Ausgabe Sechsundzwanzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Aufgenommen am Mittag des russischen Einmarsches in die Ukraine am 24. Februar 2022, ringt diese Folge mit dem Schock über die Explosionen in Kiew seit den frühen Morgenstunden. Statt des geplanten Themas dreht sich alles um das Scheitern der Idee Wandel durch Handel — und die schmerzhafte Erkenntnis, dass Deutschland noch nach der Krim-Annexion 2014 die Verträge für Nord Stream 2 unterzeichnete.
„Ich bin einfach unendlich, unsagbar traurig über das, was da passiert.“
Erwähnte Medien (4)
Rede Wladimir Putins im Deutschen Bundestag
Wladimir Putin · 2025
DEUTSCHE OSTEUROPAPOLITIK – HINTERGRÜNDE UND POLITISCHE ENTSCHEIDUNGSPROZESSE Die Geschichte, Kultur und Politik Osteuropas während eines Krieges zu studieren und zu reflektieren, ist eine Herausforderung. Wie wird Osteuropa, wie wird Europa am Ende des Krieges beschaffen sein? Wie werden Geschichte und Kultur des östlichen Europas im Zuge des Krieges neu bewertet werden? Wie kann man erklären, dass es nach der Annexion der Krim keine entschlossene Kehrtwende in der deutschen Russlandpolitik gab...
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:10:01 „Der hat 2001 im Bundestag auf Deutsch diese Rede gehalten, wo er von dieser großen Freihandelszone träumte, von Vladivostok bis nach Lissabon, das war so die große Idee.“
Lanz verweist auf Putins berühmte Bundestagsrede von 2001 als Beleg dafür, wie sehr sich Russlands Kurs verändert hat. Damals warb Putin auf Deutsch für eine gemeinsame Freihandelszone von Wladiwostok bis Lissabon und zeigte sich offen für eine Annäherung an den Westen – ein scharfer Kontrast zur aktuellen Aggression.
Die Kunst, kein Egoist zu sein
Richard David Precht · 2010
Warum wir uns so schwer tun, gut zu sein Ist der Mensch gut oder schlecht? Ist er in der Tiefe seines Herzens ein Egoist oder hilfsbereit? Und wie kommt es eigentlich, dass sich fast alle Menschen mehr oder weniger für die »Guten« halten und es trotzdem so viel Unheil in der Welt gibt? Das Buch stellt keine Forderung auf, wie der Mensch zu sein hat.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:23:10 „Also ich hatte mich damit wirklich mal lange beschäftigt. Ich habe mal in meinem Buch »Die Kunst, kein Egoist zu sein« darüber geschrieben. Und bin dort auf einen Schweizer Anthropologen gestoßen, der nicht nur ein unglaublich sympathischer Mensch ist, sondern auch ein großer seines Fachs.“
Precht greift auf sein eigenes Buch zurück, um die Frage zu beantworten, warum Länder und Völker Kriege führen. In diesem Buch hat er sich intensiv mit der Anthropologie des Krieges beschäftigt und dabei den Schweizer Anthropologen Jürg Helbling und dessen Forschung entdeckt.
Tribale Kriege
Jürg Helbling · 2006
Im Unterschied zu Kriegen zwischen Staaten und zu Bürgerkriegen werden tribale Kriege zwischen Dorfgemeinschaften ausgetragen, die noch nicht oder nicht mehr von einer staatlichen Zentralgewalt kontrolliert werden. Anhand von Beispielen unter anderem aus Neuguinea, Amazonien und Ostafrika untersucht Jürg Helbling die Verlaufsformen und Ursachen dieser Kriege.
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:23:23 „Und der hat einen 600 Seiten Wälzer geschrieben. Der hat den etwas sozusagen nicht so griffigen Titel Tribale Kriege. Und darin versucht er genau diese Frage zu beantworten.“
Precht empfiehlt dieses anthropologische Fachbuch als zentrale Quelle für die Frage, warum Menschen Kriege führen. Der Autor, ein Schweizer Anthropologe, hat unter anderem bei einem Volk auf den Philippinen gelebt, das nie Krieg geführt hat, und leitet daraus zwei Hauptbedingungen für Krieg ab: Sesshaftigkeit und das Fehlen einer Zentralgewalt als Schiedsrichter.
Interview mit Christoph Heusgen in der Bild-Zeitung
BILD-Kommentar zu einem Interview mit dem ehemaligen Merkel-Berater Christoph Heusgen. Heusgen gibt darin zu, dass Putins Brutalität und Skrupellosigkeit über Jahre unterschätzt wurden. Das Eingeständnis zeigt einen fundamentalen Paradigmenwechsel in der deutschen Sicht auf Russland, besonders angesichts der aktuellen Aggression in der Ostukraine.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:28:13 „Und der sagt, dieser Tage, nachdem Putin seine radikalen Schritte da in der Ostukraine verkündet hat, den Kollegen von Bild, der Bild-Zeitung, man sei, ich zitiere, zu gutgläubig gewesen und habe, wieder Zitat, Putins Brutalität und Skrupellosigkeit immer unterschätzt.“
Lanz zitiert ein aktuelles Interview von Christoph Heusgen, dem langjährigen außenpolitischen Berater Angela Merkels, mit der Bild-Zeitung. Heusgens Eingeständnis, man habe Putins Brutalität unterschätzt, nutzt Lanz als Beleg dafür, wie fundamental sich die deutsche Einschätzung Russlands gewandelt hat – selbst bei den engsten Beratern der Kanzlerin.