Entscheidende Phase - Frieden schaffen mit noch mehr Waffen
Markus Lanz & Richard David Precht
Die Episode dreht sich um zwei brisante Themen: den FDP-Skandal um die als „Operation D-Day
„Deutschland hat dann über fünf Wochen lang keine funktionsfähige Regierung gehabt, weil ein Koalitionspartner seinen Ausstieg vorbereitet hat. Das ist an Verantwortungslosigkeit nicht so einfach in der bundesrepublikanischen Geschichte zu überbieten.“
Erwähnte Medien (11)
Lambsdorff-Papier (Wendepapier)
Otto Graf Lambsdorff
Das Lambsdorff-Papier ist ein 1982 verfasstes wirtschaftspolitisches Strategiepapier des FDP-Politikers Otto Graf Lambsdorff. Es markierte einen Wendepunkt in der sozialliberalen Koalition und führte letztlich zu deren Auflösung. Das Papier gilt als zentrale Stellungnahme zur wirtschaftlichen Neuausrichtung in der Bundesrepublik und hatte massive politische Konsequenzen für die Koalitionsregierung.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:10:46 „Du erinnerst dich, ich habe das ja verglichen mit der Parallele, dass das Lambsdorff-Papier von 1982 genau die gleiche Funktion hatte. Da hatte Otto Graf Lambsdorff, ich hatte das vor zwei Wochen erzählt, ein Papier gemacht, das die Koalition zum Platzen gebracht hat. Und daran hat man sich erinnert und hat gedacht, ach das können wir doch mal wieder so machen.“
Precht zieht eine historische Parallele zwischen dem aktuellen FDP-Strategiepapier ('D-Day') und dem Lambsdorff-Papier von 1982, das damals ebenfalls gezielt zum Bruch der sozialliberalen Koalition unter Helmut Schmidt eingesetzt wurde. Er argumentiert, die FDP habe sich bewusst an diesem historischen Vorbild orientiert.
Artikel über FDP-Strategiepapier
Robert Pausch
Die FDP hatte den Bruch der Ampelkoalition offenbar strategisch vorgeplant. Ein internes Strategiepapier belegt, dass die Partei den Ausstieg aus der Regierung nicht spontan vollzog, sondern ihn systematisch vorbereitete. Robert Pausch rekonstruiert in der ZEIT, wie die FDP den Koalitionsbruch als kalkulierten Schritt inszenierte. Der Artikel enthüllt, dass der öffentlich dargestellte Konflikt um den Haushalt als Auslöser diente, der eigentliche Entschluss aber bereits früher gefallen war.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:11:18 „so beschreibt es Robert Pausch in der Zeit, von Anfang an mitgedacht“
Lanz verweist auf die Recherche von Robert Pausch in der ZEIT, die die FDP-Strategie zum Koalitionsbruch enthüllt hat
Recherche zum FDP-Ausstiegsplan ('D-Day')
Robert Pausch
Robert Pausch recherchiert für die ZEIT, wie die FDP-Führung von Anfang an geplant hatte, ein vertrauliches Anti-Grünen-Papier an die Presse durchzustechen. Die Recherche belegt, dass der Koalitionsbruch strategisch inszeniert wurde. Der Artikel zeigt, wie Reaktionen der FDP auf die Recherche verdeutlichen, dass wichtige politische Akteure den Wählerwunsch nach Glaubwürdigkeit nicht verstanden haben.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:12:24 „So beschreibt es Robert Pausch in der Zeit, von Anfang an mitgedacht. Das ist natürlich auch ein hartes Spiel. Du sagst, da ist aus Versehen ein Strategiepapier, ein paar Gedanken, grundsätzlicher Art zu den Grünen an die Öffentlichkeit gekommen.“
Markus Lanz verweist auf die Recherche von Robert Pausch in der ZEIT, die enthüllt hat, dass die FDP-Führung von Anfang an geplant hatte, ein vertrauliches Anti-Grünen-Papier gezielt an die Presse durchzustechen. Die Recherche belegt die strategische Inszenierung des Koalitionsbruchs.
