So war das Sachbuchjahr 2025
Maja Beckers, Alexander Cammann
Im Sachbuch-Jahresrückblick stellen Maja Beckers und Alexander Cammann vier Titel vor, die 2025 nicht vergessen werden sollten: Eva Thönes Analyse weiblicher Macht, die Abrechnung mit der deutschen Russland-Politik von Katja Gloger und Georg Mascolo, den Gesprächsband zwischen Ricarda Lang und Steffen Mau über gesellschaftliche Umbrüche sowie Roger Willemsens postum erschienene Liebeserklärung ans Lesen. Den Auftakt macht Thönes Beobachtung aus Spiegel-Redaktionssitzungen, in denen trotz Frauen in Führungspositionen nach 40 Minuten nur Männer geredet haben.
„Macht wird oft mit Sichtbarkeit verwechselt. Dabei besitzt gesehen werden für Frauen bis heute einen ambivalenten Charakter. Einerseits unterstreicht Sichtbarkeit ihre Anwesenheit in klassischen Machtsphären, gleichzeitig reduziert sie sie auf ihren Körper.“
Erwähnte Medien (16)
Weibliche Macht neu denken
Eva Thöne
Untersucht, warum Sichtbarkeit nicht automatisch zu Macht führt und wie weibliches Machtstreben in der Gesellschaft wahrgenommen und problematisiert wird. Mit aktuellen Beispielen aus Politik wie Baerbock, Merkel und Ardern.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:01:34 „Ich fange an mit dem ersten. Weibliche Macht neu denken, heißt er. Geschrieben Martin-Eva Töne, ist erschienen bei Hansa Berlin.“
Eines der vier Sachbücher, die Maja Beckers und Alexander Cammann als wichtige, nicht zu vergessende Sachbücher des Jahres ausgewählt haben. Eva Thöne, Ressortleiterin Kultur beim Spiegel, untersucht darin, warum Sichtbarkeit nicht gleich Macht ist und wie weibliches Machtstreben problematisiert wird. Die Hosts diskutieren ausführlich ihre Thesen anhand aktueller Beispiele wie Baerbock, Merkel und Jacinda Ardern.
Das Versagen. Eine investigative Geschichte der deutschen Russland-Politik
Katja Gloger, Georg Mascolo
»Wir wollten es nicht sehen.« – Wolfgang Schäuble Ein Schlüsselwerk zum Verständnis unserer gefährlichen Gegenwart Als Putin im Februar 2022 die Ukraine angreift, steht die Welt unter Schock. Dabei ist dieser Krieg von Geheimdiensten präzise vorausgesagt worden. In einer aufsehenerregenden Recherche enthüllen Katja Gloger und Georg Mascolo, wie die Verantwortlichen über Jahrzehnte Warnungen ignorierten und kritische Stimmen in der deutschen Russlandpolitik ausblendeten.
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:01:37 „Dann sprechen wir über das Buch von Katja Gloger und Georg Maskolo, Das Versagen. Eine investigative Geschichte der deutschen Russland-Politik. Ulstein.“
Das zweite Hauptbuch der Episode. Die Hosts bezeichnen es als Glanzleistung der Recherche. Die beiden Journalisten haben umfangreiche Archivarbeit betrieben und mit zahlreichen Zeitzeugen gesprochen, um die blinden Flecken der deutschen Russland-Politik der letzten 25 Jahre aufzudecken – von Schröders Lobbyarbeit für Nord Stream 2 bis zur Naivität gegenüber Putin nach der Krim-Annexion 2014.
Der große Umbruch. Ein Gespräch über Krisen, Konflikte und Kompromisse
Ricarda Lang, Steffen Mau
Gesprächsband zwischen der Grünen-Politikerin Ricarda Lang und dem Soziologen Steffen Mau über Krisen, Konflikte und Kompromisse. Die beiden lernten sich während der Ampelkoalition kennen und diskutieren darin ihre Perspektiven auf politische und gesellschaftliche Herausforderungen. Ein Einblick in die Gedankenwelt zweier prominenter Figuren des öffentlichen Lebens.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:01:54 „Dann sprechen wir über ein Buch, das heißt Der große Umbruch. Geschrieben haben es Ricarda Lang und Steffen Mau. Es ist ein Gesprächsband zwischen den beiden und der Untertitel ist Ein Gespräch über Krisen, Konflikte und Kompromisse.“
Das dritte Buch der Episode – ein Gesprächsband zwischen der Grünen-Politikerin Ricarda Lang und dem Soziologen Steffen Mau. Maja Beckers beschreibt, wie die beiden sich während der Ampelkoalition kennenlernten und ihr Gespräch dann zu diesem Buch fortführten. Beide werden als besonders prominente Figuren des Jahres vorgestellt.
