Die sogenannte Gegenwart – Solarpunks, Insektenmehl und ein falscher Glottisschlag
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Solarpunks, Insektenmehl und ein falscher Glottisschlag

Die sogenannte Gegenwart / 15. Mai 2023 / 9 Medien

Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod

Eine seltene Live-Ausgabe, bei der alle drei Hosts gemeinsam auf der Bühne stehen und eine Stunde lang Gegenwartscheck mit dem Publikum spielen — jenes Spiel, bei dem ein Phänomen erst dann zählt, wenn es nicht nur neu ist, sondern auch etwas über den Zeitgeist verrät. Von Solarpunks über Insektenmehl bis zum falschen Glottisschlag wird alles verhandelt, was die Gegenwart so gegenwärtig macht.

„Man greift ein Phänomen auf, von dem man glaubt, dass es erst jüngsten Datums ist, dass es erst ganz neu in der Welt ist — und dass die Tatsache, dass es dieses Phänomen jetzt gibt, auch etwas darüber aussagt, wie wir ticken, wie wir leben in dieser Gegenwart.“
🗣 Ijoma Mangold

Erwähnte Medien (9)

Kritik der Urteilskraft

Kritik der Urteilskraft

Immanuel Kant

Kants philosophisches Hauptwerk zur Ästhetik untersucht, wie ästhetische Erfahrungen entstehen, wenn die Einbildungskraft an der Begriffsbildung scheitert. Er unterscheidet dabei zwischen dem Schönen, dem Erhabenen und anderen ästhetischen Kategorien und bietet eine bis heute wirkmächtige Theorie des ästhetischen Urteils.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:11:16 „Und das erinnert uns Philosophen natürlich an die Definition der Kunst bei Kant, wo es heißt, interesseloses Wohlgefallen. Und diese Geschäfte verkaufen im Grunde allerdings in der Welt des Konsums das interesselose Wohlgefühl.“

Ijoma Mangold vergleicht die Geschenkläden Nanu-Nana und Co. mit Kants ästhetischer Theorie. Er argumentiert, dass die nutzlosen Geschenkartikel eine Art konsumistische Version von Kants 'interesselosem Wohlgefallen' darstellen – Dinge, die niemand braucht, die aber gerade durch ihre Zweckfreiheit eine gewisse Schönheit ausstrahlen.

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Six Feet Under

Six Feet Under

Alan Ball · 2001

Nach dem Tod ihres Vaters müssen zwei Brüder das Bestattungsinstitut der Familie retten.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:28:01 „Ich dachte, es gäbe noch mehr Fans der Serie, die vor 15 Jahren mal absolut angesagt war. Nine Feet Under hieß die? Six Feet Under. Oh, ja, ja. Es fehlt dann immer mal ein praktisches Six Feet Under über ein familiengeführtes Bestattungsunternehmen in Kalifornien.“

Ijoma Mangold stellt das Thema Grabpatenschaft als neues Gegenwartsphänomen vor und versucht, über die Serie Six Feet Under einen popkulturellen Anknüpfungspunkt zum Thema Bestattungskultur herzustellen. Er erinnert sich allerdings falsch an den Titel und wird korrigiert.

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37 Grad

37 Grad

· 1994

37° berichtet aus außergewöhnlicher Perspektive heraus über für unsere Gesellschaft typische Lebenssituationen: die Kamera begleitet eine Gruppe oder einzelne Menschen in meist besonders exponierter sozialer Situation. Häufig skizziert die Reportage einen Wendepunkt oder eine Entscheidungsphase in der betrachteten Biographie.

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:31:27 „Es gibt so 20, 37 Grad Reportagen von irgendwie Leuten, die sagen, ich möchte aber nur auf dem Bodensee in der Seebestattung auf einem schwimmenden Schwan-Tretboot bestattet werden oder so. Also diese Geschichten, irgendwie habe ich da zu viele von gehört.“

Lars Weisbrod begründet, warum ihn das Thema Bestattungskultur nicht mehr als Gegenwartsphänomen überzeugt. Er verweist auf die ZDF-Dokumentationsreihe 37 Grad als Beispiel dafür, dass das angebliche Tabuthema Tod im Infotainment längst ausgereizt sei.

