Lanz & Precht – Ueber Respekt und Null-Loyalitaet
#175

Ueber Respekt und Null-Loyalitaet

Lanz & Precht / 10. Januar 2025 / 11 Medien

Markus Lanz, Richard David Precht

Von Trumps Griff nach Grönland über Europas fehlende Verteidigungsfähigkeit bis zur Silvesternacht in Berlin: Die Episode kreist um den Soziologen Ivan Krastevs These der "Null-Loyalität" — einer Gesellschaft, in der Menschen mühelos Länder, Familien und Parteien wechseln und kaum noch bereit wären, für etwas einzustehen. Daraus entspinnt sich ein Streitgespräch über Respektverlust im Alltag, von Angriffen auf Polizei und Lehrkräfte bis zur Verrohung im Straßenverkehr, und die Frage, ob die gewachsene Sensibilität im Diskurs paradoxerweise den Rechtspopulisten in die Hände spielt.

„Wir sind eine seelisch entmilitarisierte Gesellschaft. Und die kann man nicht durch die Erhöhung von Verteidigungsausgaben wieder in so eine Situation bringen.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (11)

21 Lessons for the 21st Century / Homo Deus

21 Lessons for the 21st Century / Homo Deus

Yuval Noah Harari · 2018

**THE NUMBER ONE BESTSELLER** In twenty-one bite-sized lessons, Yuval Noah Harari explores what it means to be human in an age of bewilderment. How can we protect ourselves from nuclear war, ecological cataclysms and technological disruptions? What can we do about the epidemic of fake news or the threat of terrorism? What should we teach our children? The world-renowned historian and intellectual Yuval Noah Harari takes us on a thrilling journey through today's most urgent issues.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:11:49 „Und ich muss immer an Harari denken, der immer sagt, es macht überhaupt keinen Sinn mehr, Kriege um Land und Territorium zu führen. Sondern die Schätze der Zukunft sind andere Dinge. Das Silicon Valley zu überfallen, macht keinen Sinn.“

Lanz verweist auf Hararis bekannte These, dass klassische Eroberungskriege um Territorium im 21. Jahrhundert ökonomisch sinnlos geworden sind. Er nutzt das als Kontrastfolie zu Trumps Grönland-Ambitionen und Putins Ukraine-Invasion. Precht räumt ein, das bis zum russischen Überfall auch selbst geglaubt zu haben, sieht aber die nichtlineare Natur der Geschichte als Widerlegung. Ein konkreter Buchtitel wird nicht genannt, die These stammt aus Hararis Gesamtwerk.

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Der Mann ohne Eigenschaften

Der Mann ohne Eigenschaften

Robert Musil · 1930

Robert Musils unvollendeter Monumentalroman, erschienen ab 1930. Das Werk begleitet den Mathematiker Ulrich durch das Wien des Jahres 1913 und verbindet essayistisches Denken mit erzählerischer Brillanz. Musil entwirft ein Panorama der untergehenden k.u.k.-Monarchie und fragt nach den Möglichkeiten eines gelingenden Lebens.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:13:34 „Und eigentlich ist jede rasante Fortschrittsentwicklung parallel dazu mit Rückschrittsentwicklungen gekoppelt. Eine einzige Form von Irrungen und Wirrungen oder wie ich gerne von Robert Musil zitiere, wir irren vorwärts.“

Precht entwickelt seine These, dass Geschichte nicht linear verläuft, sondern dialektisch — jeder Fortschritt trägt einen Rückschritt in sich. Er illustriert das mit Musils berühmtem Diktum 'wir irren vorwärts' und bezieht es auf die Gleichzeitigkeit von moralischer Sensibilisierung und brutalen Trotzreaktionen wie bei Trump oder der AfD.

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Interview mit Ivan Krastev in der Süddeutschen Zeitung

Interview mit Ivan Krastev in der Süddeutschen Zeitung

Ivan Krastev

Der bulgarische Politologe Ivan Krastev analysiert im Interview, wie konservative Regierungen wie Giorgia Meloni Migration zwar nicht praktisch stoppen können, aber politisch davon profitieren, weil sie den Anschein erwecken, das Problem ernst zu nehmen. Seine zentrale These: Moderne Politiker werden zunehmend nach ihren Absichten statt nach tatsächlichen Ergebnissen beurteilt.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:17:58 „Ja, ich habe neulich mal wieder ein sehr interessantes Interview mit Ivan Krastev gelesen, den du ja genauso schätzt wie ich auch. Und ich freue mich auf den Tag, an dem ich den irgendwann mal kennenlerne, weil er einfach ein brillanter Denker ist.“

Lanz bezieht sich auf ein kürzlich gelesenes Interview mit dem bulgarischstämmigen, in Wien lehrenden Politologen Ivan Krastev. Daraus entnimmt er die historische Beobachtung, dass vor 100 Jahren in Wien Menschen an Hunger starben und fast alle Männer auf der Straße ehemalige Soldaten waren — im Kontrast zur heutigen entmilitarisierten Gesellschaft. Die genaue Publikation wird nicht genannt.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung Details
Kommentar zur Silvesternacht

