Ausgabe Einundfuenfzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Die Episode beginnt mit dem Thema Vegetarismus und Tierrechte — 7,5 Millionen Vegetarier und 1,4 Millionen Veganer leben mittlerweile in Deutschland, Tendenz rasant steigend. Doch bevor die ethische Debatte richtig Fahrt aufnimmt, landet das Gespräch bei Prechts Kindheitstraum, Zoodirektor zu werden: Er berichtet von seinem Besuch auf der Konferenz der deutschen Zoodirektoren in Krefeld und zeichnet ein lebhaftes Bild der Zunft — von den alten Alpharüden wie den legendären Hecks bis hin zum erstaunlich gewandelten, weiblicheren Gesicht der heutigen Zoo-Welt.
„Also das waren richtig vielschrötige Machos. Also so dicht dran am Großwildtiger.“
Erwähnte Medien (7)
Tiere denken: Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen
Richard David Precht · 2016
Basierend auf dem 1997 erschienenen Titel „Noahs Erbe“ – von den Lesern lange erwartet. Wie sollen wir mit Tieren umgehen? Wir lieben und wir hassen, wir verzärteln und wir essen sie. Doch ist unser Umgang mit Tieren richtig und moralisch vertretbar? Richard David Precht untersucht mit Scharfsinn, Witz und Kenntnisreichtum quer durch alle Disziplinen die Strukturen unserer Denkmodelle.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:00:49 „Ich weiß, dass du ein Buch dazu gemacht hast. Wir haben uns beide auch schon mal darüber unterhalten.“
Markus Lanz leitet das Thema Vegetarismus und Tierrechte ein und verweist dabei auf Prechts bekanntes Buch zu diesem Thema. Es dient als Ausgangspunkt für das gesamte Gespräch über die Frage, ob wir Fleisch essen sollten und welche Rechte Tiere haben.
Der Panther
Rainer Maria Rilke · 2025
"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, daß er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt. Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, der sich im allerkleinsten Kreise dreht, ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der betäubt ein großer Wille steht. Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille sich lautlos auf -.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:18:40 „Das ist der Panther. Ja, genau. Die Welt nur aus Stäben besteht. Also die sind malade im Kopf.“
Im Gespräch über Eisbären im Zoo, die durch ihren Wandertrieb zwanghaft hin- und herlaufen und sich über die eigene Achse drehen, zieht Markus Lanz den Vergleich zu Rilkes berühmtem Gedicht 'Der Panther', in dem ein eingesperrtes Tier die Welt nur noch als Gitterstäbe wahrnimmt. Precht greift das Zitat auf und bekräftigt, dass diese Tiere psychisch krank werden.
Auflistung zum Artensterben
Der Internet-Experte Markus Beckedahl warnt, dass wir zu abhängig von den USA sind.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:22:15 „Dieser Tage bei den Kollegen der Zeit, die haben mal so eine Auflistung gemacht. Wie sehr dieses Artensterben bereits begonnen hat.“
Markus Lanz verweist auf einen aktuellen Artikel der ZEIT, der das fortschreitende Artensterben dokumentiert. Er nutzt die dort aufgelisteten Beispiele – Schildkröten mit Männermangel, Elefanten ohne Stoßzähne, scheiternde Albatros-Ehen – als Grundlage für den weiteren Gesprächsverlauf über die Auswirkungen des Klimawandels auf Tierarten.
Wer Tiere liebt, sollte sie essen
Christina Berndt
Christina Berndt von der Süddeutschen Zeitung argumentiert in ihrem Essay provokativ, dass Vegetarismus nicht zwingend ethisch überlegen ist. Sie kontert gängige Kritik am Fleischkonsum mit der These, dass ein vollständiger Verzicht auf tierische Produkte Tierleben verhindert und damit auch Tierglück. Der Text hinterfragt das ethische Dilemma des Fleischkonsums und behandelt auch die Probleme der Milchwirtschaft.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:38:23 „Christina Berndt, sehr gute, sehr produktive Autorin von der Süddeutschen Zeitung, hat einen interessanten Essay dazu geschrieben, sehr provokant. Überschrift, wer Tiere liebt, sollte sie essen. Eine Welt voller Vegetarier wäre keine gute, schreibt sie da, denn wer Leid verhindert, indem er Leben verhindert, verhindert auch Glück.“
In der Diskussion darüber, ob Menschen generell auf Fleisch verzichten sollten, zitiert Lanz ausführlich aus einem Essay der Süddeutsche-Zeitung-Wissenschaftsredakteurin Christina Berndt. Der Essay argumentiert provokant, dass Vegetarismus Tierleben verhindere und damit auch Tierglück. Lanz liest mehrere Passagen daraus vor, unter anderem über die Problematik der Milchwirtschaft und der Kälbchen, und nutzt den Text als Diskussionsgrundlage für das ethische Dilemma des Fleischkonsums.