Liegen Sie bequem. Vom Lesen und von Büchern
Roger Willemsen
Essayistische Reflexion über das Wesen des Lesens und seine kulturelle Bedeutung. Willemsen erkundet das Leseerlebnis, die Beziehung zwischen Leser und Text sowie die Rolle von Büchern in einer intellektuellen Welt.
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:02:08 „Ja und zum Schluss, wie immer unser Klassiker, diesmal von Roger Willimsen. Liegen Sie bequem vom Lesen und von Büchern. Erschienen war es sicher ein Buch des vor zehn Jahren verstorbenen intellektuellen Fernsehmoderators und Literaturkritikers.“
Der Klassiker-Tipp der Episode, ein Buch des vor zehn Jahren verstorbenen Roger Willemsen, der als intellektueller Fernsehmoderator und Literaturkritiker beschrieben wird. Das Buch handelt vom Lesen und von Büchern.
Triggerpunkte
Steffen Mau · 2023
»Soziale Konflikte sind nie einfach nur da, sie werden auch gesellschaftlich hergestellt: entfacht, angeheizt, getriggert.« Von einer »Spaltung der Gesellschaft« ist immer häufiger die Rede. Auch in der Alltagswahrnehmung vieler Menschen stehen sich zunehmend unversöhnliche Lager gegenüber. So plausibel sie klingen mögen, werfen entsprechende Diagnosen doch Fragen auf: Wie weit liegen die Meinungen in der Bevölkerung wirklich auseinander? Und ist die Gesellschaft heute wirklich zerstrittener als...
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:27:06 „Sein Buch vor allem Triggerpunkte aus 2023 war sehr erfolgreich, aber auch ungleich vereint, warum der Osten anders bleibt, das ist eins seiner Bücher, wir haben hier auch schon darüber gesprochen.“
Maja Beckers erwähnt Triggerpunkte als das erfolgreiche Vorgängerbuch von Steffen Mau aus 2023, um dessen Bekanntheit und Relevanz einzuordnen. Ricarda Lang habe erzählt, dass viele in der Ampel-Regierung das Buch gelesen hätten, was die beiden dann ins Gespräch brachte.
Ungleich vereint – Warum der Osten anders bleibt
Steffen Mau · 2024
Eine soziologische Analyse, die untersucht, warum Deutschland 34 Jahre nach der Wiedervereinigung strukturell unterschiedlich geblieben ist. Das Buch ergründet die bleibenden Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland in Identität, Transformationserfahrungen und politischer Entwicklung.
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:27:06 „Sein Buch vor allem Triggerpunkte aus 2023 war sehr erfolgreich, aber auch ungleich vereint, warum der Osten anders bleibt, das ist eins seiner Bücher, wir haben hier auch schon darüber gesprochen.“
Maja Beckers erwähnt dieses weitere Buch von Steffen Mau beiläufig, um sein bisheriges Werk vorzustellen. Es wurde bereits in einer früheren Folge des Podcasts besprochen.
Gesprächsbuch von Ilko-Sascha Kowalczuk und Bodo Ramelow
Ilko-Sascha Kowalczuk, Bodo Ramelow
Gesprächsbuch zwischen dem Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk und Bodo Ramelow, Bundestagsvizepräsident der Linken. Das Werk wird als eines der herausragenden Gesprächsbücher des Jahres 2025 erwähnt und bietet einen Dialog zwischen historischer Expertise und politischer Perspektive auf gegenwärtige Fragen.
🗣 Unbekannt erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:31:24 „dann gab es das von Ilko Sascha Kowalczuk, dem Historiker, mit Bodo Amelow, dem linken Bundestagsvizepräsidenten“
Wird als eines der Gesprächsbücher des Jahres 2025 aufgezählt, ohne dass der genaue Titel genannt wird.
Gesprächsbuch Kowalczuk/Ramelow
Ilko-Sascha Kowalczuk, Bodo Ramelow
Gesprächsbuch zwischen dem Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk und dem Linken-Politiker Bodo Ramelow. Der Dialog verbindet historische Perspektiven mit aktuellen politischen Diskussionen zwischen zwei Intellektuellen unterschiedlicher politischer Lager. Das Werk dokumentiert einen intellektuellen Austausch und ist Beispiel für den 2025er-Trend der Gesprächsbücher als Format für tiefgreifende gesellschaftliche Debatten.
