Das Ende der Illusionen
Markus Lanz, Richard David Precht
Anhand geleakter Textnachrichten von NATO-Generalsekretär Mark Rutte an Donald Trump wird seziert, wie westliche Spitzenpolitiker dem US-Präsidenten mit schmeichlerischen Unterwürfigkeitsgesten begegnen — obwohl dieser Völkerrechtsbrüche im Iran und in Venezuela begeht und Grönland beansprucht. Die zentrale Frage: Ob es klug ist, einem Narzissten zu begegnen, indem man vor ihm auf dem Boden kriecht.
„Ich frage mich, ob es eine gute Idee ist, einem Narzissten zu begegnen, indem man auf dem Boden vor ihm kriecht und eine dicke Schleimspur hinterlässt.“
Erwähnte Medien (14)
Geopolitik-Buch über wertegeleitete Außenpolitik
Richard David Precht · 2024
Der Essay von Richard David Precht zur neuen Weltordnung Die Welt befindet sich im Umbruch. Von einer von den USA dominierten zu einer multipolaren Weltordnung mit China und Indien als neuen Machtzentren. Das schleichende Ende der Pax Americana stellt die Europäer vor eine enorme Herausforderung: Wie gehen wir mit dem Aufstieg dieser Länder um? Die Gefahr wächst, dass wir es nicht schaffen, auf globaler Ebene auf neue Feindbilder zu verzichten.
🗣 Precht referenziert bei ⏱ 00:09:48 „ich habe ja mal ein Buch geschrieben vor anderthalb Jahren, wo es um das Thema geht“
Precht verweist auf sein vorletztes Buch über Geopolitik und wertegeleitete Außenpolitik im 21. Jahrhundert, in dem er ähnliche Thesen wie Carney formuliert habe – noch bevor Trump wiedergewählt wurde.
Friedenspreis-Rede / Die Achse der Autokraten
Anne Applebaum · 2024
Wie Xi Jinping, Putin, Chamenei & Co. sich Geld, Macht und Straffreiheit verschaffen und zugleich unsere Demokratie zerstören: Eine hochaktuelle Analyse der neuen autoritären Netzwerke FRIEDENSPREIS DES DEUTSCHEN BUCHHANDELS 2024 FÜR DAS GESAMTWERK VON ANNE APPLEBAUM Autokratische Herrschaft besteht im 21.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:12:05 „Die Frontlinien laufen zwischen den Interessen der Großmächte, USA, Russland, China und dem Selbstbehauptungsrecht der kleinen und Mittelstaaten. Das heißt, er malt eine völlig andere Topografie.“
Precht kontrastiert Mark Carneys Davos-Rede mit der Weltsicht von Anne Applebaum, die den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten hat. Applebaum vertrete die These, die Frontlinien verliefen zwischen Demokratien und Autokraten — Carney hingegen sehe den Konflikt zwischen Großmachtinteressen und dem Selbstbehauptungsrecht kleinerer Staaten. Applebaums Werk wird als Gegenposition herangezogen.
Zwischen den Fronten
Anne Applebaum · 2024
Analyse der globalen Machtkonflikte, die sich als Frontlinien zwischen Demokratien und autokratischen Systemen manifestieren. Das Werk untersucht, wie diese ideologischen Bruchlinien die internationale Politik prägen und widerlegt konkurrierende Deutungen von Großmacht-Rivalität.
🗣 Precht referenziert bei ⏱ 00:12:18 „die Frau, die noch den Friedenspreis des deutschen Buchhandels vor zwei Jahren gekriegt hat“
Precht erwähnt Anne Applebaum als Vertreterin der These, die Frontlinien verliefen zwischen Demokratien und Autokraten. Er kontrastiert das mit Mark Carneys Position, dass die Frontlinien zwischen Großmächten und dem Selbstbehauptungsrecht kleiner Staaten verlaufen.
