Was liest du gerade? – Das Unheimliche wird alltäglich
#058

Das Unheimliche wird alltäglich

Was liest du gerade? / 13. Dezember 2025 / 8 Medien

Iris Radisch, Adam Soboczynski

Zum Jahresende tauschen die beiden ihre Buchtipps aus: Adam ist geradezu missionarisch begeistert von László Krasznahorkais »Jömmle geht« — einem aberwitzigen Roman über einen 91-jährigen Sonderling in der ungarischen Provinz, der sich für den legitimen König Ungarns hält und tatsächlich von dubiosen Gestalten auf den Thron gehoben werden soll. Iris empfiehlt Karl-Heinz Otts »Die Heilung von Luzon«, eine tragikomische Geschichte über Berliner Wohlstandsbürger, die ihre letzte Hoffnung auf einen philippinischen Wunderheiler setzen.

„Ich bin da sehr missionarisch, was dieses Buch anbetrifft und möchte, dass Leute kaufen und verschenken und kaufen ist egal, lesen, Hauptsache lesen.“
🗣 Adam Soboczynski

Erwähnte Medien (8)

J Buch

Jömmle geht

László Krasznahorkai

Ein exzentrischer 91-jähriger Mann in der ungarischen Provinz hält sich für Ungarns legitimen König. Als gefährliche Gestalten auftauchen, um ihn tatsächlich auf den Thron zu setzen, gerät sein verschrobenes Leben in chaotische Bewegung. Ein unterhaltsamer und komischer Roman voller Absurdität und Spannung.

🗣 Adam Soboczynski empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:03 „Also ich habe jetzt an Laszlo Krasnohorkai, der hat ein tolles Buch geschrieben, das heißt »Jömmle geht« heißt das und es hat mich völlig, wirklich völlig begeistert.“

Adam Soboczynski empfiehlt das Buch als Weihnachtsgeschenk anlässlich der Nobelpreisverleihung an Krasznahorkai. Es handelt von einem 91-jährigen verschrobenen Mann in der ungarischen Provinz, der sich für den legitimen König Ungarns hält und von gefährlichen Gestalten aufgesucht wird, die ihn tatsächlich auf den Thron heben wollen. Soboczynski betont, dass das Buch entgegen dem Klischee des schwermütigen Autors unglaublich unterhaltsam und komisch sei.

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Die Heilung von Luzon

Die Heilung von Luzon

Karl-Heinz Ott · 2025

"Die Heilung von Luzon" von Karl-Heinz Ott erzählt von wohlhabenden Berlinern mit unheilbaren Krankheiten, die einen Wunderheiler auf den Philippinen aufsuchen. Das Buch verwebt Komik mit Tragik und hinterfragt menschliche Heilungsfantasien sowie die Sehnsucht nach magischen Lösungen für unlösbare Probleme.

🗣 Iris Radisch zitiert daraus bei ⏱ 00:02:58 „Und zwar ist das von Karl-Heinz Ott. Und das heißt die Heilung von Luzon. Das ist ein wunderbar komisches Buch über einen Wunderheiler, der auf den Philippinen so Berliner Wohlstandsbürger, die wirklich unheilbare Krankheiten haben. Und heilt mit den komischsten Methoden.“

Iris Radisch empfiehlt das Buch als eines, das im Podcast bisher nicht besprochen wurde. Es erzählt von Paaren, bei denen mindestens einer unheilbar krank ist, die zu einem Wunderheiler auf die Philippinen reisen. Radisch hebt die Mischung aus Komik und Traurigkeit hervor – wie die Paare ihre letzten Hoffnungen auf magische Heilmethoden setzen. Das Buch verarbeitet Heilungsfantasien, Wohlstandsfantasien und die Auslagerung ans Magische.

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Das gewöhnliche Leben

Das gewöhnliche Leben

Adèle van Reeth

Philosophie und Autofiktion: Frankreichs bekannteste Journalistin und Philosophin schreibt schonungslos ehrlich und überraschend humorvoll über Mutterschaft, Familienkrisen und die Mühen unserer täglichen Existenz. Angesichts eines fundamentalen Unbehagens, der ständigen Unruhe, die sie mit den Zumutungen des Alltags verbindet, stellt sich Adèle Van Reeth die Frage, warum die Philosophiegeschichte nicht nur seit Jahrtausenden von Männern dominiert wird, sondern auch dem Thema des Gewöhnlichen au...

