Was Veganer und Fleischesser wirklich wollen
Lars Weisbrod, Nina Pauer
Die Folge nimmt sich einen überraschend alltäglichen Stoff vor: Eiweiß. Protein wird zum Brennglas für den Kulturkampf zwischen Veganern und Fleischessern, zwischen Tofu-Steaks und Männlichkeitsidealen à la Elon Musk. Zuvor liefert der Gegenwartscheck eine pointierte Beobachtung über unsere kollektive Aufmerksamkeitsspanne — wenn man bei anderthalb Minuten Video schon dazuschreiben muss: bitte bis zum Schluss gucken.
„Proteine gibt es seit 3,7 Milliarden Jahren. Die Frage ist natürlich, warum sind sie jetzt gegenwärtig?“
Erwähnte Medien (18)
The Sixth Sense
M. Night Shyamalan · 1999
Der Kinderpsychologe Dr. Malcolm Crowe feiert mit seiner Frau eine für ihn bedeutsame Auszeichnung. An diesem Abend wird er von Vincent Grey überrascht, einem ehemaligen Patienten, dem Crowe nicht helfen konnte. Sichtlich verzweifelt schießt er auf Dr. Crowe und begeht daraufhin Selbstmord. Im darauf folgenden Jahr betreut Dr. Crowe den neunjährigen Cole. Er erinnert ihn an seinen früheren Patienten Grey. Der Junge scheint von großen Ängsten geplagt, die er niemandem anvertraut.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:03:14 „Der Regisseur M. Night Shyamalan war eine Zeit lang mal sehr bekannt dafür. The Sixth Sense mit Bruce Willis. Das eigentlich Geniale am Film ist das Ende, wo es herausstellt, dass alles ganz anders war.“
Lars Weisbrod spricht über das Phänomen, dass man bei Social-Media-Videos dazuschreiben muss 'bitte bis zum Schluss gucken', weil die Pointe erst am Ende kommt. Als Vergleich nennt er Filme, die ihren Überraschungsmoment am Ende haben – allen voran The Sixth Sense von M. Night Shyamalan, bei dem niemand auf die Idee käme, auf das Filmplakat zu schreiben, man solle den Film bis zum Ende schauen.
Don't Look Up
Adam McKay · 2021
Zwei Astronomen warnen die Menschheit in den Medien vor einem Kometen, der auf die Erde zurast. Doch die Welt hat anderes im Kopf und fragt sich nur, wen es interessiert.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:03:48 „Und bei Don't Look Up, bei dem Apokalypsen-Film, wo auch alle gesagt haben, hast du es bis zum Ende geguckt? Hast du noch bis dahin geguckt, wo der Sohn von der Präsidentin und so weiter…“
Nina Pauer greift Lars' Beobachtung über 'bitte bis zum Schluss gucken' auf und nennt Don't Look Up als Beispiel für einen Film, bei dem ebenfalls alle fragten, ob man wirklich bis zum Ende geschaut habe, weil dort noch eine wichtige Szene komme.
Der Ernährungskompass
Bas Kast · 2018
Der Millionenbestseller – jetzt erweitert um ein neues Kapitel und Beispielrezepte Bas Kast, Autor und Wissenschaftsjournalist, war erst 40 Jahre alt, als er mit Schmerzen in der Brust zusammenbrach. Danach fasste er den Entschluss, seine Ernährung radikal umzustellen. Aus Tausenden von Studien hat er die wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über eine wirklich gesunde Kost herausgefiltert, die wichtigsten Aspekte leicht verständlich zusammengestellt – und damit einen ungeheuren Erfolg gelan...
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:19:51 „Jedenfalls haben wir da einen großartigen Gegenwartscheck mit Hörerinnen und Hörern live gespielt und zur Belohnung durfte sich eine Hörerin ein Thema für eine Folge von uns wünschen. Ich habe nochmal den guten alten Baskas Ernährungskompass rausgeholt, den wir ja alle, also den ganz Deutschland seit, ich habe nochmal geguckt, 2018 ist das rausgekommen, das große Buch Baskas. Baskast, der Ernährungskompass.“
Nina Pauer stellt 'Der Ernährungskompass' von Bas Kast als zentrales Referenzwerk der Folge vor. Sie beschreibt es als gesamtgesellschaftlich prägendes Buch, das 2018 erschien und lange auf Platz 1 stand. Bas Kast habe darin tausende wissenschaftliche Studien zu Ernährungsfragen ausgewertet, um herauszufinden, was eine gesunde, lebensverlängernde Ernährung ausmacht. Nina referiert ausführlich seine Thesen zu Proteinen, der Proteinverdünnung durch die Lebensmittelindustrie und dem Unterschied zwischen tierischem und pflanzlichem Eiweiß.