Kommentar zur Silvesternacht

Jasper von Altenbockum

Der Kommentar analysiert die Kölner Silvesternacht als Fieberthermometer für den gesellschaftlichen Zustand. Ausschreitungen werden darin nicht isoliert betrachtet, sondern als Symptom verstanden, das aufzeigt, wenn die Gesellschaft zu Exzessen neigt. Der Artikel deutet an, dass sich in solchen Ereignissen tiefere Probleme und Spannungen der Gesellschaft widerspiegeln und diese Nacht daher wiederholt zur Bewertung des Gesellschaftszustands herangezogen werden kann.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:23:16 „so ähnlich hat es Jasper von Altenbockum in der FAZ auch kommentiert. Er sagte, diese Silvesternacht wird immer wieder wie so ein Fieberthermometer zu einer über die Stränge schlagenden Gesellschaft“

Lanz zitiert den FAZ-Kommentar, um seine eigene Beobachtung zu untermauern, dass Silvester-Ausschreitungen ein Gradmesser für den Zustand der Gesellschaft sind

Zum Artikel bei FAZ Details
Exit, Voice, and Loyalty

Exit, Voice, and Loyalty

Albert O. Hirschman · 1972

An innovator in contemporary thought on economic and political development looks here at decline rather than growth. Hirschman makes a basic distinction between alternative ways of reacting to deterioration in business firms and, in general, to dissatisfaction with organizations.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:23:36 „Und er zitiert einen berühmten Soziologen Hirschmann, du kennst ihn möglicherweise, 70er Jahre, hat ein berühmtes Buch geschrieben, in dem er nachgewiesen hat, wie schwer es Leuten fiel, damals ihre Familie zu verlassen, Parteien zu verlassen, Länder zu verlassen, sozusagen Loyalität aufzukündigen.“

Lanz referiert die Thesen von Ivan Krastev zur heutigen Null-Loyalität in westlichen Gesellschaften. Krastev stützt sich auf Hirschmans Klassiker, um den historischen Kontrast aufzuzeigen: Früher war es extrem schwer, Bindungen aufzukündigen — heute wechseln Menschen mühelos Land, Familie und Partei. Lanz nutzt das als Argument dafür, dass moderne Gesellschaften kaum noch bereit wären, für ihr Land zu kämpfen.

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Silvester-Kommentar in der FAZ

Silvester-Kommentar in der FAZ

Jasper von Altenbockum

Jasper von Altenbockums Kommentar in der FAZ nutzt die Silvesternacht als Metapher für den Zustand der Gesellschaft. Er analysiert, wie die jährliche Bilanz aus Böllertoten, verletzten Polizisten und Sachschäden als abnormale Normalität hingenommen wird. Der Kommentar hinterfragt, warum diese Gewaltexzesse regelmäßig akzeptiert und nicht grundlegend problematisiert werden.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:25:24 „Und so ähnlich hat es Jasper von Altenbockum in der FAZ auch kommentiert. Er sagte, diese Silvesternacht wird immer wieder wie so ein Fieberthermometer zu einer über die Stränge schlagenden Gesellschaft.“

Lanz stützt seine These, dass die Silvesternacht ein gesellschaftliches Fieberthermometer sei, mit einem FAZ-Kommentar von Jasper von Altenbockum. Der Kommentar beschreibt, wie die jährliche Bilanz an Böllertoten, verletzten Polizisten und Sachschäden normalisiert wird. Der genaue Titel des Kommentars wird nicht genannt.

Zum Artikel bei FAZ Details
Max und Moritz

Max und Moritz

Wilhelm Busch

Max und Moritz – Eine Bubengeschichte in sieben Streichen ist eine Bildergeschichte des deutschen humoristischen Dichters und Zeichners Wilhelm Busch. Sie wurde Ende Oktober 1865 erstveröffentlicht und zählt damit zum Frühwerk von Wilhelm Busch. Im Handlungsgefüge weist sie auffällige Gesetzmäßigkeiten und Grundmuster inhaltlicher, stilistischer und wirkungsästhetischer Art auf, die sich auch in den späteren Arbeiten von Wilhelm Busch wiederholen.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:32:22 „Weil da so dargestellt, Fritze Merz klingt so, als wäre er so von Willem Busch, so wie der Schneider Böck oder so, so ein bisschen albern und hemdsärmlich.“

Im Kontext der Diskussion über Respekt in der politischen Auseinandersetzung vergleicht Precht Olaf Scholz' Verniedlichung von Friedrich Merz zu 'Fritze Merz' mit einer Wilhelm-Busch-Figur. Der Schneider Böck aus 'Max und Moritz' dient als Beispiel für etwas Albernes und Hemdsärmeliges.