🗣 Iris Radisch zitiert daraus bei ⏱ 00:09:24 „Aus einem Buch, was ich nämlich auch ganz gelesen habe und im Grunde auch wahnsinnig empfehlen kann, muss ich sagen, ist eine französische Autorin, die heißt Adèle van Reet, eigentlich kein französischer Name, sie ist aber sehr bekannt in Frankreich. Übersetzt hat es der Verleger der Frankfurter Verlagsanstalt, Joachim Unseld.“

Iris Radisch stellt das Buch vor, aus dem auch das Eingangszitat der Folge stammt. Die Autorin – bekannte französische Medienfigur und Radiochefin – verbindet existenzialistische Philosophie (Camus, Sartre) mit einer autofiktionalen Geschichte über ihre Schwangerschaft. Radisch sieht darin einen feministischen Existenzialismus: Statt 'Ich denke, also bin ich' sagt van Reeth 'Ich schenke Leben, also bin ich' – ein Gegenmodell zur männlich geprägten Leistungsgesellschaft.

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Das gute Übel

Das gute Übel

Samantha Schweblin

Das Grauen lauert im Vertrauten Hinterm Haus liegt ein tiefer See, da sitzt sie stundenlang auf dem Grund und hält die Luft an – zurück bei Mann und Kindern wird sie den bohrenden Wunsch nicht los, für immer unter Wasser zu wollen. Ein Junge hat ein Loch in der Kehle und die Stimme verloren – und um die Aufmerksamkeit seines gebrochenen Vaters zu wecken, greift er zu immer abgründigeren Methoden.

🗣 Adam Soboczynski zitiert daraus bei ⏱ 00:13:37 „Samantha Schweblin ist die Autorin. Das Buch heißt Das gute Übel, übersetzt von Marianne Gareis. Jetzt konnte ich meine eigene Schrift nicht lesen. Ja, das gute Übel. Was ist das für ein Buch? Die Autorin ist Argentinierin, lebt aber schon seit längerer Zeit in Berlin und sie hat auch mal einen großen Roman geschrieben.“

Ein Erzählungsband mit surreal-fantastischen Geschichten, die in alltäglichen Situationen angesiedelt sind. Die beiden Hosts besprechen ausführlich mehrere Erzählungen: eine Tote, die aufersteht, ein Junge, der eine Batterie verschluckt, ein herumspukender Kater, und zwei Mädchen, die bei einer versoffenen Schriftstellerin einbrechen. Zentrale Themen sind Schuld, Verlust, bedrohte Kinder und das Unheimliche, das sich in Symbolen materialisiert.

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Die Winterschwimmerin

Die Winterschwimmerin

Marion Poschmann

Die Winterschwimmerin ist ein lyrisches Gedichtbuch, das die Geschichte der Heiligen Thekla aus apokryphen Texten neu erzählt. Auf nur 74 Seiten verbindet Poschmann hohe literarische Kunst mit Alltagsbanalitäten und schafft eine Gegenfigur zu Rilkes Panther: wild und frei statt gefangen. Mit Referenzen von Rilke bis Goethe entsteht ein dichtes Kunstwerk voller Mehrdeutigkeit.

🗣 Iris Radisch zitiert daraus bei ⏱ 00:23:19 „Marion Poschmann, die Winterschwimmerin und unten drunter... Heißt es, es sei eine Verslegende. Also es ist ein eigentlich kurzes Buch, 74 Seiten nur, aber unglaublich komprimiert, verdichtet, weil es natürlich wirklich eine, ja ganz schwer zu sagen, zum Teil, es sind Verse.“

Ein lyrisches 74-Seiten-Buch in Versform, das die Geschichte der Heiligen Thekla aus apokryphen Texten neu erzählt. Die Protagonistin ist eine Winterschwimmerin, die einem Tiger begegnet – ein Gegenentwurf zu Rilkes eingesperrtem Panther. Poschmann verbindet einen hohen literarischen Ton mit Alltagsbanalitäten (Tretroller, Bierflaschen) und arbeitet mit literarischen Referenzen von Rilke bis Goethes Novelle.

