Daniel Schreiber (2025) – Wie retten wir die Liebe in Zeiten des Hasses
Matze Hielscher & Daniel Schreiber
Daniel Schreiber spricht über sein neues Buch, das Liebe nicht als Kitsch, sondern als politischen Akt begreift — als Antwort auf den wachsenden Hass gegen Minderheiten und ausgegrenzte Gruppen. Vor Live-Publikum in Leipzig entfaltet sich ein Gespräch über Wegschauen, falsches Sicherheitsgefühl und die Frage, warum Schweigen niemanden schützt.
„Ich glaube, dass das, was gerade passiert in unserer Gesellschaft, unter anderem darauf beruht, dass wir uns irgendwie in Sicherheit wiegen, dass wir irgendwie glauben, dass unser Schweigen uns beschützen wird, dass unser Wegschauen uns beschützen wird. Und das wird es nicht.“
Erwähnte Medien (13)
Nüchtern
Daniel Schreiber · 2014
Ein philosophisches Sachbuch, das Nüchternheit nicht als Verzicht, sondern als bewusste Lebensentscheidung begreift. Schreiber deutet Alltagsthemen philosophisch und zeigt, wie der Verzicht auf Alkohol eine positive Gestaltungskraft sein kann.
🗣 Matze Hielscher zitiert daraus bei ⏱ 00:01:24 „Er hat über Nüchternheit geschrieben, nicht als Verzicht, sondern als Entscheidung.“
Im Rahmen der Vorstellung von Daniel Schreiber fasst Matze Hielscher dessen Werk zusammen. Nüchternheit wird dabei als bewusste Lebensentscheidung charakterisiert, nicht als Mangel – passend zu Schreibers Stil, Alltagsthemen philosophisch umzudeuten.
Allein
Daniel Schreiber · 2021
"Was für ein Buch! Es rührt an unsere geheimsten Ängste. Dabei tröstet es uns, klug und zärtlich zugleich – wie ein Freund, der unsere Not erkennt." Gabriele von Arnim Zu keiner Zeit haben so viele Menschen allein gelebt, und nie war elementarer zu spüren, wie brutal das selbstbestimmte Leben in Einsamkeit umschlagen kann.
🗣 Matze Hielscher zitiert daraus bei ⏱ 00:01:29 „Eins meiner Lieblingsbücher ist sein Buch übers Alleinsein, aber nicht als Mangel, sondern als Möglichkeit.“
Matze Hielscher hebt dieses Buch als persönlichen Favoriten hervor. Es geht um Alleinsein als produktive Möglichkeit, nicht als Defizit. Später im Gespräch kommt das Thema Rückzug und Alleinsein immer wieder auf, auch im Kontext von Corona und politischer Lähmung.
Zuhause
Daniel Schreiber · 2017
Wo gehören wir hin? Was ist unser Zuhause in einer Zeit, in der sich immer weniger Menschen sinnstiftend dem Ort verbunden fühlen, an dem sie geboren wurden? In seinem persönlichen Essay beschreibt Daniel Schreiber den Umschwung eines kollektiven Gefühls: Zuhause ist nichts Gegebenes mehr, sondern ein Ort, nach dem wir uns sehnen, zu dem wir suchend aufbrechen.
🗣 Matze Hielscher zitiert daraus bei ⏱ 00:01:35 „Er hat ein Buch über das Zuhause geschrieben. Nicht als Ort, sondern als Gefühl.“
Matze Hielscher stellt seinen Gast Daniel Schreiber vor und geht dessen bisherige Bücher durch. Er beschreibt jedes Buch über den thematischen Kern und Schreibers typischen Perspektivwechsel – beim Zuhause-Buch geht es nicht um einen physischen Ort, sondern um ein Gefühl.
Liebe
Daniel Schreiber · 2025
Ein persönlicher Aufruf des Bestsellerautors Daniel Schreiber zum aktiven Widerstand gegen eine Kultur des Hasses. Ohnmacht ist zum politischen Grundgefühl unserer Zeit geworden. Eine Rhetorik des Hasses und der Menschenverachtung hat den politischen Diskurs gekapert. Unser Zusammenleben ist wieder von mehr Gewalt geprägt. Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen vom Glauben an politisches Handeln verabschieden und ins Private zurückziehen.
🗣 Matze Hielscher empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:35 „Und ganz aktuell hat er ein Buch über Liebe geschrieben und hier aber nicht als Kitsch, sondern als einen politischen Akt. Ihr merkt schon, Daniel hat immer einen sehr, sehr eigenen Blick.“
Das zentrale Buch der Episode, über das erstmals öffentlich gesprochen wird. Schreiber beschreibt es als Versuch, aus einer politischen Ohnmacht herauszufinden, indem er Liebe als politisches Konzept gegen den wachsenden Hass in der Gesellschaft stellt. Das Buch ist gerade erst fertig geschrieben.
