Lanz & Precht – Ausgabe Einundneunzig
#091

Ausgabe Einundneunzig

Lanz & Precht / 02. Juni 2023 / 12 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Eine Katze, die Thunfisch bestellen will, wird zum Ausgangspunkt für ein Gespräch über das Wunder der menschlichen Sprache. Über Wittgensteins Erkenntnis, dass erst das Wort *Hoffen* dem Kind das Hoffen ermöglicht, bis zu Mark Twains Spott über die deutsche Sprache, die nur Tote Zeit hätten zu lernen — die Episode kreist um die Frage, wie Sprache nicht nur unsere äußere, sondern auch unsere innere Welt überhaupt erst erschafft.

„Es gibt kein Hoffen in dem Sinne. Es gibt aber das Wort Hoffen. Und wenn das Kind das Wort Hoffen zum ersten Mal verstanden hat und selbst benutzt, dann geht es von nun an davon aus, dass es hofft.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (12)

Philosophische Untersuchungen

Philosophische Untersuchungen

Ludwig Wittgenstein · 2001

Posthumously published work by Wittgenstein, in which he came to overthrow some number of his earlier ideas as published in the Tractatus.

🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:02:00 „Es gibt eine ganz tolle Beobachtung von Wittgenstein aus seinem Spätwerk. Und da geht es um das Wort Hoffen. Und er sagt, Hoffen ist nicht etwas, was ein Kind in sich vorfindet.“

Precht nutzt Wittgensteins Spätwerk, um zu illustrieren, wie Sprache unsere innere Welt formt. Das Beispiel des Wortes 'Hoffen' zeigt, dass bestimmte Gefühlszustände erst durch Sprache greifbar werden — keine Biologie, sondern ein sprachliches Konstrukt.

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Deutsch – Eine Liebeserklärung

Deutsch – Eine Liebeserklärung

Roland Kaehlbrandt · 2022

Roland Kaehlbrandts Bestseller würdigt die Vielfalt und Schönheit der deutschen Sprache anhand konkreter Beispiele. Er demonstriert, wie ein einfacher Satz durch unterschiedliche Betonung völlig neue Bedeutungen erhält und wie reich das Deutsche durch zahlreiche Höflichkeitspartikel ist. Das Buch ist eine leidenschaftliche Liebeserklärung an die Komplexität und Eleganz des Deutschen, die seinen Reichtum und seine subtilen Nuancen würdigt.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:07:06 „Und ich habe dieser Tage über ein wunderbares Buch gelesen von Roland Kählbrandt, den du wahrscheinlich kennst, Sprachwissenschaftler, der einen Bestseller gemacht hat über Deutsch, eine Liebeserklärung. Und sozusagen davon schwärmt, wie schön diese deutsche Sprache ist und wie vielfältig sie ist.“

Lanz stellt das Buch als zentrale Inspiration für das Gespräch vor. Er nutzt daraus das Beispiel, dass ein einfacher deutscher Satz je nach Betonung völlig unterschiedliche Bedeutungen bekommt, um den Reichtum der deutschen Sprache zu demonstrieren. Das Buch liefert auch die Beobachtung, dass 13 von 100 gesprochenen deutschen Wörtern Höflichkeitspartikel sind.

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Eine kurze Geschichte der Menschheit

Eine kurze Geschichte der Menschheit

Yuval Noah Harari · 2024

Der Millionenseller jetzt aktualisiert und mit neuem Nachwort Vor 100.000 Jahren lebte Homo Sapiens als unbedeutende Spezies in einem abgelegenen Winkel des afrikanischen Kontinents. Heute ist der Mensch Herr und Schrecken des Planeten. Wie konnte es dazu kommen? In seiner fulminanten Reise von den Menschenaffen bis zum Cyborg entwirft Yuval Noah Harari mit seinem international gefeierten Bestseller »Sapiens - Eine kurze Geschichte der Menschheit« das große Panorama unserer eigenen Geschichte – ...

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:24:57 „Also ich würde jetzt zurückgehen, Harari, 6 Millionen Jahre. Stell dir vor, also am allernächsten stehen uns ja, du bist der Zoologe von uns beiden, Schimpansen.“

Lanz referenziert Harari beiläufig, als er die Zeitskala von sechs Millionen Jahren einführt, um über den gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Schimpansen zu sprechen. Die Erwähnung dient als gedanklicher Rahmen für die Diskussion über den Ursprung der Sprache.

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Homo Ludens

Homo Ludens

Johan Huizinga · 1987

Ein grundlegendes Element unserer Kultur ist das Spiel. Der Mensch ist ein Spieler - und ohne seine Lust und Fähigkeit zum Spielen hätten sich ganze Bereiche seiner Kultur nicht entwickelt: die Dichtung, das Recht, die Wissenschaft, die bildende Kunst, die Philosophie und viele andere. Johan Huizinga, der grosse holländische Historiker und Kulturphilosoph, hat in diesem Buch eine Theorie der Kultur entworfen, in der er dem Denker (homo sapiens) und dem Tätigen (homo faber) den Menschen als Spiel...

