Die Rache der Affen
Sabine Rückert, Andreas Sentker & Moritz Aisslinger
In dieser Folge geht es um einen Fall, der die Grenze zwischen Wissenschaft und Tierquälerei auslotet: Tierversuche am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen, die massive öffentliche Empörung auslösten. Moritz Aisslinger, Dossier-Redakteur der ZEIT, berichtet über seine Recherche aus dem Jahr 2017 — eine Geschichte, die extrem komplex und zwiespältig ist, weil am Ende niemand so richtig weiß, was man davon halten soll.
„Nach dem, was rausgekommen ist zuletzt, ist es kein Verbrechen. Es ist aber in den Augen vieler Menschen sehr wohl ein Verbrechen.“
Erwähnte Medien (10)
ZEIT Verbrechen (Magazin): Spurlos – wenn Menschen verschwinden
Die Reportage dokumentiert das Verschwinden eines Mannes in Hamburg und bildet den Auftakt einer fünfteiligen Serie. Die ZEIT Verbrechen untersucht in ihrer Titelgeschichte die Umstände und Rätsel hinter diesem mysteriösen Fall und beschäftigt sich allgemein mit dem Phänomen von Verschwundenen.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:04 „Wir haben ein Zeitverbrechen-Heft mit der Titelgeschichte Spurlos, wenn Menschen verschwinden. Und da haben wir eine Geschichte auch drin, habe ich ja in der vorletzten Sendung gesagt, dass ich da noch mal ein bisschen was draus zitieren werde.“
Sabine Rückert stellt die aktuelle Ausgabe des ZEIT Verbrechen-Magazins vor und hebt die Titelgeschichte hervor, die sich mit dem Verschwinden von Menschen beschäftigt. Sie erwähnt dabei auch eine Geschichte über einen Surfer auf der Ostsee.
Fotoserie aus Berliner Kriminalgerichten
Leo Rosenthal
Historische Fotoserie des jüdischen Fotografen Leo Rosenthal aus den 1920er und 1930er Jahren. Rosenthal fotografierte heimlich in Berliner Kriminalgerichten und dokumentierte auf seinen Originalaufnahmen berühmte Prozessbeteiligte wie Einstein und Hitler. Die Serie bietet einen seltenen visuellen Einblick in die deutsche Justizgeschichte der Weimarer Republik und zeigt die Arbeit eines Künstlers unter schwierigen historischen Bedingungen.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:48 „Und wir haben eine tolle Fotoserie, aus den 20er und 30er Jahren von einem jüdischen Fotografen namens Leo Rosenthal. Der hat in Berliner Kriminalgerichten heimlich fotografiert. Also der hat seine Kamera mitgenommen und dann heimlich auf die Prozessbeteiligten gerichtet und hat da also richtig Originalaufnahmen gemacht.“
Im Rahmen der Vorstellung des ZEIT Verbrechen-Magazins hebt Sabine Rückert eine historische Fotoserie hervor. Der jüdische Fotograf Leo Rosenthal hat in den 1920er und 1930er Jahren heimlich in Berliner Kriminalgerichten fotografiert und dabei berühmte Persönlichkeiten wie Albert Einstein und Adolf Hitler als Prozessbeteiligte eingefangen.
Dossier über Nikos Logothetis
Moritz Aisslinger
Der Neurowissenschaftler Nikos Logothetis führte Experimente mit Affen durch, um Behandlungen für Parkinson und Demenz zu entwickeln. Seine Forschung löste erbitterte Konflikte mit Tierschutzaktivisten aus, die ihn jahrelang heftig angriffen. Das ZEIT-Dossier von 2017 dokumentiert diesen ethisch komplexen Fall zwischen medizinischem Fortschritt und Tierwohl.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:03:09 „Wir bitten ihn jetzt, über dieses damals erschienene Dossier aus dem Jahr 2017 zu berichten und auch zu erzählen, wie es weiterging. Die Geschichte ist extrem komplex und extrem zwiespältig. Man weiß am Schluss eigentlich nicht so richtig, was man von was halten soll.“
Sabine Rückert stellt Moritz Aisslinger als Gast vor, der 2017 ein ZEIT-Dossier über den Fall Nikos Logothetis geschrieben hat. Dieses Dossier bildet die Grundlage der gesamten Podcast-Episode – Aisslinger soll über die Entstehung des Textes berichten und erzählen, wie sich der Fall weiterentwickelt hat.
