Das Baby auf dem Nil
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Nach dem Abschluss der Josef-Geschichte wenden sich die Schwestern nun der monumentalsten Figur der Bibel zu: Mose. Bevor sie in den Text selbst eintauchen, ordnen sie das zweite Buch Mose — den Exodus — als das identitätsstiftende Grundbuch Israels ein, das kein einzelner Autor verfasste, sondern das Priester und Schriftgelehrte aus Volkssagen, Legenden und unterschiedlichsten Gattungen zusammentrugen. Besonders bemerkenswert: Anders als die Schöpfungsgeschichte hat die Exodus-Erzählung keine Parallelen in den umliegenden Kulturen — sie ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal.
„Dieses Wir sind ausgezogen aus Ägypten, wir wurden von Gott befreit. Das ist das Grundbekenntnis, auf dem das gesammelte Israel bis heute beruht.“
Erwähnte Medien (10)
Ilias
Homer
Die Odyssee ist eines der beiden großen Epos-Werke des antiken griechischen Dichters Homer und erzählt die zehnjährige Heimreise des Helden Odysseus nach dem Trojanischen Krieg. Das Werk gilt als Meisterwerk der Weltliteratur und behandelt Themen wie Abenteuer, Treue und menschliche Widerstandskraft, die bis heute faszinieren. Im Podcast-Kontext wurde die Odyssee gegenüber der Ilias bevorzugt, was zeigt, dass sie in der öffentlichen Rezeption eine besondere Anziehungskraft behält.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:07:34 „Aber das ist sozusagen trotzdem die Schnittstelle, ein bisschen auch so wie bei der Ilias, verstehst du? Troja, das auch lange für einen Mythos gehalten wurde und dann hat man es auf einmal ausgegraben und hat gesagt, ja stimmt, da liegt es und es ist Troja.“
Sabine Rückert zieht einen Vergleich zwischen der Moses-Geschichte und Homers Ilias, um die Schnittstelle zwischen Mythos und Historie zu verdeutlichen. So wie Troja lange für reine Legende gehalten wurde, bis Archäologen es tatsächlich fanden, enthält auch die Exodus-Erzählung einen historischen Kern, der durch Ausgrabungen (z.B. der Stadt Piramesse) bestätigt wurde.
Sargon-Legende
· 1997
The most impressive legacy of the Dynasty of Akkade (ca. 2310-2160 B.C.E.) was the widespread, popular legends of its kings. Dr. Westenholz offers an annotated edition of all the known legends of the Akkadian kings, with transliteration, translation, and commentary. Of particular interest to biblical scholars is the inclusion of "The Birth Legend of Sargon," which is often compared to Moses in Exodus.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:28:02 „Ich habe mich mal auf die Suche begeben, dieses Motiv des Kindes im Binsenkörbchen. In vielen Büchern steht das jedenfalls drin, dass das übernommen worden sei von der Sargonsage in Babylon, wo es auch einen König gibt, der in einem Binsenkörbchen gerettet worden ist.“
Sabine Rückert vergleicht die biblische Aussetzungsgeschichte Moses mit der babylonischen Sargon-Legende, einem altorientalischen Text über König Sargon von Akkad, der ebenfalls als Kind in einem Binsenkörbchen auf dem Wasser ausgesetzt und gerettet wurde. Sie nutzt dies als Ausgangspunkt für einen umfassenden kulturvergleichenden Exkurs über das Motiv des ausgesetzten Heldenkindes.
Thidrekssaga (Tidrex-Saga)
· 1959
Altnordische Sagensammlung (ca. 1230–1240) mit Heldengeschichten. Sie behandelt unter anderem das Motiv der Kindesaussetzung, etwa von Siegfried in einem Glasgefäß auf dem Fluss – ein universelles literarisches Muster.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:31:36 „Ich habe da sogar in der Siegfriedssage geschrieben, in der altnordischen Tidrex-Saga, circa 1230 bis 1240 datiert, wurde Siegfried in einem verschlossenen Glasgefäß auf dem wilden Fluss ausgesetzt.“
Sabine Rückert zitiert die altnordische Thidrekssaga (ca. 1230–1240) als weiteres Beispiel für das universelle Motiv der Kindesaussetzung. In dieser mittelalterlichen Sagensammlung wird Siegfried in einem Glasgefäß auf einem Fluss ausgesetzt – eine Parallele zur Moses-Geschichte, mit der Rückert die weltliterarische Verbreitung dieses Erzählmusters belegt.
