Blick in die Sterne
Markus Lanz, Richard David Precht
Zum Jahresauftakt 2025 sprechen die beiden über das Älterwerden, die Dankbarkeit, die sich mit den Jahren einstellt, und die leise Melancholie der eigenen Endlichkeit. Von dort aus weitet sich der Blick ins Kosmische: Eine Nacht unter dem überwältigenden Sternenhimmel im Bryce Canyon in Utah wird zum Sinnbild dafür, wie klein und zugleich aufgehoben man sich als Teil des Universums fühlen kann.
„Der ganze Himmel war hell und es waren Millionen und Abermillionen sichtbarer Sterne.“
Erwähnte Medien (15)
Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn
Friedrich Nietzsche · 2022
"In irgend einem abgelegenen Winkel des Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der "Weltgeschichte": aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Atemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Tiere mußten sterben.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:09:15 „Und was diese menschliche Selbstüberschätzung anbelangt, der berühmte Text von Friedrich Nietzsche über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn, der fängt eben damit an, dass kluge Tiere irgendwo im Weltall das Denken erfanden und dass das die hochmütigste und verlogenste Sekunde in der Naturgeschichte war.“
Precht zitiert Nietzsches Essay, um die menschliche Selbstüberschätzung zu illustrieren. Im Gespräch über die eigene Kleinheit angesichts des Universums greift er auf Nietzsches poetischen Anfang zurück, der beschreibt, wie unbedeutend und aufgespreizt die Menschheit im kosmischen Maßstab ist.
Kritik der praktischen Vernunft
Immanuel Kant · 1788
Kants zweites großes Hauptwerk von 1788 untersucht die Grundlagen moralischen Handelns. Er entwickelt den kategorischen Imperativ als oberstes Prinzip der Sittlichkeit und zeigt, dass Moral auf reiner Vernunft gründet – unabhängig von Neigungen und Erfahrung. Ein Schlüsselwerk der Ethik.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:13:33 „Aber wenn man überlegt, also für unsere Kulturgeschichte, welche enorme Bedeutung der Himmel hat, bis hin zu Kants berühmten Ausspruch vom moralischen Gesetz in mir und dem bestürmten Himmel über mir.“
Precht verweist auf Kants berühmten Schlusssatz der Kritik der praktischen Vernunft, um die kulturgeschichtliche Bedeutung des Sternenhimmels zu unterstreichen. Er argumentiert, dass die Kolonialisierung des Weltraums dieses spirituelle Erbe zerstört.
Raumpatrouille Orion
· 1966
Unterhaltsam und mitunter ironisch wird die Geschichte des Commanders Cliff Allister McLane erzählt, der mit seiner Besatzung im sich entwickelnden Krieg gegen die fremdartigen „Frogs“ den schnellen Raumkreuzer Orion befehligt und sich immer wieder aufmüpfig gegenüber seinen Vorgesetzten zeigt.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:17:23 „Also Raumschiff Enterprise. Für Raumpatrouille Orion bist du ein bisschen zu jung. Aber Star Wars. Raumschiff Enterprise war mein Thema.“
Precht erwähnt die deutsche Science-Fiction-Serie Raumpatrouille Orion beiläufig als Generationsmarker – Lanz sei dafür zu jung. Die Serie dient als Aufzählung von Weltraum-Fernsehen, das die Jugend der beiden geprägt hat.
Die Feder und die Klamotten
Die Feder und die Klamotten ist eine DDR-Kinderserie, die in den 1970er Jahren als kulturhistorisches Zeugnis des sozialistischen Alltags bemerkenswert ist. Die Serie wurde trotz Medienkontrollen ausgestrahlt und gilt als subversive Ausnahme unter den behördlich genehmigten Sendungen, da sie Themen des Alltagslebens auf unkonventionelle Weise behandelte. Sie dokumentiert, welche Inhalte in der DDR für Kinder zugänglich waren, während westliche Programme wie US-amerikanische Serien streng zensiert wurden. Die Serie bietet Einblick in die Medienlandschaft und Erziehungspolitik der DDR.
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:17:45 „Das Feder der Klamotten-Trauma. Ja, der Klamotten ging ja, weil das Einzige, was erlaubt ist, weil es ja subversiv war.“
Lanz erwähnt beiläufig die DDR-Kinderserie im Kontext von Prechts Kindheitserinnerungen, als dieser erzählt, dass US-amerikanische Serien bei ihm zu Hause nicht erlaubt waren. Die Serie wird als subversive Ausnahme unter den erlaubten Sendungen beschrieben.
