Vier fantastische Sachbücher zum Fest
Maja Beckers, Alexander Cammann
Alexander Cammann und Maja Beckers stellen vier Sachbücher als Weihnachtsgeschenke vor: Jennifer Ackermans 'Die geheime Welt der Vögel', Jörn Leonhards Buch über Kriegsenden, eine Paararbeit von Niklas Mark und Leon Shepton sowie den Klassiker von Wolfgang Schiefelbusch über die Geschichte der Eisenbahnreise. Dabei streiten sie kurz über den vielzitierten Satz 'Ein Buch geht immer' — und warum er so nicht stimmt.
„Ich hasse allerdings den Satz, ein Buch geht immer, weil es geht eben, also irgendeins geht natürlich schon, aber es muss eben das Richtige sein.“
Erwähnte Medien (24)
Der überforderte Frieden
Jörn Leonhard · 2018
Aus aller Welt kamen im Frühjahr 1919 Diplomaten und Staatsmänner nach Paris, um den größten Krieg, den die Welt bis dahin gesehen hatte, zu beenden und eine neue Friedensordnung zu errichten. Doch die Aufgabe musste die Akteure überfordern. Meisterhaft und mit dem Blick für die globalen Zusammenhänge erzählt Jörn Leonhard, wie die Welt vom Krieg in den Frieden schlitterte und was diese Zeitenwende für den weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts bedeutete.
🗣 Alexander Cammann referenziert „Nach diesem Buch, das den schönen Titel Die Büchse der Pandora heißt, kam ein ebenso umfangreiches Buch, Der überforderte Frieden. Und da geht es um Versailles, also die Friedensordnung nach dem Ersten Weltkrieg und die ganzen Verhandlungen.“
Leonards zweites großes Werk über die Friedensverhandlungen von Versailles nach dem Ersten Weltkrieg. Cammann erwähnt es, um Leonards Expertise sowohl in Kriegs- als auch in Friedensforschung zu belegen.
Büffel in der Prärie
Albert Bierstadt
Gemälde des deutsch-amerikanischen Künstlers Albert Bierstadt, das Büffel in der nordamerikanischen Prärie darstellt und im Metropolitan Museum of Art zu besichtigen ist. Im Podcast-Kontext dient das Werk als inspirierendes Kunstwerk für die filmische Gestaltung einer Montana-Strecke in The Shining. Bierstadts romantische Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts verbindet Kunstgeschichte mit filmischer Erzählung und zeigt die wilde Natur des amerikanischen Westens.
🗣 Maja Beckers referenziert „Dann gehen sie ins Metropolitan Museum und sehen sich Bilder an, unter anderem von Albert Bierstadt, ein deutscher Einwanderer in den USA. Und der hat, also es gibt so ein Bild von ihm, das beschreiben sie Büffel in der Prärie und Montana.“
Im Kapitel über die Filmstrecke aus 'The Shining' beschreibt Maja Beckers, wie die Autoren im Metropolitan Museum ein Gemälde von Albert Bierstadt mit Büffeln in der Prärie betrachten, das dann als Überleitung zur Montana-Strecke dient.
Die geheime Welt der Vögel
Jennifer Ackerman · 2023
»Großartig und faszinierend: eine neue Sicht auf die Vögel.« Sy Montgomery Neue wissenschaftliche Erkenntnisse über unsere Vögel stellen vieles auf den Kopf, was wir von ihnen dachten. Wir wissen nun mehr darüber, wie sie leben, denken und agieren. Vögel können vieles, was wir vom Menschen kennen: Täuschung, Manipulation, Entführung etwa, aber auch kluge Kommunikation, Zusammenarbeit, Altruismus, Spiel. Manche Vögel machen Geschenke, manche stehlen, einige tanzen, trommeln oder malen gar. Gestüt
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:00:48 „Einmal ist das Jennifer Ackermann, Die geheime Welt der Vögel. So dann Jörn Leonhard, Über Kriege und wie man sie beendet.“
Eines der Hauptbücher dieser Episode. Alexander Cammann stellt es als Geschenktipp für Weihnachten vor. Das Buch der amerikanischen Wissenschaftsjournalistin präsentiert neue Erkenntnisse über Vögel, die durch feinere Instrumente und erweiterte Forschung auf der südlichen Erdhalbkugel möglich wurden.
