Wie viel Gefuehl vertraegt die Politik
Markus Lanz & Richard David Precht
Ausgehend von Eva Illouz' These, dass politische Macht hat, wer die "Angstagenda" kontrolliert, diskutieren die beiden die Rolle von Emotionen in der Politik. Wer die größten Ängste der Menschen — aktuell Inflation und Migration — zu seinem Thema macht, dominiert die Debatte, während komplexere Bedrohungen wie der Klimawandel politisch kaum verfangen, weil sie keine einfachen Lösungen bieten.
„Derjenige, der die stärksten und größten Ängste zu seinem Thema macht, das ist immer derjenige, der aktuell in der politischen Diskussion gewinnt oder im Aufwind ist.“
Erwähnte Medien (14)
Kommentar über Kevin Kühnerts Rücktritt
Peter Dausend
Peter Dausends Kommentar analysiert die psychologische Belastung von Kevin Kühnerts Rücktritt als SPD-Generalsekretär. Der Artikel untersucht, was das permanente Gefühl des Müssens und ständigen Überforderns mit Menschen macht. Dausend sieht in Kühnerts Abschiedssatz über das „Hinauswachsen-Müssen" einen versteckten Hilferuf und kritische Reflexion über die Grenzen menschlicher Belastbarkeit in politischen Positionen.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv „Peter Dausend war es, glaube ich, in der Zeit, der hat einen sehr intelligenten, wie ich finde, Kommentar darüber gerade geschrieben, was das eigentlich mit Menschen macht, dieses ewige Müssen, ja, also dieses Gefühl, also jeder von uns muss und wird in dieser Kampagne über sich hinaus wachsen.“
Im Zusammenhang mit Kevin Kühnerts Rücktritt als SPD-Generalsekretär empfiehlt Lanz einen ZEIT-Kommentar von Peter Dausend. Der Artikel analysiert, was das permanente Müssen in der Politik mit Menschen macht – und deutet Kühnerts Abschiedssatz über das ‚Hinauswachsen-Müssen' als versteckten Hilferuf.
Artikel in der NZZ (Interview mit Eva Illouz)
Eva Illouz
Interview mit der Soziologin Eva Illouz in der NZZ über die Kontrolle von Angst als politisches Machtinstrument. Illouz untersucht, wie Angst strategisch zur Machtausübung und politischen Kontrolle eingesetzt wird.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:00:37 „Und es gibt da so einen Satz aus einem Interview, über das ich gestolpert bin, aus der NZZ meine ich“
Lanz zitiert aus einem NZZ-Interview mit Eva Illouz über die Kontrolle der Angstagenda als politisches Machtinstrument
Interview mit Eva Illouz
NZZ
Die israelische Soziologin Eva Illouz analysiert in diesem Artikel, wie Emotionen wie Angst, Wut und Liebe die politische Landschaft prägen. Sie untersucht, wer mit unseren Gefühlen spielt und davon profitiert. Ihr zentrales Argument: Politische Macht haben heute jene, die die Angstagenda kontrollieren und damit die öffentliche Debatte lenken.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:01:06 „Und es gibt da so einen Satz aus einem Interview, über das ich gestolpert bin, aus der NZZ meine ich, wo sie so sinngemäß sagt, heutzutage hat derjenige politische Macht, der die Angstagenda, so nennt sie das, kontrolliert.“
Markus Lanz leitet das Gespräch über Emotionen in der Politik ein, indem er auf ein NZZ-Interview mit Eva Illouz verweist, in dem sie ihre These über die politische Kontrolle durch Angst formuliert.
Explosive Moderne
Eva Illouz
Eva Illouz' Buch untersucht, wie Emotionen die moderne Politik prägen. Die zentrale These: Wer die Angstagenda kontrolliert, kontrolliert politische Macht. Das Werk bietet einen intellektuellen Rahmen zum Verständnis emotionaler Mechanismen in heutigen politischen Konflikten.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:04:49 „Und jetzt hat sie dieses neue Buch geschrieben, wo ich demnächst mit ihr darüber reden werde, in meiner Sendung. Explosive Moderne.“
Precht kündigt an, mit Illouz über das Buch in seiner Sendung zu sprechen, und erklärt, warum es ihm eine Antwort auf die Frage gibt, warum so viele Menschen wütend und unzufrieden sind
Der Konsum der Romantik
Eva Illouz
Soziologische Analyse darüber, wie die Konsumindustrie romantische Symbolik und Rituale erfunden hat. Das Buch zeigt, dass vermeintlich intime Gefühle und Praktiken wie der Valentinstag von der kapitalistischen Warenwelt geschaffen wurden – eine kritische Dekonstruktion von Romantik als Konsumprodukt.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:05:50 „Ich habe ja selber mal ein Buch über die Liebe geschrieben. Und dafür habe ich das Buch von Eva Illus, also israelischen Soziologin, gelesen, zwei, drei Jahre älter ist als ich. Der Konsum der Romantik. Ein intelligentes Buch, das erzählt, wie die ganze Liebessprache und die ganze Liebessymbolik von der Konsumindustrie erfunden wurde.“
Precht erzählt, wie er Eva Illouz erstmals als Autorin entdeckt hat – über ihr Buch 'Der Konsum der Romantik', das er für sein eigenes Buch über die Liebe gelesen hat. Das Buch zeigt, wie romantische Rituale wie der Valentinstag von der Konsumindustrie geschaffen wurden und vermeintlich intime Gefühle gesellschaftlich überformt sind.