Tora
· 2023
Ein Standardwerk der sozialgeschichtlichen Exegese - Ein moderner Klassiker der alttestamentlichen Forschung - Ein wertvoller Beitrag zum jüdisch-christlichen Dialog - Das Standardwerk als günstige Sonderausgabe! Frank Crüsemann bietet einen Überblick über die Geschichte des alttestamentlichen Rechts von den kaum fassbaren Anfängen in vorköniglicher Zeit bis zum Abschluss und zur Kanonisierung im Pentateuch.
🗣 Daniel Schreiber referenziert bei ⏱ 00:04:38 „In der Tora finden sich sehr wichtige Gebote zur Nächstenliebe und zur Feindesliebe.“
Daniel Schreiber beschreibt die jahrtausendealte Geschichte des Nachdenkens über Liebe und nennt die Tora als eine der frühesten Quellen, in denen Gebote zur Nächstenliebe und Feindesliebe formuliert werden.
Neues Testament
· 2015
Das Neue Testament entwickelt eine eigenständige Liebestheorie, die die mittelalterliche Theologie maßgeblich beeinflusste. Sie bildet eine der Grundlagen für das abendländische Verständnis von Liebe und prägt Philosophie bis heute.
🗣 Daniel Schreiber referenziert bei ⏱ 00:04:52 „Das Neue Testament hat eine sehr beeindruckende und berührende Liebestheorie im Mittelalter. Die Mittelaltertheologie hat viel über Liebe nachgedacht, die gesamte Philosophie.“
Im Rahmen seiner Aufzählung historischer Liebeskonzeptionen hebt Daniel Schreiber das Neue Testament als Quelle einer eigenständigen, beeindruckenden Liebestheorie hervor, die die Mittelaltertheologie stark beeinflusst hat.
Die Kunst des Liebens
Erich Fromm · 2014
Die „Kunst des Liebens“ ist das meistgelesene Werk Erich Fromms und weltweit mit ca. 25 Millionen Exemplaren das bestverkaufte Sachbuch aller Zeiten. Seine Botschaft: Dies ist keine Anleitung zur Kunst des Liebens. Vielmehr geht es um die aktive Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, um Liebe zum Nächsten, Demut, Mut, Glaube und Disziplin. Nur auf Basis dieser Entwicklung ist es möglich, wahrhaft zu lieben.
🗣 Daniel Schreiber zitiert daraus bei ⏱ 00:05:52 „Aber eigentlich meine Lieblingsdefinition ist die von Erich Fromm, der Liebe eben auch als eine Form der Sorge, als eine Form der Fürsorge definiert und der sie vor allem als eine Aktivität definiert, als etwas, das man tut, als eine Praxis.“
Daniel Schreiber nennt Erich Fromms Liebeskonzeption als seine persönliche Lieblingsdefinition unter all den Denkerinnen und Denkern, die er für sein Buch gelesen hat. Fromms Idee, Liebe sei eine aktive Praxis der Fürsorge und nicht etwas, das passiv über einen kommt, ist für Schreibers politisches Argument zentral.
Letter from Birmingham Jail
Martin Luther King Jr. · 2018
This landmark missive from one of the greatest activists in history calls for direct, non-violent resistance in the fight against racism, and reflects on the healing power of love.
🗣 Daniel Schreiber referenziert bei ⏱ 00:57:54 „Er hat sich als Extremist der Liebe bezeichnet. Genau. Und sein Liebeskonzept war auch tatsächlich radikal. Er war auch Pastor und es ist auch ein christlich hergeleitetes Liebeskonzept. Aber er hat es politisch auch wirklich beeindruckende Weise umgesetzt.“
Daniel Schreiber beschreibt Martin Luther Kings Philosophie der Liebe als politisches Werkzeug der Bürgerrechtsbewegung. Die Selbstbezeichnung als 'Extremist der Liebe' stammt aus Kings berühmtem Brief aus dem Gefängnis von Birmingham. Schreiber hebt hervor, dass King forderte, auch im politischen Gegner die grundsätzliche Menschlichkeit zu sehen und Taten zu verurteilen, nicht den Menschen selbst — eine Idee, die Schreiber auf die heutige politische Situation übertragen möchte.
Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und James Baldwin
Hannah Arendt / James Baldwin · 2020
Die nachstehende Zeittafel zur Philosophiegeschichte ist eine zeitlich geordnete Liste ausgewählter Philosophen. Sie ermöglicht eine Schnellorientierung zur Geschichte der Philosophie. Zur Einführung in philosophisches Denken ist die Zeittafel ungeeignet, da sie nur verkürzende Stichwörter enthält. Tatsächliche Inhalte und Begründungen der einzelnen Positionen kann man nur in der Auseinandersetzung mit den einzelnen Philosophen und ihrem Werk erschließen.
🗣 Daniel Schreiber referenziert bei ⏱ 01:16:24 „Der Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und James Baldwin, da kann man bestimmte rassistische Motive nachweisen. Martin Luther King hat wenig seiner Texte wirklich selbst geschrieben, hat viel Ghostwriter benutzt.“
Schreiber argumentiert, dass man große Denker nicht zu Heiligen erklären und dann verwerfen sollte, wenn sie sich als fehlbar erweisen. Als Beispiel nennt er den Briefwechsel zwischen Arendt und Baldwin, in dem rassistische Motive nachweisbar seien – was aber nicht bedeute, dass Arendts Ideen wertlos seien.