Stern TV (Sendung vom 10. September 2014)
· 1990
Aktuelle Studiogäste spannende Hintergründe bewegende Schicksale spektakuläre Studioaktionen und fesselnde Reportagen das alles und noch viel mehr zieht stern TV Moderator Steffen Hallaschka allwöchentlich live aus der Wundertüte des deutschen Fernsehens.
🗣 Moritz Aisslinger referenziert bei ⏱ 00:05:40 „Das Ganze beginnt mit einer Fernsehsendung, nämlich mit einer Ausstrahlung von Stern TV auf RTL am 10. September 2014 und dein Text beginnt auch genau mit dieser Szene. Nikos Logothetis weiß, an seinem Institut ist gedreht worden und er weiß auch, jetzt wird an diesem Abend über ihn berichtet, aber er weiß nicht, was jetzt auf ihn zukommt.“
Die Stern-TV-Sendung vom 10. September 2014 ist der zentrale Auslöser des gesamten Falls. Ein eingeschleuster Tierschützer der Soko Tierschutz hatte ein halbes Jahr lang heimlich im Max-Planck-Institut gefilmt. Aus 100 Stunden Material wurden dramatisch aufbereitete Bilder von Affen im Labor gesendet, die einen Sturm der Entrüstung auslösten.
Saw
James Wan · 2004
Ohne die leiseste Ahnung, wie sie in diesen Albtraum geraten sind, erwachen zwei Männer angekettet an gegenüberliegenden Wänden in einem Kellerverlies. Hinterlassen hat ihr Entführer lediglich eine ausgeblutete Leiche und ein Tonband, auf dem er den Gefangenen einen Ausweg anbietet. Wenn sie beweisen, dass sie bereit sind, wirklich alles für ihr überleben zu tun, haben sie die Chance, aus ihrem Verlies zu entkommen. Doch die Spielregeln des Sadisten sind gnadenlos.
🗣 Moritz Aisslinger erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:06:57 „Also es sind wirklich Aufnahmen wie in diesem, ich weiß nicht, ob ihr diesen Horrorfilm Saw kennt. So sieht das so ein bisschen aus. Also ganz, ganz extrem.“
Moritz Aisslinger vergleicht die verstörenden Undercover-Aufnahmen aus dem Affenlabor mit dem Horrorfilm Saw, um die drastische Wirkung der Bilder zu verdeutlichen. Er beschreibt zuvor kahlgeschorene Affen mit Blut im Gesicht, Operationsszenen und eine halbseitig gelähmte Äffin – Bilder, die bei Stern TV ohne Kontext gezeigt wurden.
Animal Liberation (Die Befreiung der Tiere)
Peter Singer · 2015
How should we treat non-human animals? In this immensely powerful and influential book (now with a new introduction by Sapiens author Yuval Noah Harari), the renowned moral philosopher Peter Singer addresses this simple question with trenchant, dispassionate reasoning. Accompanied by the disturbing evidence of factory farms and laboratories, his answers triggered the birth of the animal rights movement. 'An extraordinary book which has had extraordinary effects...
🗣 Moritz Aisslinger referenziert bei ⏱ 00:24:32 „Peter Singer ist in der Tierrechtsbewegung seit den 70er Jahren eine Art Koryphäe. Da hat er das Buch geschrieben, die Befreiung der Tiere. Und gilt seitdem als die intellektuelle Speerspitze der Tierrechtsbewegung.“
Im Gespräch über die ethische Grundsatzdebatte zu Tierversuchen wird Peter Singers einflussreiches Buch als intellektuelles Fundament der Tierrechtsbewegung genannt. Singer argumentiert darin, dass Tierversuche nur dann legitim wären, wenn man dieselben Versuche auch an kognitiv vergleichbaren Menschen akzeptieren würde – ein provozierendes Argument gegen den sogenannten Speziesismus.
Stern TV
· 1990
Aktuelle Studiogäste spannende Hintergründe bewegende Schicksale spektakuläre Studioaktionen und fesselnde Reportagen das alles und noch viel mehr zieht stern TV Moderator Steffen Hallaschka allwöchentlich live aus der Wundertüte des deutschen Fernsehens.
