Der perfekte Faschist
Maja Beckers, Alexander Cammann
Victoria de Grazias "Der perfekte Faschist" erzählt über den mittelmäßigen Offizier Attilio Teruzzi und seine jüdisch-amerikanische Ehefrau Liliana Weinman, wie der italienische Faschismus eine ganze Gesellschaft durchdrang — plastisch, intrigant und gegen Hannah Arendts These vom herzlosen Totalitarismus geschrieben. Jens Beckerts "Verkaufte Zukunft" über das Scheitern der Klimapolitik enttäuscht beide als bloße Zusammenfassung dessen, was jeder Zeitungsleser längst weiß. Als Klassiker begeistert Mark Twains Berliner Reportage von 1891, in der er als staunender Ethnologe die Kaiserstadt erkundet — von betrügerischen Maklern bis zum Gala-Dinner mit Virchow und Mommsen.
„Diese Aufstiegsgeschichte dieses absolut mittelmäßigen Typen — der wird auch so beschrieben von Zeitgenossen, die sagen, er ist loyal und mittelmäßig und das ist gut.“
Erwähnte Medien (6)
Wie man in Berlin eine Wohnung mietet
Mark Twain · 2014
Praktischer Ratgeber zur Wohnungssuche in Berlin mit Strategien für den kompetitiven Wohnungsmarkt. Das Buch begleitet Suchende durch Maklergebühren, Kaution und Besichtigungen – geschrieben mit Blick auf die besonderen Herausforderungen der Berliner Immobiliensuche.
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:00:56 „Und unser Klassiker diesmal kommt von Mark Twain, wie man in Berlin eine Wohnung mietet.“
Der Klassiker der Episode, der am Ende besprochen werden soll. Maja Beckers freut sich besonders darauf und deutet an, dass beide Hosts selbst leidgeprüfte Erfahrung mit der Berliner Wohnungssuche haben. Die Besprechung erfolgt vermutlich im zweiten Teil des Transkripts.
Am Anfang war das Huhn. Geschichte eines Charaktertiers
Sally Coulthard · 2024
Willkommen in der wundersamen Welt der Hühner Das Huhn kann nur wenige Meter weit fliegen, und dennoch hat es als einziger Nachfahre der Dinosaurier die Welt erobert. Auf der Erde leben heute mehr als zwanzig Milliarden Hühner. Auf jeden Menschen kommen drei. Vielleicht verkörpert das Huhn deshalb unser widersprüchliches Verhältnis zu Tieren am besten: Es ist sowohl geliebtes Haustier als auch Produkt einer ausgeuferten Massentierhaltung.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:01:20 „Der erste Satz, der kommt diesmal aus einem Buch, das heißt Am Anfang war das Huhn. Geschichte eines Charaktertiers von Sally Coulthard. Eine britische Bestseller-Autorin, die diverse Bücher geschrieben hat über Tiere, Natur, Garten, aber auch Design, Handwerkssachen.“
Das Buch liefert das 'Zitat des Monats' der Episode. Sally Coulthard erzählt die Geschichte des Huhns von den Dinosauriern bis heute, einschließlich der mythologischen Aufladung des Tiers in verschiedenen Kulturen. Beide Hosts finden das Buch lehrreich und faszinierend – besonders die Passagen über Aberglauben, Hexerei und die Kulturgeschichte des Eis passend zur Osterzeit.
Der perfekte Faschist. Eine Geschichte von Liebe, Macht und Gewalt
Victoria de Grazia · 2024
Im Juni 1926 war Rom Schauplatz eines spektakulären gesellschaftlichen Ereignisses. Gefeiert wurde eine »faschistische Hochzeit«, Trauzeuge Mussolini inklusive. Vor den Altar traten Lilliana Weinman, gefeierte amerikanische Opernsängerin aus einer jüdischen Industriellenfamilie, und Attilio Teruzzi, hochdekorierter Kriegsveteran, Teilnehmer beim Marsch auf Rom, mitleidloser Anführer der Schwarzhemden und Archetyp des »neuen starken Mannes«.
