Lanz & Precht – Ausgabe Fuenfundvierzig
#045

Ausgabe Fuenfundvierzig

Lanz & Precht / 08. Juli 2022 / 5 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Die Episode kreist um ein wachsendes Gefühl kollektiver Überforderung angesichts globaler Machtverschiebungen — der Aufstieg Chinas und Indiens, der schwindende Einfluss Europas und Amerikas, der Rückgang demokratischer Systeme weltweit. Beide diskutieren, wie eng sozialer Frieden an Wohlstand gekoppelt ist und was passiert, wenn dieser schmilzt. Persönlich gerahmt wird das Ganze durch ein Gespräch über Schlafgewohnheiten und die innere Unruhe, die niemanden mehr zur Ruhe kommen lässt.

„Ich glaube, dass wir ganz große Probleme im Augenblick damit haben, uns selbst zu sehen und uns selbst zu verstehen. Sondern wir blicken zurück in etwas, das anders war. Und wir blicken voraus in etwas, von dem wir keine Vorstellung haben, es sei denn dystopische Bilder.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (5)

Die Abstiegsgesellschaft

Die Abstiegsgesellschaft

Oliver Nachtwey · 2016

Die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs war eines der zentralen Versprechen der »alten« BRD – und tatsächlich wurde es meistens eingelöst: Aus dem Käfer wurde ein Audi, aus Facharbeiterkindern Akademiker. Mittlerweile ist der gesellschaftliche Fahrstuhl stecken geblieben: Uniabschlüsse bedeuten nicht mehr automatisch Status und Sicherheit, Arbeitnehmer bekommen immer weniger ab vom großen Kuchen.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:09:40 „Abstiegsgesellschaften, das ist ein Begriff, den der Soziologe Oliver Nachtwey vor, ich schätze jetzt mal so sieben, acht Jahren hat er ein Buch geschrieben, die Abstiegsgesellschaft.“

Precht und Lanz diskutieren darüber, wie der schwindende Wohlstand westlicher Gesellschaften deren Stabilität und Werte bedroht. Precht greift auf Nachtweys Begriff der 'Abstiegsgesellschaft' zurück, um zu erklären, dass Gesellschaften, in denen der Wohlstand dauerhaft abnimmt, schnell instabil werden und ihre sozialen Errungenschaften verlieren können.

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Entscheidung in Kiew

Entscheidung in Kiew

Karl Schlögel · 2022

Was macht die Ukraine aus? Erst mit der russischen Annexion der Krim entwickelte sich ein Bewusstsein für die Eigenständigkeit dieses Landes, das nach dem Willen der Aggressoren nun von der Landkarte verschwinden soll. Seit vielen Jahren ist Karl Schlögel in der Ukraine unterwegs, seine ukrainischen Lektionen von 2015 ergänzt er nun um einen großen Essay über den Krieg, der sich gegen die Idee der Freiheitlichkeit überhaupt richtet.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:18:11 „Ich hatte am vergangenen Donnerstag eine beeindruckende Begegnung mit Karl Schlögl, den wir hier schon öfter zitiert haben, der Historiker, der 2015 dieses Buch gemacht hat über Kiew und die Situation in der Ukraine. Und wenn du das liest, das ist wirklich bis heute eine düstere Prophezeiung. Du hast das Gefühl, das Buch ist gestern geschrieben unter dem Eindruck dieses Angriffs.“

Lanz schildert eine Begegnung mit dem Historiker Karl Schlögel und empfiehlt dessen Buch von 2015 über Kiew als geradezu prophetisches Werk. Schlögel habe darin den russischen Angriff auf die Ukraine vorweggenommen und argumentiert, es gehe nicht um einzelne Quadratkilometer, sondern um den Versuch, den ganzen Kontinent umzugestalten. Lanz nutzt das Buch als Argument dafür, dass der Westen die Tragweite der Situation noch nicht begriffen habe.