Das Versagen
Katja Gloger, Georg Mascolo · 2024
»Wir wollten es nicht sehen.« – Wolfgang Schäuble Ein Schlüsselwerk zum Verständnis unserer gefährlichen Gegenwart Als Putin im Februar 2022 die Ukraine angreift, steht die Welt unter Schock. Dabei ist dieser Krieg von Geheimdiensten präzise vorausgesagt worden. In einer aufsehenerregenden Recherche enthüllen Katja Gloger und Georg Mascolo, wie die Verantwortlichen über Jahrzehnte Warnungen ignorierten und kritische Stimmen in der deutschen Russlandpolitik ausblendeten.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:14:44 „Und das ist alles nachzulesen in dem wirklich starken Buch von Katja Gloga und Georg Maskolo, das Versagen, der als Putin anfing mit der Blutspur, die sich so durch seine Regentschaft zieht, der Putin direkt nach dieser Rede im Bundestag, da ging es um Tschetschenien, da ging es um Grozny, der dem dazu im Hintergrund, hinter verschlossenen Türen, in der Fraktionssitzung sehr unangenehme Fragen gestellt hat.“
Lanz spricht über Friedrich Merz und dessen früheren Mut, Putin kritische Fragen zu stellen. Er verweist auf das Buch von Gloger und Mascolo als Beleg dafür, dass Merz einst in einer Fraktionssitzung Putin nach dessen Bundestagsrede unbequeme Fragen zu Tschetschenien stellte — ein Mut, den er gegenüber Trump heute nicht mehr zeige.
Rede im Bundestag (2001)
Wladimir Putin · 2026
Was'n hier los? Viele Menschen glauben, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein. Selbst dann, wenn Fakten diese Wahrheit ad absurdum führen, wird nicht diskutiert sondern empört. Argumente werden durch Moral ersetzt, Widerspruch durch Diffamierung. Während unaufhörlich daran erinnert wird, dass sich 1933 niemals wiederholen dürfe, merken viele nicht, dass sie selbst längst Teil einer gefährlichen Wiederholung geworden sind.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:15:01 „Friedrich Merz, der als Putin anfing mit der Blutspur, die sich so durch seine Regentschaft zieht, der Putin direkt nach dieser Rede im Bundestag, da ging es um Tschetschenien, da ging es um Grozny, der dem dazu im Hintergrund, hinter verschlossenen Türen, in der Fraktionssitzung sehr unangenehme Fragen gestellt hat.“
Markus Lanz beschreibt, wie Friedrich Merz früher als Fraktionsführer nach Putins berühmter Bundestagsrede 2001 den Mut hatte, ihm hinter verschlossenen Türen unangenehme Fragen zu Tschetschenien zu stellen – einen Mut, den er heute gegenüber Trump nicht mehr zeige.
Davos-Rede 2025
Mark Carney
Die Davos-Rede von Mark Carney 2025 behandelt das Ende der regelbasierten Weltordnung und fordert ein Bündnis mittlerer Mächte zur Bewältigung globaler Bruchlinien. Carney kritisiert die Heuchelei stärkerer Mächte, die sich selbst von internationalen Regeln befreien, während andere daran gebunden bleiben. Seine Rede wird als bemerkenswert ehrlich und realistisch bewertet und erhielt Standing Ovations.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:30:34 „Da kommt ja jetzt Mark Carney und sagt, allein wie diese Rede losging von diesem kanadischen Premier. Nostalgie ist keine Strategie. So funktioniert das nicht. Sondern sagt dann, wir reden hier, und so fing diese Rede an, über einen Bruch in der Weltordnung.“
Die Rede von Mark Carney in Davos ist ein zentrales Thema des Gesprächs. Carney beschreibt das Ende der angenehmen Fiktion einer regelbasierten Weltordnung, in der die Stärksten sich selbst von den Regeln befreiten. Er fordert Ehrlichkeit und ein Bündnis der mittleren Mächte. Lanz berichtet von Standing Ovations und Precht nennt sie die ehrlichste Rede, die je in Davos gehalten wurde.
Bücher von Pankaj Mishra
Pankaj Mishra · 2022
Werke des indischen Intellektuellen, die westliche Doppelmoral und doppelte Standards kritisieren. Mishra argumentiert, wie der Globale Süden dem Westen Heuchelei vorwirft: eine regelbasierte Weltordnung, die nur zu westlichen Gunsten ausgelegt wird.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:33:02 „Pankasch-Mischreihe. Der bedeutende indische Intellektuelle, der in London lebt, mit dem hatte ich ja vor einiger Zeit auch mal ein Gespräch in meiner Sendung und der hat genau das alles immer in seinen Büchern formuliert. Der globale Süden hat uns das immer vorgeworfen, dass wir doppelte Standards haben, dass wir eine Doppelmoral haben.“
Precht erwähnt die Bücher von Pankaj Mishra als langjährige Quelle der Kritik an westlicher Doppelmoral. Mishra habe in seinen Werken immer formuliert, was der globale Süden dem Westen vorwirft: doppelte Standards und eine regelbasierte Weltordnung, die nur zu eigenen Gunsten ausgelegt wurde.