Bücher über AfD-Wähler unter jungen Menschen
Rüdiger Maas · 2026
Die Alternative für Deutschland (abgekürzt AfD) ist eine rechtsextreme und rechtspopulistische, völkisch-nationalistisch ausgerichtete politische Partei in Deutschland. Sie wurde 2013 gegründet, zog bei der Europawahl 2014 in das Europäische Parlament, später in alle deutschen Landesparlamente und bei der Bundestagswahl 2017 mit der drittstärksten Fraktion in den 19. Deutschen Bundestag ein. Seit der Bundestagswahl 2025 stellt sie die zweitstärkste Fraktion.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:15:44 „Ich muss gerade an ein Gespräch mit Rüdiger Maas denken. Das ist ein sehr interessanter Mann, war vor einiger Zeit bei uns in der Sendung, hat tolle Bücher gemacht. Psychologe, der dem Phänomen nachgespürt hat, warum so viele junge Leute beispielsweise die AfD wählen.“
Lanz greift den Gedanken von Eva Illouz über Scham und Stolz auf und verbindet ihn mit der Forschung des Psychologen Rüdiger Maas zur Frage, warum junge Menschen die AfD wählen. Ein konkreter Buchtitel wird nicht genannt, aber Bücher werden explizit erwähnt.
Bücher von Martin Seligman zur Positiven Psychologie
Martin Seligman
»Dieses Buch wird Ihnen helfen aufzublühen.« Mit diesem unerhörten Versprechen beginnt das Buch des international renommierten Psychologen Prof. Dr. Martin Seligman. Der Begründer der Positiven Psychologie, den man auch schon den Sigmund Freud des 21. Jahrhunderts genannt hat, entwickelt darin sein dynamisches Konzept davon, was ein gelingendes Leben wirklich bedeutet. Denn obwohl es sicherlich ein Teil unseres Wohlbefindens ausmacht, entsteht durch Glück allein noch kein Sinn in unserem Leben.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:17:37 „Da gibt es einen Herrn Seligmann, der da schlaue Bücher geschrieben hat. Da giltst du als Begründer der Disziplin.“
Precht kritisiert die Positive Psychologie und ihren Begründer Seligman, dessen Bücher versprechen, man könne durch die richtige Einstellung glücklich und erfolgreich werden
Authentic Happiness
Martin Seligman · 2002
In this national bestseller -- Martin Seligman's most stimulating, persuasive book to date -- the acclaimed author of Learned Optimismintroduces yet another revolutionary idea. Drawing on groundbreaking scientific research, Seligman shows how Positive Psychology is shifting the profession's paradigm away from its narrow-minded focus on pathology, victimology, and mental illness to positive emotion and mental health. Happiness, studies show, is not the result of good genes or luck.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:20:56 „Da gibt es einen Herrn Seligmann, der da schlaue Bücher geschrieben hat. Da giltst du als Begründer der Disziplin. Das sind die Leute, die dir erzählen, hör mal, natürlich kannst du glücklich sein. Du musst dich nur richtig selbst finden und musst dich richtig selbst bejahen.“
Precht kritisiert im Anschluss an Illouz' Thesen die positive Psychologie und deren Begründer Martin Seligman. Er vergleicht deren Versprechen, jeder könne durch die richtige Einstellung glücklich und erfolgreich werden, mit Alkohol: kurzfristig berauschend, aber langfristig frustrierend, weil die Kehrseite ein verstärktes Gefühl des persönlichen Versagens ist.
Bücher über ADHS und Kindererziehung
Gerald Hüther · 2002
Der Hirnforscher Gerald Hüther und der Familientherapeut Helmut Bonney erklären klar und verständlich anhand neuester neurobiologischer Erkenntnisse, was Eltern über ADS wissen sollten, was sie vorbeugend tun können und warum Ritalin keine Lösung ist.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:22:54 „Dieser Tage habe ich mich mal wieder mit Gerald Hüther beispielsweise beschäftigt, dem Neurobiologen, der über ADHS zum Beispiel nachgedacht hat und sagte, warum es immer häufiger diese Diagnose gibt. Weil wir im Grunde Kinder nicht mehr die Erfahrung machen lassen, wozu sie selber eigentlich in der Lage sind.“
Im Kontext der Kritik an positiver Psychologie und Social-Media-Motivationsgurus erwähnt Lanz Gerald Hüther als Beispiel für einen qualifizierten Experten. Hüther wird als Neurobiologe vorgestellt, der tolle Bücher gemacht hat. Ein konkreter Titel wird nicht genannt.
