Unter Pfarrerstöchtern – Der brennende Dornbusch
#027

Der brennende Dornbusch

Unter Pfarrerstöchtern / 04. Dezember 2020 / 10 Medien

Sabine Rückert & Johanna Haberer

Mose ist auf der Flucht: Nachdem er einen Ägypter erschlagen hat, jagt ihn der Pharao — sein eigener Adoptivvater — als politische Bedrohung. Er flieht auf die Sinai-Halbinsel zu den Midianitern, einem nomadischen Volk in gesetzlosem Land. Dabei zieht sich das große Motiv der jüdischen Geschichte durch: Mose ist erneut ein Fremder, diesmal unter arabischen Nomaden, und die spannende Frage taucht auf, ob die Midianiter vielleicht denselben Gott verehren wie die Hebräer — einen geheimnisvollen Wüsten- und Berggott, der noch keinen Namen trägt.

„Schon wieder ist er fremd. Er ist fremd in Ägypten, ist ein geduldeter Fremder und er geht jetzt nach Midian und auch hier ist er ein Fremder.“
🗣 Johanna Haberer

Erwähnte Medien (10)

Gott. Eine Biografie

Gott. Eine Biografie

Jack Miles · 2001

Five years after his everywhere-acclaimed, brilliantly successful, Pulitzer Prize-winning book about God as portrayed in the Old Testament--God: A Biography--Jack Miles gives us his striking consideration of Christ. He presents Christ as a hero of literature based only in part on the historical Jesus, asking us to take the idea of Christ as God Incarnate not as a dogma of religion but as the premise of a work of art, the New Testament.

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:09:04 „Bevor Gott sich zu erkennen gibt, wollte ich jetzt nochmal schnell was vorlesen. Und zwar aus dem schönen Buch von Jack Smiles, Gott, eine Biografie. Und da schreibt er, macht er sich sehr, sehr viele Gedanken über Gott und seine verschiedenen Erscheinungsformen und seine verschiedenen Arten aufzutreten.“

Sabine Rückert liest ausführlich aus Jack Miles' Buch vor, um die Besonderheit des biblischen Gottes zu illustrieren: Er existiert nur in Bezug auf die Menschen, hat kein Privatleben und keine Abenteuer jenseits der Menschheit. Sie zitiert Miles' Vergleich, Gott sei wie ein Romanschriftsteller, der seine Geschichte nur durch seine Gestalten erzählen kann.

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Felicity Astons Antarktis-Durchquerung

Felicity Astons Antarktis-Durchquerung

Felicity Aston, britische Physikerin, war die erste Frau, die die Antarktis allein durchquerte. Während dieser extremen Expedition in völliger Einsamkeit und Reizarmut entwickelte sie Halluzinationen und führte Gespräche mit der Sonne. Der Artikel erklärt ein neurologisches Phänomen: Wenn dem Gehirn normale sensorische Daten fehlen, generiert es Visionen. Dies wird mit historischen Beispielen wie Moses in der Wüste verglichen.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:19:33 „Wir haben vor einiger Zeit, das ist noch gar nicht lange her, eine Geschichte gehabt von Felicity Aston, eine britische Physikerin, Mitte 30, die vor einigen Jahren als allererste die Antarktis alleine durchquert hat, als Erste.“

Sabine Rückert erzählt von einem ZEIT-Artikel über die Polarforscherin Felicity Aston, die 2011/2012 als erste Frau allein die Antarktis durchquerte. Sie zieht eine Parallele zu Moses' Wüstenerfahrung: In völliger Einsamkeit und Reizarmut begann Aston, mit der Sonne zu sprechen — und die Sonne antwortete, ähnlich wie Gott aus dem Dornbusch zu Mose sprach.

Zum Artikel bei ZEIT Online Details
Der Hobbit

Der Hobbit

J. R. R. Tolkien · 2013

Ohne große Ansprüche lebt Bilbo Beutlin im Auenland, bis er von dem Zauberer Gandalf und einer Horde Zwerge aus seiner Beschaulichkeit und seinem gemütlichen Alltag gerissen wird. Auf einmal findet er sich mitten in einem Abenteuer wieder, das ihn zu dem riesigen und gefährlichen Drachen Smaug führt, der einen kostbaren Schatz in seinen Besitz gebracht hat und eifersüchtig hütet ...

🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:26:13 „Der Hobbit will ja auch nicht nach Mordor ziehen und dort den Ring in den Vulkan werfen, hat auch keinen Bock drauf, gut verständlich.“

Im Gespräch über das biblische Motiv der widerwilligen Berufung — Propheten, die dem Ruf Gottes nicht folgen wollen — bringt Sabine Rückert den Hobbit als populärkulturelles Beispiel für denselben Erzählarchetyp: Der unwillige Held, der gegen seinen Willen eine gefährliche Mission übernehmen muss.