Geschichte der Eisenbahnreise
Wolfgang Schivelbusch · 1977
***Angaben zur beteiligten Person Dressel: geb. 1964 in Siegen (BRD), Studium der Geschichte und Politikwissenschaften in Berlin (West) und Wien.
🗣 Alexander Cammann empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:00:57 „Sowie in der Kategorie Klassiker von Wolfgang Schievelbusch die Geschichte der Eisenbahnreise.“
Der Klassiker dieser Episode, den die beiden Hosts aus aktuellem Anlass nochmal empfehlen wollen. Details werden in diesem Transkript-Abschnitt noch nicht besprochen.
Die Genies der Lüfte
Jennifer Ackerman · 2017
Jennifer Ackermans preisgekröntes Buch erforscht die Intelligenz und das Verhalten von Vögeln auf faszinierende Weise. Mit wissenschaftlichem Tiefgang und unterhaltsamer Erzählweise zeigt sie, warum Vögel als geniale Problemlöser gelten. Das Werk hat sich als Standardreferenz für alle etabliert, die die Vogelwelt besser verstehen möchten.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:03:28 „Und hat vor sechs Jahren das Buch geschrieben, die Genies der Lüfte, wofür sie ganz viele Preise bekommen hat, auch eben über Vögel. Und jetzt kommt der Nachfolger, die geheime Welt der Vögel.“
Maja Beckers erwähnt Ackermans Vorgängerbuch als Referenz, um die Autorin vorzustellen. Es wurde vielfach ausgezeichnet und behandelt ebenfalls Vögel – das neue Buch baut darauf auf.
H Is for Hawk
Helen MacDonald · 2015
Soon to be a Major Motion Picture starring Claire Foy and Brendan Gleeson One of the New York Times's 100 Best Books of the 21st Century One of Kirkus Reviews’s Best Books of the 21st Century One of the New York Times Book Review's 10 Best Books of the Year One of Slate's 50 Best Nonfiction Books of the Last 25 Years ON MORE THAN 25 BEST BOOKS OF THE YEAR LISTS: including TIME (#1 Nonfiction Book), NPR, O, The Oprah Magazine (10 Favorite Books), Vogue (Top 10), Vanity Fair, Washington Post, Bost...
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:09:33 „Es gibt von Helen MacDonald einen Riesenerfolg über Falken, wo sie quasi ihre Geschichte mit dem Falken erzählt. Es sind vorwiegend auch angelsächsische Autoren und Autorinnen, die sich dem beschäftigen.“
Alexander Cammann ordnet das Vogelbuch von Ackerman in den breiteren Trend des Nature Writing ein und nennt Helen MacDonalds Falkenbuch als prominentes Beispiel für den Erfolg angelsächsischer Autoren in diesem Genre.
Über Kriege und wie man sie beendet. Zehn Thesen
Jörn Leonhard · 2023
Historiographische Analyse der Bedingungen zur Beendigung von Kriegen anhand von zehn Thesen. Das Werk argumentiert, dass Diplomatie allein nicht ausreicht – vielmehr determinieren militärische Kraft und politische Interessen den Friedensprozess. Fallstudien vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Gegenwart.
🗣 Alexander Cammann empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:12:36 „Jörn Leonhard hat ein Buch geschrieben über Kriege und wie man sie beendet. Zehn Thesen. Also da geht es jetzt nicht um liebende Vögel oder auch nicht mal um liebende Menschen, sondern eher um die sich befähdenden und feindlich gegenüberstehenden Menschen.“
Zweites Hauptbuch der Episode. Der Freiburger Historiker versucht in einem für ihn ungewöhnlich kompakten Format von knapp 200 Seiten, systematische Lehren aus der Kriegsgeschichte zu ziehen. Alexander Cammann lobt es als lehrreich und anregend, besonders vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges.
Die Büchse der Pandora
Jörn Leonhard · 2014
Der Erste Weltkrieg sprengte alles, was sich die Welt vor 1914 hatte vorstellen können. Er wirkte wie die Büchse der Pandora – jenes mythische Schreckensgefäß, aus dem alle Übel der Welt entwichen, als man gegen den Rat der Götter seinen Deckel hob. Jörn Leonhard erzählt die Geschichte des Krieges so vielschichtig wie nie zuvor. Er führt den Leser auf vergessene Schlachtfelder und versetzt ihn abwechselnd in die Hauptstädte aller beteiligten Staaten.