Exodus: Gods and Kings
Ridley Scott · 2014
Moses und Ramses wachsen zusammen in der ägyptischen Pharaonenfamilie auf. Obwohl sie keine Blutsverwandtschaft verbindet, stehen sie sich doch sehr nahe. Während sie älter werden, nimmt das gegenseitige Verständnis jedoch immer weiter ab. Ramses steigt zum Pharao auf – Moses, der als Kind im Fluss gefunden wurde und aufgrund seiner Herkunft eigentlich gar nicht Ägypter ist, wird zur Stimme der unterdrückten Israeliten, die in Ägypten als Sklaven zum Bau der Pyramiden gezwungen werden.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:33:52 „Da gibt es ja dann auch jetzt die aktuelle, aktuell ist sie nun gar nicht mehr, aber relativ neu, man kann sie auf Netflix abrufen, die Exodus, das heißt auch Exodus-Geschichte von Ridley Scott verfilmt mit Christian Bale als Mose. Bisschen komisch, weil so ein Amerikaner spielt da den Mose, das ist auch ein bisschen schräg.“
Sabine Rückert erwähnt den Film im Zusammenhang mit der Frage, wie die Lücke in der biblischen Erzählung über Moses' Jugend am ägyptischen Hof gefüllt wird. Der Film zeigt laut Rückert Details, die im Bibeltext nicht erzählt werden – etwa ob Mose wusste, dass er ein Hebräer ist.
Der Prinz von Ägypten
· 1998
Die Emanzipationsgeschichte des biblischen Helden Moses, der vom fremdbestimmten Zögling des Pharaos zum selbstsicheren Befreier des Volkes Israel reift: Als Neugeborener an den Gestaden des Nils ausgesetzt, um so den Häschern des Herodes zu entkommen, wird der kleine Moses von einer ägyptischen Prinzessin gefunden und großgezogen.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:34:26 „Hat er Kontakt zum Sohn des Pharao, wie das ja in vielen Filmen unterstellt wird, auch in dem wunderbaren Animationsmusical »Der Prinz von Ägypten«? Ein großartiger Film.“
Rückert nennt den Animationsfilm als Beispiel für Filme, die Moses' Beziehung zum Pharaonensohn ausgestalten – eine Geschichte, die im Bibeltext selbst nicht erzählt wird. Sie bezeichnet ihn ausdrücklich als großartigen Film.
Blade Runner
Ridley Scott · 1982
Man schreibt das Jahr 2019. Den Replikanten, künstlichen Menschen, ist bei Todesstrafe die Rückkehr zur Erde verboten. Doch trotzdem kehren eines Tages einige dieser Wesen zurück. Diese besondere Spezies verfügt über Kraft und Intelligenz mehrerer Menschen und ist von diesen kaum zu unterscheiden. Sie sollen unschädlich gemacht werden. Nur eine Spezialeinheit kann sie aufspüren: die Blade Runner. Eine atemberaubende Hetzjagd durch die futuristische Welt beginnt.
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:35:03 „Blade Runner, ein Klingenläufer.“
Rückert wirft den Begriff als spontane Assoziation ein, als Johanna Haberer Moses' Existenz als 'liminal' – auf der Grenze zwischen zwei Welten lebend – beschreibt. Die Parallele zu Blade Runner bleibt kurz angedeutet, wird aber nicht weiter ausgeführt.