🗣 Maja Beckers erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:31:36 „Es gab dann eben dieses Buch, dann gab es das von Ilko Sascha-Kowalczuk, dem Historiker, mit Bodo Amelow, dem linken Bundestagsvizepräsidenten.“
Cammann zählt den Trend der Gesprächsbücher 2025 auf und nennt als Beispiel das Buch des Historikers Ilko-Sascha Kowalczuk mit dem Linken-Politiker Bodo Ramelow. Der genaue Titel wird nicht genannt, es dient als Beleg für den Buchtrend.
Darf Israel das?
Hamed Abdel-Samad, Philipp Peyman Engel
Gesprächsbuch zur israelischen Nahostpolitik. Ein Dialog zwischen zwei Perspektiven über die Grenzen und Legitimität der israelischen Außenpolitik im Nahostkonflikt und der zentralen Frage nach ethischen und politischen Grenzen einer Außenpolitik.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:31:45 „Dann gab es zum Beispiel ein Buch von Hamel Abdel-Samad und Philipp Palmann-Engel über die Frage zur israelischen Nordpolitik. Darf Israel das?“
Cammann nennt dieses Gesprächsbuch als weiteres Beispiel für den Trend der Gesprächsbücher 2025. Es behandelt die israelische Nahostpolitik und reiht sich in die Aufzählung von Dialogformaten ein, die in diesem Jahr erschienen sind.
Gesprächsbücher von Helmut Schmidt
Helmut Schmidt
Gesprächsbücher von Helmut Schmidt dokumentieren Dialoge des ehemaligen Bundeskanzlers mit zeitgenössischen Persönlichkeiten wie Joschka Fischer oder Historiker Fritz Stern. Diese Sammlung gilt als Pionierwerk des Gesprächsbuch-Genres im deutschsprachigen Raum und bietet Einblicke in politische und gesellschaftliche Debatten der Nachkriegszeit. Das Format etablierte einen Trend für intellektuelle Diskurse in Buchform, der bis heute nachwirkt.
🗣 Alexander Cammann erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:31:54 „Früher gab es schon Gesprächsbücher von Helmut Schmidt und Joschka Fischer oder Fritz Stern“
Wird als historischer Verweis auf den Trend der Gesprächsbücher erwähnt, ohne konkrete Titel zu nennen.
Gesprächsbücher von Helmut Schmidt und Joschka Fischer
Helmut Schmidt, Joschka Fischer · 2010
Gesprächsbücher von Helmut Schmidt und Joschka Fischer sowie des Historikers Fritz Stern. Diese Werke dokumentieren den intellektuellen Austausch zwischen Politikern und Intellektuellen und zeigen, dass das Gesprächsbuch-Format als etablierte Diskussionsform seit Jahrzehnten existiert. Der Podcast-Referent nutzt sie als historische Beispiele für den aktuellen Trend von Dialogbüchern.
🗣 Alexander Cammann erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:31:55 „Früher gab es schon Gesprächsbücher von Helmut Schmidt und Joschka Fischer oder Fritz Stern, der jetzt im Februar 100 Jahre alt geworden wäre, also dem Historiker.“
Cammann verweist auf historische Vorläufer des Gesprächsbuch-Trends und nennt Bücher von Helmut Schmidt mit Joschka Fischer als Beispiele. Die genauen Titel werden nicht genannt, sie dienen als Beleg dafür, dass es solche Formate schon länger gibt.
Gesprächsbuch mit Fritz Stern
Fritz Stern · 1999
Die Liste von Bänden der Sammlung Göschen gibt einen Überblick über die Schriftenreihe der „Sammlung Göschen“, die 1889 begründet wurde. Sie ist auf Naturwissenschaften und Technik fokussiert, deckt aber auch verschiedene andere Themenbereiche ab. Die Reihe erschien zunächst bei der Göschen’schen Verlagshandlung in Leipzig und wurde später vom Verlag de Gruyter in Berlin übernommen.
🗣 Alexander Cammann erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:31:55 „Früher gab es schon Gesprächsbücher von Helmut Schmidt und Joschka Fischer oder Fritz Stern, der jetzt im Februar 100 Jahre alt geworden wäre, also dem Historiker.“
Cammann erwähnt den Historiker Fritz Stern im Kontext historischer Gesprächsbücher. Stern wäre im Februar 100 Jahre alt geworden. Ein konkreter Titel wird nicht genannt, aber es wird auf mindestens ein Gesprächsbuch-Format mit ihm verwiesen.