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:13:15 „Er hat eine voluminöse Riesenstudie zum Ersten Weltkrieg geschrieben vor zehn Jahren. Eine ganz große. Dann anschließend daran, nach diesem Buch, das den schönen Titel Die Büchse der Pandora heißt, kam ein ebenso umfangreiches Buch, Der überforderte Frieden.“
Alexander Cammann stellt Leonards wissenschaftlichen Hintergrund vor. Die Büchse der Pandora ist seine große Studie zum Ersten Weltkrieg, die zeigt, wie intensiv sich der Autor mit dem Thema Krieg beschäftigt hat – als Kontrast zum nun deutlich kompakteren neuen Buch.
Uber Kriege und wie man sie beendet
Jörn Leonhard · 2023
Das Buch untersucht historische Friedensprozesse vom Altertum bis zur Gegenwart und analysiert, wie Kriege tatsächlich enden. Leonhard betrachtet die Mechanismen von Kriegsbeendigung und Friedensschlüssen von Karthago bis zum modernen Ukraine-Konflikt und macht die Komplexität von Friedensprozessen deutlich.
🗣 Cammann empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:15:00 „So dann Jörn Leonhard, Über Kriege und wie man sie beendet.“
Zweites Geschenkbuch. Hochaktuelles Sachbuch uber Friedensprozesse von Karthago bis Kiew.
Vom Kriege
Carl von Clausewitz · 2023
In seinem Werk "Vom Kriege" entfaltet Carl von Clausewitz eine umfassende Theorie der Kriegsführung, die bis heute als maßgeblich gilt. Durch die Analyse historischer Konflikte und die philosophische Reflexion über den Krieg als ein politisches Instrument zeigt er die Komplexität und die Unberechenbarkeit militärischer Auseinandersetzungen auf.
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:18:56 „Er hat jetzt die hübschen Clausewitz-Zitate alle parat, in denen es dann quasi um Nebel, Zufall und Ungewissheit geht. Das sind die großen Hintergrundgeschichten beim Krieg. Also Krieg operiert immer mit diesen seltsamen... Das ist die Folie, vor der eigentlich alles abläuft.“
Im Gespräch über Jörn Leonhards Buch 'Über Kriege und wie man sie beendet' verweist Alexander Cammann auf Clausewitz' zentrale Begriffe Nebel, Zufall und Ungewissheit als theoretische Grundlage für die Analyse von Kriegsverläufen.
Das Twilight des japanischen Soldaten
Werner Herzog · 2006
Der 2. Oktober ist der 275. Tag des gregorianischen Kalenders (der 276. in Schaltjahren), somit bleiben 90 Tage bis zum Jahresende.
🗣 Maja Beckers erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:23:11 „Eine irre Geschichte. Völlig irre Geschichte. Werner Herzog hat auch einen Roman drüber geschrieben vor ein paar Jahren.“
Maja Beckers erwähnt beiläufig, dass Werner Herzog einen Roman über den japanischen Soldaten geschrieben hat, der bis 1972 auf den Philippinen ausharrte, weil er nicht glaubte, dass der Zweite Weltkrieg vorbei war. Der genaue Titel wird nicht genannt.
Eine Frau und ein Mann
Niklas Mark, Lian Chapton · 1909
Männerherzen ist eine deutsche romantische Filmkomödie von Simon Verhoeven aus dem Jahr 2009. Der episodenhafte Ensemblefilm nach einem Drehbuch Verhoevens handelt von einer Reihe unterschiedlicher Männertypen aus Berlin, deren Arbeitsalltag und Liebesleben unweigerlich miteinander verknüpft sind, und wurde mitunter von Verhoevens eigenen Erlebnissen als auch denen seines Freundeskreises inspiriert.
🗣 Maja Beckers empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:25:14 „Wir stellen vor, eine Frau und ein Mann von Niklas Mark und Lian Chapton. Ein Buch, das schwer, glaube ich, in übliche Kategorien passt, aber das uns beide sehr begeistert hat.“
Drittes Hauptbuch der Episode. Journalist und Künstlerin fahren berühmte Filmstrecken aus Klassikern wie The Shining oder Stadtneurotiker nach und reflektieren dabei frei assoziierend über Kino, Autofahren und Rollenbilder. Maja Beckers beschreibt es als überraschend und schwer kategorisierbar.