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S Doku

Sarggeschichten

YouTube-Kanal über neue Bestattungsrituale und praktische Aspekte des Umgangs mit Verstorbenen. Die Videos erklären die Death-Positive-Bewegung in anschaulichem, didaktischem Stil – ähnlich einer modernen „Sendung mit der Maus". Ein informativer Überblick über zeitgenössische Bestattungspraktiken.

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:32:02 „Habe ich gestern Werbung gesehen, da saßen so zwei Frauen an so einem Sarg und dann stand da so gut gelaunt, eher so eine Landlustoptik. Und dann stand da so gut gelaunt, so Sarggeschichten und so.“

Nina Pauer erwähnt im Zusammenhang mit dem Thema Bestattungskultur ein Medienformat namens Sarggeschichten, das sie in einer Werbeanzeige gesehen hat. Sie beschreibt es als Beispiel dafür, dass sich im Bestattungsbereich ständig neue, zeitgeistige Formate entwickeln.

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Wilhelm Tell

Wilhelm Tell

Friedrich Schiller

Schillers klassisches Freiheitsdrama über Aufstand gegen tyrannische Unterdrückung. Der Landvogt errichtet seinen Hut als Symbol der erzwungenen Unterwerfung — Wilhelm Tell widersetzt sich diesem Gehorsam und wird zur Symbolfigur des Widerstands gegen Zwang und Unterdrückung.

🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:44:20 „Ich würde sagen, es geht um, so wie man berühmterweise bei Schiller den Gesslerhut grüßen muss. Der Landvogt hat den Gesslerhut aufgestellt und jeder, der am Dorf vorbeikommt, muss diesen Hut grüßen, um seinen Respekt vor dem König zu erweisen. So funktioniert ja auch das Gendern.“

Ijoma Mangold nutzt Schillers Wilhelm Tell als Analogie, um seine Interpretation des Genderns zu illustrieren. Der Gesslerhut steht für ihn als Symbol einer erzwungenen Respektsbekundung – genau so funktioniere das Gendern als öffentliches Bekenntnis, unabhängig davon, ob es linguistisch korrekt angewendet werde.

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Die orange Pille

Die orange Pille

Ijoma Mangold

Ijoma Mangolds Buch zur Einführung in Bitcoin und Kryptowährungen. Der Titel „Die orange Pille" bezieht sich auf die Bitcoin-Community-Metapher für das Verständnis von dezentralen digitalen Währungen. Das Werk richtet sich an Technik-interessierte Leser und vermittelt grundlegende Konzepte sowie praktisches Wissen zum Thema Blockchain und Bitcoin. Besonders relevant für alle, die sich mit Fintech und alternativen Zahlungssystemen auseinandersetzen möchten.

🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:49:40 „Ich finde, er ist so erkennbar ein Techie, dass die Tüte, wo mein Buch zum Bitcoin drin ist, bei ihm in den richtigen Händen sein dürfte.“

Ijoma Mangold verschenkt sein eigenes Bitcoin-Buch als Teil des Goodie-Bags an einen Zuschauer

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Artikel über die Rückkehr des Schlankheitsideals

Artikel über die Rückkehr des Schlankheitsideals

Sophie Passmann

Sophie Passmann analysiert die Heuchelei der Modeindustrie beim Thema Körperbild: Body Positivity war nie mehr als ein Trend, der zurückgefahren wird, sobald er kommerziell unattraktiv wird. Am Beispiel der Kardashians zeigt sie, wie schnell das Ideal des kurvenreichen Körpers wieder dem klassischen Schlankheitsideal weicht – und wie die Industrie dabei so tut, als wäre das eine organische Entwicklung. Der Text rechnet mit der Scheinheiligkeit ab, die Diversität feiert, solange sie sich verkauft.