Hyperreaktiv
Anne-Kathrin Kohut · 2025
Warum ist Online-Kommunikation geprägt von Überreizung, Missverständnissen und gegenseitigem Misstrauen? Wie wird online mit Bildern und ihrer Interpretation Politik gemacht? Und mit welchen Methoden wird in den Sozialen Medien um Deutungsmacht gekämpft? Die Kulturwissenschaftlerin Annekathrin Kohout erkundet die Sozialen Medien als eine Welt, in der alles auf möglichst starke Reaktionen ausgelegt ist.
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:33:55 „Ich musste an unsere vorletzte Podcast-Folge denken, wo wir über das Buch von Anne-Kathrin Kohut gesprochen haben, über Reaktionen im Internet. Hyperreaktiv hieß das, dass die Reaktion so viel wichtiger wird als der Inhalt selbst oder das ursprünglich Gesagte.“
Beckers zieht eine Verbindung zwischen dem Gesprächsbuch-Format und dem Buch Hyperreaktiv von Anne-Kathrin Kohut. Ihre These: Gesprächsbücher haben bereits eingebaute Reaktionen – ähnlich wie im Internet die Reaktion wichtiger wird als der ursprüngliche Inhalt. So reagiert etwa Ricarda Lang direkt auf Maus Thesen, und der Leser hat beides gleichzeitig.
Alles gesagt?
Christoph Amend, Jochen Wegner
Wir befragen außergewöhnliche Menschen – so lange, bis sie selbst erklären, dass jetzt “alles gesagt” sei. Ein Gespräch kann also zwölf Minuten oder drei Stunden dauern. Die Interviewer, Christoph Amend, Editorial Director der ZEIT und Jochen Wegner, Chefredakteur der ZEIT, sind auf alles vorbereitet – und haben hunderte Fragen und meistens auch ein paar Spiele für ihren Gast dabei.
🗣 Unbekannt erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:38:32 „Oder es ist so ein ausgedruckter Alles-gesagt-Podcast“
Der Podcast wird scherzhaft als Vergleich herangezogen, weil die Gesprächsbücher wie verschriftlichte Langform-Podcasts wirken.
Das Hohe Haus
Roger Willemsen
Ein Jahr lang sitzt Roger Willemsen im Deutschen Bundestag – nicht als Abgeordneter, sondern als ganz normaler Zuhörer auf der Besuchertribüne im Berliner Reichstag. Es ist ein Versuch, wie er noch nicht unternommen wurde: Das gesamte Jahr 2013 verfolgt er in jeder einzelnen Sitzungswoche, kein Thema ist ihm zu abgelegen, keine Stunde zu spät. Er spricht nicht mit Politikern oder Journalisten, sondern macht sich sein Bild aus eigener Anschauung und 50000 Seiten Parlamentsprotokoll.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:40:53 „Hat Bücher geschrieben, das Hohe Haus war glaube ich eines der letzten, da hat er sich ein Jahr lang in den Bundestag, also im Reichstag begeben und hat zugeschaut, wie der Politikbetrieb arbeitet.“
Cammann erwähnt Das Hohe Haus als eines von Willemsens letzten Büchern, um dessen vielseitiges Schaffen zu illustrieren. Willemsen hatte sich dafür ein Jahr lang in den Bundestag gesetzt und den Politikbetrieb beobachtet – typisch für seinen Tausendsassa-Charakter.
Zeno Cosini
Italo Svevo
Der Roman erzählt in psychoanalytischer Form von einem Mann, der seine neurotischen Gewohnheiten und persönlichen Scheiternisse reflektiert. Mit Humor und bizarren Wendungen werden alltägliche Konflikte und menschliche Schwächen zu einer modernen Komödie – lebendig, witzig und psychologisch durchdrungen.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:43:38 „Italo Svevo, Zeno Cusini. Und dann darüber sagt Willemsen, es sind irgendwie vier Zeilen, aber die sind so voll. Der Englisch-Nachhilfeschüler von James Joyce in Triest hat die Tragödie des lächerlichen Menschen so komisch, so leicht hin- und ausgestattet mit solch bizarren Wendungen erzählt, dass sie zu einem der süffigsten Romane der Moderne wurde.“
Beckers liest Willemsens Kurztipp zu Italo Svevos Roman vor, um die Qualität seiner Buchempfehlungen zu demonstrieren. Willemsen beschreibt Svevo als Englisch-Nachhilfeschüler von James Joyce und empfiehlt den Roman für alle, die Psychoanalyse humorfähig finden und sich das Rauchen abgewöhnen möchten. Beckers will mit diesem Klassiker im Januar ihr Vorhaben starten, mehr Klassiker zu lesen.