Durch Manhattan
Niklas Mark, Lian Chapton · 2017
Dokumentation eines künstlerischen Reiseprojekts: Niklas Mark und eine Künstlerin durchquerten 2017 zu Fuß ganz Manhattan – vom südlichsten bis zum nördlichsten Punkt. Während die Künstlerin ihre Eindrücke malte, verfasste Mark literarische Beobachtungen parallel dazu. Das Buch zeigt einen einzigartigen Dialog zwischen visueller und schriftlicher Wahrnehmung einer Großstadt und diente als Vorgängerprojekt für das neuere Autorenwerk mit ähnlichem Konzept.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:25:41 „Und die beiden haben vor ein paar Jahren schon mal ein Buch gemacht, in dem sie gemeinsam unterwegs waren. Durch Manhattan hieß das, 2017, wo sie zu Fuß von der Südspitze bis zum Nordende von Manhattan gegangen sind.“
Maja Beckers erwähnt das Vorgänger-Projekt der beiden Autoren, bei dem sie Manhattan zu Fuß durchquerten – sie malte, er schrieb. Das neue Buch folgt einem ähnlichen Konzept, diesmal aber im Auto auf Filmstrecken.
Shining
Stanley Kubrick · 1980
Der ehemalige Lehrer und Schriftsteller Jack Torrance übernimmt die Stelle des Hausverwalters in einem mit einem Mythos behafteten Berghotel in Colorado. Während der Wintermonate soll Jack das alleinstehende Gebäude im Auge behalten. Der Familienvater sieht darin die perfekte Gelegenheit, in Ruhe seinen Roman zu beenden. Auch seine Frau Wendy freut sich auf die Zeit im abgeschiedenen Hotel. Nur der sechsjährige Sohn Danny hat bei der ganzen Sache so seine Bedenken.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:26:25 „Und jetzt fahren sie bestimmte Strecken nach aus The Shining, aus der Stadtneurotika, aus Anom in Femme und wollen sehen, was die Figuren vielleicht gesehen haben, wie die Strecken heute aussehen.“
Einer der Filme, deren Fahrstrecken die Autoren im Buch 'Eine Frau und ein Mann' nachfahren. The Shining dient als Beispiel für Filme, in denen eine Autofahrt ein zentrales narratives Element ist.
Der Stadtneurotiker
Woody Allen · 1977
Die Abenteuer des scharfzüngigen Stand-up-Comedian und überzeugten New Yorkers Alvy Singer mit der gutbürgerlichen Studentin Annie Hall. Annie kommt aus gänzlich anderen Verhältnissen als der schüchterne Intellektuelle und überfordert den vergeistigten Freund gerne mit ihrer furchteinflößenden WASP-Familie oder befreundeten Trendhedonisten, die Alvy mit Alpträumen wie Kokain und Konservengelächter konfrontieren.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:26:25 „Und jetzt fahren sie bestimmte Strecken nach aus The Shining, aus der Stadtneurotika, aus Anom in Femme und wollen sehen, was die Figuren vielleicht gesehen haben.“
Ein weiterer Film, dessen Strecke im Buch nachgefahren wird. Woody Allens Klassiker wird als Beispiel für das Motiv Mann und Frau im Auto genannt.
Un homme et une femme
Claude Lelouch · 1966
Deauville: An einem kalten Wintertag begegnen sich Anne und Jean-Louis, beide um die 30, zufällig bei einem Wochenendbesuch im Internat ihrer Kinder. Da Anne ihren Zug verpasst, fährt sie mit Jean-Louis im Auto zurück nach Paris. Auf der mehrstündigen Autofahrt kommen sie sich näher. Doch beide tragen noch schwer am Verlust ihrer früheren Partner .
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:26:25 „Und jetzt fahren sie bestimmte Strecken nach aus The Shining, aus der Stadtneurotika, aus Anom in Femme und wollen sehen, was die Figuren vielleicht gesehen haben.“
Der französische Filmklassiker 'Ein Mann und eine Frau' von Claude Lelouch ist ein weiterer Film, dessen Fahrtstrecke im Buch nachgefahren wird. Der Filmtitel spiegelt sich auch im Buchtitel 'Eine Frau und ein Mann'.
Viaggio in Italia
Roberto Rossellini · 1954
Sie haben ein großzügiges Landhaus geerbt und wollen es besichtigen. Dabei bemerken sie die Entfremdung, die sich nach langen Ehejahren zwischen ihnen eingeschlichen hat. Wird die Reise nach Italien dem Ehepaar neuen Anstoß für eine gemeinsame Zukunft geben?