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:08:29 „Victoria de Grazia, der perfekte Faschist. Eine Geschichte von Liebe, Macht und Gewalt. Was für ein verheißungsvoller Untertitel, würde ich sagen. Für ein Sachbuch sehr ungewöhnlich. Victoria de Grazia ist Historikerin und lehrt an der Columbia University in New York, auch schon seit ein paar Jahrzehnten.“
Eines der beiden Hauptbücher der Episode. Alexander Cammann stellt das Buch vor, das die Geschichte des faschistischen Offiziers Attilio Terruzzi erzählt, der 1926 eine amerikanische Jüdin heiratete. De Grazia hat zwölf Jahre daran gearbeitet und macht aus dieser privaten Konstellation eine Gesellschaftsgeschichte des italienischen Faschismus. Beide Hosts loben das Buch als erhellend, toll geschrieben und enorm lesbar.
Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft
Hannah Arendt · 2023
Das Buch, das Hannah Arendt weltberühmt machte Unter dem Eindruck des Holocaust, der nationalsozialistischen Vernichtung des europäischen Judentums, hat Hannah Arendt mit »Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft« – zuerst 1951 in New York erschienen, in deutscher Übersetzung 1955 – zugleich eine Geschichte und eine Theorie des Totalitarismus geschrieben.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:15:52 „Ja, dass sie genau auf dieses Privatleben so schaut, sagt sie, macht sie auch, um damit so einer These auch von Hannah Arendt entgegenzutreten, die noch gesagt hat, das eiserne Band des totalen Terrors lässt keinen Raum für das private Leben. Grazia sagt eben, ich möchte eine andere These aufstellen.“
Maja Beckers erklärt, dass Victoria de Grazia mit ihrem Buch bewusst Hannah Arendts These widerspricht, der Totalitarismus lösche das Privatleben aus. Grazia zeigt am Beispiel des faschistischen Italiens, dass es trotz Diktatur weiterhin moralische Bedürfnisse und Entscheidungsspielräume im Privaten gab. Die Referenz bezieht sich auf Arendts Totalitarismus-Theorie.
Verkaufte Zukunft. Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht
Jens Beckert · 2024
Seit Jahrzehnten wissen wir um die Erderwärmung und ihre Gefährlichkeit und dennoch nehmen die globalen Treibhausgasemissionen weiter zu. Offensichtlich gelingt es uns nicht, den Klimawandel zu stoppen, vielmehr verkaufen wir unsere Zukunft für die nächsten Quartalszahlen, das kommende Wahlergebnis und das heutige Vergnügen. In seinem vieldiskutierten Buch liefert Jens Beckert eine Erklärung für unser Zögern und Versagen.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:23:45 „Dann kommen wir zu unserem zweiten Buch, ganz aktuell, gerade erschienen, Verkaufte Zukunft. Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht. Geschrieben hat das Jens Beckert, geboren 1967 und ist seit 2005 Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und Professor für Soziologie in Köln.“
Das zweite Hauptbuch der Episode. Maja Beckers stellt das Buch vor, das für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war. Es behandelt die soziologische Frage, warum die Gesellschaft es nicht schafft, angemessen auf den Klimawandel zu reagieren. Beckers ist allerdings etwas enttäuscht, weil das Buch hauptsächlich bekannte Argumente zusammenfasst, ohne wirklich neue Erkenntnisse zu liefern.
Imaginierte Zukunft
Jens Beckert · 2018
Biographical note: Jens Beckert, geboren 1967, ist seit 2005 Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und Professor für Soziologie in Köln. Zuvor hat er u.a. in Göttingen, New York, Princeton, Paris und an der Harvard University gelehrt. 2005 wurde er mit dem Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:24:03 „Er wurde mit dem renommierten Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet, ist eben auch publizistisch tätig und hat 2018 ein Buch geschrieben, viel beachtet, Imaginierte Zukunft. Da ging es um das kapitalistische Wirtschaftssystem, wie sich das auf die Zukunft ausrichtet.“
Maja Beckers erwähnt Beckerts früheres Buch im Kontext der Vorstellung des Autors. In 'Imaginierte Zukunft' ging es um die Rolle fiktionaler Erwartungen als Treibstoff der Ökonomie – wie Konsumenten, Investoren und Unternehmer ihr Handeln auf eine unklare Zukunft ausrichten. Das neue Buch 'Verkaufte Zukunft' knüpft thematisch daran an.