ZEIT Verbrechen – Iwans Geheimnis
#059

Iwans Geheimnis

ZEIT Verbrechen / 14. Juli 2020 / 5 Medien

Sabine Rückert, Andreas Sentker & Heinrich Wefing

Heinrich Wefing, Autor und Kopf des Politik-Ressorts der ZEIT, erzählt vom Fall John Demjanjuk — einem ukrainischen Bauernsohn, der als Wachmann im Vernichtungslager Sobibor an der Ermordung von mindestens 28.060 Menschen beteiligt gewesen sein soll. Ein einzelner Dienstausweis aus dem besetzten Polen, der sogenannte Trawniki-Ausweis, wurde zum vielleicht meistgeprüften Dokument der Rechtsgeschichte und zum Schlüsselbeweis in Prozessen auf drei Kontinenten.

„Alle Spuren wurden vernichtet auf Anweisung von Himmler und ein Birkenwäldchen oder ein Kiefernwäldchen wurde auf den Überresten des Lagers gepflanzt.“
🗣 Heinrich Wefing

Erwähnte Medien (5)

Der Fall Demjanjuk

Der Fall Demjanjuk

Heinrich Wefing · 2011

Der letzte große NS-Prozess ist zu Ende. John Demjanjuk wurde am 12. Mai 2011 zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, wegen seines hohen Alters aber von der Haft verschont. Doch Zweifel bleiben. Was sagt der Prozess über die Schuld des Angeklagten? Und was sagt er über uns, die Nachgeborenen? Heinrich Wefing beschreibt den Prozessverlauf und schildert die verstörende Biographie dieses schlichten Mannes, der zwischen alle Fronten des 20. Jahrhunderts geraten ist.

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:01:11 „Das jedenfalls, Heinrich, hast du im Vorfeld zu unserem Gespräch hier mal eben so behauptet. Was ist das für ein Dokument? Ich habe es auch geschrieben in seinem Buch. Ah ja, dann muss es ja stimmen.“

Andreas Sentker verweist auf Heinrich Wefings Buch über den Fall Demjanjuk, in dem dieser den Trawniki-Ausweis als das meistgeprüfte Dokument der Rechtsgeschichte bezeichnet. Das Buch dient im Gespräch als Beleg für Wefings Expertise zum Thema. Der genaue Titel wird in diesem Abschnitt nicht explizit genannt, es handelt sich um Wefings Sachbuch zum Demjanjuk-Prozess.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books Details
The Devil Next Door

The Devil Next Door

· 2019

Der gebürtige Ukrainer John Demjanjuk scheint ein freundlicher Mann zu sein. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Doch dann wird ihm vorgeworfen, `Ivan der Schreckliche' zu sein, der in Konzentrationslagern abscheuliche Dinge angerichtet hat.

🗣 Heinrich Wefing empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:34:30 „Es gibt Filmaufnahmen darüber in der sehr guten Netflix-Dokumentation The Devil Next Door sieht man diese Szenen aus dem israelischen Gerichtssaal. Da kommen dir die Tränen.“

Wefing schildert die hochdramatischen Szenen im israelischen Gerichtssaal, in dem Holocaust-Überlebende Demjanjuk als 'Ivan den Schrecklichen' identifizierten. Er verweist auf die Netflix-Dokumentation als Quelle, in der man diese emotional aufwühlenden Originalaufnahmen sehen kann, und bewertet sie explizit als 'sehr gut'.

🛒 Amazon * 📺 JustWatch ▶️ YouTube Details
Kriegsfilm (Ronald Reagan)

Kriegsfilm (Ronald Reagan)

· 2017

Die historische Wahl Ronald Reagans zum 40. Präsidenten der USA hat durch den Erfolg von Donald Trump neue Aktualität gewonnen. Ronald Reagans Wahlsieg war kein Zufall, sondern das Werk großangelegter Manipulationen durch das organisierte Verbrechen. Wie kam es, dass ein zweitklassiger Schauspieler mit Hilfe der Mafia Einzug ins Weiße Haus halten konnte? Wer sind die Männer, die ihm dabei geholfen haben? Und wer war Ronald Reagan wirklich? Die Dokumentation beantwortet diese Fragen und offenbart...