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:31:59 „Meine Lieblingspassagen sind natürlich die über Italien, wo sie von Rom nach Neapel fahren auf der Strecke von einem Film von Roberto Rossellini von 1954, Reise in Italien. Und da machen sie diese klassische Tour, fahren sie nach und auf wenigen Seiten packt er da so wirklich alles rein an Italien und Italienreisen, was man so im Kopf haben könnte.“
Cammann nennt die Italien-Passage als seine Lieblingsstelle im Buch. Maak und Shapton fahren die Strecke Rom–Neapel aus Rossellinis Film von 1954 nach, und Cammann schwärmt davon, wie Maak auf wenigen Seiten ein ganzes Italien-Panorama verdichtet.
Lichtblicke. Zur Geschichte der künstlichen Helligkeit im 19. Jahrhundert
Wolfgang Schivelbusch · 1983
Die Geschichte der Beleuchtung umfasst die Entwicklungen bezüglich der Lichterzeugung mit künstlichen Lichtquellen von der Urgeschichte bis zur Gegenwart.
🗣 Alexander Cammann erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:43:32 „Eben diese Geschichte der Eisenbahnreise in den 70ern. Dann hat er da auch eine Geschichte des elektrischen Lichts geschrieben, damals schon. Also er hat so eine Kulturgeschichte der Technik, das waren so seine Themen.“
Cammann erwähnt Schivelbuschs Buch über die Geschichte des elektrischen Lichts als weiteres Beispiel für dessen kulturgeschichtliche Technikbücher, um das Gesamtwerk des Autors zu illustrieren.
Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft. Eine Geschichte der Genußmittel
Wolfgang Schivelbusch · 1980
SCHLAGWÖRTERS: GewürzeS. KaffeeS. SchokoladeS. TabakS. RauchenS. SchnupfenS. AlkoholS. RitualeS. KneipeS. WirtshausS. RauschgifteS. OpiumS
🗣 Alexander Cammann erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:43:40 „Oder auch zum Beispiel eine Geschichte der Genussmittel in Deutschland. Also etwas sehr Abgefahrenes, was man heutzutage im weiteren Sinne so als Kulturgeschichte beschreiben würde.“
Ein weiteres Werk Schivelbuschs, das Cammann als Beispiel für dessen unkonventionelle Kulturgeschichtsschreibung anführt. In den 70er Jahren, der Hochzeit der Theorieseligkeit, galt eine solche gegenstandsbezogene Kulturgeschichte als ungewöhnlich.
Die Kultur der Niederlage
Wolfgang Schivelbusch · 2012
Zehn Jahre nach dem letzten großen Zusammenbruch, dem des sowjetischen Imperiums, scheint die Zeit reif für eine Reihe historischer Fragen. Destilliert aus der Geschichte der drei Niederlagenklassiker – des amerikanischen Südens nach 1865, Frankreichs nach 1871 und Deutschlands nach 1918 –, lassen sie sich etwa so formulieren: Wie wurden im Zeitalter der Erlöserideologie des Nationalsozialismus große Zusammenbrüche erlebt? Welche Mythen von Verrat oder Heroisierung bildeten sich dabei? Und welch...
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:45:25 „Sein bekanntestes Buch ist wahrscheinlich die Kultur der Niederlage. Da hat er quasi systematisch sich mal angeschaut, wie Gesellschaften mit Kriegsniederlagen umgehen. Er hat sich also den amerikanischen Süden angeguckt, 1865 im Bürgerkrieg, der gegen den Norden verloren hatte. Frankreich 1871 und Deutschland 1918.“
Cammann erwähnt Schivelbuschs bekanntestes Werk im Rahmen der Vorstellung des Autors. Das Buch vergleicht, wie der amerikanische Süden nach 1865, Frankreich nach 1871 und Deutschland nach 1918 mit ihren Kriegsniederlagen umgingen — ein Beispiel für Schivelbuschs originelle, vergleichende Kulturgeschichtsschreibung.
Die andere Seite
Wolfgang Schivelbusch · 2021
In diesem Erinnerungsband reflektiert Wolfgang Schivelbusch sein Pendlerleben zwischen New York und Berlin — sieben Monate pro Jahr in Manhattan, fünf in Berlin. Das Werk dokumentiert seine lebenslange Faszination für Amerika und den intellektuellen Austausch zwischen beiden Kulturen aus autobiographischer Perspektive.
