Die sogenannte Gegenwart – Wir weinen dem Verbrenner eine Träne nach
#014

Wir weinen dem Verbrenner eine Träne nach

Die sogenannte Gegenwart / 11. Januar 2021 / 7 Medien

Ijoma Mangold, Lars Weisbrod

Zum Jahresauftakt 2021 widmen sich die beiden einem klassischen Männerthema: dem Auto. Anlass ist die These, der Verbrenner sei am Ende — und damit der richtige Moment, um auf die glorreiche Geschichte des Automobils zurückzublicken, seine Soziologie und Ökonomie zu beleuchten und zu fragen, was davon ins Zeitalter des Elektroautos hinübergerettet wird. Im Gegenwartscheck wird außerdem der Oktopus zum neuen Modetier erklärt, dem man seine kulinarische Verwertung zunehmend übelnimmt, weil er angeblich so intelligent sei.

„Eigentlich heißt es ja, Autos seien over, der Verbrenner gehöre der Vergangenheit an — aber wäre das dann eben jetzt zumindest der richtige Moment, um noch einmal auf die glorreiche Geschichte des Automobils zurückzuschauen, auf seine Soziologie, auf seine Ökonomie und gleichzeitig zu fragen, wie viel davon ja möglicherweise doch gerettet wird hinüber ins Zeitalter des Elektroautos.“
🗣 Ijoma Mangold

Erwähnte Medien (7)

The Sucker, the Sucker!

The Sucker, the Sucker!

Amia Srinivasan · 2026

Eva von Redecker legt eine neue Analyse des Faschismus vor, die unserer Gegenwart gewachsen ist. Es geht ein Rechtsruck um die Welt, überall gewinnen autoritäre Kräfte an Macht und Einfluss. Und doch laufen die ewig bemühten Analogien zur Zeit des Nationalsozialismus ins Leere: Der Faschismus der Gegenwart hat eine neue Gestalt, die nicht leicht zu erkennen und noch schwerer zu erklären ist. In Redeckers wegweisender Analyse gewinnt sein diffuses Wesen an Kontur – und wird angreifbar.

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:05:10 „Es gibt doch diesen Essay, mit dem diese Philosophin Srini Varsan so bekannt geworden ist. Ich glaube in der London Review of Books. Da ging es um so Bücher über Oktopusse.“

Im Gegenwartscheck diskutieren Ijoma Mangold und Lars Weisbrod den Tintenfisch als neues Modetier, das wegen seiner Intelligenz nicht mehr gegessen werden soll. Weisbrod erinnert sich an einen vielbeachteten Essay der Philosophin Amia Srinivasan in der London Review of Books über Oktopus-Bücher, der das Thema für ihn als Trend sichtbar gemacht habe.

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Die Gesellschaft der Singularitäten

Die Gesellschaft der Singularitäten

Andreas Reckwitz

Andreas Reckwitz untersucht in diesem Werk, wie die Digitalisierung traditionelle Rollen aufgelöst hat: Durch Smartphones und Internetplattformen kann heute jeder zum Kulturproduzenten werden, nicht nur passiv konsumieren. Diese Demokratisierung führt zu einer beispiellosen Überproduktion digitaler Inhalte und stellt zentrale Fragen zur kulturellen Wertbildung in der Spätmoderne. Das Buch bietet einen kritischen, soziologischen Blick auf die Konsequenzen dieser technologischen Verschiebung für Gesellschaft und Kultur.

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:26:08 „Reckwitz würde sagen, auch Städte oder mein Viertel hat irgendeine Identität, aber das ist dann zu groß, das kann ich dann nicht fassen.“

Lars Weisbrod diskutiert, warum das Auto als Bedeutungsträger die perfekte Größe hat – nicht zu klein wie ein Smartphone, nicht zu groß wie ein Stadtviertel. Er verweist dabei auf Reckwitz' Konzept von Identitäten und Singularitäten, um die Idee zu stützen, dass auch Orte Identität vermitteln, aber schwerer greifbar sind als ein Auto.

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Der Stadtneurotiker

Der Stadtneurotiker

Woody Allen · 1977

Die Abenteuer des scharfzüngigen Stand-up-Comedian und überzeugten New Yorkers Alvy Singer mit der gutbürgerlichen Studentin Annie Hall. Annie kommt aus gänzlich anderen Verhältnissen als der schüchterne Intellektuelle und überfordert den vergeistigten Freund gerne mit ihrer furchteinflößenden WASP-Familie oder befreundeten Trendhedonisten, die Alvy mit Alpträumen wie Kokain und Konservengelächter konfrontieren.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:31:18 „Zentral oder ganz wichtig dabei der Saab. Ich erinnere noch, der schöne Film von Woody Allen, Stadtneurotiker, Annie Hall, wenn die da an Weihnachten durch Los Angeles fahren, in was für einem Auto sitzen sie? Na, selbstverständlich in einem Saab.“

Mangold nutzt den Film als Beleg für seine These, dass bestimmte Automarken als bewusste Anti-Statements fungierten. Der Saab in Annie Hall steht für das intellektuelle, nicht-protzig Milieu — ein Auto, das gerade dadurch Identität stiftet, dass es vorgibt, keine Identität über Automarken vermitteln zu wollen.