Tagebucheinträge / Statusmeldungen
Stefanie Sargnagel · 2026
Das grenzsprengende Potenzial literarischer Tagebücher Veröffentlichte Tagebücher von Schriftsteller:innen sind Texte, die sich allzu klaren Zuordnungen entziehen. Sie bewegen sich zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, unmittelbarer Niederschrift und Nachbearbeitung sowie Authentizität und Fiktion. In vielen Fällen haben die Werke mehr mit kunstvoll arrangierten Romanen gemein als mit der Idee eines Tagebuchs, in dem am Abend der abgelaufene Tag bilanziert wird.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:27:19 „Ich erinnere mich zum Beispiel, das muss ich jetzt kurz vorlesen, an einen kleinen Text der Autorin Stefanie Sargnagel, eine junge Autorin, die immer so Tagebucheinträge schreibt, online und dann sind auch Bücher draus geworden.“
Lars Weisbrod zitiert ausführlich einen Text von Stefanie Sargnagel aus dem Jahr 2015, in dem sie einen Besuch in einem Sportnahrungsgeschäft beschreibt. Die grotesk-komische Schilderung der hypermaskulinen Proteinshop-Ästhetik dient ihm als Beleg dafür, dass Eiweiß lange mit einer sehr spezifischen, muskulösen Subkultur assoziiert war, bevor es zum Mainstream-Thema wurde.
Im BMW mit Frank White (featuring Shindy)
Frank White
Frank White ist ein älteres Pseudonym des Berliner Rappers Fler (*03.04.1982 in Berlin). Als Frank White veröffentlichte er zusammen mit Sonny Black die Alben "Carlo Cokxxx Nutten" (2002), sowie den Nachfolger "Carlo Cokxxx Nutten 2" (2009). Zwischen diesen beiden Bushido-Kollabos erschien im August 2008 das Kollabo-Album "Südberlin Maskulin" (mit Godsilla). Der Name stammt vom gleichnamigen Feature-Track des Albums "City of God" von Godsilla.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:24 „es spielte ganz laut mit dem BMW von Frank White featuring Shindy“
Wird im vorgelesenen Text von Stefanie Sargnagel als Hintergrundmusik im Sportnahrungsgeschäft erwähnt, als Ausdruck der Testo-Ästhetik
BMW
Frank White featuring Shindy
Der Song "BMW" von Frank White feat. Shindy illustriert die Verbindung zwischen Deutschrap und Muskelkultur. Im Podcast wird der Track exemplarisch erwähnt, um die Atmosphäre eines Sportnahrungsgeschäfts zu beschreiben und dessen kulturelle Verortung in der deutschen Hip-Hop- und Fitness-Szene zu analysieren. Der Song steht für die Verschränkung von Konsumverhalten, Körperkultur und urbaner Kultur, die Lars Weisbrod als Ausgangspunkt seiner gesellschaftlichen Analyse nutzt.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:54 „Hinter der Theke stand ein großer Typ im Muskelshirt und es spielte ganz laut mit dem BMW von Frank White featuring Shindy.“
Der Song wird innerhalb des Sargnagel-Zitats erwähnt, um die Atmosphäre des Sportnahrungsgeschäfts zu illustrieren. Frank White ist ein Alias von Fler – der Track steht exemplarisch für die Verbindung von Deutschrap, Muskelkultur und Proteinkonsum, die Lars Weisbrod als Ausgangspunkt seiner Analyse nutzt.