🗣 Alexander Cammann erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:45:44 „Ein enorm origineller Geist, der in diesem Jahr oder im letzten Jahr hat er glaube ich seine Erinnerungsinterview-Band gemacht, die andere Seite, in der er diese lustige Wechselwirkung Berlin-Amerika, also dieses lebenslange amerikanische Begeisterung, die auch hat und das Interesse daran nochmal auferzählt hat.“
Cammann erwähnt Schivelbuschs späten Erinnerungsband, in dem dieser sein Pendlerleben zwischen New York und Berlin reflektiert — sieben Monate im Jahr in Manhattan, fünf in Berlin. Das Buch wird als Kontext zur Person Schivelbusch genannt, nicht als eigenständige Empfehlung.
Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
Walter Benjamin · 2025
Benjamin analysiert die ästhetischen und politischen Implikationen dieser Verschiebung, wobei er das revolutionäre Potenzial des Kinos als Instrument zur kollektiven Bewusstseinsbildung betont. Seine Untersuchung berührt Themen wie sinnliche Wahrnehmung, die Beziehung zwischen Faschismus und der Ästhetisierung von Gewalt und die Rolle der Kunst in Industriegesellschaften.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:47:19 „Er sagt das so nett in dem Vorwort, auch so meine Kommilitonen haben sich gerade mal für vielleicht Benjamin und die Reproduzierbarkeit des Kunstwerks oder so interessiert und bei ihm geht dieses Technikinteresse ging dann viel weiter und das war damals außergewöhnlich.“
Beckers zitiert aus Schivelbuschs Vorwort, in dem dieser beschreibt, dass seine Kommilitonen sich höchstens für Benjamins berühmten Essay interessierten, während sein eigenes Technikinteresse viel weiter ging. Der Essay dient als Kontrastfolie zum intellektuellen Klima der 70er Jahre.
Die Großstädte und das Geistesleben
Georg Simmel · 2023
In "Die Großstädte und das Geistesleben" untersucht Georg Simmel die sozialen und psychologischen Auswirkungen des Lebens in Metropolen. Er entblättert, wie die Urbanisierung das individuelle Empfinden und soziale Beziehungen prägt und beleuchtet den Konflikt zwischen Anonymität und sozialer Interaktion im städtischen Raum.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:49:27 „Und ich glaube, er zitiert dann Georg Simmel, der das beschreibt als so ein Unbehagen in der modernen Großstadt, dass man eben so viele Menschen sieht, aber nicht hört. Weil das passiert einem in der Großstadt, dass man plötzlich viele Menschen sieht, mit denen man sich aber nicht unterhält.“
Bei der Besprechung von Schivelbusch' 'Geschichte der Eisenbahnreise' verweist Maja Beckers auf Georg Simmels These über das visuelle Übergewicht in der modernen Großstadt – man sieht viele Menschen, hört sie aber nicht. Schivelbusch nutzt Simmel, um das Unbehagen im Eisenbahnabteil zu erklären.
Lutetia
Heinrich Heine · 1887
Heinrich Heine: Lutetia. Berichte über Politik, Kunst und Volksleben Heine schrieb die Korrespondenzberichte 1840–43 für die Augsburger »Allgemeine Zeitung«, wo sie z.T. entstellt erschienen. Zwischen 1851 und 1854 wurden sie von ihm gründlich überarbeitet und erschienen als 2. und 3. Band seiner »Vermischten Schriften«, Hamburg (Hoffmann und Campe) 1854. Eine französische Ausgabe erschien im folgenden Jahr in Paris. Vollständige Neuausgabe mit einer Biographie des Autors.
🗣 Alexander Cammann zitiert daraus bei ⏱ 00:54:26 „Es gibt ein schönes Heine-Zitat, was er dann auch anführt, vor meiner Tür brandet die Nordsee. Das hat er als Metapher in den 1840er Jahren geschrieben. Da war Heinrich Heine in Paris und er lebt quasi als beobachtender Zeitgenosse, was Eisenbahn plötzlich mit ihm macht, auch in der Vorstellungswelt.“
Im Rahmen der Diskussion über Schivelbuschs Eisenbahnbuch zitiert Cammann Heinrich Heine, der in den 1840er Jahren aus Paris heraus beschrieb, wie die Eisenbahn ferne Gegenden plötzlich näher rücken ließ. Das Zitat 'Vor meiner Tür brandet die Nordsee' stammt aus Heines Pariser Korrespondenz und dient als Beleg für die psychische Wirkung der neuen Technologie auf die Zeitgenossen.