Das salomonische Urteil
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Nach Davids Tod erbt Salomo nicht nur den Thron, sondern auch blutige Mordaufträge seines Vaters — eine vergiftete Hinterlassenschaft, die er abarbeiten muss, bevor er überhaupt regieren kann. Derweil versucht der übergangene Thronfolger Adonia über Batseba an Davids letzte Bettgenossin Abischag heranzukommen, ein politisch brisantes Manöver, das Salomo als Machtanspruch deuten wird.
„Also er macht sich erst mal die Hände dreckig, bevor er überhaupt zum Zepter greift. Und eine schöne Hinterlassenschaft ist das nicht von einem Vater, finde ich.“
Erwähnte Medien (6)
König David (Gedicht aus Romanzero)
Heinrich Heine · 2011
Studienarbeit aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Judaistik, Note: 1,7, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Judaistik), Sprache: Deutsch, Abstract: Besonders in der jüdischen Tradition ist König David von großer Bedeutung. Zwar wird der König in den Büchern Samuels auch kritisch dargestellt, in der späteren Literatur jedoch und in der Aggadah wird sein Bild immer positiver gezeichnet. Nicht nur in der Bibel, sondern auch in der rabbinischen Literatur wird David glorifiziert und verherrlicht.
🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:13:20 „Ich hätte dazu ein kleines Gedicht, darf ich dir ein kleines Gedicht vorlesen? Das hat der Heinrich Heine gedichtet und der sieht die Sache so ähnlich wie du. Lächelnd scheidet der Despot, denn er weiß, nach seinem Tod wechselt Willkür nur die Hände und die Knechtschaft hat kein Ende“
Johanna liest ein Gedicht von Heinrich Heine vor, das die Machtübergabe von David zu Salomo und den Mordauftrag an Joab satirisch kommentiert
König David
Heinrich Heine
Satirisches Gedicht, das die Machtübergabe und politische Intrigen kritisiert. Heine nutzt die biblische Geschichte von David und Salomo, um die Willkür von Despoten zu hinterfragen und zu zeigen, wie Herrschaft nur zwischen Händen wechselt, ohne die strukturelle Unterdrückung zu ändern.
🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:14:34 „Ich hätte dazu ein kleines Gedicht, darf ich dir ein kleines Gedicht vorlesen? Das hat der Heinrich Heine gedichtet und der sieht die Sache so ähnlich wie du. Lächelnd scheidet der Despot, denn er weiß, nach seinem Tod wechselt Willkür nur die Hände und die Knechtschaft hat kein Ende.“
Johanna Haberer trägt ein Gedicht von Heinrich Heine vor, das die Machtübergabe von David an Salomo satirisch kommentiert. In dem Gedicht lässt Heine David auf dem Sterbebett seinem Sohn Salomo den Auftrag erteilen, den General Joab umzubringen – genau die Szene, die gerade in der Bibel besprochen wird. Haberer nutzt das Gedicht, um zu zeigen, dass Heine die biblischen Texte ähnlich kritisch las wie ihre Schwester Sabine.
Der König David Bericht
Stefan Heym · 2021
Eine Parabel auf den Konflikt zwischen Intellektuellen und Machthabern in allen Zeiten Salomo, jüngster Sohn und Nachfolger König Davids beruft eine Kommission ein: Sie soll einen Bericht über Leben und Taten Davids verfassen, der die göttliche Erwähltheit Davids und damit auch die Legitimation von Salomos Herrschaft bestätigen soll.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:15:29 „Ich habe auch einen kleinen Beitrag von einem jüdischen Autor, der heißt Stefan Haim. Über den haben wir ja schon gesprochen. Und ich habe auch schon ein bisschen was aus dessen Roman, der König-David-Bericht, vorgelesen. Das ist ein wunderbares Buch“
Sabine empfiehlt den Roman ausdrücklich und liest eine lange Passage daraus vor, in der ein Historiker unter Salomo die offizielle Geschichtsschreibung über David verfassen soll – eine Parabel auf die DDR
Kohelet (Prediger Salomo)
· 2014
Biblisches Weisheitsbuch, das sich mit der Vergänglichkeit aller menschlichen Bemühungen auseinandersetzt. Unter dem Leitmotiv »Nichts Neues unter der Sonne« wird hinterfragt, ob Reichtum, Weisheit und weltliche Erfolge echtem Sinn oder echter Erfüllung entsprechen – eine düstere Meditation über menschliche Begrenztheit.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:22:10 „Dem Salomo wird der Kohelet, der Prediger Salomo, zugeschrieben als Autor. Es werden ihm die Sprüche zugeschrieben und es wird ihm als Autor das Hohelied zugeschrieben.“
Johanna Haberer ordnet die literarische Bedeutung der Figur Salomo ein und erklärt, dass ihm drei weitere biblische Bücher als Autor zugeschrieben werden – der Kohelet, die Sprüche und das Hohelied –, auch wenn die tatsächliche Autorenschaft historisch nicht belegt ist.
Vakramodaya
Indische Märchensammlung aus dem 5.–6. Jahrhundert mit Geschichten um König Vikramaditya und seinen Papagei. Sie enthält Märchen mit universellen Motiven wie das Motiv des gespaltenen Kindes und der wahren Mutter, die auch in anderen Kulturen wiederkehren.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:46:42 „Da gibt es zum Beispiel in der indischen Märchensammlung Vakramodaya ein folgendes Märchen. Während sich König Vikramaditya in Papageiengestalt am Hofe des Königs Kopikandra aufhielt, geschah folgendes.“
Johanna Haberer zieht eine Parallele zwischen dem salomonischen Urteil und einem indischen Märchen aus der Sammlung Vakramodaya (5.–6. Jahrhundert). Die Geschichte enthält dasselbe Motiv: Ein Kind soll zerteilt werden, und die wahre Mutter verzichtet. Haberer nutzt diese Parallele als Argument dafür, dass die Salomo-Erzählung literarischen Charakter hat und Motive zwischen Kulturen gewandert sind.
Der kaukasische Kreidekreis
Bertolt Brecht
Bertolt Brechts Drama "Der kaukasische Kreidekreis" (1944) erzählt von der Küchenmagd Grusche, die ein verlassenes Kind aufzieht und sich anschließend in einem Sorgerechtsstreit gegen die biologische Mutter behauptet. Der Richter Azdak entscheidet die Sache durch die unkonventionelle Kreidekreisprobe, die wahre Mutterliebe zur Bedingung für das Erziehungsrecht macht. Damit kritisiert das Stück die Widersprüche des Rechtssystems und stellt aufrichtige menschliche Fürsorge über formale gesellschaftliche Hierarchien.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:50:16 „Ist auch ganz oft gemalt worden von großen Künstlern. Oder von Bert Brecht auch. Der Kreidekreis. Geht es da auch nicht um die beiden Frauen, die sich um das Kind streiten?“
Am Ende der Episode wird das Motiv des salomonischen Urteils – zwei Frauen streiten um ein Kind – mit Brechts Kreidekreis in Verbindung gebracht. Johanna Haberer identifiziert das Stück namentlich, die Sprecherinnen sind sich aber nicht ganz sicher über die genaue Handlung und nehmen sich vor, es bis zur nächsten Folge nachzuschlagen.