Otto – Der Film
· 2014
Otto – Der Film ist eine deutsche Filmkomödie aus dem Jahr 1985. Unter der Regie von Xaver Schwarzenberger agiert der Komiker Otto Waalkes in seinem ersten Kinofilm. Es ist der (allerdings nur auf die Bundesrepublik Deutschland bezogen) bis heute dritterfolgreichste deutsche Kinofilm seit Beginn der Zuschauerzahlenerfassung 1968. Von der deutschen Erstaufführung am 19. Juli 1985 bis Jahresende sahen rund 14,5 Millionen (8,8 Mio. in der Bundesrepublik Deutschland, 5,7 Mio.
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:36:37 „Da ging es um Kredite, so einen richtigen Kredit, wie man ihn so aus dem ersten Otto-Film kennt, wo der Krediteil dann irgendwie die Scheine hinlegt und dann von oben langsam alles abräumt, weil Zinsen und Zinseszinsen und hier noch Gebühr und dort Gebühr und am Ende bleiben dann von diesem riesigen Stapel Scheine genau zwei Scheine übrig.“
Lanz nutzt eine Szene aus dem ersten Otto-Film als humorvolle Analogie, um zu erklären, wie sich kenianische Kreditnehmer bei chinesischen Krediten gefühlt haben: Der Kreditgeber legt einen Stapel Scheine hin und räumt durch Gebühren und Zinsen fast alles wieder ab.
Die Macht der Machtlosen
Václav Havel · 2006
Václav Havels wegweisender Essay von 1978 hinterfragt, wie sich totalitäre Systeme durch alltägliche Konformität aufrecht erhalten. Seine berühmte Parabel vom Gemüsehändler zeigt, wie Systeme nicht primär durch Gewalt, sondern durch die Bereitschaft aller, so zu tun, als wäre das System legitim, stabilisiert werden. Mark Carney nutzt dieses Bild als Analogie für die westliche regelbasierte Weltordnung und fragt, ob dieser kritische Moment des Aufhörens möglicherweise jetzt erreicht ist.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:41:39 „Und er zitiert dann, das hat dir bestimmt gefallen, Václav Havel, den tschechischen Dissidenten, der später dann ja Präsident war in Tschechien. Und der 78 einen Aufsatz geschrieben hat mit dem Titel Die Macht der Machtlosen. Und der darin eine einfache Frage gestellt hat, nämlich wie war es möglich, dass sich das kommunistische System so lange aufrecht gehalten hat?“
Markus Lanz referiert die Davos-Rede von Mark Carney, in der dieser Havels Essay zitiert. Die Parabel vom Gemüsehändler, der jeden Tag ein Schild mit kommunistischer Propaganda aufhängt, obwohl niemand daran glaubt, wird als Analogie für die westliche regelbasierte Weltordnung verwendet: Das System hielt sich nicht durch Gewalt, sondern durch die Bereitschaft aller, so zu tun, als wäre es wahr. Carney argumentiert, dass genau dieser Moment des Aufhörens jetzt gekommen sei.
Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte
Karl Marx · 2019
Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, auch bekannt als Der achtzehnte Brumaire des Louis Napoleon, ist eine erstmals im Mai 1852 veröffentlichte Schrift von Karl Marx (1818–1883). Marx analysiert dort den Verlauf des Staatsstreichs vom 2. Dezember, den Louis Napoleon (1808–1873) in Frankreich durchführte.
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:45:07 „Was nämlich den meisten Leuten entgangen ist, dass Donald Trump eine andere historische Persönlichkeit wunderbar kopiert. Nämlich Napoleon III. Jener französische Herrscher in der Mitte des 19. Jahrhunderts, über den Karl Marx mal gesagt hat, von den widersprechenden Forderungen der Situation gejagt, zugleich wie ein Taschenspieler in der Notwendigkeit, durch beständige Überraschungen die Augen des Publikums auf sich gerichtet zu halten.“
Richard David Precht zieht eine historische Parallele zwischen Donald Trump und Napoleon III. und zitiert dabei ausführlich Karl Marx' berühmte Charakterisierung aus dem 'Achtzehnten Brumaire'. Das Marx-Zitat beschreibt einen Herrscher, der durch permanente Überraschungen und Grenzüberschreitungen regiert, Anarchie im Namen der Ordnung schafft und alles profaniert — Precht findet, man könnte Trump nicht besser beschreiben.
