ZEIT Verbrechen – Der verbrecherische Richter
#069

Der verbrecherische Richter

ZEIT Verbrechen / 01. Dezember 2020 / 3 Medien

Sabine Rückert, Andreas Sentker & Rudolf Novotny

Rudolf Novotny, stellvertretender Ressortleiter im Wissen, stellt seine gemeinsam mit Nadine Ahr und Kue Famm recherchierte Geschichte über den Richter Jörg L. vor — einen Mann, der das Vertrauen des Justizsystems schamlos ausnutzte. Die Episode beleuchtet, wie die hohen Zugangshürden der Justiz paradoxerweise jenen Schutz bieten, die es einmal hineingeschafft haben, und wie Abhängigkeitsverhältnisse im Gerichtssaal missbraucht werden können.

„Die Justiz ist ein System mit sehr, sehr hohen Mauern. Und ich meine nicht die Gefängnismauern, sondern die Mauern, die errichtet werden, bevor man da überhaupt reinkommt.“
🗣 Andreas Sentker

Erwähnte Medien (3)

Der Mann ohne Eigenschaften

Der Mann ohne Eigenschaften

Robert Musil · 1930

Robert Musils unvollendeter Monumentalroman, erschienen ab 1930. Das Werk begleitet den Mathematiker Ulrich durch das Wien des Jahres 1913 und verbindet essayistisches Denken mit erzählerischer Brillanz. Musil entwirft ein Panorama der untergehenden k.u.k.-Monarchie und fragt nach den Möglichkeiten eines gelingenden Lebens.

🗣 Rudolf Novotny erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:18:40 „Sören C. war so ein bisschen das Gegenteil von Jörg L. Also es war ein Mann mit schütterem, hellblondem Haar und einem konturlosen Gesicht und es war ein Mann ohne Eigenschaften, würde ich sagen, was natürlich nicht stimmt, aber wenn man sagen würde, man konnte ihn nicht greifen.“

Rudolf Novotny beschreibt den Kompagnon Sören C. und greift dabei auf Musils berühmten Romantitel als sprachliches Bild zurück – ein ‚Mann ohne Eigenschaften', konturlos und schwer greifbar. Die Referenz ist implizit, Novotny relativiert sie sofort selbst ('was natürlich nicht stimmt').

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Der zerbrochne Krug

Der zerbrochne Krug

Heinrich von Kleist

Klassisches deutsches Lustspiel von Heinrich von Kleist über einen korrupten Dorfrichter und den Diebstahl seines Krugs. Die Aufführung bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen prägte die Schulbesuche des Podcast-Gastgebers und zeigte ihm die Herausforderung, ein unaufmerksames Publikum zur Mitarbeit auf der Bühne zu bewegen – ein Moment, der seinen späteren Wunsch nach direkter Publikumsinteraktion inspirierte.

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:21:21 „Vielleicht hat Heinrich von Kleist mit seinem zerbrochenen Krug doch irgendwie den faulen und versoffenen Richter auf die Bühne gebracht und damit ein nachhaltiges Bild erzeugt. Ich weiß es nicht.“

Im Gespräch über das Klischee des faulen Richters zieht Andreas Sentker eine literarische Parallele zu Kleists Lustspiel und dem Richter Adam als Archetyp des korrupten, faulen Richters. Sabine Rückert ergänzt den Namen der Figur – Richter Adam, ‚so wie der erste Mensch'.

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Burn After Reading

Burn After Reading

Joel & Ethan Coen · 2008

„Burn after reading - Nach dem Lesen vernichten!“ So müsste eigentlich die Anweisung für die Lektüre der Memoiren des suspendierten CIA-Agenten Ozzie Cox lauten. Doch daran denken die Fitness-Trainerin Linda Litzke und ihr gutaussehender jedoch etwas dümmlicher Kollege Chad Feldheimer natürlich nicht im Traum, als sie zufällige eine CD mit dem offensichtlich brisanten Manuskript in einer der Umkleidekabine ihres Studios finden.

🗣 Rudolf Novotny referenziert bei ⏱ 00:40:15 „Er sagt zu ihr, du darfst aber nur irgendwie da handgeschriebene Notizen dazu machen, du darfst sie nirgendswohin rausnehmen aus dieser Wohnung und vernichte sie nach dem Lesen. Burn after reading. Wie im schlechten Film.“

Rudolf Novotny beschreibt, wie der korrupte Prüfer Jörg L. der Referendarin Özlem G. gestohlene Klausuren übergibt und dabei theatralisch verlangt, sie nach dem Lesen zu vernichten. Den Vergleich mit dem Coen-Brothers-Film nutzt er, um die absurde Selbstinszenierung des Täters zu unterstreichen.

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