Noahs Erbe
Richard David Precht · 2013
Das Verh„ltnis zwischen Menschen und anderen Tieren hat zahlreiche Facetten, ist so alt wie der Mensch selbst und hat wiederum Einfluss auf zwischenmenschliche Beziehungen. Eine strenge Hierarchie l„sst den Menschen als legitimen Herrscher erscheinen und tradiert dieses Verh„ltnis zumeist unhinterfragt; es wird im Rahmen der Sozialisation, unter anderem auch durch Sprache, fest in unseren K”pfen verankert.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:54:38 „Und als ich damals in dem Buch schon anfing, so zu prognostizieren, dass das vielleicht die Zukunft sein könnte, fühlte ich mich im Jahr 1997 noch richtig verwegen. Als ich das Buch dann vor einigen Jahren überarbeitet hatte, musste ich sehen, hier war endlich mal was so ein bisschen in die Richtung gelaufen, wie ich es erwartet habe.“
Precht spricht über sein eigenes Buch von 1997, in dem er die Entwicklung der Tierrechtsbewegung prognostizierte – damals ein Nischenthema auf Dachterrassen in Williamsburg oder am Prenzlauer Berg. Jahre später bei der Überarbeitung stellte er fest, dass sich die Gesellschaft tatsächlich in die von ihm vorhergesagte Richtung bewegt hatte. Der Titel wird nicht explizit genannt, aber Thema (Tierethik) und Jahr (1997) deuten stark auf 'Noahs Erbe' hin, das später in 'Tiere denken' (2016) weiterentwickelt wurde.
The Great Ape Project
Peter Singer, Paola Cavalieri · 2019
In this Tenth Anniversary Edition of The Life You Can Save, Peter Singer brings his landmark book up to date. In addition to restating his compelling arguments about how we should respond to extreme poverty, he examines the progress we are making and recounts how the first edition transformed the lives both of readers and the people they helped. Learn how you can be part of the solution, doing good for others while adding fulfillment to your own life.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:55:43 „Ob man denen nicht zumindest die Grundrechte gewährt, also Recht auf körperliche Unversehrtheit, was bedeutet, dass man also Menschenaffen nicht für Laborversuche benutzen kann oder das Recht auf Freizügigkeit, also sich aussuchen können, wo sie leben wollen, dann könnte man sie nicht mehr im Zoo oder im Zirkus halten. Und diese Forderung gibt es seit Mitte der 90er Jahre.“
Precht spricht über die Forderung, Menschenaffen Grundrechte zu gewähren. Er verweist auf eine seit Mitte der 90er Jahre bestehende Initiative – das Great Ape Project von Peter Singer und Paola Cavalieri (1993), das genau diese Forderungen erstmals systematisch formulierte.
Die Vermessung der Welt
Daniel Kehlmann · 2005
The young Austrian writer Daniel Kehlmann conjures a brilliant and gently comic novel from the lives of two geniuses of the Enlightenment. Toward the end of the eighteenth century, two young Germans set out to measure the world. One of them, the Prussian aristocrat Alexander von Hum-boldt, negotiates savanna and jungle, travels down the Orinoco, tastes poisons, climbs the highest mountain known to man, counts head lice, and explores every hole in the ground.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 01:00:12 „Daniel Kehlmann, 2006, auf die Frage, worüber werden wir in 200 Jahren lachen oder staunen, dass wir Tiere in Fabriken gehalten haben, das wird es in 200 Jahren nicht mehr geben.“
Lanz zitiert Daniel Kehlmann mit einer Prognose aus dem Jahr 2006 zur Zukunft der Massentierhaltung. Kehlmann wird als bekannter Autor namentlich genannt, sein bekanntestes Werk 'Die Vermessung der Welt' erschien 2005. Das Zitat stammt vermutlich aus einem Interview zur Buchpromotion.