Meinungsstück über Trump und Postman
Sabine Rennefanz
Sabine Rennefanz analysiert in ihrer Spiegel-Kolumne, wie Trump Politik durch ständige Unterhaltung und mediale Inszenierungen nutzt, um seine Zuschauer zu fesseln. Sie bezieht sich dabei auf Neil Postmans These, dass permanente Ablenkung kritisches Denken verdrängt. Der Artikel warnt davor, sich von solcher Inszenierung den Takt vorgeben zu lassen und plädiert für bewussteren Umgang mit politischer Kommunikation.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:46:03 „Sabine Rennefans, Kollegin vom SPIEGEL, hat neulich in ein Meinungsstück Neil Postman zitiert, du erinnerst dich, ne? Wir amüsieren uns zu Todes.“
Markus Lanz bezieht sich auf einen aktuellen Spiegel-Artikel von Sabine Rennefanz, in dem sie Neil Postmans Thesen auf Trump anwendet. Der Artikel argumentiert, dass Trump die Zuschauer durch permanente Unterhaltung fesselt und wir uns nicht von ihm den Takt vorgeben lassen sollten.
Wir amüsieren uns zu Tode
Neil Postman · 1985
Neil Postman: "Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie". Aus dem Amerikanischen von Reinhard Kaiser. S. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 1985, 207 S., kart., 19,80 DM
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:46:08 „Sabine Rennefans, Kollegin vom SPIEGEL, hat neulich in ein Meinungsstück Neil Postman zitiert, du erinnerst dich, ne? Wir amüsieren uns zu Todes. So ein düsterer Essay darüber, ich glaube Mitte der 80er erschienen. Wie das Fernsehen uns fertig macht. Genau, wie Politik zur Stoffe kommt.“
Markus Lanz greift einen Spiegel-Artikel von Sabine Rennefanz auf, die Neil Postmans Klassiker zitiert. Postmans These — die Gefahr für die Demokratie liege nicht in Zensur oder Gewalt, sondern in der Verwandlung öffentlicher Kommunikation in Unterhaltung — wird direkt auf Trump angewandt: Wer nicht unterhält, verschwindet, und niemand habe das so gut verstanden wie Trump.
The Apprentice
· 2004
The Apprentice (engl. für Der Auszubildende) ist eine amerikanische Reality-TV-Show, die von 2004 bis 2017 von NBC ausgestrahlt wurde. Der Moderator der ersten 14 Staffeln war der spätere Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump. Die erste Staffel der Sendung wurde vom Januar bis April 2004 gezeigt.
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:47:05 „Er selber ist ja berühmt geworden durch diese Fernsehshow The Apprentice und hat eben wie kaum ein anderer verstanden, dass ein Politiker, der in einer modernen Demokratie die Aufmerksamkeit kontrolliert, der kontrolliert sozusagen dann auch den Raum der Politik.“
Im Kontext der Diskussion über Trumps Aufmerksamkeitsökonomie erwähnt Lanz die Reality-TV-Show als Ursprung von Trumps medialem Verständnis. The Apprentice wird als Schule genannt, in der Trump gelernt hat, wie man Aufmerksamkeit kontrolliert und damit politische Macht ausübt.
Kolumne über Aufmerksamkeitsökonomie und Trump
Sabine Rennefanz · 2026
Sabine Rennefanz analysiert Trumps Kommunikationsstrategie: Mit wenigen prägnanten Worten erzwingt er globale Aufmerksamkeit und zwingt andere Länder zum Reagieren. Die Journalistin vergleicht diesen Ansatz mit einem autoritären Vater, der durch Druck und Drohungen Gehorsam erreicht. Sie warnt jedoch, dass diese Methode uns eher zu passiven Zuschauern als aktiven Akteuren der Weltpolitik macht und fragt, wie man aus dieser Dynamik wieder herauskommt.
🗣 Lanz referenziert bei ⏱ 00:48:24 „so beschreibt es Sabine Rennefanz, mit drei Worten Aufmerksamkeit bis in den letzten Winkel der Welt erregen und erhalten. Und sie sagt, die Frage ist, wie kommt man da raus?“
Lanz zitiert die Journalistin Sabine Rennefanz, die beschreibt, wie Trump mit wenigen Worten globale Aufmerksamkeit erzwingt. Sie sagt, diese Methode verwandelt uns in Zuschauer auf dem Sofa der Weltpolitik.