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Novelle

Novelle

Johann Wolfgang von Goethe

Eine symbolische Erzählung über die Begegnung zwischen Mensch und Raubtier, die die Spannung zwischen menschlicher Zivilisation und wilder Natur erforscht. Goethes Novelle dient als literarische Quelle für spätere Werke und thematisiert durch ein phantastisches Abenteuer das Verhältnis dieser existenziellen Gegensätze.

🗣 Adam Soboczynski zitiert daraus bei ⏱ 00:26:16 „Und darauf beziehen sich auch die gesamten Texte, auf die sich dieser Text wiederum beruft, eben diese heiligen Legende, die du erwähnt hast, die dann auch später Paul Heise auch noch einmal, glaube ich, steht zumindest auch, das macht sie auch. Klar, in einer Art Nachwort, was ihre Quellen sind und Goethes Novelle, da spielt es auch eine Rolle.“

Soboczynski nennt Goethes 'Novelle' als eine der literarischen Quellen, auf die sich Marion Poschmanns 'Die Winterschwimmerin' beruft. In Goethes Text spielt ebenfalls das Verhältnis von Mensch und Raubtier eine zentrale Rolle – ein Motiv, das Poschmann in ihrer Verslegende weiterverarbeitet.

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The Waste Land

The Waste Land

T. S. Eliot

"THE WASTE LAND" BY T.S. ELIOT, A SEMINAL WORK OF MODERNIST POETRY, EXPLORES THEMES OF BROKENNESS, LOSS, AND THE MEANINGLESSNESS OF MODERN LIFE, USING FRAGMENTED LANGUAGE, ALLUSIONS, AND A NON-LINEAR STRUCTURE TO CONVEY ITS MESSAGE. KEY ASPECTS OF "THE WASTE LAND": THEMES: BROKENNESS AND ISOLATION: THE POEM DEPICTS A WORLD CHARACTERIZED BY ALIENATION, DESPAIR, AND LACK OF CONNECTION.

🗣 Iris Radisch zitiert daraus bei ⏱ 00:31:18 „Aber dieses lange Gedicht, was es ja letztlich ist, wie Wasteland von Eliot oder die Duineser Elegien von Rilke. Also wirklich lange, lange Gedicht-Erzählungen fast. Das ist eben ein Versuch daran, mit heutigen Methoden, mit heutigen Themen zum Teil auch anzuknüpfen.“

Radisch ordnet das besprochene Werk gattungsgeschichtlich ein, indem sie es mit den großen langen Gedichten der Moderne vergleicht. Eliots 'The Waste Land' dient als Referenzpunkt für die Form des langen erzählenden Gedichts, an die das neue Werk mit zeitgenössischen Mitteln anknüpfe.

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Abschied von gestern

Abschied von gestern

Lilly Körber · 1992

Ein Roman über ein Ehepaar, das sich nach seiner Emigration in New York in den 1940er Jahren ein neues Leben aufbauen muss. Mit authentischem Blick auf die Herausforderungen und Hoffnungen der Emigrantengemeinde und getragen von der eigenen Emigrationsgeschichte der Autorin.

🗣 Adam Soboczynski zitiert daraus bei ⏱ 00:32:11 „Das ist ein Buch von Lilly Körber, Abschied von gestern, aus dem Englischen von Beata Swoboda, übersetzt worden für den Verlag des Kulturellen Gedächtnisses. Ja, das ist ein Buch, was aus dem Nachlass herausgekommen ist.“

Soboczynski stellt den aus dem Nachlass erschienenen Roman vor. Lilly Körber, eine in Moskau geborene und in Wien aufgewachsene Journalistin, emigrierte 1941 in die USA. Der Roman schildert aus der Perspektive eines fiktiven Ehepaars die Erfahrung des Neuanfangs in New York Anfang der 1940er Jahre. Beide Kritiker loben den authentischen Ton und den soziologisch interessanten Blick auf die Emigrantenszene.

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