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N Buch

Nicht bekannt (letzter Roman von Sven Regener oder Daniel Kehlmann)

Ulbeck

Der Podcast bezieht sich auf einen Roman eines zeitgenössischen deutschen Autors (möglicherweise von Sven Regener oder Daniel Kehlmann), in dem die Mercedes G-Klasse eine prominente Rolle spielt. Der Erwähnung nach nutzt der Autor das Fahrzeug, um die kulturelle Bedeutung und den Design-Status des Wagens zu unterstreichen. Die Referenz illustriert, wie die G-Klasse durch ihre Präsenz in Literatur und Kultur zum unumstrittenen Design-Klassiker aufgestiegen ist und sich deshalb kaum noch kritisch hinterfragen lässt.

🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:38:43 „Nee, mittlerweile ist die G-Klasse einfach Class of its own, also die muss man ja so akzeptieren, spätestens seit sie selbst bei Ulbeck vorkam im letzten Roman als so prominentes Auto. Irgendwann werden Dinge so Design-Klassiker, dann sind sie schwierig, dass man sie komplett ablehnen kann.“

Weisbrod erwähnt beiläufig einen Roman eines Autors, den er als 'Ulbeck' bezeichnet (möglicherweise eine Verballhornung oder ein Hörfehler im Transkript), in dem die Mercedes G-Klasse als prominentes Auto vorkommt. Die Erwähnung dient als Beleg dafür, dass die G-Klasse zum kulturellen Design-Klassiker geworden ist.

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Are We There Yet?

Are We There Yet?

Dan Albert · 2019

“[Dan Albert] has a way of bringing automotive history to life.” —Jason Fogelson, Forbes The plain, old-fashioned, human-driven car built the American economy and helped shape our democratic creed. Driver’s ed made teenagers into citizens; auto repair made boys into men. For nearly a century, car culture has triumphed. But have we finally reached the end of the road? Fewer young people are learning to drive.

🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:49:18 „Dan Albert, also einfach Albert, das Buch heißt Are We There Yet? Schöner Titel, also das Kind, was sozusagen hinten fragt, sind wir schon da, sind wir schon da? Es ist aber eine Geschichte des Automobils. Vor allem oder hauptsächlich für Amerika, für die Vereinigten Staaten, aber man kann auch vieles davon übertragen.“

Weisbrod empfiehlt das Buch als zentrale Quelle für die Folge. Er hebt hervor, dass Albert — den er als 'Americas only Marxist Autocritic' beschreibt — eine Kontingenzgeschichte des Automobils erzählt, in der sich der Verbrennungsmotor nur durch Zufall gegen das Elektroauto durchsetzte. Weisbrod gibt zu, viel aus dem Buch für den Podcast gezogen zu haben.

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YouTube-Kanal von Volker Quaschning

YouTube-Kanal von Volker Quaschning

Volker Quaschning

Bildungskanal zu technisch-naturwissenschaftlichen Aspekten der Energiewende. Mit didaktisch aufbereiteten Inhalten über Elektroautos, Solarenergie und intelligente Ingenieurslösungen. Tiefergehende Einführungen zu oft ignorierten technischen Hintergründen von Klimatechnologien.

🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:53:54 „Es gibt in Berlin Professor für Energiewirtschaft Volker Quaschning, der jetzt nicht der große YouTube-Charismatiker ist, aber didaktisch sehr, sehr gut ist. Und es ist dann doch irgendwie ganz interessant, jedenfalls für so einen Ignoranten wie mich, der mich bisher nie in die quasi technisch-naturwissenschaftliche Seite der Ökologiewende vertieft hatte.“

Im Rahmen der Diskussion über Elektroautos und die Energiewende empfiehlt Mangold den YouTube-Kanal des Berliner Professors für Energiewirtschaft Volker Quaschning. Er beschreibt, wie er sich als bisheriger Ignorant in technisch-naturwissenschaftliche Fragen der Ökologiewende eingearbeitet hat und dabei beeindruckt war von den intelligenten Ingenieurslösungen. Die Empfehlung ist persönlich motiviert – Mangold gibt offen zu, das Thema lange ignoriert zu haben.

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Das moderne Leben

Das moderne Leben

Die ZEIT-Serie "Was mein Leben reicher macht" präsentiert persönliche Geschichten von Lesern, die berichten, welche kleinen oder großen Dinge ihren Alltag bereichern. Jeder Beitrag bietet einen intimen Einblick in die Leidenschaften, Hobbys oder Beziehungen, die Menschen glücklicher und erfüllter machen. Die Serie verbindet persönliche Erinnerungen und gegenwärtige Freuden zu kurzen, inspirierenden Porträts aus verschiedenen Lebensbereichen.

🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:57:49 „Ein neues Produkt, Moderna zu nennen, klingt so wie modernes Leben. Als es in der Zeit noch die Rubrik das moderne Leben gab, so 70er Jahre.“

In der Abschlussrubrik 'Die sogenannte Zukunft' spekulieren die Hosts darüber, welchen COVID-Impfstoff sie bekommen werden. Mangold assoziiert den Namen 'Moderna' mit der ehemaligen ZEIT-Rubrik 'Das moderne Leben', die er in die 70er-Jahre verortet – eine beiläufige, nostalgische Erwähnung.

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