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Ich will nicht Präsidentin werden

Ich will nicht Präsidentin werden

Elisabeth Räther, Michael Thumann

Swetlana Tichanowskaja, die belarussische Oppositionelle, äußert sich im ZEIT-Interview über ihre unfreiwillige Führungsrolle im Exil. Wie der Prophet Mose wollte sie diese Verantwortung ursprünglich nicht annehmen, wurde aber durch die politischen Umstände dazu gedrängt. Der Artikel beleuchtet ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft für Belarus und ihr Verlangen, ihre Macht eines Tages wieder abgeben zu können.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:28:24 „Und sie hat uns ein Interview gegeben und die Überschrift ist, ich will nicht Präsidentin werden. Die belarussische Oppositionelle Svetlana Tichanowska erhofft im Exil auf eine bessere Zukunft für ihr Land. Nur ihre Macht würde sie gern wieder abgeben können. Da musste ich an den Propheten Mose denken und an alle anderen Propheten, die man auch alle erst wieder aus ihrer Hütte zerren musste.“

Sabine Rückert zieht eine Parallele zwischen der biblischen Berufung des Mose und dem ZEIT-Interview mit Svetlana Tichanowskaja vom 8. Oktober 2020. Wie Mose wollte auch Tichanowskaja keine Führungsrolle übernehmen, wurde aber von den Umständen dazu gedrängt — ein Muster, das sich durch die gesamte Bibel zieht.

Zum Artikel bei ZEIT Online Details
Rumpelstilzchen

Rumpelstilzchen

Brüder Grimm · 2020

Märchen sind wunderbar und wunderbar zeitlos. Sie dürfen in keinem Kinderzimmer fehlen. Das Märchen vom Rumpelstilzchen ist ein Klassiker von den Gebrüdern Grimm. Und das Wichtigste: Märchen sollten nie in Vergessenheit geraten, denn sie erinnern uns an unsere Kindheit und wunderschöne Momente.

🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:33:10 „Also er sagt nicht Rumpelstilzchen. Ach, wie gut, dass niemand weiß. Es gibt den Namen nicht preis und damit ja auch Macht, ihn anzurufen und ihn heraufzubeschwören.“

Sabine Rückert zieht die Parallele zwischen dem Märchen Rumpelstilzchen und der biblischen Szene, in der Gott seinen Namen nicht preisgibt. In beiden Fällen geht es um die Macht, die ein Name verleiht – wer den Namen kennt, hat Zugriff auf den Benannten.

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Die Schrift (Bibelübersetzung)

Die Schrift (Bibelübersetzung)

Martin Buber · 2019

Martin Bubers Bibelübersetzung "Die Schrift" ist eine alternative Übersetzung des hebräischen Bibeltextes, die sich durch bewusste und reflektierte Übersetzungsentscheidungen auszeichnet. Buber wählt beispielsweise "Gottheit" statt "Gott", um die Mehrdeutigkeit und theologische Offenheit des Originaltextes zu bewahren. Dies ist besonders für die Interpretation biblischer Szenen wie Jakobs Kampf relevant, wo solche sprachlichen Nuancen das Verständnis der Erzählung grundlegend prägen.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:33:31 „Ich bin, der ich bin oder ich bin, der ich sein werde. Oder es gibt ja sehr viele Übersetzungen. Ich werde sein, der ich sein werde, ich werde da sein, wenn ich da sein werde, übersetzt Buber.“

Im Gespräch über die Selbstoffenbarung Gottes am brennenden Dornbusch diskutiert Sabine Rückert die verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten des Gottesnamens. Sie zitiert dabei Martin Bubers berühmte Übertragung, die das hebräische Original als Zukunftsversprechen deutet – im Kontrast zu anderen, eher statischen Übersetzungen.

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Theologische Schriften (Zitat über Gott)

Theologische Schriften (Zitat über Gott)

Dietrich Bonhoeffer · 2016

"Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Unser Kampf heute geht um die teure Gnade." Für Dietrich Bonhoeffer gibt es keinen lebendigen Glauben ohne Gehorsam. Seit seinem Studienaufenthalt in New York, wo er eine Hinwendung zu einem persönlichen Christusglauben erlebte, sind seine Theologie und Spiritualität geprägt von der Sehnsucht, die Anweisungen der Bergpredigt wörtlich zu nehmen.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:34:58 „Es gibt ein ganz tolles Zitat des Beschreibtes von Dietrich Bonhoeffer, der sagt, einen Gott, den es gibt, den gibt es nicht. Also wenn du von Gott als dem großen Mächtigen sprichst und wenn du ihn wirklich als den Schöpfer von allem anguckst, und du kannst ihn mit deinen eigenen Händen machen, oder du kannst in deinem Kopf eine Definition von ihm machen, dann ist es schon der Falsche.“

Im Zusammenhang mit der Unbenennbarkeit Gottes und dem Gottesnamen Jahwe zitiert Johanna Haberer den Theologen Dietrich Bonhoeffer. Das Zitat unterstreicht die These, dass sich der biblische Gott jeder menschlichen Definition entzieht – passend zur Szene am brennenden Dornbusch.