Warum Liebe endet
Eva Illouz · 2018
Das Buch analysiert, wie die moderne Freiheit auf dem Liebesmarkt zu paradoxen Erwartungen führt: Während die Auswahl unbegrenzt ist, wachsen auch die Ansprüche an den idealen Partner. Es untersucht die Spannung zwischen Wahlfreiheit und dem Scheitern von Beziehungen.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:31:03 „Was ich sehr interessant finde bei dem Windows-Buch, dass sie sagt, eigentlich ist es ja toll. Also heute besteht eine Freiheit auf dem Liebesmarkt, die es früher nicht gab. Es ist richtig selbstverständlich in unserer Gesellschaft, dass man aus Liebe zusammenkommt und aus Liebe zusammenbleibt.“
Precht bezieht sich auf ein Buch von Eva Illouz (im Transkript als ‚Windows-Buch' verschriftlicht, vermutlich ein Transkriptionsfehler für ‚Illouz-Buch'), in dem sie die moderne Freiheit auf dem Liebesmarkt beschreibt. Er referiert ihre These, dass die Ansprüche an den idealen Partner historisch beispiellose Ausmaße erreicht haben, was zu einer ‚Artistik des Misslingens' in der Liebe führe. Illouz wurde bereits zuvor im Gespräch als Denkerin über Angst und Emotionen in der Politik eingeführt.
Hoffnungsland
Olaf Scholz · 2017
Olaf Scholz beschreibt seine Vision für Deutschlands Zukunft. Er plädiert für eine offene, liberale Gesellschaft, die den Wandel als Chance begreift – von der Digitalisierung über die Integration bis zur europäischen Zusammenarbeit.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:38:41 „In seinem Buch, ich habe das glaube ich schon mal erwähnt, Hoffnungsland heißt das, ist schon ein paar Jahre alt. Wenn du dieses Buch heute liest, und ich habe mich damals sehr intensiv auf ein Gespräch mit ihm vorbereitet und habe das wirklich so durchgearbeitet, das war der Plan zur Kanzlerschaft.“
Lanz verteidigt Scholz gegen den Eindruck, dieser mache seinen Job ungern. Als Beleg führt er Scholz' Buch ‚Hoffnungsland' an, das er als Blaupause für dessen Weg zur Kanzlerschaft beschreibt. Lanz hat es damals intensiv durchgearbeitet und ist überzeugt, dass Scholz das Amt unbedingt wollte und sich für den richtigen Mann hielt.
Interview mit Kevin Kühnert
Kevin Kühnert hatte sich im Oktober überraschend aus der Politik zurückgezogen. SPD-Chef Lars Klingbeil ist eigenen Angaben zufolge mit dem Ex-Generalsekretär der Partei befreundet – und berichtet nun vom jüngsten Gespräch der beiden.
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:41:53 „Das war die zentrale Botschaft, die Kevin Kühnert mit Blick auf die Bundestagswahl in einem Spiegelinterview, glaube ich, von sich gegeben hat.“
Lanz erwähnt ein Spiegel-Interview, in dem Kühnert vor seinem Rücktritt den Satz sagte, jeder müsse über sich hinauswachsen. Das Interview dient als Quelle für die These von Peter Dausend, dass das zentrale Wort in Kühnerts Aussage ‚muss' war – ein Hinweis auf die Überlastung.
Zuversicht-Zitat von Thea Dorn in der ZEIT
Thea Dorn
Der Artikel erörtert, wie Optimismus trotz pessimistischer Gegenwartsanalysen zur Demokratie möglich bleibt. Thea Dorn argumentiert, dass Zuversicht wie ein Muskel trainierbar ist und nicht automatisch verloren geht. Der Text behandelt die Frage, wie man angesichts krisenhafter Tendenzen die Hoffnung bewahrt und aktiv kultiviert.
🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:47:20 „Und deswegen, Richard, zum Schluss ein wirklich schönes Zitat von Thea Dorn. In der Zeit, glaube ich, irgendwo von ihr aufgeschrieben, Zuversicht ist wie ein Muskel.“
Lanz zitiert Thea Dorns Aussage über Zuversicht als abschließenden Gedanken zum Thema Hoffnung in der Demokratie
Zuversicht ist wie ein Muskel
Thea Dorn
Thea Dorn untersucht in diesem ZEIT-Artikel, wie man trotz der nüchternen Diagnose vom Ende der demokratisch-freiheitlichen Epoche nicht in Pessimismus verfallen muss. Sie argumentiert, dass Zuversicht wie ein Muskel funktioniert, den man aktiv trainieren und stärken kann. Der Text verbindet eine realistische Gegenwartsanalyse mit der Botschaft, dass Optimismus eine bewusste Haltung ist, die kultiviert werden kann.
🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:47:40 „Und deswegen, Richard, zum Schluss ein wirklich schönes Zitat von Thea Dorn. In der Zeit, glaube ich, irgendwo von ihr aufgeschrieben, Zuversicht ist wie ein Muskel. Und man muss sie schon ordentlich trainieren, um sie in sich zu spüren.“
Als versöhnlicher Schlusspunkt der Folge zitiert Lanz Thea Dorns Satz aus einem ZEIT-Text: ‚Zuversicht ist wie ein Muskel.' Nach einem Gespräch voller Analysen über Angst, Wut und politische Frustration setzt er dieses Zitat als hoffnungsvolles Gegengewicht.