ZEIT Verbrechen – Drei Minuten Hass
#062

Drei Minuten Hass

ZEIT Verbrechen / 25. August 2020 / 7 Medien

Sabine Rückert, Andreas Sentker & Ursula März

Die Episode kündigt zunächst das neue Kriminalmagazin Nummer 7 an, dessen Titelgeschichte dem Gift ungeklärter Fälle nachgeht — Hinterbliebene berichten von verschwundenen Verwandten und unaufgeklärten Verbrechen, die ganze Familien über Generationen vergiften. Unter den Fällen: eine Frau, deren Großmutter bei Hamburg zerstückelt aufgefunden wurde, und ein spektakulärer Frankfurter Mordprozess, den Reporterin Rachel Erdmann aufgearbeitet hat.

„Sie ist schön, jung und reich. Er ist auch schön, nicht mehr ganz jung und vor allem nicht so reich, wie alle denken. Um ein Teil der Frankfurter High Society zu bleiben, sieht er nur noch einen Weg. Er muss Irina A. töten.“
🗣 Sabine Rückert

Erwähnte Medien (7)

Drei Minuten Hass

Drei Minuten Hass

Ursula März

Die Reportage analysiert zwei reale Fälle aus den Jahren 2001 und 2014, in denen alltägliche Situationen zwischen Männern in Hass und Aggression umschlugen. Der Artikel wirft kritische Fragen zu Hass-Meldestellen auf und hinterfragt, ob diese eher ein Klima der Denunziation fördern oder einen legitimen Schutz bieten. Im Kern geht es um die Spannung zwischen Selbstschutz und Überregulierung von menschlichem Konflikt.

🗣 Ursula März empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:05:41 „Ihr habt ja vorhin schon einen Titel genannt, nämlich Drei Minuten Hass. So war auch der Titel der Reportage, die ich geschrieben habe vor vier Jahren. Und als ich sie schrieb, die eine Geschichte ist aus dem Jahr 2014, die eine andere schon von 2001.“

Ursula März stellt ihre eigene Reportage vor, die den beiden Fällen zugrunde liegt, über die in dieser Podcast-Folge gesprochen wird. Die Reportage handelt von zwei Begegnungen zwischen Männern, bei denen alltägliche Situationen in Hass und Aggression umschlagen. Sie erschien in der ZEIT.

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House of Cards

House of Cards

Beau Willimon / Netflix · 2013

Nachdem er vom Weißen Haus hintergangen wurde, bahnt sich US-Kongressmitglied Underwood durch Erpressung, Skrupellosigkeit, Verführung und Ehrgeiz seinen Weg zur Macht.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:21:47 „Ganz berühmte Szene in der Serie House of Cards. Da wird ja von dem Hauptübeltäter dargestellt, von Kevin Spacey, eine junge Journalistin umgebracht. Und zwar genau auf diese Weise. Die steht auf einer Plattform, er hat sich dort mit ihr verabredet. Sie hat was über ihn herausgefunden und er sucht genau den Ort, wo die Kameras nicht hingucken und stößt sie dann im entscheidenden Moment vor die S-Bahn.“

Sabine Rückert zieht eine Parallele zwischen dem realen Fall und einer berühmten Szene aus House of Cards, in der Kevin Spaceys Figur eine Journalistin gezielt an einem kameralosen Ort vor eine S-Bahn stößt. Der Vergleich unterstreicht das Motiv des 'blinden Flecks' der Überwachungskameras, der auch im besprochenen Fall eine zentrale Rolle spielt.

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Dick und Doof

Dick und Doof

Laurel & Hardy · 1970

Seit 1927 brachten der dünne Laurel und der mehr als stämmige Hardy das Publikum mit Slapstick-Abenteuern und untrüglichem Sinn für Situationskomik zum Lachen. Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen 1970-1973

🗣 Ursula März erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:28:33 „Die waren also wahnsinnig gegensätzlich, aber wie es auch oft ist bei Patt und Patachon oder bei Dick und Doof oder wie auch immer, überlegt man zwangsläufig, was ist denn eigentlich die Gemeinsamkeit?“

Ursula März vergleicht die beiden gegensätzlichen Männer im Gerichtssaal – den wortkargen Kontrolleur und den redefreudigen Rentner – mit berühmten Komiker-Duos, um die groteske Spiegelbildlichkeit der Situation zu veranschaulichen.

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Pat und Patachon

Pat und Patachon

Carl Schenstrøm / Harald Madsen · 1933

Pat und Patachon gehen mit der jungen Nachbarin Rose auf eine Party eines Musikverlegers. Rose verliebt sich auf diese Party in Paul, den Sohn des Verlegers. Pat und Patachon wollen den Preis gewinnen, den der Verleger für ein neues Musikstück ausgeschrieben hat. Ein Findelkind sorgt für Unruhe.

