Ausgabe Zweiundsiebzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Vom Weltwirtschaftsforum in Davos ausgehend diskutieren die beiden den grassierenden Pessimismus in Europa — von Antonio Guterres' Autobahn-in-die-Klimahölle-Metaphorik bis zu Niall Fergusons brutaler Diagnose, Europa sei ein elendes Museum. Daneben geht es um Frank Sierens Buch *Zukunft China* und die Frage, ob der europäische Kulturpessimismus mehr mit Mentalität als mit der Realität zu tun hat.
„Ich begebe mich so langsam sozusagen auf das gefühlte Altersniveau dieses Landes, das irgendwo zwischen 60 und 70 liegt.“
Erwähnte Medien (5)
Zukunft? China!
Frank Sieren · 2018
Von künstlicher Intelligenz bis Hollywood: Wo China inzwischen den Takt vorgibt China-Kenner Frank Sieren schildert aus erster Hand, was China so erfolgreich macht. Und warum Europa, ja selbst Deutschland, dabei ist, den Anschluss zu verlieren. Das Reich der Mitte ist ehrgeizig, schnell, innovativ, gut organisiert und lässt sich von uns nichts mehr vorschreiben. Erstmals seit Jahrhunderten wird ein asiatisches Land wieder Weltmacht, mit den USA ist ein Handelskrieg entbrannt.
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:03 „Du liest gerade sein Buch? Ja, du liest das Buch Zukunft China. Ja, super Buch. Also man lernt die Welt mit anderen Augen zu sehen.“
Precht und Lanz sprechen über China und Prechts Sendung mit Frank Sieren. Precht empfiehlt Sierens Buch enthusiastisch und fasst die Quintessenz zusammen: Man sollte die eigene Perspektive auf die Welt nicht für die einzige halten.
Interview mit Niall Ferguson
Niall Ferguson
Der Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson verteidigt in diesem Interview Donald Trump als Präsident der USA und kontrastiert dies mit seiner Kritik an Europa. Ferguson argumentiert, dass Europa zu einer statischen Institution, einem Museum, geworden ist, während innovative Menschen nach Kalifornien abwandern. Das Interview behandelt Fergusons These zum wirtschaftlichen Niedergang Europas und der technologischen Dynamik der USA unter Trump.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:02:27 „Das Originellste dazu habe ich gelesen, ich glaube bei den Kollegen der Welt, die hatten ein wunderbares Interview mit Niall Ferguson, das ist mein bevorzugter Wirtschaftshistoriker, Schotte, einer der sich immer traut unbequeme Dinge zu sagen und der sagte, die Sache ist ganz einfach, Europa ist einfach ein elendes Museum.“
Im Kontext der Davos-Diskussion zitiert Lanz ein Interview der Zeitung 'Die Welt' mit dem Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson. Ferguson provoziert mit der These, Europa sei ein Museum und junge Menschen mit guten Ideen gingen nach Kalifornien. Lanz nennt Ferguson seinen bevorzugten Wirtschaftshistoriker.
Das Geschenk Cäsars
René Goscinny, Albert Uderzo · 2014
Das Geschenk Cäsars (französischer Originaltitel: Le Cadeau de César) ist ein Comic der Asterix-Serie, der von René Goscinny geschrieben und von Albert Uderzo gezeichnet wurde. Der Comic erschien erstmals 1974 als 21. Band der Reihe.
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:09:11 „Ich begründe das immer so mit Methusalix. Im Geschenk Cäsars sagt Methusalix nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde, aber diese Fremden hier, die sind nicht von hier.“
Precht zitiert den Asterix-Band 'Das Geschenk Cäsars', um zu illustrieren, wie Menschen zwischen verschiedenen Graden von Fremdheit unterscheiden. Die Methusalix-Figur dient ihm als humorvolle Analogie für die europäische Wahrnehmung: Deutsche, Europäer als 'Fremde, die Freunde sind', und der Rest der Welt als 'Fremde, die nicht von hier sind'.
UN prognostiziert Katastrophe, wenn Klimawandel nicht unter Kontrolle gerät
Um die Umwelt steht es schlimmer als befürchtet: Die Temperaturen steigen weiter, Arten verschwinden immer schneller, Müllberge wachsen. Das zeigt ein UN-Bericht. Forscher warnen vor kurzsichtigen Entscheidungen. Von Linda Staude.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:13:13 „Es gibt eine schöne Geschichte dazu, Richard, und zwar einen AP-Artikel, Associated Press. Überschrift UN prognostiziert Katastrophe, wenn Klimawandel nicht unter Kontrolle gerät. Einer von vielen Artikeln, die in der Zeit erschienen sind, klingt nach Weltuntergang.“
Lanz nutzt einen AP-Artikel von Juni 1989 als Beleg für seine These, dass Alarmismus beim Klimathema nicht neu ist. Der Artikel prognostizierte Katastrophen bis zum Jahr 2000 mit einem Zeitfenster von zehn Jahren – dieselbe Rhetorik, die auch heute noch verwendet wird. Lanz will damit zeigen, dass solche Zeitangaben sich regelmäßig als falsch erweisen.
Zitat über Deutschlands Modell und Merkels Erbe
Niall Ferguson
Der schottische Historiker Niall Ferguson analysiert Deutschlands Abhängigkeiten nach dem Ukraine-Krieg: von russischem Gas, chinesischen Exporten und amerikanischen Sicherheitsgarantien. Er zieht historische Parallelen zur Rolle des 'deutschen Michel' im 19. Jahrhundert und kritisiert damit Merkels Erbe sowie die Fragilität des deutschen Wirtschaftsmodells.
🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:40:42 „Niall Ferguson, nochmal zum Abschluss, Richard, der Historiker aus Schottland, hat einen total guten Satz gesagt über Deutschland. Ich zitiere mal. Vor dem Ukraine-Krieg habt ihr in Deutschland ein wahnhaftes Leben geführt und geglaubt, dass Mutti euch dauerhafte Stabilität verschafft. Seit Kriegsausbruch ist klar, dass das deutsche Modell von russischem Gas, von Exporten nach China und von Amerikas Sicherheitsgarantien abhängig ist. Merkels Erbe ist, dass Deutschland wieder der Michel ist, der es im 19. Jahrhundert schon mal war.“
Am Ende der Folge bringt Lanz ein Zitat des schottischen Historikers Niall Ferguson, um seine Argumentation über die Fragilität des deutschen Wirtschaftsmodells zu untermauern. Ferguson diagnostiziert darin eine dreifache Abhängigkeit Deutschlands — von russischem Gas, chinesischen Exportmärkten und amerikanischen Sicherheitsgarantien — und vergleicht die heutige Lage mit der Verschlafenheit des 'deutschen Michel' im 19. Jahrhundert. Das Zitat dient als provokante Zusammenfassung der ganzen Davos-Debatte über Deutschlands Zukunft.