Die Achse der Autokraten
Anne Applebaum
Dieses Buch analysiert die globalen Netzwerke autoritärer Regime und deren gegenseitige Unterstützungsmechanismen. Anne Applebaum, renommierte Historikerin und Friedenspreis-Trägerin, untersucht die Strategien von Autokratien wie Russland und China in ihrem weltweiten Bestseller. Das Werk ist für die aktuelle geopolitische Debatte relevant, da es die ideologischen und strategischen Grundlagen der autoritären Weltordnung erläutert und implizite Fragen zur westlichen Gegenposition aufwirft.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:25:30 „Als die Historikerin Anne Applebaum, die gerade ein sehr, sehr erfolgreiches Buch, weltweiter Bestseller, die Achse der Autokarten veröffentlicht hat. Ich habe Teile davon auch bereits gelesen, interessantes Buch, Friedenspreis des deutschen Buchhandels bekommt eine Frau, die mehr Waffen für die Ukraine fordert.“
Markus Lanz bringt Anne Applebaums aktuelles Buch ins Gespräch, als es um die grundsätzliche Positionierung gegenüber dem Ukraine-Krieg geht. Er beschreibt es als weltweiten Bestseller und erwähnt, dass Applebaum dafür den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten hat. Das Buch dient als Ausgangspunkt für eine kontroverse Diskussion über westliche Interventionspflichten.
Friedenspreis-Rede in der Paulskirche
Anne Applebaum
Richard David Precht kritisiert Anne Applebaums Rede zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels scharf. Applebauer argumentiert darin, dass der Westen das Recht habe, überall militärisch einzugreifen, um liberale Demokratien zu schützen. Precht warnt vor dieser Positon als gefährliche Rückkehr zur Dominotheorie der 1960er Jahre und sieht darin eine Rechtfertigung für unkontrollierte militärische Interventionen.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:27:32 „sagt in dieser Rede am 20. Oktober in der Paulskirche Folgendes. 1938 äußert sich Thomas Mann, den wir alle kennen, entsetzt über die Situation in Deutschland“
Lanz zitiert ausführlich aus Applebaums Rede zum Friedenspreis des deutschen Buchhandels, in der sie Thomas Mann und George Orwell zum Thema Pazifismus anführt
Pacifism and the War
George Orwell · 1986
Orwells Essay argumentiert, dass Pazifismus als politische Haltung während des Zweiten Weltkriegs objektiv pro-faschistisch wirkt. Er sieht die Weigerung, sich gegen den Faschismus zu bewehren, als faktische Unterstützung der Unterdrücker. Das Essay verbindet moralisches Prinzip mit politischer Realität und bleibt grundlegend für Debatten über Widerstandsrecht und Kriegslegitimität.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:30:44 „1942, nur vier Jahre später, geißelt dann George Orwell seine Landsleute, die von Großbritannien verlangen, den Krieg zu beenden und sagt, Pazifismus ist objektiv pro-faschistisch.“
Markus Lanz zitiert aus Anne Applebaums Friedenspreis-Rede in der Paulskirche, in der sie historische Stimmen gegen Pazifismus anführt. Orwells Aussage von 1942 wird als Parallele zur heutigen Debatte über Waffenlieferungen an die Ukraine herangezogen.
Keinen Schritt weiter nach Osten
Mary Elise Sarotte
Das Buch nachzeichnet auf Basis von Archivdokumenten die Vorgeschichte des Ukraine-Krieges. Es zeigt, wie der Westen nach dem Kalten Krieg die Chance verpasste, Russland in eine europäische Sicherheitsarchitektur einzubinden, und stattdessen die NATO immer weiter nach Osten ausdehnte. Die Analyse verdeutlicht die geopolitischen Fehlentscheidungen, die zum heutigen Konflikt führten.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:33:04 „Ich habe dir ja schon mal vor langer Zeit von dem klugen Buch von Mary Elise Cerotti erzählt, die diese ganze Vorgeschichte des Krieges minutiös nachzeichnet, in die ganzen Akten und Dokumente benennt. Und wo es einfach um die spannende Frage geht, wieso, es gab doch die große Chance nach dem Ende des Kalten Krieges eine europäische Sicherheitsarchitektur aufzubauen unter Einbezug Russlands. Und warum ist das nicht geglückt?“
Precht empfiehlt das Buch der Historikerin Mary Elise Sarotte als zentrale Quelle, um die Vorgeschichte des Ukraine-Krieges zu verstehen. Er nutzt es, um zu argumentieren, dass der Westen nach dem Ende des Kalten Krieges die Chance verpasst hat, Russland in eine europäische Sicherheitsarchitektur einzubinden, und stattdessen die NATO immer weiter nach Osten ausgedehnt hat.
