ZEIT Verbrechen – Der Hinterhalt
#126

Der Hinterhalt

ZEIT Verbrechen / 27. Dezember 2022 / 7 Medien

Sabine Rückert, Andreas Sentker & Anne Kunze

Die ZEIT-Kriminalreporterin Anne Kunze hat einen Fall recherchiert, der die Rechtsmedizin aufwirbelt: Matthias Graf, Leiter der Rechtsmedizin an der LMU München, soll in seiner vor 35 Jahren verfassten Doktorarbeit abgeschrieben haben. Als ihn der Vorwurf erreicht, sitzt er im Sommerurlaub in Nordnorwegen — weit weg von seiner nur auf Papier existierenden Dissertation. Ein Fall voller krimineller Energie und akademischer Abgründe, der tief in die Mechanismen wissenschaftlichen Publizierens führt.

„Als der Matthias Graf von dem Vorwurf hört, dass er in seiner Doktorarbeit, die er vor 35 Jahren geschrieben hat, abgeschrieben haben soll, ist er gerade im Sommerurlaub ganz im Norden Norwegens.“
🗣 Anne Kunze

Erwähnte Medien (7)

D Studie

Dissertation: Chemotaxis von Fibrosarkomzellen in vitro

Matthias Graf

Doktorarbeit von Matthias Graf aus 1987 über die Bewegung von Fibrosarkomzellen im Reagenzglas. Graf wurde beschuldigt, die Arbeit aus einem rumänischen Sammelband abgeschrieben zu haben – doch dieser Sammelband stellte sich als Fälschung heraus, die tatsächlich Grafs Dissertation ins Englische übersetzt hatte. Ein außergewöhnlicher Fall von vermeintlichem Plagiat, der sich ins Gegenteil verkehrte.

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:04:51 „Matthias Graf hat sich tatsächlich ins Labor gestellt und hat Untersuchungen angestellt zur Chemotaxis von Fibrosakromzellen in vitro. In vitro heißt im Reagenzglas oder in der Petrischat.“

Die 34-seitige medizinische Doktorarbeit von Matthias Graf aus dem Jahr 1987, verfasst am UKE Hamburg, ist der zentrale Gegenstand des Falls. Ihm wird vorgeworfen, sie aus einem rumänischen Sammelband abgeschrieben zu haben – tatsächlich stellt sich heraus, dass der Sammelband eine Fälschung ist, die Grafs Arbeit ins Englische übertrug.

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Colchicin: A Hundred Years of Research

Colchicin: A Hundred Years of Research

· 2013

One Hundred Years of Chromosome Research: What Remains to be Learned, offers the reader a critical analysis of the observations and experiments that shaped the last 100 years of chromosome research, as well as the ideas which prevailed during this period. Emphasis is placed on what remains to be learned, particularly in light of reality of the sequencing of DNA which leaves the previous era of chromosome research as a prehistoric event.

🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 00:07:27 „Also das klingt wie ein unfassbar spektakulärer Fall. Nämlich danach, als habe er fast seine gesamte Doktorarbeit und die Abbildungen und die Literatur abgeschrieben von einem Sammelband, der wenige Jahre vor der Doktorarbeit und zwar Anfang der 80er Jahre in Rumänien erschienen sein soll, in englischer Sprache.“

Der Sammelband ist das zentrale Beweisstück des Falls: Er soll belegen, dass Professor Matthias Graf seine Doktorarbeit plagiiert hat. Es stellt sich jedoch heraus, dass der gesamte 367-seitige Band mit 13 Beiträgen eine aufwendige Fälschung ist – zusammengestellt vermutlich über eine internationale Ghostwriting-Agentur, mit zurückdatierten Quellen, Schriften aus den 2000er-Jahren und einem Wikipedia-Bild von 2004.

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D Studie

Doktorarbeit von Veronika Sass

Veronika Sass

Die Doktorarbeit von Veronika Sass, Tochter des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, wurde als umfangreiches Plagiat entlarvt. Der Skandal markierte einen Wendepunkt in der deutschen Plagiatsdebatte und führte direkt zur Gründung des VroniPlag Wiki, einer Plattform, die seitdem systematisch Doktorarbeiten auf wissenschaftliche Integrität überprüft. Der Fall zeigt die Bedeutung von Transparenz und Kontrolle in der akademischen Welt.

🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 00:15:22 „Veronika Sass, die Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Und die wurde eben auch überführt eines Plagiats. Und das war in diesem Kollektiv Vroniplak-Wiki.“

Anne Kunze erklärt den Ursprung des Namens VroniPlag Wiki: Die Plattform ist nach Veronika Sass benannt, deren Doktorarbeit als Plagiat entlarvt wurde. Ihr Fall dient als historischer Kontext für die Plagiatsjäger-Szene.