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:40:28 „Es gibt diese berühmte Geschichte des US-Präsidenten Ronald Reagan, der einen sehr emotionalen Kriegsfilm im Kino gesehen hat. Da geht es um eine Flugzeugbesatzung in Gefahr. Und Reagan baut diese Szene in sein eigenes Leben ein. Er erzählt sie als sein eigenes Erlebnis.“

Sentker greift die Frage auf, wie zuverlässig Erinnerungen sind – insbesondere wenn sie mit extremen Emotionen verknüpft sind. Er nutzt die bekannte Anekdote über Reagan, der Szenen aus einem Kriegsfilm als eigene Erlebnisse ausgab, als Beispiel dafür, dass hoch emotionalisierte Situationen Erinnerungen verfälschen können. Damit stützt er die These, dass auch die Holocaust-Überlebenden sich bei der Identifikation Demjanjuks geirrt haben könnten.

🛒 Amazon * 📺 JustWatch ▶️ YouTube Details
Furchtbare Juristen

Furchtbare Juristen

Ingo Müller · 2014

Ingo Müllers Werk dokumentiert die Verstrickung deutscher Juristen in den NS-Verbrechen und das Fehlen ihrer juristischen Aufarbeitung nach 1945. Das Buch zeigt, wie die deutsche Justiz die Verbrechen des Holocausts ermöglichte und diese Verstrickungen lange verdrängt wurden. Ein zentrales Werk zum Verständnis der Nachkriegsjustiz und ihrer Verantwortung.

🗣 Heinrich Wefing referenziert bei ⏱ 01:04:41 „In der Zeit, als ich studiert habe, erschien auch ein Buch, das hieß Furchtbare Juristen von Ingo Müller und das schildert, wie auch die Juristen verstrickt waren in den Holocausten.“

Heinrich Wefing erzählt, wie er als Jura-Student erstmals mit der Verstrickung der deutschen Nachkriegsjustiz in den Holocaust konfrontiert wurde. Das Buch von Ingo Müller dokumentiert sowohl die Beteiligung deutscher Juristen am Holocaust als auch das Fehlen einer juristischen Aufarbeitung — ein Skandal, der Wefings Blick auf den Demjanjuk-Prozess nachhaltig geprägt hat.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books Details
Die zweite Schuld

Die zweite Schuld

Ralph Giordano · 2015

Aktueller denn je – der Klassiker der politischen Literatur. Ralph Giordanos erschütternde Studie untersucht die Folgen der moralischen Katastrophe, die ein Ausbleiben des Bekenntnisses zur Kollektivschuld bedeutete. Er schildert eindrücklich, wie das Versagen der deutschen Gesellschaft nach dem Holocaust die politische Kultur der Bundesrepublik geprägt hat. Und er weist nach, wie »der große Frieden mit den Tätern« zu einem Fundament der Staatsgründung wurde.

🗣 Heinrich Wefing referenziert bei ⏱ 01:04:41 „Es gibt ja das Wort von der zweiten Schuld. In der Zeit, als ich studiert habe, erschien auch ein Buch, das hieß Furchtbare Juristen von Ingo Müller und das schildert, wie auch die Juristen verstrickt waren in den Holocaust.“

Heinrich Wefing beschreibt seine eigene Prägung als Jurastudent und seine Empörung über die mangelnde Aufarbeitung der NS-Verbrechen durch die deutsche Nachkriegsjustiz. Er verwendet den Begriff 'die zweite Schuld', der auf Ralph Giordanos gleichnamiges Buch (1987) zurückgeht, das die Verdrängung der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik thematisiert.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books Details
War die Extraktion dieser Folge gut?