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:53:14 „Also wir hatten ja auch, Sophie Passmann hatte doch bei uns geschrieben über die Rückkehr oder dass es nie weg war und verlogen ist und sowas und die Mode das nur macht, wenn es halt gerade angesagt ist und sobald die Kardashians nicht mehr machen, wieder zurück geht.“

Als eine Zuschauerin den Widerspruch zwischen Body Positivity und der Rückkehr des Schlankheitsideals durch die Kardashians anspricht, verweist Nina Pauer auf einen bereits erschienenen Text von Sophie Passmann bei der ZEIT, der genau dieses Thema – die Scheinheiligkeit der Modeindustrie beim Thema Körperideale – behandelt hat.

Zum Artikel bei ZEIT Online Details
Artikel über die Rückkehr von Körpertrends in der Mode

Artikel über die Rückkehr von Körpertrends in der Mode

Sophie Passmann

Sophie Passmann analysiert in diesem Artikel die Heuchelei der Modeindustrie im Umgang mit Körperidealen. Sie argumentiert, dass bestimmte Körpertrends – wie kurvige Figuren – nie wirklich aus der Mode verschwunden seien, sondern die Branche sie nur dann öffentlich feiert, wenn sie von prominenten Vorbildern wie den Kardashians getragen werden. Sobald diese den Trend nicht mehr verkörpern, kehrt die Mode stillschweigend zu anderen Idealen zurück. Passmann entlarvt dieses Muster als verlogen und zeigt, wie die Modewelt gesellschaftliche Körperdiskurse instrumentalisiert, statt echte Vielfalt zu vertreten.

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:53:14 „Also wir hatten ja auch, Sophie Passmann hatte doch bei uns geschrieben über die Rückkehr oder dass es nie weg war und verlogen ist und sowas und die Mode das nur macht, wenn es halt gerade angesagt ist und sobald die Kardashians nicht mehr machen, wieder zurück geht.“

Im Kontext einer Diskussion über Körperideale und Modetrends verweist Nina Pauer auf einen Artikel, den Sophie Passmann für die ZEIT geschrieben hat. Passmann argumentierte darin, dass bestimmte Körpertrends in der Mode nie wirklich verschwunden seien und die Branche sie nur aufgreife, wenn sie gerade populär sind – etwa durch die Kardashians.

Zum Artikel bei ZEIT Online Details
Die Frage nach der Technik

Die Frage nach der Technik

Martin Heidegger

Der Artikel untersucht Heideggers Gestell-Konzept aus seiner Technikphilosophie und deren Anwendung auf moderne Technologien wie Solarenergie. Heidegger sieht darin ein ambivalentes Verhältnis: Der Mensch nutzt Technik, um die Natur auszubeuten und deren Wesen zu 'entbergen'. Die Frage bleibt offen, ob Solartechnik diese problematische Instrumentalisierung der Natur fortsetzt oder eine mögliche Versöhnung zwischen Mensch, Technik und Umwelt darstellt.

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:59:13 „Früher habe ich mal Heidegger gelesen und ich weiß nicht, vielleicht ist hier ja unter uns ein Hardcore-Heideggerianer oder Heideggerianerin. Da geht es doch immer um das G-Stell. Das Gestell ist meiner Meinung nach etwas, wie der Mensch die Technik in die Natur stellt, um das Seiende zu entbergen.“

Nina Pauer bringt Heideggers Technikphilosophie ins Spiel, um ihr Gefühl der 'Solarbefriedigung' philosophisch einzuordnen. Sie fragt sich, ob Heidegger das Verhältnis von Mensch, Solartechnik und Natur als Versöhnung oder als problematisches 'Gestell' deuten würde – lässt die Frage aber bewusst offen.

Zum Artikel bei Beilharz-economics.de Details
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