Die Täuschung des sterbenden David
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Warum steht Davids Tod nicht im Buch Samuel, sondern im Buch der Könige? Johanna Haberer erklärt die überraschend verworrene Entstehungsgeschichte der biblischen Bücher: In der hebräischen Tradition wurden sie den Propheten Samuel und Nathan zugeordnet, die griechische Übersetzung machte vier Königsbücher daraus, und erst im 13. Jahrhundert entstand die heutige Aufteilung — ein Remix beider Traditionen. Dabei wird deutlich, wie sich die Bibel von Geschichten einfacher Menschen, die Gottes Stimme hören, zu Palastintrigen und Machtpolitik wandelt.
„Wir dürfen uns diese Vorstellung, wie diese Bücher hintereinander geordnet sind und wie sie entstanden sind, nicht so fest vorstellen. Es ist sehr viel volatiler, als wir uns das vorstellen.“
Erwähnte Medien (7)
Abishag
Rainer Maria Rilke · 2023
Gestalterinnen hatten einen entscheidenden Anteil an der Entwicklung der Moderne im Wien der Zwischenkriegszeit. Die Publikation präsentiert neue Forschungen zu Designerinnen, Keramikerinnen, Modeschöpferinnen, Grafikerinnen, Gartenarchitektinnen, Fotografinnen, Kunsthistorikerinnen und Mäzeninnen. An ihrem Beispiel wird gezeigt, wie angestammte Rollenbilder in der Zwischenkriegszeit aufgebrochen wurden und welch eminente Bedeutung diese Frauen für die Wiener Moderne hatten.
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:06:28 „Und es gibt dazu ein Gedicht von Rainer Maria Rilke, wusstest du das? Dass Rainer Maria Rilke der armen Abishak ein Gedicht gewidmet hat.“
Im Gespräch über die biblische Figur Abishag, die dem alten König David als Pflegerin und Bettwärmerin zugeführt wird, trägt Sabine Rückert das zweiteilige Rilke-Gedicht vollständig vor. Es stammt aus dem Jahr 1905 und schildert einfühlsam die Perspektive der jungen Frau, die neben dem erkaltenden König liegt. Rilke wird als literarischer Zeuge herangezogen, der die menschliche Tragik dieser biblischen Szene verdichtet.
Abisag (Gedichtzyklus: Abisag I und II)
Rainer Maria Rilke · 2012
Rainer Maria Rilke zählt zu den deutschsprachigen Meisterdichtern. Melodische, durchaus gefällige Stimmungslyrik und sprachlich gewagte, bilderreiche Elegien und Sonette wechseln sich ab. Immer jedoch verspürt man in den Werken des Dichters die Sehnsucht nach der Verbundenheit mit einem höheren Wesen, die aus einer neuen Form der Innerlichkeit entstand. Diese Sammlung seiner bekanntesten Werke sollte in keiner Sammlung fehlen.
🗣 Johanna Haberer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:06:54 „Und es gibt dazu ein Gedicht von Rainer Maria Rilke, wusstest du das? Dass Rainer Maria Rilke der armen Abischak ein Gedicht gewidmet hat.“
Johanna erwähnt Rilkes Gedicht über die biblische Abischag, das die Szene der jungen Frau beim alternden König David literarisch verarbeitet. Sabine trägt es anschließend vollständig vor.
Die Wahrheit über Eva – Die Erfindung der Ungleichheit von Frauen und Männern
Carel van Schaik, Kai Michel · 2020
Wer hat Angst vor der "Evalution"? So klug und engagiert heute über Diskriminierung debattiert wird, fällt auf, dass eine der wichtigsten Fragen ausgeklammert wird: Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass Frauen um Gleichberechtigung kämpfen müssen? Zweitausend Jahre lang lieferte die Bibel die Antwort: Weil Eva eher der Schlange als Gott vertraute, müssen all ihre Nachfahrinnen den Männern untertan sein.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:10:04 „und natürlich auch die Wahrheit über Eva. Unsere Freunde, die Autoren sind ja dieselben“
Sabine zitiert aus dem Buch eine Passage über die patriarchale Rollenverteilung von Frauen in der Bibel – Tochter, Mutter, Ehefrau, Jungfrau – am Beispiel der Abischag.
