen und auch dort wird das Deuteronomium gewürdigt.“

Sabine zitiert ausführlich aus dem Buch, um die Bedeutung des Deuteronomiums einzuordnen. Es werden mehrere längere Passagen daraus vorgelesen.

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Und wenn alles ganz anders war

Und wenn alles ganz anders war

Der Artikel erörtert die definitorischen und beweistechnischen Schwierigkeiten bei der Verfolgung von Kindesmissbrauch. Experten wie der Erziehungswissenschaftler Reinhart Wolff und der Forensiker Udo Undeutsch zeigen auf, dass es weder standardisierte Testverfahren noch eindeutige Symptome gibt, die sexuelle Misshandlung sicher nachweisen. Besonders bei Jahrzehnte zurückliegenden Fällen sind Zeugenberichte durch Erinnerungslücken, Suggestionen und nachträgliche Rekonstruktionen so kompromittiert, dass die Wahrheit oft nicht zu ermitteln ist. Der Autor warnt daher vor voreiligen öffentlichen Urteilen gegen Institutionen und Personen auf Grundlage unbewiesener Vorwürfe und fordert stattdessen zunächst eine wissenschaftlich fundierte Darstellung der Vorgänge.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:25:56 „Auf der Wissensseite der Süddeutschen Zeitung stand kürzlich, und wenn alles ganz anders war, war die Überschrift. Ein sehr interessanter Artikel darüber, dass man sich eigentlich auf die eigene Erinnerung nur sehr bedingt verlassen kann.“

Sabine Rückert bringt einen Artikel aus der Süddeutschen Zeitung in die Diskussion ein, der die Unzuverlässigkeit menschlicher Erinnerung thematisiert. Sie nutzt den Artikel als Brücke zur Bibelexegese: Wenn schon individuelle Kindheitserinnerungen durch die gegenwärtige Stimmung verzerrt werden, wie zuverlässig kann dann die kollektive Erinnerung eines Volkes sein, das seine Geschichte im Exil rekonstruiert?

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung Details
R Studie

Retrospective Reports of Parenting and the Quality of Attachment in Adulthood

Marissa Nivison, Glenn Roisman

Entwicklungspsychologische Studie über die Verzerrung autobiografischer Erinnerungen. Untersucht, wie gegenwärtige Lebenssituationen retrospektive Berichte über Eltern-Kind-Beziehungen und Bindungsqualität im Erwachsenenalter beeinflussen. Zeigt, dass Kindheitserinnerungen stark durch aktuelle Lebenserfahrungen geprägt sind.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:26:15 „Entwicklungsforscher um Marissa Nivison und Glenn Roisman von der Universität of Minnesota haben gerade eine Studie vorgelegt, die dem Hang zur autobiografischen Selbstgewissheit einen Dämpfer verpasst. Im Fachjournal Psychological Science berichten die Wissenschaftler, dass das Verhältnis zu den Eltern in der Retrospektive recht verzerrt erinnert wird.“

Sabine Rückert referiert eine im Fachjournal Psychological Science veröffentlichte Studie von Forschern der University of Minnesota. Die Studie zeigt, dass retrospektive Erinnerungen an die eigene Kindheit stark von der gegenwärtigen Lebenssituation geprägt werden. Rückert nutzt diese Erkenntnis als Parallele zur biblischen Geschichtsschreibung im Deuteronomium.

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Geschichten vom Herrn Keuner

Geschichten vom Herrn Keuner

Bertolt Brecht · 2004

Bertolt Brechts Sammlung philosophischer Anekdoten und Dialoge, in denen der fiktive Charakter Herr Keuner Fragen des Lebens erörtert. Der ausgewählte Dialog behandelt das biblische Bilderverbot und zeigt die Gefahr auf, sich ein fertiges Bild von Menschen oder Dingen zu machen – dadurch versteht man sie nicht mehr wirklich. Brechts provokante These: Nicht der Entwurf sollte dem Menschen ähnlich werden, sondern der Mensch sich dem Entwurf anpassen – eine subtile Kritik am dogmatischen Denken.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:33:52 „Es gibt diesen wunderbaren Dialog unter den Texten von Bert Brecht, gibt es ja diese wunderbaren Geschichten vom Herrn K. Und der hat zu diesem zweiten Gebot einen sehr schönen kleinen Dialog geschrieben. Was tun Sie, wurde Herr K. gefragt, wenn Sie einen Menschen lieben? Ich mache einen Entwurf von ihm, sagte Herr K. und sorge dafür, dass er ihm ähnlich wird.“

Im Gespräch über das biblische Bilderverbot (zweites Gebot) zieht Johanna Haberer eine Verbindung zu Brechts Geschichten vom Herrn Keuner. Sie nutzt den Dialog, um die Offenheit des Bilderverbots zu illustrieren: Wer sich ein fertiges Bild von etwas macht, hört auf, es wirklich zu verstehen. Brechts pointierte Umkehrung – nicht der Entwurf wird dem Menschen ähnlich, sondern der Mensch dem Entwurf – verdeutlicht diese Gefahr.

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