Raumschiff Enterprise (Star Trek)
Gene Roddenberry · 1966
Der Weltraum - unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung fünf Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu entdecken, neue Lebensformen und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise dabei in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat... Wir schreiben das Jahr 2264. 201 Jahre nachdem die Menschen mit Überlichtgeschwindigkeit reisen können und 113 Jahre nach dem Start der Enterpris
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:19:03 „Also Raumschiff Enterprise. Für Raumpatrouille Orion bist du ein bisschen zu jung. Aber Star Wars. Raumschiff Enterprise war mein Thema.“
Precht diskutiert seine Faszination für die Serie und lobt die philosophischen Themen, die die Autoren bereits in den 60er Jahren behandelt haben
Star Wars
George Lucas · 1977
Seit der Vernichtung der Jedi-Ritter steht die Galaxie unter der grausamen Herrschaft des Imperiums. Nur eine kleine Gruppe von Rebellen, angeführt von der schönen Prinzessin Leia, widersetzt sich der dunklen Macht. Als es ihnen gelingt, die geheimen Baupläne für den gefährlichen Todesstern zu entwenden, gerät das Imperium in Aufruhr. Durch Zufall gelangen die Pläne ausgerechnet in die Hände des Farmerjungen Luke Skywalker, der spürt, dass er sein bisheriges Leben hinter sich lassen muss. Gemein
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:19:03 „Aber Star Wars.“
Wird kurz neben Raumschiff Enterprise und Raumpatrouille Orion als Science-Fiction-Franchise erwähnt
Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?
Richard David Precht · 2024
Der große Bestseller in neuer Ausgabe! Bücher über Philosophie gibt es viele. Aber Richard David Prechts Buch ist anders als alle anderen. Denn es gibt bisher keines, das den Leser so umfassend und kompetent – und unter Berücksichtigung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse – an die großen philosophischen Fragen des Lebens herangeführt hätte: Was ist Wahrheit? Woher weiß ich, wer ich bin? Was darf die Hirnforschung? Prechts Buch schlägt einen weiten Bogen über die verschiedenen Disziplinen und is...
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:19:03 „Und ich habe es sogar aufgenommen, in Wer bin ich und wen ja wie viele, da gibt es ein Kapitel, das mit Mr. Spock anfängt“
Precht erwähnt sein eigenes Buch, in dem er eine Star-Trek-Episode als philosophischen Einstieg verwendet
Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens
Richard David Precht · 2020
Richard David Precht beschäftigt sich mit den wichtigsten Fragen rund um das Thema »Künstliche Intelligenz« – und bezieht dabei auch die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen durch die aktuelle Krise mit ein. Während die drohende Klimakatastrophe und der enorme Ressourcenverbrauch der Menschheit den Planeten zerstört, machen sich Informatiker und Ingenieure daran, die Entwicklung einer Künstlichen Intelligenz voranzutreiben, die alles das können soll, was wir Menschen auch können – nur...
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:20:14 „Weil ich habe in meinem Buch über künstliche Intelligenz geschrieben, der Weltraum des Menschen ist die Erde.“
Precht zitiert aus seinem eigenen Buch über KI, um zu argumentieren, dass die Erde die einzige artgerechte Umgebung des Menschen ist
Address at Rice University on the Nation's Space Effort
John F. Kennedy · 2011
While there are many biographies of JFK and accounts of the early years of US space efforts, this book uses primary source material and interviews with key participants to provide a comprehensive account of how the actions taken by JFK's administration have shaped the course of the US space program over the last 45 years.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:22:59 „Kennedy, der nach dem großen Fail, dass man nicht der Erste war, der dann einen Menschen im All hatte. Die Russen waren ja schneller. Und dann ansagt, wir machen das jetzt. Und zwar nicht, weil es leicht ist, sondern weil es so schwer ist.“
Markus Lanz zieht eine Parallele zwischen dem historischen Wettlauf ins All und der heutigen Situation mit Trump und Elon Musk. Er verweist auf Kennedys berühmte Mondrede von 1962, in der dieser die Vision formulierte, bis Ende des Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond zu bringen.
Die Macht der Geographie
Tim Marshall · 2015
Weltpolitik ist auch Geopolitik. Alle Regierungen, alle Staatschefs unterliegen den Zwängen der Geographie. Berge und Ebenen, Flüsse, Meere, Wüsten setzen ihrem Entscheidungsspielraum Grenzen. Um Geschichte und Politik zu verstehen, muss man selbstverständlich die Menschen, die Ideen, die Einstellungen kennen. Aber wenn man die Geographie nicht mit einbezieht, bekommt man kein vollständiges Bild.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:32:43 „Und im Grunde argumentierst du ein bisschen wie Tim Marshall, mit dem wir beide hier schon öfter gesprochen haben. Macht der Geografie. Das fand ich halt so spannend, wann immer wir als Menschheit ein neues Gebiet betreten, dann bringen wir den Krieg mit.“
Lanz zieht eine Parallele zwischen Prechts Argumentation und Tim Marshalls zentraler These: Geografie bestimmt Konflikte. Marshall wird als Autor herangezogen, dessen Buch erklärt, warum die Menschheit jedes neue Territorium – von den Meeren über die Luft bis zum Weltraum – zum Schlachtfeld macht. Lanz nutzt das Buch auch, um die russische Bedrohungswahrnehmung über die nordeuropäische Tiefebene zu erklären.
Astropolitik / Weltraumstrategie-Buch
Tim Marshall
Das Buch untersucht die geopolitischen Konflikte im Weltraum. Es argumentiert, dass die Menschheit ihre Machtkämpfe in jedes neue Territorium trägt – vom Schiffsbau über die Luftfahrt bis zum Weltraum. Die Raumfahrt wird zunehmend zum Schauplatz strategischer Rivalitäten zwischen Nationen.
🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:33:45 „Und er sagt, das Schlachtfeld nimmt schon Gestalte an. Genau das, was wir gerade sehen.“
Lanz zitiert Tim Marshalls These, dass die Menschheit in jedes neue Gebiet den Krieg mitbringt – vom Schiffsbau über Flugzeuge bis zum Weltraum
Die Kosmonauten
Richard David Precht · 2009
Richard David Prechts wunderbarer Liebesroman In einer Kölner Straßenbahn erobert Georg das Herz einer Unbekannten – Rosalie. Schon bald zieht es die beiden jungen Liebenden aus dem Westen nach Berlin, wo nach Wende und Wiedervereinigung für einen kurzen Moment alles möglich scheint. Während weit oben im All ein letzter sowjetischer Kosmonaut in der letzten sowjetischen Raumkapsel seine Bahnen zieht, erkunden Georg und Rosalie die Stadt wie einen fremden Planeten und lassen sich treiben.
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:37:25 „Ja, ich habe ein Buch gemacht, keinen Sachbuch, sondern einen Roman. Und der heißt Die Kosmonauten und er erzählt zwei Geschichten. Die Hauptgeschichte beschreibt Berlin unmittelbar nach dem Mauerfall wie einen neuen Planeten.“
Precht erzählt ausführlich von seinem eigenen Roman, der zwei Handlungsstränge verwebt: das Berlin der Nachwendezeit als Abenteuerspielplatz und die wahre Geschichte des letzten sowjetischen Kosmonauten Sergej Krikaljow, der nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht mehr von der Raumstation Mir zurückgeholt wurde. Das Buch verbindet Pioniergeist auf der Erde mit der Einsamkeit im All.
Die Erde ist blau wie eine Orange
Paul Éluard · 2013
Paul Éluards surrealistischer Vers »Die Erde ist blau wie eine Orange« beschreibt die paradoxe Wahrnehmung von Wirklichkeit. Der Kosmonaut Sergei Krikaljow zitierte diesen Satz während seiner Isolation zur Bodenkontrolle, was zeigt, wie Literatur in existenziellen Situationen Halt bietet. Die Geschichte illustriert die Spannung zwischen künstlerischer Imagination und wissenschaftlicher Rationalität.
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:40:29 „Und wie er dann so gelegentlich noch Kontakt dann hatte da mit seiner Raumkontrollbehörde und da so schöne Sätze gesagt hat wie, die Erde ist blau wie eine Orange. Es ist ein berühmtes Zitat aus dem Surrealismus.“
Precht erzählt, dass der gestrandete Kosmonaut Krikaljow in seiner Isolation den berühmten surrealistischen Vers von Paul Éluard zitierte. Precht merkt an, dass unklar sei, ob die Moskauer Bodenkontrolle das literarische Zitat erkannte oder dachte, der Kosmonaut sei verrückt geworden.
Major Tom (völlig losgelöst)
Peter Schilling
Major Tom ist ein Lied des deutschen Sängers Peter Schilling. Es wurde im November 1982 in Europa als Major Tom (völlig losgelöst) und im September 1983 in englischer Sprache unter dem Namen Major Tom (Coming Home) auch in den USA veröffentlicht. Es wurde zum Kultklassiker und erreichte internationale Popularität. Mit diesem Lied gilt Peter Schilling als einer der erfolgreichsten Interpreten der Neuen Deutschen Welle.
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:40:54 „Genau, das ist die Geschichte von Major Tom, Peter Schilling. Doch Major Tom macht einen Scherz. Wahnsinn.“
Lanz zieht spontan eine Parallele zwischen der wahren Geschichte des gestrandeten Kosmonauten Krikaljow und Peter Schillings Hit über Major Tom, der allein im All kreist. Die Popkultur-Referenz unterstreicht die Dramatik der realen Geschichte – ein Kosmonaut, der nicht weiß, ob er je zurückgeholt wird.
Sein Weg in den Kosmos
Juri Gagarin · 1964
Autobiografie des sowjetischen Kosmonauten über seinen Weg ins All. Das Werk funktioniert als Propagandainstrument, das Gagarin als idealisierte Symbolfigur sowjetischer Überlegenheit inszeniert – eine hochglanzpolierte Darstellung statt authentischer Dokumentation.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:41:47 „Ich habe die Biografie gelesen, die natürlich eine reine Propagandaschrift ist, seinen Weg in den Kosmos. Und das ist dann sozusagen eine einzige Hochglanzgeschichte, wie man das damals gemacht hat.“
Im Gespräch über die politische Instrumentalisierung der Raumfahrt erwähnt Precht Gagarins Autobiografie als sowjetische Propagandaschrift. Das Buch diente dazu, den Bauernsohn Gagarin als Symbolfigur der kommunistischen Überlegenheit zu inszenieren – mit schneeweißen Zähnen und einer Hochglanzbiografie.