Unter Pfarrerstöchtern – David – genialer Stratege, aalglatter Machtpolitiker
#065

David – genialer Stratege, aalglatter Machtpolitiker

Unter Pfarrerstöchtern / 08. April 2022 / 7 Medien

Sabine Rückert & Johanna Haberer

Die Episode taucht ein in das zweite Buch Samuel und die Frage, warum es eigentlich nicht das Buch David heißt. Johanna Haberer ordnet die komplizierte Stammesstruktur Israels ein — zehn Stämme im Norden, Juda im Süden — und erklärt, wie David als Mann des Übergangs aus losen Nomadenstämmen erstmals ein vereintes Königreich schmiedete, das nur unter ihm und Salomo als eigenständiger Staat existierte.

„Der David ist ja ein Mann auf dem Übergang. Der David wird erst König, der installiert eigentlich oder der baut dieses Königtum erst aus.“
🗣 Johanna Haberer

Erwähnte Medien (7)

Keine Posaunen vor Jericho (The Bible Unearthed)

Keine Posaunen vor Jericho (The Bible Unearthed)

Israel Finkelstein und Neil Asher Silberman · 2015

Bisher diente biblische Archäologie zum Beweis der Heiligen Schrift. Die beiden international renommierten Archäologen drehen den Spieß um und lassen die Ausgrabungen eine eigene Sprache sprechen. Ihr dramatisch neues, archäologisch fundiertes Bild von der Geschichte Israels zwingt zum Umdenken. Der Auszug aus Ägypten, die Einnahme Kanaans, das Großreich unter König David und der Tempelbau in Jerusalem unter König Salomon galten lange auch bei den kritischsten Wissenschaftlern als gesichert.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:06:46 „Die frühen Israeliten waren, ein Gipfel der Ironie, selbst ursprünglich Kanaanäher, schreiben Israel Finkelstein und Nile Silbermann.“

Sabine Rückert zitiert Finkelstein und Silberman über van Schaik/Michel, um die These zu stützen, dass eine Landnahme Kanaans nie stattgefunden hat und die vereinte Monarchie ein literarisches Konstrukt ist. Die Autoren werden namentlich als Quelle genannt.

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Das Tagebuch der Menschheit – Was die Bibel über unsere Evolution verrät

Das Tagebuch der Menschheit – Was die Bibel über unsere Evolution verrät

Carel van Schaik, Kai Michel · 2017

Gott wirft Adam und Eva aus dem Paradies, die Arche Noah übersteht die Sintflut, und Jesus von Nazareth erweckt Tote zum Leben – die faszinierenden Geschichten der Bibel sind fester Bestandteil unserer Kultur. Und doch stecken sie voller Rätsel und Widersprüche, die auch jahrhundertelange theologische Kontroversen nicht lösen konnten. Der Evolutionsbiologe Carel van Schaik und der Historiker Kai Michel legen nun erstmals eine verborgene Seite der Bibel frei.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:08:30 „damit haben sich auch unsere Begleithistoriker Karel van Schaik und Kai Michel auseinandergesetzt in ihrem Tagebuch der Menschheit, in dem sie die Bibel evolutionär und historisch erklären“

Wird als Referenzwerk herangezogen, um die historische Einordnung des Nordreich-Südreich-Problems zu erläutern

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Antigone

Antigone

Sophokles

Klassische griechische Tragödie des Sophokles über Antigone, die ihren Bruder trotz königlichen Verbots beerdigt – ein zentrales Werk über Pflicht, Gehorsam und die kulturelle Notwendigkeit von Bestattungsritualen. Das Stück handelt vom Konflikt zwischen staatlichem Gesetz und moralischer Pflicht gegenüber Familie und Toten.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:23:23 „Wir kennen das ja auch aus der Antigone, wo sich eine ganze Tragödie darum entspinnt, dass der Bruder der Antigone nicht begraben wird, nachdem er getötet wurde. Und das soll also eine nachträgliche postmortale Strafe für ihn sein, die ihn treffen soll, weil er dann nicht in die Unterwelt eingehen kann.“

Sabine Rückert zieht die griechische Tragödie als Parallele zur biblischen Bestattungsthematik heran. Die Antigone dient als Beispiel dafür, dass der Drang, Tote zu begraben, eine kulturübergreifende Konstante ist – wer nicht begraben wird, dessen Seele findet keine Ruhe.

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Interview mit Thomas W. Laqueur über Bestattungskultur

Interview mit Thomas W. Laqueur über Bestattungskultur

Die Süddeutsche Zeitung spricht mit dem amerikanischen Historiker Thomas W. Laqueur über die kulturhistorische Bedeutung von Totenresten. Laqueur, dessen soeben bei Princeton University Press erschienenes Werk „The Work of the Dead" sich auf über 700 Seiten mit diesem Thema auseinandersetzt, untersucht die paradoxe menschliche Praxis, die Toten zu besuchen und zu betrauern – obwohl wir wissen, dass Identität und Seele nicht an verwesenden Überbleibseln haften. Der Artikel erkundet, warum Menschen dennoch zu Allerheiligen, Allerseelen und anderen Anlässen diesen Bräuchen nachgehen und was dies über unsere Kultur aussagt.