🗣 Ursula März erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:28:33 „Die waren also wahnsinnig gegensätzlich, aber wie es auch oft ist bei Patt und Patachon oder bei Dick und Doof oder wie auch immer, überlegt man zwangsläufig, was ist denn eigentlich die Gemeinsamkeit?“

Ursula März zieht den Vergleich mit dem dänischen Stummfilm-Komikerduo Pat und Patachon, um die komische Gegensätzlichkeit der beiden Männer im Berliner Gerichtssaal zu illustrieren.

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Gerichtsreportage über Alltagsgewalt und Bagatellkriminalität

Gerichtsreportage über Alltagsgewalt und Bagatellkriminalität

Ursula März

Ursula März analysiert in ihrem Text die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlicher Stimmung und individuellem Verhalten anhand von Gerichtsfällen. Mittels eines Gedankenexperiments verlegt sie eine aggressive S-Bahn-Szene vom November 2014 in den Sommer der Fußball-WM, um zu demonstrieren, wie zeitgeschichtliche Kontexte menschliches Handeln prägen. Der Essay untersucht, wie kollektive emotionale Zustände aggressive Impulse beeinflussen und verstärken können.

🗣 Andreas Sentker empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:32:32 „Du hast in deinem Text, den ich sehr zum Nachlesen empfehle, ein für mich sehr überraschendes und dann völlig nachvollziehbares Gedankenexperiment gemacht. Wir sind ja im November 2014 und du hast jetzt diese Szene einfach mal vorverlegt und zwar in den Juli 2014.“

Andreas Sentker empfiehlt ausdrücklich einen geschriebenen Text von Ursula März, in dem sie über die geschilderten Gerichtsfälle berichtet. Besonders hervorgehoben wird ein Gedankenexperiment, in dem März die aggressive S-Bahn-Szene vom November 2014 in den Sommer der Fußball-WM verlegt, um zu zeigen, wie gesellschaftliche Stimmung individuelles Verhalten beeinflusst. Der genaue Titel und Erscheinungsort werden nicht genannt.

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Michael Kohlhaas

Michael Kohlhaas

Heinrich von Kleist

"Michael Kohlhaas has been wronged. First his finest horses were unfairly confiscated and mistreated. And things keep going worse-his servants have been beaten, his wife killed, and the lawsuits he pursues are stymied-but Kohlhaas, determined to find justice at all costs, tirelessly persists. Standing up against the bureaucratic machine of the empire, Kohlhaas becomes an indomitable figure that you can't help rooting for from start to finish.

🗣 Ursula März referenziert bei ⏱ 00:44:04 „Es ist eine Kohlhaas-Geschichte. Jemand, der um sein Recht, aber Kohlhaas hatte Recht, bei ihm weiß man es nicht, sozusagen sich selber eigentlich mehr oder weniger zugrunde richtet.“

Ursula März vergleicht den obsessiven Physiker Werner L., der nach einem Beinahe-Unfall monatelang seinen 'Fastmörder' vor Gericht bringen will und dabei seine Ehe und sein perfektes Leben gefährdet, mit der Figur des Michael Kohlhaas. Die Parallele liegt im zerstörerischen Kampf um vermeintliches Recht, wobei März einschränkt, dass Kohlhaas im Gegensatz zu Werner L. tatsächlich im Recht war.

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Media vita in morte sumus (Mitten im Leben sind wir vom Tode umfangen)

Media vita in morte sumus (Mitten im Leben sind wir vom Tode umfangen)

Notker I. von St. Gallen

Mittelalterliche Antiphon aus dem 9. Jahrhundert von Notker I. von St. Gallen. Behandelt die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens und die Omnipräsenz des Todes. Ein klassisches liturgisches Werk, das sich mit der Endlichkeit menschlicher Existenz auseinandersetzt.

🗣 Ursula März zitiert daraus bei ⏱ 00:51:04 „Also er hat es so umgedeutet als eine Herausforderung. Also sozusagen, ich habe den Anschlag überlebt. Mitten im Leben sind wir vom Tode umfangen.“

Ursula März beschreibt, wie der Physiker Werner L. den Beinahe-Unfall nachträglich in seine perfekte Lebenskonstruktion umdeutet und die Erfahrung als überlebte Herausforderung stilisiert. Sie greift dabei auf die mittelalterliche Antiphon zurück, um die überhöhte Selbstdramatisierung des Physikers zu illustrieren.

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