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Artikel über Namen in Papua-Neuguinea

Artikel über Namen in Papua-Neuguinea

In Papua-Neuguinea trägt jede Person mehrere Namen gleichzeitig: einen Geburtsnamen, einen Rufnamen, Spitznamen, Freundschaftsnamen sowie Nekronyme – Namen, die nach dem Tod bestimmter Verwandter vergeben oder verändert werden. Diese vielschichtige Namenspraxis spiegelt soziale Beziehungen, Stammes­zugehörigkeit und spirituelle Überzeugungen wider. Der FAZ-Artikel, etwa um 2005 erschienen, beschreibt diese Namensgebung als ethnologisches Phänomen und zeigt, wie stark Identität in dieser Kultur durch Namen konstruiert wird. Sabine Rückert zieht den Artikel als Parallele zu biblischen Namengebungsszenen heran, in denen das Benennen eine konstitutive, soziale und religiöse Bedeutung hat.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:40:07 „Und dann habe ich was ganz Interessantes gefunden in einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Da hat jemand vor, schon ein bisschen her, schon 20 Jahre her, hat einer über Namen in Papua-Neuguinea geschrieben.“

Sabine Rückert zitiert ausführlich aus einem etwa 20 Jahre alten FAZ-Artikel über die komplexe Namensgebung in Papua-Neuguinea, wo jede Person Geburtsnamen, Rufnamen, Spitznamen, Freundschaftsnamen und Nekronyme trägt. Der Artikel dient ihr als ethnologische Parallele zur biblischen Szene, in der Gott seinen Namen verweigert – die Privatheit des Namens als universelles kulturelles Phänomen.

Zum Artikel bei FAZ Details
Lederstrumpf (The Leatherstocking Tales)

Lederstrumpf (The Leatherstocking Tales)

James Fenimore Cooper · 2019

Lederstrumpf (engl. Originaltitel The Leatherstocking Tales) ist ein Romanzyklus des amerikanischen Schriftstellers James Fenimore Cooper (1789–1851). Die Lederstrumpf-Romane haben verschiedene Schriftsteller wie Alexandre Dumas, Charles Sealsfield, Karl May, Arno Schmidt beeinflusst. Die größte Wirkung im deutschsprachigen Raum erzielten die Romane wohl durch die verschiedensten, zum Teil das Original entstellenden Bearbeitungen in der Jugendliteratur, in Hörspielen, wie Wildtöter (1974), und i...

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:40:51 „Der hieß J.F. Cooper und lebte 1798 bis 1851 und war ein Fronscher-Siedler. Also das war tatsächlich jemand, der auf dem Gebiet zwischen dem besiedelten amerikanischen Kontinent und dem wilden amerikanischen Kontinent lebte. Und wenn du Lederstrumpf liest, was ich kürzlich mal versucht habe, dann wirst du verrückt, weil die ständig ihren Namen ändern.“

Sabine Rückert greift zum Lederstrumpf-Roman als Illustration für die verwirrende Namensvielfalt bei indigenen Völkern. Sie hat das Buch kürzlich selbst zu lesen versucht und beschreibt ihre Frustration: Stämme und Personen wechseln ständig ihre Namen, das Buch ist ihrer Meinung nach schlecht geschrieben und mit wissenschaftlichen Fußnoten überfrachtet – sie hat aufgegeben.

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Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?

Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?

Richard David Precht · 2024

Der große Bestseller in neuer Ausgabe! Bücher über Philosophie gibt es viele. Aber Richard David Prechts Buch ist anders als alle anderen. Denn es gibt bisher keines, das den Leser so umfassend und kompetent – und unter Berücksichtigung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse – an die großen philosophischen Fragen des Lebens herangeführt hätte: Was ist Wahrheit? Woher weiß ich, wer ich bin? Was darf die Hirnforschung? Prechts Buch schlägt einen weiten Bogen über die verschiedenen Disziplinen und is...

🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:42:29 „Dass die Einsicht, dass sich ein Leben, ein menschliches Leben oder eine menschliche Biografie nicht mit einem Namen abbilden lässt, sondern dass wir alle viele sind eigentlich. Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“

Johanna Haberer spricht über die Vielschichtigkeit menschlicher Identität und die Praxis indigener Kulturen, Personen mehrere Namen zu geben. Die Formulierung entspricht exakt dem Titel von Prechts populärphilosophischem Bestseller und wird hier als geflügeltes Wort eingesetzt, um die These zu verdichten.

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