Das Gewand
· 1953
Rom im Jahre 33: Der halsstarrige junge Tribun Marcellus Galleo zieht sich den Unmut des Kaiserneffen Caligula zu und wird deshalb in die Garnison Jerusalem verbannt. Galleo nimmt seinen griechischen Sklaven Demetrius mit sich. In Jerusalem soll er die Kreuzigung von drei Männern überwachen. Bei einem Würfelspiel gewinnt Marcellus die einzige Habe des Mannes am Mittelkreuz – dessen Gewand...
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:37:37 „Das gibt es ja auch in den großen Gewandfilmen, also in den großen Sandalenfilmen, das Gewand und Quo Vadis, wo sich also Leute auf einmal zum Beispiel für die Juden einsetzen oder für die Christen einsetzen.“
Rückert nennt den Sandalenfilm als Beispiel für das Motiv des Seitenwechsels – Menschen aus der Herrscherschicht, die sich plötzlich für die Unterdrückten einsetzen. Sie zieht eine Parallele zu Moses' Loyalitätswechsel.
Quo Vadis
· 1951
Rom brennt. Nero spielt dazu auf der Leier. Das Christentum strebt empor.. Robert Taylor spielt den Kommandanten einer Legion, dessen Liebe zu einer christlichen Sklavin die Kluft zwischen Römischem Reich und der zutiefst im Glauben verwurzelten Religionsgemeinschaft überbrückt. Und über allem waltet Nero . Er ist Caesar, Verrückter, Mörder ein kaiserlicher Gebieter über die spektakuläre, dem Untergang geweihte Pracht, die Rom einst war.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:37:37 „Das gibt es ja auch in den großen Gewandfilmen, also in den großen Sandalenfilmen, das Gewand und Quo Vadis, wo sich also Leute auf einmal zum Beispiel für die Juden einsetzen oder für die Christen einsetzen.“
Zusammen mit 'Das Gewand' nennt Rückert 'Quo Vadis' als klassischen Sandalenfilm, in dem das Moses-Motiv des Seitenwechsels – von der Macht zu den Unterdrückten – variiert wird.
Do Androids Dream of Electric Sheep?
Philip K. Dick · 2008
A masterpiece ahead of its time, a prescient rendering of a dark future, and the inspiration for the blockbuster film Blade Runner By 2021, the World War has killed millions, driving entire species into extinction and sending mankind off-planet. Those who remain covet any living creature, and for people who can’t afford one, companies built incredibly realistic simulacra: horses, birds, cats, sheep. They’ve even built humans.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:37:53 „Und es gibt es dann auch später bei Philip K. Dick, also dass sich dann Roboter selbstständig machen. Und nicht mehr wissen, ob sie wirklich Menschen sind oder ob sie Maschinen sind und die sich dann in Aufstand machen.“
Sabine Rückert diskutiert das Motiv des Identitäts- und Loyalitätswechsels bei Mose und zieht Parallelen zu Philip K. Dicks Werk, in dem Androiden ihre eigene Identität hinterfragen und sich gegen ihre Schöpfer auflehnen. Blade Runner (die Verfilmung) ist bereits erfasst, aber die literarische Vorlage von Dick wird hier separat referenziert.
Homo Deus
Yuval Noah Harari · 2024
Step into the future with Yuval Noah Harari’s groundbreaking book, Homo Deus: A Brief History of Tomorrow. Discover how humanity’s next chapter may be defined by the pursuit of immortality, artificial intelligence, and ultimate happiness, as we attempt to transcend our biological limitations. Harari challenges everything we know about the future of humankind, revealing the possibility that we might soon become gods ourselves.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:43:52 „Und ich habe, da wollte ich dir jetzt mal vorlesen, ein Stück aus dem Buch »Homo Deus« von Yuval Noah Harari, einem jüdischen Historiker, der ja sehr bekannt ist und der mehrere Bücher geschrieben hat, die ich alle gelesen habe.“
Rückert liest eine längere Passage aus Hararis 'Homo Deus' vor, in der das ägyptische Beamtensystem beschrieben wird. Sie nutzt das Zitat, um zu erklären, wie der Pharao als imaginäre Institution funktionierte und warum der Pharao in der Bibel nicht namentlich genannt wird – weil der biologische Körper irrelevant war.