Geschichten vom Herrn Keuner
Bertolt Brecht · 2004
Bertolt Brechts Sammlung philosophischer Anekdoten und Dialoge, in denen der fiktive Charakter Herr Keuner Fragen des Lebens erörtert. Der ausgewählte Dialog behandelt das biblische Bilderverbot und zeigt die Gefahr auf, sich ein fertiges Bild von Menschen oder Dingen zu machen – dadurch versteht man sie nicht mehr wirklich. Brechts provokante These: Nicht der Entwurf sollte dem Menschen ähnlich werden, sondern der Mensch sich dem Entwurf anpassen – eine subtile Kritik am dogmatischen Denken.
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„Es gibt diesen wunderbaren Dialog unter den Texten von Bert Brecht, gibt es ja diese wunderbaren Geschichten vom Herrn K. Und der hat zu diesem zweiten Gebot einen sehr schönen kleinen Dialog geschrieben. Was tun Sie, wurde Herr K. gefragt, wenn Sie einen Menschen lieben? Ich mache einen Entwurf von ihm, sagte Herr K. und sorge dafür, dass er ihm ähnlich wird.“
Im Gespräch über das biblische Bilderverbot (zweites Gebot) zieht Johanna Haberer eine Verbindung zu Brechts Geschichten vom Herrn Keuner. Sie nutzt den Dialog, um die Offenheit des Bilderverbots zu illustrieren: Wer sich ein fertiges Bild von etwas macht, hört auf, es wirklich zu verstehen. Brechts pointierte Umkehrung – nicht der Entwurf wird dem Menschen ähnlich, sondern der Mensch dem Entwurf – verdeutlicht diese Gefahr.
„Auch die berühmten Keuner-Geschichten sind da drin. Eine passt ganz genau zu dieser Geschichte, die vielleicht berühmteste. Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten, sie haben sich gar nicht verändert. Oh, sagte Herr K. und er bleichte.“
Soboczynski zitiert die wohl berühmteste Keuner-Geschichte, um Brechts zentrales Thema der Veränderung zu illustrieren. Die Pointe – dass es für Herrn K. ein Albtraum ist, sich nicht verändert zu haben – spiegelt exakt das Motiv der 'Unwürdigen Greisin', die sich im Alter noch einmal komplett neu erfindet.
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