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:30:55 „Homo ludens, der spielende Mensch. Ja, absolut.“

Im Gespräch über den Ursprung der Sprache diskutieren Lanz und Precht die These, dass Sprache und Musik nicht aus funktionalem Nutzen entstanden sind, sondern aus spielerischer Verspieltheit. Lanz greift das Konzept des 'Homo ludens' auf, das auf Huizingas gleichnamiges Werk zurückgeht, um die Idee zu unterstreichen, dass der spielende Mensch eine zentrale Rolle in der kulturellen Evolution hatte.

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Sapiens: A Brief History of Humankind

Sapiens: A Brief History of Humankind

Yuval Noah Harari · 2014

'Interesting and provocative... It gives you a sense of how briefly we've been on this Earth' Barack Obama What makes us brilliant? What makes us deadly? What makes us Sapiens? One of the world's preeminent historians and thinkers, Yuval Noah Harari challenges everything we know about being human. Earth is 4.5 billion years old. In just a fraction of that time, one species among countless others has conquered it: us.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:38:58 „Harari schreibt das auch so herrlich und sagt, also die Vorstellung, der ist ja Historiker, Geschichtsprofessor in Jerusalem, soweit ich weiß, die Vorstellung, dass Geschichtsprofessoren zusammensitzen in der Kantine und lauter geistig hochtrabendes Zeug und philosophische Dinge und hochintellektuelles Zeug austauschen, ist natürlich Quatsch. Sondern die reden darüber, wer mit wem und was wann und wo und einfach richtig Klatsch und Tratsch.“

Hararis These über den Ursprung der Sprache zieht sich als roter Faden durch diesen Gesprächsabschnitt. Lanz und Precht diskutieren seine Idee, dass Sprache sich primär für Klatsch und Tratsch entwickelt hat – nicht für funktionale Zwecke wie Jagdkoordination. Hararis Argument, dass nur der Mensch über Dinge sprechen kann, die nicht existieren, wird ausführlich zitiert und als Schlüsselunterschied zum Tier herausgearbeitet.

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Stopping by Woods on a Snowy Evening

Stopping by Woods on a Snowy Evening

Robert Frost · 2021

Illustrations of wintry scenes accompany each line of the well-known poem.

🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:47:55 „Es gibt ein Gedicht von Robert Frost. 'Das Wald ist dunkel, zieht mich an, doch muss ich zum Versprechen stehen und Meilen gehen, bevor ich schlafen kann.' Das ist zum Beispiel was, was mir immer, wenn ich durch den dunklen Tann gehe, einfällt. Und die letzte Stufe vor dem An-Nichts-Denken, das ist für mich immer dieses Robert-Frost-Gedicht.“

Precht wird nach seinen Lieblingstexten gefragt und nennt dieses Gedicht als persönlichen Begleiter bei Naturerlebnissen. Er zitiert sowohl die deutsche Übersetzung als auch das englische Original und lobt besonders die Übersetzungsleistung, die aus zwei Paarreimen einen umschließenden Reim gemacht hat, um das gleiche Gefühl zu transportieren.

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Wandrers Nachtlied (Über allen Gipfeln ist Ruh)

Wandrers Nachtlied (Über allen Gipfeln ist Ruh)

Johann Wolfgang von Goethe · 1872

Ein klassisches Gedicht über die beruhigende Kraft der Natur und die Stille auf den Bergspitzen. Das Werk beschwört innere Ruhe und Einsamkeit als Gegenpol zur Welt des Lärms und der Unruhe.

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:48:05 „Bei mir ist es eher so Goethe. Über allen Wipfeln herrscht Ruhe und mir fallen auch schon die Augen zu. So haben wir das dann immer umgedichtet. Das war ja so unsere Art, uns dem zu nähern.“

Als Gegenstück zu Prechts Robert-Frost-Gedicht nennt Lanz Goethes berühmtes Gedicht als sein persönliches Pendant. Er erzählt schmunzelnd, wie er und andere es humorvoll umgedichtet haben – eine beiläufige, aber persönliche Referenz auf den Klassiker.

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Wolgalied

Wolgalied

Der Zarewitsch ist eine Operette in drei Akten von Franz Lehár mit dem Libretto von Bela Jenbach und Heinz Reichert nach dem gleichnamigen Theaterstück von Gabriela Zapolska. Die Uraufführung fand am 16. Februar 1927 im Deutschen Künstlertheater in Berlin statt.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:49:57 „Und das waren diese Männer, die ihre Gefühle nicht gezeigt haben. Aber wenn man denen dann das Volga-Lied vorgespielt hat oder so, dann schossen ihnen die Tränen in den Augen. Und das Volga-Lied ist natürlich eine Fiktion.“

Precht nutzt das Wolgalied als Beispiel dafür, wie Fiktion stärkere Emotionen auslösen kann als reale Erlebnisse. Kriegsveteranen, die bei echten Erinnerungen an gefallene Kameraden keine Tränen zeigten, weinten beim Hören dieses Liedes – ein Beleg für Hararis These, dass fiktive Erzählungen den Menschen stärker bewegen als die Realität.