Artikel über Muskelrap
Lars Weisbrod
Lars Weisbrod analysiert in diesem ZEIT-Artikel aus dem Jahr 2017 das Subgenre Muskelrap im deutschen Hip-Hop. Das Genre verbindet Rap-Texte mit Themen rund um Bodybuilding, Fitness, Protein und Ernährung. Weisbrod beleuchtet, wie Muskelrap als kulturelles Phänomen entstand und welche Rapper und Tracks das Genre prägten.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:29:01 „2017, hab ich nämlich einen Text hier in der Zeit geschrieben über Muskelrap“
Lars Weisbrod verweist auf seinen eigenen Artikel in der Zeit von 2017 über Muskelrap als Subgenre des Deutschrap mit Bezug zu Protein und Ernährung
Muskelrap-Artikel in der ZEIT
Lars Weisbrod
Weisbrod analysiert Muskelrap als eigenständiges Subgenre des Deutschrap und zeigt, wie sich darin ein kultureller Konflikt zwischen Bodybuilding-Kultur und veganer Yoga-Bewegung abzeichnet. Was der Autor 2017 noch als Nischenphänomen einschätzte, erwies sich später als symptomatisch für tiefergehende gesellschaftliche Spannungen in Deutschland.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:29:10 „Ich musste auch daran denken, dass ich dann zwei Jahre später, 2017, habe ich nämlich einen Text hier in der Zeit geschrieben über Muskelrap, weil das dann auch so eine eigene Subgenre des Deutschraps geworden ist.“
Lars Weisbrod verweist auf seinen eigenen ZEIT-Artikel von 2017, in dem er über Muskelrap als Subgenre des Deutschrap schrieb. Er nutzt den Rückblick, um zu zeigen, dass er damals den Eiweiß-Kulturkampf zwischen Fleisch-Pumpern und veganer Yoga-Welt noch für ein Nischenphänomen hielt – eine Einschätzung, die sich rückblickend als falsch erwies.
Vom Salatschrumpf der Bizeps
Kollegah & Majoe
Ironischer Deutschrap-Track, der mit Satire auf Fitness- und Ernährungsmythen abzielt. Eine humorvolle Auseinandersetzung mit dem kulturellen Gegensatz zwischen Pump-Kultur und veganer Lebensweise im Hip-Hop, kritisch und spielerisch zugleich.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:29:29 „Es gab dann diesen ironischen Track von Kollegah und Majo vom Salatschrumpf der Bizeps. Deswegen hab lieber ein Rumstick parat.“
Als Beispiel für den Kulturkampf zwischen Fleisch-Pump-Kultur und veganer Yoga-Welt im Deutschrap
Salatschrumpf der Bizeps
Kollegah und Majoe
Ironischer Rap-Track mit satirischem Quatsch-Refrain. Der Song karikiert humorvoll die kulturelle Debatte zwischen Fleisch-geprägter Bodybuilding-Rap-Kultur und pflanzlicher Yoga-Bewegung, indem er gegensätzliche Ernährungsideologien provokativ gegenüberstellt. Ein selbstironisches Stück aus einer Zeit, als dieser Kulturkonflikt noch als Subkultur-Phänomen wahrgenommen wurde.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:29:55 „Es gab dann diesen ironischen Track von Kollegah und Majo vom Salatschrumpf der Bizeps. Deswegen, hab lieber ein Rumstick parat. So war der Quatschrefrain.“
Lars Weisbrod nennt den ironischen Track als Beispiel für den Kulturkampf zwischen Fleisch-Bodybuilding-Rap und der veganen Yoga-Welt. Der Song karikiert die Gegenüberstellung von Muskelaufbau durch Fleischkonsum und pflanzlicher Ernährung, die Weisbrod damals noch als Subkultur-Phänomen einordnete.
Pamela-Reif-Porträt
Nina Pauer
Im Porträt reflektiert Fitness-Influencerin Pamela Reif über ihr Handeln und ihre Einstellung zu Fitness und Ernährung. Obwohl sie sich pflanzlich ernährt, nutzt auch Reif regelmäßig Proteinpulver. Der Artikel zeigt, dass die Protein-Fixierung Milieu- und Geschlechtsgrenzen überschreitet und auch bei privilegierten, weiblichen Influencerinnen verbreitet ist.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:30:55 „Pamela Reif habe ich ja auch mal porträtiert damals und die hatte ja auch, zwar so Bowls gegessen, also schon irgendwie pflanzlich, aber das Proteinpulver war auch dabei.“
Nina Pauer erwähnt ihr früheres Porträt über Fitness-Influencerin Pamela Reif, um zu zeigen, dass die Protein-Fixierung nicht nur ein maskulines Phänomen ist. Auch Reif, die für einen weiblichen, privilegierten Lifestyle steht, kombinierte pflanzliche Ernährung mit Proteinpulver – ein Beleg dafür, dass die Eiweiß-Begeisterung Milieugrenzen überschreitet.