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Waffenstillstand jetzt

Waffenstillstand jetzt

· 2023

Mein Kriegstagebuch 2022 "Mein Opa Peter, geb. 1894, - das ist einer von denen auf demTitel dieses Buch - hat an vorderster Front in Verdun im Erdloch gehockt, nur weil das Kaiserreich und der damalige Medien-Apparat ihn mit völlig falschen Informationen zum "glorreichen Kampf" für das Vaterland angetörnt hatten. Er hat es gottseidank überlebt und mir bereits in früher Kindheit nahegelegt, einen kritischen Abstand zu Medien und Politik aufzubauen.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:21:57 „Du hast vorhin gesagt, die Wahrscheinlichkeit, dass die Ukraine, ihr habt diesen Appell veröffentlicht, Juli C., du und andere, Svenja Flaßpöhler ist auch dabei, Waffenstillstand jetzt.“

Lanz konfrontiert Precht mit dem öffentlichen Appell 'Waffenstillstand jetzt', den Precht gemeinsam mit Juli Zeh, Svenja Flaßpöhler und anderen unterzeichnet hat. Der Appell fordert ein Ende der Kampfhandlungen in der Ukraine. Lanz widerspricht der Position des Appells und argumentiert, dass in der Ukraine gerade verhandelt werde, wie ernst es dem Westen mit seinen Werten tatsächlich sei.

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Das Prinzip Hoffnung

Das Prinzip Hoffnung

Ernst Bloch · 2016

Ernst Blochs frühes Hauptwerk ist dem schwierigen Verhältnis von offener materialistischer Philosophie und geschlossenem Systemansatz gewidmet und ringt dabei mit der idealistischen Metaphysik ebenso wie mit der Existenzphilosophie. Der vorliegende Band erschließt Das Prinzip Hoffnung auf dem neuesten Stand der Debatte und macht seine ungebrochene Aktualität für ein breites akademisches Publikum zugänglich.

🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:44:41 „Ich habe dieser Tage, und ich glaube, es war Karl Schögl, der mich darauf aufmerksam gemacht hat, einen total interessanten Satz von Ernst Bloch gelesen oder einen Gedanken, der sozusagen darauf hinweist, dass man die Vergangenheit durchaus irgendwie analysieren und verstehen kann. Aber Bloch war offenkundig der Meinung, dass das Schwierigste, die schwierigste Ebene des Verstehens, die Gegenwart ist. Und er nannte es das Dunkel des gelebten Augenblicks.“

Zum Ende des Gesprächs bringt Markus Lanz einen Gedanken von Ernst Bloch ein, auf den ihn Karl Schögl aufmerksam gemacht habe. Blochs Konzept vom 'Dunkel des gelebten Augenblicks' – die Idee, dass die Gegenwart am schwersten zu verstehen ist – dient als philosophische Klammer für die gesamte Diskussion über die Orientierungslosigkeit des Westens. Precht greift den Gedanken begeistert auf und überträgt ihn auf die aktuelle geopolitische Lage.

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The End of History and the Last Man

The End of History and the Last Man

Francis Fukuyama · 2006

Ever since its first publication in 1992, The End of History and the Last Man has provoked controversy and debate. Francis Fukuyama's prescient analysis of religious fundamentalism, politics, scientific progress, ethical codes, and war is as essential for a world fighting fundamentalist terrorists as it was for the end of the Cold War. Now updated with a new afterword, The End of History and the Last Man is a modern classic.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:48:53 „Es gab ja mal eine Zeit, Fukuyama und so weiter, das Ende der Geschichte, da wurden die Demokratien oder die liberalen Systeme auf der Welt immer mehr. Mittlerweile nehmen sie ganz eindeutig ab.“

Markus Lanz verweist auf Fukuyamas berühmte These vom 'Ende der Geschichte', um den Kontrast zur aktuellen Weltlage zu verdeutlichen. Wo Fukuyama nach dem Kalten Krieg den globalen Siegeszug der liberalen Demokratie proklamierte, beobachtet Lanz heute das Gegenteil: Demokratien nehmen ab, und selbst die USA standen knapp davor, sich aus dem demokratischen Club zu verabschieden.

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