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Jetzt: Wie wir unser Land erneuern

Jetzt: Wie wir unser Land erneuern

Annalena Baerbock · 2024

Première puissance économique européenne et troisième mondiale, l'Allemagne a vu son poids diplomatique et politique croître considérablement depuis la réunification du pays. Mais le recul de l'influence de l'Occident, le début de la guerre en Ukrain

🗣 Anne Kunze erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:16:03 „Wir haben es bei Annalena Baerbock zum Beispiel auch gesehen im Wahlkampf. Deren Buch wurde auch untersucht.“

Anne Kunze erwähnt Baerbocks Buch als Beispiel dafür, dass Plagiatsjäger nicht nur wissenschaftliche Arbeiten, sondern auch politische Publikationen prüfen. Das Buch wurde im Bundestagswahlkampf 2021 auf mögliche Plagiate untersucht.

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Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg

Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg

Dokumentation über die Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenbergs Doktorarbeit. Der Artikel illustriert strukturelle, massive Plagiate durch eine Barcode-Visualisierung und dient als Paradebeispiel für wissenschaftliches Fehlverhalten. Die Analyse kontrastiert Guttenbergs klaren Fall mit ambivalenteren Fällen wie dem von Annette Schavan und zeigt systematische Muster beim Abschreiben auf.

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:20:25 „Das steht hier nicht dran, aber das ist so ein Gutenberg-Muster tatsächlich. Also der hatte wahnsinnig viel abgeschrieben.“

Andreas Sentker zeigt eine Barcode-Abbildung, die den Umfang von Plagiaten in Doktorarbeiten visualisiert. Er nutzt Guttenbergs Dissertation als Paradebeispiel für strukturelles, massives Abschreiben und kontrastiert sie mit dem weniger eindeutigen Fall von Annette Schavan.

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Doktorarbeit von Annette Schavan

Doktorarbeit von Annette Schavan

Annette Schavan

Annette Schavan verlor ihren Doktortitel wegen Plagiaten in ihrer Dissertation, allerdings in deutlich geringerem Ausmaß als andere prominente Fälle wie Karl-Theodor zu Guttenberg. Der Fall wird im Kontext der Debatte über unterschiedliche Zitierkonventionen verschiedener akademischer Disziplinen diskutiert und zeigt, wie die Fachkultur bei der Beurteilung von Plagiatsverstößen eine Rolle spielt.

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:20:30 „Es gibt eine andere prominente Politikerin, die auch ihren Doktortitel verloren hat. Da war das viel, viel strittiger. Ob das auch aus der Zitierkultur ihres Faches entstammt, das war Annette Schawan. Das war ein deutlich geringeres Plagiat.“

Im Gespräch über die Plagiatsjäger-Szene vergleicht Andreas Sentker verschiedene prominente Plagiatsfälle. Er stellt Schavans Dissertation als Gegenbeispiel zu Guttenbergs massivem Plagiat dar und weist auf die Fachkultur-Debatte hin.

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Artikel über Herrn Z. im British Medical Journal

Artikel über Herrn Z. im British Medical Journal

Ein Artikel im British Medical Journal aus dem Jahr 2010 dokumentiert den Fall eines Klinikarzezes in England, der als 'Herr Z.' bezeichnet wird und unter seinem vollen Namen in der Publikation erscheint. Der Arzt verschrieb rund 50 Patienten falsche Medikamente in medizinisch unsinnigen Dosierungen und schadete diesen Patienten dadurch erheblich. Der Bericht gilt als wissenschaftlich anerkannte Dokumentation eines schwerwiegenden Falles von ärztlichem Fehlverhalten. Journalist Andreas Sentker zitiert den Artikel als Beleg für die Vorgeschichte von Herrn Z. und dessen Verhalten gegenüber Patienten.

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:44:40 „Es gibt eine Vorgeschichte von Herrn Z. Diese Vorgeschichte ist ziemlich entlarvend und sie ist sogar in einem sehr anerkannten wissenschaftlichen Journal veröffentlicht worden, nämlich im British Medical Journal. 2010 war das.“

Andreas Sentker verweist auf einen Artikel im British Medical Journal von 2010, in dem Herr Z. mit vollem Namen genannt wird. Der Artikel dokumentiert, wie Z. als Klinikarzt in England Patienten falsche Medikamente in unsinnigen Dosierungen verschrieb und rund 50 Patienten schadete. Sentker führt den Artikel als Beleg für ein wiederkehrendes Verhaltensmuster an.

Zum Artikel bei Pmc.ncbi.nlm.nih.gov Details
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