Das Mädchen mit dem Stein im Bauch
Sabine Rückert, Andreas Sentker & Jan Roß
Der Fall führt nach Chandigarh, Indiens modernistische Vorzeigestadt, die einst von Le Corbusier am Reißbrett entworfen wurde — und in der sich hinter der geordneten Fassade ein entsetzliches Verbrechen ereignete: die Vergewaltigung eines zehnjährigen Mädchens, das anschließend sein Kind austragen musste. Gast Jan Roß, der fünf Jahre als ZEIT-Korrespondent in Indien lebte, ordnet den Fall ein und beschreibt eine Stadt, die durch Zuwanderung vom Land längst eine andere geworden ist als die, die ihre Gründer sich erträumt hatten.
„Die hat sich sehr verändert durch Einwanderung, durch Leute, die vom Land dorthin gezogen sind. Es ist alles ein bisschen, sagen wir mal, indischer und bunter und auch an manchen Stellen elender geworden, als es am Anfang war.“
Erwähnte Medien (4)
Downton Abbey
Julian Fellowes · 2010
Wenn die Sonne hinter dem herrschaftlichen Anwesen von "Downton Abbey" aufgeht, das Schloss als monumentaler Beweis der englischen Aristokratie im Morgenlicht erstrahlt, sieht es so aus, als würde sich das auch in 1000 Jahren nicht ändern. "Downton Abbey" ist die Heimat der Familie Crawley, aus ihren Reihen entstammt seit 1772 der "Earl of Grantham". Aber mit der Nachricht vom Untergang der Titanic beginnt sowohl für die Crawleys als auch für ihre Dienerschaft die Zeit der Veränderung.
🗣 Jan Roß referenziert bei ⏱ 00:08:38 „Ich wusste das ja, ich hatte ja zu dem Zeitpunkt schon einige Jahre in Indien gelebt, aber diese zwei Welten kennenzulernen, es gibt eben eine Welt der Herrschaft, wir kennen das nur aus Downton Abbey, Upstairs und Downstairs, es gibt eine Welt der Herrschaft und es gibt eine Welt der Diener und gegenseitig weiß man oft nicht viel voneinander.“
Jan Roß beschreibt das Nebeneinander von Herrschaft und Dienerschaft in den Bungalow-Vierteln von Chandigarh. Um das System der Servants Quarters für ein deutsches Publikum greifbar zu machen, zieht er den Vergleich zu Downton Abbey, wo die räumliche und soziale Trennung zwischen Oben und Unten ein zentrales Motiv ist.
Upstairs, Downstairs
Jean Marsh / Eileen Atkins · 1971
Die britische Fernsehserie Das Haus am Eaton Place (Originaltitel: Upstairs, Downstairs) war im britischen, US-amerikanischen und deutschen Fernsehen sehr erfolgreich. In der von 1971 bis 1975 produzierten Serie wird das Leben der Londoner Familie Bellamy und ihrer Dienstboten zwischen 1903 und 1930 geschildert. Produzenten und Autoren legten bei der Produktion großen Wert auf Detailgenauigkeit und eine realistische Darstellung der Angestellten und der Familie.
🗣 Jan Roß referenziert bei ⏱ 00:08:38 „Ich wusste das ja, ich hatte ja zu dem Zeitpunkt schon einige Jahre in Indien gelebt, aber diese zwei Welten kennenzulernen, es gibt eben eine Welt der Herrschaft, wir kennen das nur aus Downton Abbey, Upstairs und Downstairs, es gibt eine Welt der Herrschaft und es gibt eine Welt der Diener.“
Jan Roß beschreibt die strikte Trennung zwischen Herrschaft und Dienerschaft in indischen Haushalten. Er vergleicht diese Zweiklassengesellschaft mit bekannten britischen Serien, die das Verhältnis zwischen Herrschaft und Dienstpersonal thematisieren.
Romane von Charles Dickens
Charles Dickens · 2017
Diese Sammlung wurde mit einem funktionalen Layout erstellt und sorgfältig formatiert. Inhalt: Nikolas Nickleby Martin Chuzzlewit Dombey und Sohn David Copperfield Bleakhaus Schwere Zeiten Klein-Dorrit Clown Grimaldi Master Humphrey's Wanduhr Eine Geschichte aus zwei Städten Die Pickwickier Oliver Twist Der Weihnachtsabend Das Heimchen am Herde Der Kampf des Lebens Die Silvester-Glocken Die Geschichte des Schuljungen Doktor Marigold Mrs.
🗣 Jan Roß erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:21:04 „Wenn man ein indisches Gericht mal besucht, dann sieht man Akten, die aus einem Dickens-Roman stammen könnten. So ein Stapel vergilbter Papiere, das sind teilweise auch unerledigte Fälle.“
Jan Roß beschreibt die überlastete indische Justiz und den schleppenden Fortgang von Gerichtsverfahren. Um das Bild der verstaubten, meterhoch gestapelten Akten zu veranschaulichen, vergleicht er die Szene mit einem Dickens-Roman – eine Anspielung auf die bürokratischen Zustände im viktorianischen England, wie sie etwa in 'Bleak House' geschildert werden.
Die Unsichtbaren Indiens
Jan Roß
Jan Roß' Artikel in der ZEIT untersucht die Unsichtbarkeit der indischen Unterschicht und ihre Rolle als Ermöglicher von Verbrechen. Am Beispiel einer zehnjährigen Vergewaltigungsopferin aus Chandigarh, der das Gericht eine Abtreibung untersagt hat, wird deutlich, wie gesellschaftliche Ausgrenzung Gewalt begünstigt. Der Text zeigt, wie die bürgerliche indische Gesellschaft ihr Schutzbedürftigkeit ignoriert, obwohl diese Gruppe physisch allgegenwärtig ist.
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:24:09 „Du nennst sie, das ist auch die Überschrift deines Artikels damals gewesen, die unsichtbaren Indiens.“
Andreas Sentker verweist auf Jan Roß' damaligen Artikel in der Zeit über den Vergewaltigungsfall in Chandigarh. Der Titel fasst die zentrale These des Gesprächs zusammen: Die indische Unterschicht ist physisch omnipräsent, wird aber von der bürgerlichen Gesellschaft nicht wahrgenommen – und genau diese Unsichtbarkeit ermöglicht Verbrechen wie das besprochene.