Das Tagebuch der Menschheit – Was die Bibel über unsere Evolution verrät
Carel van Schaik, Kai Michel · 2017
Gott wirft Adam und Eva aus dem Paradies, die Arche Noah übersteht die Sintflut, und Jesus von Nazareth erweckt Tote zum Leben – die faszinierenden Geschichten der Bibel sind fester Bestandteil unserer Kultur. Und doch stecken sie voller Rätsel und Widersprüche, die auch jahrhundertelange theologische Kontroversen nicht lösen konnten. Der Evolutionsbiologe Carel van Schaik und der Historiker Kai Michel legen nun erstmals eine verborgene Seite der Bibel frei.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:10:15 „Natürlich hat sich auch das Tagebuch der Menschheit mit der Abishak und diesem letzten Kapitel befasst. Und natürlich auch die Wahrheit über Eva. Unsere Freunde, die Autoren sind ja dieselben, haben sich hier über David gebeugt und Folgendes geschrieben.“
Sabine Rückert zitiert aus dem Buch, um die biblische Praxis des sogenannten Sunamitismus zu erklären: Man legte altersschwachen Männern junge Mädchen ins Bett als eine Art Testosteron-Therapie. Die Autoren ordnen die Abishag-Episode kulturhistorisch ein und zeigen, dass diese Praxis bis in die Renaissance fortgeführt wurde.
König David, Herrscher und Musikant
Walter Jens
Walter Jens kommentiert in diesem Essay eine biblische Stelle aus 1. Samuel 24 humorvoll durch verschiedene Übersetzungsvarianten – von der Einheitsübersetzung über Luthers ‚Füße decken' bis zum ursprünglichen ‚scheißen'. Ein literarisch feinsinniger Text über König David und Bibelübersetzung, 1993 in Die Zeit.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:42:54 „Ich wollte noch ein letztes kleines Stückchen vorlesen aus dem Artikel, den ich auch schon mal zitiert habe, von Walter Jens aus der Zeit, aus dem Jahr 1993 zu Weihnachten. Über den König David hat er da geschrieben.“
Am Ende der Folge liest Sabine Rückert einen längeren Abschnitt aus einem Weihnachtsartikel von Walter Jens in der ZEIT vor, der Davids Altern und Niedergang poetisch beschreibt. Der Artikel dient als literarischer Schlussakkord zur besprochenen Bibelpassage über Davids Tod — Jens zeichnet das Bild eines Mannes, dessen Lebenskraft mit der Jugend erlosch und der am Ende einsam und verloren war.
The Tempest
William Shakespeare
Shakespeares letzte Dichtung erzählt vom verbannten Herzog Prospero, der auf einer Insel Magie beherrscht und sein Schicksal mit seinem Bruder verflicht. Mit Prosperos Verzicht auf die Magie und seiner existenziellen Erkenntnis „and my ending is despair" erforscht das Stück Vergänglichkeit von Macht und den Verfall vom charismatischen Herrscher zur Hilflosigkeit.
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:43:39 „Die Kräfte versagten, and my ending is despair. Gilt der Shakespeare-Satz nicht auch für ihn? Der junge Mann, der durch seine Liebenswürdigkeit die Menschen bezauberte, war am Ende allein und erkannte im doppelten Wort Sinn niemanden mehr.“
Innerhalb des vorgelesenen Walter-Jens-Artikels wird Prosperos Schlusswort aus Shakespeares ‚The Tempest' zitiert — ‚and my ending is despair' — und auf König David übertragen. Jens nutzt das Shakespeare-Zitat, um Davids Verfall vom charismatischen Jüngling zum einsamen, kraftlosen Greis auf den Punkt zu bringen.
Bücher über David
Stefan Ark Nitsche · 2018
David (hebräisch דָּוִד und דָּוִיד Dāwid) war laut 1. und 2. Buch Samuel, dem 1. Buch der Könige und dem 1. Buch der Chronik des Tanach König von Juda und als Nachfolger Sauls auch von Israel. David soll um 1000 v. Chr. gelebt haben und gilt als Verfasser zahlreicher Psalmen, der Davidpsalmen. Aus der prophetischen Zusage eines ewigen Bestands der Daviddynastie (2 Sam 7 ) entwickelte sich die biblische Messias-Erwartung, die im Judentum eine große Bedeutung hat.
🗣 Johanna Haberer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:44:14 „Als gutes Wort zum Schluss möchte ich gerne David selbst sozusagen zu Wort kommen lassen in der Übersetzung von Arknitsche, der wunderbare Bücher über David geschrieben hat.“
Johanna Haberer zitiert zum Abschluss eine Passage aus 2. Samuel 23 in der Übersetzung von Stefan Ark Nitsche und lobt dessen Bücher über König David als ‚wunderbar'. Der genaue Buchtitel wird nicht genannt, aber die Übersetzung wird als besonders gelungen hervorgehoben und dient als poetischer Kontrapunkt zu Davids düsterem Rache-Testament.