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Die Gesellschaft der Singularitäten

Die Gesellschaft der Singularitäten

Andreas Reckwitz

Andreas Reckwitz untersucht in diesem Werk, wie die Digitalisierung traditionelle Rollen aufgelöst hat: Durch Smartphones und Internetplattformen kann heute jeder zum Kulturproduzenten werden, nicht nur passiv konsumieren. Diese Demokratisierung führt zu einer beispiellosen Überproduktion digitaler Inhalte und stellt zentrale Fragen zur kulturellen Wertbildung in der Spätmoderne. Das Buch bietet einen kritischen, soziologischen Blick auf die Konsequenzen dieser technologischen Verschiebung für Gesellschaft und Kultur.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:40:38 „Wir leben heute, Andreas Reckwitz, der Soziologe, hat ja ein sehr kluges Buch geschrieben, die Gesellschaft der Singularitäten. Und darin erklärt er, dass wir heute eigentlich, jeder danach strebt, anders zu sein als die anderen, etwas Besonderes zu sein.“

Precht führt Reckwitz' Buch an, um zu erklären, warum der gesellschaftliche Respekt schwindet. Seine These: Die moderne Gesellschaft fordert permanente Selbstoptimierung und Individualismus, wodurch das Gefühl für das Allgemeine und das Gemeinwohl verloren geht. Das Buch dient ihm als soziologische Untermauerung seiner Analyse der Entsolidarisierung.

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Interview oder Artikel zur anständigen Elitenbeschimpfung

Interview oder Artikel zur anständigen Elitenbeschimpfung

Jagoda Marinić

Die Kolumnistin argumentiert, dass konstruktive Kritik an der politischen Elite ein Gegenmittel gegen den Aufstieg von Rechts- und Ultrapopulisten darstellt. Sie plädiert dafür, dass etablierte Kräfte stärker und deutlicher die Machthabenden kritisieren sollten, statt solche Debatten den extremen Rändern zu überlassen. Nur durch ehrliche Elitenkritik von gemäßigten Positionen aus könne die Anziehungskraft populistischer Bewegungen gebremst werden.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:48:07 „wir dürfen die Drecksgeschäfte nicht den Rändern überlassen. Und je deutlicher die da oben konstruktiv kritisiert werden, desto weniger Ultrapopulisten braucht das Land, das hat sie im Stern irgendwo mal gesagt“

Lanz zitiert Marinićs Plädoyer für konstruktive Elitenkritik als Gegenmittel zum Rechtspopulismus und als Beitrag zur Debatte über Streitkultur

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Artikel über Elitenbeschimpfung

Artikel über Elitenbeschimpfung

Jagoda Marinić

Jagoda Marinić plädiert dafür, Eliten konstruktiv und öffentlich zu kritisieren, anstatt dieses Feld den Rändern und Rechtspopulisten zu überlassen. Ihre zentrale These: Je deutlicher die gesellschaftlichen und politischen Führungsschichten legitim kritisiert werden, desto weniger Zulauf erhalten ultrapopulistische Bewegungen. Wer schweigt oder Kritik an der Elite meidet, überlässt das Narrativ den Extremen. Der Beitrag erschien im Stern und wurde in der Sendung Lanz & Precht als intellektuell stimulierender Impuls aufgegriffen.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:48:33 „Sie sagt, wir dürfen die Drecksgeschäfte nicht den Rändern überlassen. Und je deutlicher die da oben konstruktiv kritisiert werden, desto weniger Ultrapopulisten braucht das Land, das hat sie im Stern irgendwo mal gesagt.“

Lanz bringt Jagoda Marinić als Denkerin ins Gespräch, die für eine 'anständige Elitenbeschimpfung' plädiert. Ihr im Stern veröffentlichter Gedanke – konstruktive Kritik an der Elite entzieht den Rändern die Grundlage – wird von Precht als 'wahnsinnig interessant' aufgegriffen und führt zu einer Diskussion über Streitkultur und Meinungsfreiheit.

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Wer weiß denn sowas?

Wer weiß denn sowas?

· 2015

Wer weiß denn sowas? ist eine Quizshow, die von Kai Pflaume moderiert wird. In jeder Episode gibt es zwei Teams angeführt von Wotan Wilke Möhring und Bernhard Hoëcker, die gegeneinander antreten. Die Zuschauer, die im Studio sitzen, können entscheiden, welchem Team sie sich anschließen. Gewinnt ein Team, wird das gewonnene Geld durch die Anzahl der Zuschauer geteilt, die sich für dieses Team entschieden haben.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:51:51 „Wenn wir beim nächsten Mal bei, wer weiß denn sowas, mit philatelistischen Fragen über grönländische Briefmarken konfrontiert sind, dann wäre es schön, wenn wir in einer Mannschaft spielen würden.“

Am Ende der Folge scherzen Lanz und Precht über Grönland-Wissen. Precht erwähnt die ARD-Quizshow 'Wer weiß denn sowas?', bei der er offenbar kürzlich aufgetreten ist und gut abgeschnitten hat – Lanz gratuliert ihm im Anschluss zum Erfolg.

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