Vom Durchschnittsbürger zum Kindermörder
Sabine Rückert, Andreas Sentker & Anita Blasberg
In dieser Folge stellen die Hosts das neue Verbrechensmagazin vor, das sich den Angehörigen von Tätern und Opfern widmet — jenen, die zurückbleiben. Besonders eindrücklich: eine Reportage von Eva Sudholt, in der eine Enkelin ihre Großmutter mit deren Mitschuld an der Kriminalität und psychischen Erkrankung des Vaters konfrontiert — ein transgenerationales Trauma, das sich über Generationen weitervererbt. Außerdem empfohlen: Georg Seßlens Essay über Horror-Ikonen des Kinos, Daniel Müllers Interview mit Vielschreiber John Grisham und Eva Sudholts Recherche über den Millionärssohn und Serienmörder Peter Hössl.
„Es ist ein transgenerationales Trauma. Also es ist eine Katastrophe, Familienkatastrophe, die sich über viele Generationen zieht.“
Erwähnte Medien (4)
Frau Holle (Pechmarie und Goldmarie)
Brüder Grimm · 2020
Frau Holle ist ein Märchen der Brüder Grimm. Es ist prototypisch für das Motiv der ungleichen Schwestern - die fleißig, freundlich und schön; die andere garstig und faul.Brüder Grimm nannten sich die Sprachwissenschaftler und Volkskundler Jacob Grimm und Wilhelm Grimm bei gemeinsamen Veröffentlichungen, wie zum Beispiel der ihrer weltberühmten Kinder- und Hausmärchen und dem Deutschen Wörterbuch, das sie begannen.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:20:19 „Das ist ja ein bisschen wie Märchen, nicht? Also Pechmarie und Goldmarie, das sind ja diese Märchenmotive, die immer wieder kommen und die ja letztlich auch einer tiefen Wahrheit entspringen. Diese tiefen psychologischen Deutungen von Märchen sagen ja auch, dass die ganz häufig so Familienstörungen beschreiben.“
Sabine Rückert zieht eine Parallele zwischen der Familiendynamik der beiden Schwestern Ursula und Annette und dem Grimm-Märchen Frau Holle mit den Figuren Pechmarie und Goldmarie. Die eine Schwester war das Sorgenkind, die andere der Sonnenschein – ein Muster, das laut Rückert in Märchen häufig tiefe Familienstörungen abbildet und hier zur Eskalation beigetragen hat.
Interview mit Ursula S.
Der Stern-Artikel berichtet über den Prozess um getötete Mädchen aus Krailling und den fragwürdigen Medienumgang danach. Besonders kritisiert wird die Ehefrau des Mörders, die zahlreiche Interviews gab und sich selbst als Opfer darstellte. Ein kolportiertes Stern-Interview für 20.000 Euro wird als Beispiel für diesen ethisch fragwürdigen Kurs genannt.
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:36:23 „RTL, Sat.1, es wurde kolportiert, dem Stern habe sie für 20.000 Euro ein Interview gegeben.“
Nach der Tat gab Ursula S., die Ehefrau des Mörders, zahlreiche Medieninterviews, in denen sie sich selbst als Opfer darstellte. Sabine Rückert erwähnt ein kolportiertes Interview im Stern für 20.000 Euro als Beispiel für den fragwürdigen Umgang der Schwägerin mit der Tat.
Interview mit der Mutter der ermordeten Mädchen
Porträt der Mutter eines ermordeten 14-jährigen Mädchens, das vor vier Jahren durch über 20 Messerstiche getötet wurde. Der Artikel dokumentiert, wie die Mutter mit ihrem Trauma umgeht – mit tagtäglichen Gedanken an ihr Kind, Suizidgedanken, aber auch dem Willen, dem Mörder nicht nachzugeben.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:38:42 „Und die Mutter der ermordeten Mädchen hat dann der Abendzeitung gesagt, es vergeht kein Tag, an dem ich nicht alle fünf Minuten an meine Kinder denke.“
Sabine Rückert zitiert aus einem Interview der Münchner Abendzeitung mit der Mutter der ermordeten Mädchen, in dem diese über ihr Trauma spricht – sie denke ständig an ihre Kinder und habe oft an Suizid gedacht, tue dem Mörder aber nicht den Gefallen.
Originalschreiben von Thomas S. an die Staatsanwaltschaft
Ein Gefangener namens Thomas S. richtete aus der Haft heraus beleidigende Schreiben an die Staatsanwaltschaft und Richter, in denen er diese als Vollidioten und Verbrecher beschimpfte. Das Magazin Focus veröffentlichte eines dieser Original-Schreiben, in dem er gegen eine Kostenrechnung von 236.000 Euro protestierte und ein Wiederaufnahmeverfahren forderte.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:40:42 „Da ist sogar ein Original, der Fokus hat ein Originalschreiben veröffentlicht, da schreibt er, von Schreiben dieser Art möchte ich auch zukünftig nicht mehr belästigt werden.“
Sabine Rückert berichtet, dass Thomas S. aus der Haft heraus beleidigende Briefe an die Staatsanwaltschaft schrieb, in denen er die Richter als Vollidioten und Verbrecher bezeichnete. Das Magazin Focus veröffentlichte eines dieser Originalschreiben, in dem er eine Kostenrechnung über 236.000 Euro zurückwies und ein Wiederaufnahmeverfahren forderte.