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Anleitung zum Unglücklichsein

Anleitung zum Unglücklichsein

Paul Watzlawick · 2007

Anleitung zum Unglücklichsein ist ein Sachbuch, das der österreichische Psychologe Paul Watzlawick im Jahr 1983 veröffentlichte.

🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:54:21 „Du kennst deine Buchanleitung zum Unglücklichsein? Ja, war damals ein ziemlicher Bestes. Er hat viel Witz. Er hat es geschafft, Philosophie mit einer ganz großen Leichtigkeit und Sicherheit und Präzision miteinander zu kombinieren.“

Nachdem Lanz Paul Watzlawick und seine Kommunikationstheorien vorgestellt hat, kommt Precht auf dieses Buch zu sprechen. Er lobt Watzlawicks Fähigkeit, Philosophie mit Witz und Leichtigkeit zu verbinden, und sieht darin eine typisch österreichische Begabung, die er mit Robert Musil vergleicht.

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Der Mann ohne Eigenschaften

Der Mann ohne Eigenschaften

Robert Musil · 1930

Robert Musils unvollendeter Monumentalroman, erschienen ab 1930. Das Werk begleitet den Mathematiker Ulrich durch das Wien des Jahres 1913 und verbindet essayistisches Denken mit erzählerischer Brillanz. Musil entwirft ein Panorama der untergehenden k.u.k.-Monarchie und fragt nach den Möglichkeiten eines gelingenden Lebens.

🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:54:42 „Weil mein absoluter Lieblingsschriftsteller Robert Musil genau die gleiche Kunst beherrscht hat. Mann ohne Eigenschaften? Ja, also das ist ein wahnsinnig tiefgründiges Buch. Aber jeder einzelne Satz für sich genommen hat eine gewisse Leichtfüßigkeit und immer auch etwas Augenzwinkernes.“

Precht nennt Robert Musil seinen absoluten Lieblingsschriftsteller und zieht eine direkte Linie von Watzlawicks Stil zu Musils Meisterwerk. Er bewundert die Verbindung von Tiefgründigkeit und Leichtigkeit und nutzt das Buch als Beleg für seine These, dass die österreichische Sprache besonders zum Philosophieren geeignet sei.

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Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben

Ulrich Roski

Klassisches Absurdlied des Liedersängers Ulrich Roski aus den 1970er Jahren über einen eskalierenden Nachbarschaftskonflikt. Die humorvolle Anekdote zeigt, wie eine simple Bitte um eine Bierflasche in der Vorstellungswelt des Erzählers immer düstere Ausmaße annimmt. Das Lied thematisiert, wie menschliche Wahrnehmung und Annahmen eine Situation verzerren können – eine Variation bekannter Anekdoten zur zwischenmenschlichen Kommunikation.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:56:18 „Ja, ich kannte die nur in der Version von Ulrich Roski vorher. Ja, es gibt nämlich ein Lied von Ulrich Roski, so ein Blödelbade der 70er, das exakt denselben Inhalt hat. Und ich weiß bis heute nicht, hat Watzlawick das von Roski oder Roski von Watzlawick?“

Precht merkt an, dass er die Hammer-Geschichte zuerst als Lied von Ulrich Roski kannte, einem Liedermacher der 70er-Jahre. Bei Roski geht es darum, sich eine Flasche Bier zu leihen, aber die Pointe ist dieselbe: Der Nachbar wird in der Vorstellungswelt immer dämonischer. Precht fragt sich, wer die Geschichte von wem übernommen hat.

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Planet of the Apes: New Kingdom

Planet of the Apes: New Kingdom

· 2024

Etwa 300 Jahre nach der blutigen und verlustreichen Schlacht zwischen den von Caesar angeführten Affen und den Menschen unter Kommando des Colonels, haben sich in der Oase, in die Caesar seine Artgenossen einst geführt hat, mehrere Affengesellschaften parallel entwickelt. Die Menschen hingegen sind wieder Wilde geworden. Einige der Affenclans haben noch nie etwas von Caesar gehört. Andere wiederum nutzen dessen Legendenstatus aus, um seine Lehren zugunsten ehrgeiziger Ziele zu verdrehen.

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:58:37 „Ja, vielleicht wird die ganze Zivilisation am Ende nur noch aus einer Welt bestehen, in der sich Realität und Fiktion mit keinem Mittel mehr unterscheiden lassen. Das wäre dann auf dem Planet der Affen quasi das letztmögliche Experiment.“

Im Gespräch über KI-generierte Bilder und die zunehmende Ununterscheidbarkeit von Realität und Fiktion zieht Precht eine dystopische Parallele zu Planet der Affen. Er nutzt die Referenz als Metapher für ein Endstadium der Zivilisation, in dem die Menschheit an ihren eigenen Erfindungen scheitert.

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