Hafermilchmann-Artikel
Nina Pauer
Der Blog-Artikel stellt Sven und Denis vor, zwei Männer, die den 'Hafermilchmann'-Trend verkörpern – ein neuer Männlichkeitstypus, der sich durch pflanzliche Ernährung, Meditation und effiziente Körperoptimierung auszeichnet. Im Gegensatz zu traditionellen Maskulinitätsidealen verfolgen diese Männer einen weicheren, holistischeren Ansatz zur Gesundheit und Fitness, ohne in aggressive Muskelkultur zu verfallen.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:35:32 „Und dann, ich habe ja mal vor ein paar Jahren was über den Hafermilchmann geschrieben. Also die Männer, die jetzt ihren Körper als wirklich, wo es aber schon in Anführungsstrichen weicher wird, die auch meditieren, die dieses Effizienzding nicht aus so einem krassen tierischen, also die wollen keinen Krebs kriegen, die wollen effizient joggen gehen.“
Nina Pauer verweist auf ihren eigenen Text über den 'Hafermilchmann' als neuen Männlichkeitstypus – Männer, die meditieren, pflanzlich leben und ihren Körper effizient optimieren, aber auf eine weichere Art als die Muskelrap-Kultur. Sie nutzt das Konzept, um ein drittes Männlichkeitsideal zwischen dem 'alten weißen Mann' und dem Bodybuilder zu beschreiben.
Artikel über den Hafermilchmann
Nina Pauer
Nina Pauer beschreibt in diesem Artikel einen neuen Männertypus, den sie 'Hafermilchmann' nennt: ein moderner Mann, der pflanzliche Ernährung (Hafermilch statt Kuhmilch), Meditation, Achtsamkeit und Körperoptimierung miteinander verbindet. Der Begriff steht für eine Generation von Männern, die sich um Gesundheit, Selbstoptimierung und einen bewussteren Lebensstil bemühen. Pauer analysiert diesen Typus mit einer Mischung aus Beobachtung und Ironie als kulturelles Phänomen der 2010er/2020er Jahre.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:36:08 „ich habe ja mal vor ein paar Jahren was über den Hafermilchmann geschrieben“
Nina Pauer verweist auf ihren eigenen Artikel über einen neuen Männertypus, der pflanzliche Ernährung, Meditation und Körperoptimierung verbindet
Titelgeschichte über Fleischersatz
Der Artikel untersucht die Debatte um Fleischersatzprodukte und deren gesellschaftliche sowie politische Dimensionen. Das EU-Parlament entschied über die Definition von Wurst und regelt damit, ob alternative Produkte als solche vermarktet werden dürfen. Durch Interviews mit Ernährungssoziologin Eva Barlösius und Bestsellerautor Bas Kast beleuchtet die ZEIT sowohl die naturwissenschaftlichen als auch die kulturellen Aspekte dieser Debatte, die zwischen landwirtschaftlichen Interessen und innovativen Lebensmittelalternativen entstanden ist.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:37:15 „Die Zeit hat mal eine Titelgeschichte gemacht und da ging es um Fleischersatz“
Ein Zeit-Titelartikel über Fleischersatz und Laborfleisch, für den Nina Pauer mit Eva Barlösius und Bas Kast gesprochen hat
Fleischersatz-Titelgeschichte (Die Zeit)
Nina Pauer
Der ZEIT-Artikel untersucht das Thema Fleischersatz anhand einer kreativen Titelgeschichte mit ungewöhnlicher Visualisierung. Parallel entschied das EU-Parlament über die Definition von Wurst und betont, dass echtes Fleisch darin enthalten sein muss. Der Text beleuchtet, ob Laborfleisch eine praktikable Lösung für die Zukunft der Fleischproduktion sein kann.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:38:41 „Die Zeit hat mal eine Titelgeschichte gemacht und da ging es um Fleischersatz. Also da war so eine, das sah eigentlich ziemlich cool aus, da war so eine Tomatenstaude, sagt man. Und statt Tomaten waren dann da so Hackfleischbällchen dran, die aussahen wie Tomaten.“
Nina Pauer erzählt von einer ZEIT-Titelgeschichte über Fleischersatz und Laborfleisch, für die sie sowohl mit Eva Barlösius als auch mit Bas Kast sprach. Die Story dient als Aufhänger für die Debatte, ob Laborfleisch eine realistische Lösung ist – Barlösius zeigte sich unbeeindruckt, während Bas Kast begeistert war.