🗣 Moritz Aisslinger referenziert bei ⏱ 00:28:44 „Sie hat von Anfang an eben, wenn sie aus dem Fenster geschaut hat, hat sie dort die Demonstranten gesehen, die sich relativ schnell nach dieser Stern-TV-Sendung vor dem Institut versammelt haben und versucht haben, die Forscher zu attackieren.“
Die RTL-Sendung Stern TV wird als das Medium genannt, das die heimlich aufgenommenen Bilder aus dem Tübinger Affenlabor erstmals öffentlich ausstrahlte. Die Ausstrahlung wird als Auslöser der Protestwelle vor dem Institut von Nikos Logothetis beschrieben, die Demonstranten versammelten sich kurz danach vor dem Gebäude.
Peloma
Nikos Logothetis (u.a.)
Rockband aus der Zeit um die 1960er Jahre, gegründet von dem vielseitigen Künstler und Wissenschaftler. Die Gruppe erhielt internationale Aufmerksamkeit als Vorgruppe legendärer Künstler. Sie steht beispielhaft für künstlerisches Schaffen abseits von wissenschaftlichen Leistungen, entstanden als leidenschaftliches, paralleles Projekt neben anderen Begabungen.
🗣 Moritz Aisslinger erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:47:27 „Er gründet eine Rockband und ist Vorgruppe der Rolling Stones, habe ich bei dir gelesen. Genau, das hat er mir aber auch nur in so einem Nebensatz erzählt, weil es ihm eigentlich völlig egal war. Die Gruppe hieß Peloma, Lo steht für Logothetis.“
Moritz Aisslinger beschreibt die vielseitige Biografie von Nikos Logothetis, der neben seiner wissenschaftlichen Begabung auch musikalisch hochbegabt war. Die Rockband Peloma wird als Beleg für seine außergewöhnliche Persönlichkeit angeführt.
Konzerte der Rolling Stones (als Vorband)
The Rolling Stones
The Rolling Stones sind eine englische Rockband. Sie wurden 1962 von Brian Jones, Mick Jagger und Keith Richards als Rhythm-and-Blues-Band gegründet. Im Laufe der folgenden zehn Jahre wurden die Rolling Stones zu einer der erfolgreichsten Rockgruppen der Welt. In den sechziger und siebziger Jahren etablierten sie sich durch ihren exzessiven Lebensstil als „bad boys“ der Musikszene. Die Band geht heute noch auf Welttourneen und veröffentlicht Alben. Heute zählen sie zu den „dienstältesten“ Rockbands.
🗣 Moritz Aisslinger erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:47:27 „Er gründet eine Rockband und ist Vorgruppe der Rolling Stones, habe ich bei dir gelesen. Genau, das hat er mir aber auch nur in so einem Nebensatz erzählt, weil es ihm eigentlich völlig egal war.“
Im Gespräch über die Biografie von Nikos Logothetis wird erwähnt, dass dessen Band Peloma als Vorgruppe der Rolling Stones aufgetreten ist. Die Erwähnung dient der Illustration seiner vielseitigen Begabungen.
Tierversuche in der Max-Planck-Gesellschaft
Max-Planck-Gesellschaft
White Paper der Max-Planck-Gesellschaft, das Tierversuche in der Forschung systematisch begründet und rechtfertigt. Zeigt, wie große Forschungsinstitutionen ihre Versuchspraxis ethisch und wissenschaftlich argumentieren, statt sich nur auf Forschungsfreiheit zu berufen.
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:57:41 „Darum gibt es zum Beispiel aus der Max-Planck-Gesellschaft, ich habe das hier mitgebracht, ein White Paper, Tierversuche in der Max-Planck-Gesellschaft, wo sie das auf 30 Seiten sehr ausführlich tun.“
Im Gespräch über die Konsequenzen des Falls Logothetis erklärt Andreas Sentker, dass die Max-Planck-Gesellschaft als Reaktion auf die Tierversuchsdebatte eine eigene Kommission eingerichtet und dieses 30-seitige White Paper veröffentlicht hat. Es dient als Beispiel dafür, dass die großen Forschungsgesellschaften gelernt haben, Tierversuche aktiv zu begründen, statt sich nur auf die Forschungsfreiheit zu berufen.