Memoiren (Vorabdruck in der Zeit)
Angela Merkel · 2025
Die ehemalige Kanzlerin Dr. Angela Merkel wurde seinerzeit von sehr vielen Bürgern als die personifizierte Alternativlosigkeit in der deutschen Politik wahrgenommen, und dies trotz aller offensichtlichen Defizite in ihrer Persönlichkeit, trotz aller bedeutenden Fehler in ihrer Amtsausführung und trotz aller von ihr selbst verursachten massiven Schäden für die Gesellschaften in Deutschland und halb Europa, wie sie größer gar nicht sein könnten.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:39:37 „Dieser Tage druckt die Zeit, waren jetzt die ersten vor Abdruck Merkels Memoiren. Und sie denkt darüber nach, wie das damals war auf dem NATO-Gipfel in Bukarest. Und sagt, in Bukarest wurde damals 2008, da sind wir jetzt, nicht über die Mitgliedschaft der Ukraine und Georgiens in der NATO entschieden.“
Lanz bezieht sich auf den Vorabdruck von Angela Merkels Memoiren in der Zeit. Er nutzt Merkels Erinnerungen an den NATO-Gipfel 2008 in Bukarest und die Münchner Sicherheitskonferenz 2007, um zu zeigen, dass Merkel durchaus ein Gespür für die russischen Befindlichkeiten hatte und die NATO-Erweiterung bewusst bremste.
Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007
Wladimir Putin · 2016
In zwölf Einzelstudien und einem Problemaufriss stellt der Sammelband die sozialen, psychologischen und politischen Zusammenhänge von alltäglichen privaten Konflikten und eskalierender Gewalt dar. Anlass war eine interdisziplinäre Konferenz des Sir Peter Ustinov-Instituts in Wien, bei der Historiker, Politik- und Sozialwissenschaftler sowie Psychologen die Wurzeln und Wirkungen von Vorurteilen und Feindbildern als Triebkräfte in Gesellschaft und Politik analysierten.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:41:11 „Und hat von einer monopolaren Welt gesprochen. Hat damals gefragt, aber was ist das eigentlich, eine monopolare Welt? Und sagt dann, es läuft darauf hinaus, es gibt ein Zentrum der Macht, es gibt ein Zentrum der Stärke, es gibt ein Entscheidungszentrum. Es ist die Welt eines einzigen Hausherrn und eines einzigen Souveräns.“
Lanz und Precht diskutieren Putins berühmte Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 als Schlüsselmoment. Precht beschreibt die Rede als Ausdruck tiefer Enttäuschung über den Westen, insbesondere nach dem Irakkrieg 2003. Beide sehen darin einen Wendepunkt, an dem Putin ankündigte, die US-amerikanische Vormachtstellung nicht mehr hinzunehmen.
Eine Geschichte Russlands
Orlando Figes · 2022
SPIEGEL-Bestseller Die große, fesselnde Geschichte Russlands für unsere Zeit Mitreißend, prägnant und menschlich berührend erzählt Orlando Figes die Geschichte Russlands. Dabei entfaltet er das große Panorama der russischen Seele: von unsterblichen Mythen über die großartigen kulturellen Leistungen bis zur Weltmachtpolitik des 20. Jahrhunderts und unserer Gegenwart. Eine unerlässliche Lektüre für alle, die dieses uns noch immer fremde und rätselhafte größte Land der Erde verstehen wollen.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:47:18 „Orlando Figues ist ein britischer Historiker, der in London lehrt. Und der ist einer der absoluten Experten weltweit renommiert, wenn es um Russland und russische Geschichte geht. Der hat 2022, glaube ich, ein Buch veröffentlicht, eine Geschichte Russlands, in dem ich damals ziemlich ausführlich gelesen habe.“
Lanz zieht das Buch von Orlando Figes heran, um die These zu stützen, dass Putins imperiales Denken tief in der russischen Geschichtsschreibung verwurzelt ist. Figes argumentiert laut Lanz, dass es immer wieder die gleichen Ideen, Mythen und Methoden waren, mit denen Russland seine Vergangenheit deutet — und dass der Konflikt daher fast unvermeidbar war.
Über die historische Einheit der Russen und Ukrainer
Wladimir Putin · 2022
»Mit dem Ukrainekrieg und der akuten Gefahr eines Dritten Weltkriegs entstand im Rahmen der Allgemeinen Krise des Kapitalismus eine neue Phase der beschleunigten Destabilisierung des imperialistischen Weltsystems. Sie bereitet den Boden vor für eine revolutionäre Weltkrise. Damit erfährt die allgemeine Krisenhaftigkeit des Imperialismus eine neue Qualität. Alle hauptsächlichen Widersprüche des imperialistischen Weltsystems verschärfen sich sprunghaft. ...
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:47:56 „Und wenn man sich den Essay von Putin aus dem Jahre 2021, glaube ich, nochmal anschaut.“
Lanz verweist auf Putins programmatischen Essay von 2021 über die angebliche historische Einheit von Russen und Ukrainern. Er nutzt diesen Text als Beleg dafür, dass Putin die Ukraine nicht als eigenständige Nation anerkennt, sondern als Region Russlands betrachtet — eine Denkweise, die laut Lanz auf russische Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts zurückgeht.