Soziologie des Essens
Eva Barlösius · 2020
Gesellschaftliche Typisierungen und sozialstrukturelle Klassifizierungen finden auch anhand dessen statt, was Menschen essen. Während der regelmäßige Genuss von Fleisch seit der Erfindung des Ackerbaus für ein Privileg sozial bevorzugter Schichten stand, sehen sich heute damit zumeist sozial benachteiligte Menschen assoziiert – allerdings als Makel statt als positives Distinktionsmerkmal, weshalb sie sich häufig genötigt sehen, sich für den Inhalt ihres Einkaufswagens zu rechtfertigen.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:38:55 „Und da habe ich mit der Soziologie-Professorin Eva Balösius gesprochen, eine Professorin aus Hannover, die das Standardwerk Soziologie des Essens geschrieben hat.“
Nina Pauer zitiert Eva Barlösius' Standardwerk, um die These zu stützen, dass der aktuelle Kulturkampf ums Fleisch historisch nichts Neues ist. Barlösius argumentierte, Ernährung und insbesondere Fleisch seien seit der Antike der Ort, an dem Gesellschaften ihre Werte und Normen verhandeln – vom pythagoreischen Vegetarismus bis heute.
Bericht der Bundesregierung zu In-Vitro-Fleisch
Amtlicher Bericht eines Bundesministeriums zur Technologie des In-Vitro-Fleischs mit einer verständlichen Zusammenfassung für Laien. Der Text dokumentiert verschiedene Perspektiven, insbesondere der Critical Animal Studies, die argumentieren, dass künstliches Fleisch den ethischen Veganismus seiner kritischen Kraft berauben könnte – wenn die Technologie alle Probleme der Tierwirtschaft technologisch umgeht, verliert der Veganismus seinen Bewegungsimpuls für radikale gesellschaftliche Veränderung.
🗣 Lars Weisbrod zitiert daraus bei ⏱ 00:46:41 „Das war so ein Bericht, den die Bundesregierung oder ein Ministerium in Auftrag gegeben hat zu In-Vitro-Fleisch. Das war so eine Zusammenfassung für Laien wie mich. Den habe ich gestern nochmal durchgeblättert und da stand was Interessantes drin.“
Lars Weisbrod zitiert ausführlich aus einem Bericht, den ein Bundesministerium zu In-Vitro-Fleisch in Auftrag gegeben hat. Er liest daraus die Position der Critical Animal Studies vor, die argumentieren, ethischer Veganismus brauche sein 'Störpotenzial' – wenn Laborfleisch alle Probleme löst, verliere der Veganismus seinen Motor für radikale gesellschaftliche Veränderung.
Artikel über Laborfleisch (Geschmacksanalyse)
Laborfleisch besteht aus echten tierischen Muskel-, Fett- und Bindegewebszellen, die aus einer Stammzellprobe in Bioreaktoren gezüchtet werden, nicht aus pflanzlichen Ersatzstoffen. Der vierschrittige Prozess entnimmt lebenden Tieren Stammzellen, kultiviert diese in nährstoffreichem Medium und ordnet die differenzierten Zellen mithilfe essbarer Gerüste in gewünschte Fleischformen. Seit Mark Posts Erstpräsentation 2013 arbeiten etwa 60 Start-ups an der Kommerzialisierung verschiedenster kultivierter Fleischarten. Ein zentraler Vorteil liegt im Tierschutz durch Vermeidung intensiver Viehzucht und Schlachtung. Die Technologie könnte damit konventionelle Lebensmittelsysteme grundlegend transformieren.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:52:40 „Und in einem dieser Artikel, die ich gelesen habe zu Laborfleisch, wurde versucht, das einmal komplett aufzuschlüsseln. Also was ist eigentlich der Geschmack von Fleisch und dann so schön, für mich philosophisch interessant, auf verschiedenen Ebenen, also auf der phänomenologischen Ebene, aber dann eben versucht auf der chemischen Ebene.“
Lars Weisbrod beschreibt einen Fachartikel, der den Geschmack von Fleisch auf chemischer Ebene in drei Kategorien aufschlüsselt: Aminosäurenpeptide, Fette und eine dritte Komponente. Er findet besonders amüsant, dass die Forscher den Fleischgeschmack am Ende mit 'meaty' beschreiben müssen — also das Wort Fleisch verwenden, um Fleisch zu erklären. Der Artikel dient ihm als Einstieg in die Frage, ob Laborfleisch den Originalgeschmack rekonstruieren kann.