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:24:09 „Und da bin ich mal ins Archiv gestiegen und habe dort gefunden ein Interview mit einem Mann, der sich ein amerikanischer Historiker und Kulturwissenschaftler, der heißt Thomas W. Clackeur, und der wurde von der Süddeutschen Zeitung interviewt, was es damit auf sich hat, dass wir Menschen begraben.“

Sabine Rückert hat im Archiv ein Interview der Süddeutschen Zeitung mit dem Kulturwissenschaftler gefunden, das sie ausführlich zitiert. Das Interview behandelt die Frage, warum Menschen ihre Toten begraben, und liefert den kulturhistorischen Rahmen für die biblische Bestattungsszene.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung Details
The Work of the Dead – A Cultural History of Mortal Remains

The Work of the Dead – A Cultural History of Mortal Remains

Thomas W. Laqueur · 2018

The meaning of our concern for mortal remains—from antiquity through the twentieth century The Greek philosopher Diogenes said that when he died his body should be tossed over the city walls for beasts to scavenge. Why should he or anyone else care what became of his corpse? In The Work of the Dead, acclaimed cultural historian Thomas Laqueur examines why humanity has universally rejected Diogenes's argument. No culture has been indifferent to mortal remains.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:24:33 „Er hat ein Buch geschrieben, 700 Seiten dickes Werk, das heißt »The Work of the Dead – A Cultural History of Mortal Remains«, also die Kulturhistorie der Überbleibsel, der sterblichen Überbleibsel, und wird von der Süddeutschen gefragt.“

Im Kontext der biblischen Bestattung Sauls recherchiert Sabine Rückert, warum Menschen überhaupt Tote begraben. Sie zitiert ausführlich ein Interview der Süddeutschen Zeitung mit dem amerikanischen Kulturwissenschaftler Thomas W. Laqueur, der in seinem 700-seitigen Werk die Kulturgeschichte des Umgangs mit sterblichen Überresten aufarbeitet.

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Artikel über die Bestattung des Boston-Marathon-Attentäters

Artikel über die Bestattung des Boston-Marathon-Attentäters

Nach dem Tod von Tamerlan Tsarnaev, einem der beiden Täter des Boston-Marathon-Anschlags vom April 2013, gestaltete sich die Suche nach einem Begräbnisort als außergewöhnlich schwierig. Friedhöfe in Massachusetts und anderen US-Bundesstaaten verweigerten die Beisetzung, Bürger protestierten lautstark gegen jede mögliche Grabstätte. Der Fall wirft grundlegende Fragen über das kulturelle und religiöse Recht auf ein würdiges Begräbnis auf – selbst für Menschen, die schwere Verbrechen begangen haben. Die Kontroverse zeigt, wie tief das Bedürfnis nach symbolischer Ausgrenzung in Trauerpraktiken verankert ist.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:28:48 „Ich habe dann auch noch die Geschichte gefunden, wie der Bürgermeister von Boston verzweifelt versucht, einen Ort zu finden, an dem der sogenannte Marathon-Attentäter von Boston begraben werden sollte. Niemand will die Leiche dieses bei dem Anschlag selbst umgekommenen Terroristen haben. Und darum gibt es einen ganzen Artikel in der Neuen Züricher Zeitung.“

Als modernes Beispiel für die kulturelle Bedeutung von Bestattungen erwähnt Sabine Rückert einen NZZ-Artikel über die verzweifelte Suche nach einem Bestattungsort für den Boston-Marathon-Attentäter. Niemand wollte dem Terroristen Erde auf seinem Friedhof gönnen – ein Beleg dafür, dass Bestattungsverweigerung bis heute als Strafe empfunden wird.

Zum Artikel bei NZZ Details
Rede an die russischen Mütter über unbegrabene Soldaten

Rede an die russischen Mütter über unbegrabene Soldaten

Wolodymyr Selenskyj

Selenskyjs eindringlicher Appell an russische Mütter während des Ukraine-Kriegs über die unbegrabenen Söhne, die auf ukrainischem Boden liegen. Die Rede nutzt die Verweigerung von Bestattung als emotionale Waffe und exemplifiziert eine historische Kontinuität des Trauer-Dramas über zivilisatorische Grenzen hinweg.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:30:30 „Es war eine der härtesten Reden, die der Präsident der Ukraine gehalten hat, jetzt während des Krieges, als er an die russischen Mütter gerichtet sagt, wisst ihr, wie eure Kinder auf dem Boden unseres Landes liegen. Sie werden nicht begraben. Sie liegen übereinander und keiner begräbt sie.“

Im Kontext der Diskussion über die universelle Bedeutung der Bestattung von Toten als zivilisatorische Konstante nennt Johanna Haberer Selenskyjs Rede als modernes Beispiel dafür, wie die Verweigerung eines Begräbnisses als schärfste emotionale Waffe eingesetzt wird.

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