Die Politik der Liebe
Daniel Schreiber · 2021
Viele Menschen fragen sich immer: Muss es in der Behörde so zugehen? Warum sind die Gesetze nicht humaner? Warum diese Erfahrungen mit dem Krankenhaus? Da ist eine Sehnsucht nach Liebe in den Systemen und Strukturen. Das Buch macht sich deswegen unter dem Stichwort “Strukturelle Liebe” Gedanken über lebensförderliche Institutionen
🗣 Daniel Schreiber empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:32:26 „Ihr hört jetzt zum allerersten Mal, also die ersten Menschen, die was aus diesem Buch hören und die ersten Menschen, die das hören, bis auf meine Verlegerin, meine Lektorin Matze und noch eine Handvoll anderer Freundinnen und Freunde.“
Daniel Schreiber liest zum ersten Mal öffentlich aus seinem neuen, noch in der Herstellung befindlichen Buch vor. Das Buch ruft zu einer Politik der Liebe, radikaler Freundlichkeit und demokratischen Allianzen auf. Die Lesung bildet den emotionalen Höhepunkt des Gesprächs, in dem Schreiber seine Kernthesen – Nächstenliebe als politische Praxis, Verteidigung der Demokratie, Widerstand gegen Rechtsextremismus – in einem leidenschaftlichen Manifest zusammenfasst.
Ehrfurcht vor dem Leben
Albert Schweitzer · 2003
Das Albert-Schweitzer-Denkmal von Pieter de Monchy befindet sich im niederländischen Deventer auf der Brink, einem Platz im historischen Zentrum der Stadt.
🗣 Daniel Schreiber zitiert daraus bei ⏱ 01:39:09 „Ich möchte zu einer Ehrfurcht vor dem Leben im Sinne Albert Schweizers aufrufen, zum Amor Mundi von Hannah Arendt, zu einer Liebe zum Leben im Sinne Erich Fromms.“
In der Schlusspassage seines Buches ruft Daniel Schreiber drei philosophische Traditionen auf, die sein Denken über politische Liebe geprägt haben. Schweitzers Konzept der Ehrfurcht vor dem Leben steht als erstes Ideal, das er als Grundlage einer neuen politischen Ethik einfordert.
Amor Mundi
Hannah Arendt · 2021
Hannah Arendts 1929 als Dissertation veröffentlichte Schrift greift bereits grundlegende Figuren ihres Denkens auf: den Weltbegriff, das Dasein, die vita socialis, Verantwortung. Anhand des intersubjektiven Themas par excellence »Liebe« erörtert Arendt mit und gegen Augustinus die vielfältige »Doppeltheit« des Menschen zwischen Isolation und Gemeinschaft, Noch-nicht und Nicht-mehr, Gewohnheit und Bewusstsein.
🗣 Daniel Schreiber zitiert daraus bei ⏱ 01:39:09 „Ich möchte zu einer Ehrfurcht vor dem Leben im Sinne Albert Schweizers aufrufen, zum Amor Mundi von Hannah Arendt, zu einer Liebe zum Leben im Sinne Erich Fromms.“
Hannah Arendts Konzept des Amor Mundi – der Liebe zur Welt – wird als zweites philosophisches Leitbild in Schreibers Schlussappell zitiert. Zuvor hatte Schreiber auch erwähnt, dass er Arendt als eine der Philosophinnen in seinem Buch untersucht hat, wobei er kritisch anmerkt, dass im Briefwechsel mit James Baldwin rassistische Motive nachweisbar seien.
Liebe zum Leben
Erich Fromm · 2006
Die Kunst des Liebens (Originaltitel: The Art of Loving. An Inquiry into the Nature of Love) ist ein populäres gesellschaftskritisches Werk des Sozialpsychologen Erich Fromm, das erstmals 1956 in New York erschien. Er ist ein internationaler Klassiker der Soziologie. Noch vor dem fast ebenso berühmten späteren Werk Haben oder Sein ist es Fromms bekanntestes und meistgelesenes Werk und war mit 25 Millionen Exemplaren und 33 Übersetzungen ein internationaler Bestseller und Longseller. Das Wesen de...
🗣 Daniel Schreiber referenziert bei ⏱ 01:39:09 „Ich möchte zu einer Ehrfurcht vor dem Leben im Sinne Albert Schweizers aufrufen, zum Amor Mundi von Hannah Arendt, zu einer Liebe zum Leben im Sinne Erich Fromms.“
Erich Fromms Konzept der Liebe zum Leben bildet das dritte philosophische Fundament in Schreibers Schlussappell. Fromm wird neben Schweitzer, Arendt und Martin Luther King als einer der zentralen Denker genannt, die Schreiber in seinem Buch untersucht hat.