Lanz & Precht – Sieben Todsuenden
#107

Sieben Todsuenden

Lanz & Precht / 22. September 2023 / 7 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Ausgehend von der Frage, was heute noch als Sünde gilt, nehmen sich Lanz und Precht die sieben Todsünden vor — Hochmut, Habgier, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit. Dabei arbeiten sie den entscheidenden Unterschied zu den Zehn Geboten heraus: Während die Gebote das Zusammenleben in der Gemeinschaft regeln und von außen durchgesetzt werden, betreffen die Todsünden den inneren Gerichtshof des Einzelnen. Lanz wirft die Frage auf, warum ausgerechnet der Verrat in der Liste fehlt — und Precht verweist auf den überraschenden Ursprung der Todsünden, die gar nicht aus der Bibel stammen.

„Wenn es heißt, du sollst nicht neidisch sein und du bist neidisch, dann ist das ein Problem, das musst du mit dir selber aushandeln.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (7)

Lonesome Rider

Lonesome Rider

Ulrich Roski

Eine melancholische Ballade über die einsame Fahrt durch die Wüste – Sinnbild für asketisches Leben und bewussten Verzicht auf weltliche Verlockungen. Das Lied wird häufig zitiert um humorvoll zu illustrieren, wie Einsamkeit automatisch vor Versuchung schützt.

🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:13:44 „Ich hatte ja beim letzten Mal Ulrich Roski zitiert. Ich mache das gerne wieder. Da heißt es in Lonesome Rider mit dem Fahrrad durch die Wüste selten Kino, niemals Frauen. 40 Meilen in der Stunde all the highways up and down.“

Precht zitiert den Song, um humorvoll zu illustrieren, dass ein asketisches Eremitenleben in der Wüste automatisch vor der Todsünde der Wollust schützt – weil schlicht keine Gelegenheit besteht. Er hatte das Lied bereits in einer früheren Folge zitiert und greift es hier bewusst wieder auf.

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Politeia (Der Staat)

Politeia (Der Staat)

Platon · 2019

Platon Politeia - Der Staat Platon's Politeia - Der Staat als Studienausgabe Da gibt es, sagte ich, noch ein Drittes: die Möglichkeit, daß ihr uns fortlassen müßt.Vermögt ihr, fragte er, auch Leute zu überzeugen, die nicht hören? Das nicht, versetzte Glaukon. So richtet euch darauf ein, daß wir nicht hören werden, erwiderte er. Und Adeimantos sagte: Am Ende wißt ihr nicht einmal, daß auf den Abend ein Fackelrennen zu Roß der Göttin zu Ehren stattfinden wird? Zu Roß? sagte ich; das ist neu.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:16:21 „Und alles, was Platon sich überlegt hat an Staat, da ging es immer um die Macht der privaten Haushalte, die zu brechen. Also die unter staatliche Kontrolle zu stellen, damit man sich da nicht auslebt.“

Precht erläutert Platons Staatsphilosophie im Kontext der Todsünde Wollust. Er beschreibt den Konflikt zwischen Polis und Oikos und wie Platon die Kontrolle über private Haushalte als zentral für das Funktionieren des Staates ansah. Die Frauenfeindlichkeit der christlichen Kirche stehe in dieser platonischen Tradition.

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Monkeys reject unequal pay

Monkeys reject unequal pay

Frans de Waal

Bahnbrechende Experimente von Frans de Waal an der Emory University mit Kapuzineraffen, in denen unterschiedliche Belohnungen (Gurken vs. Weintrauben) für gleiche Arbeitsleistung gegeben werden. Die Studie demonstriert ein angeborenes Fairness-Empfinden bei Primaten: benachteiligte Affen verweigern die Arbeit als Protest gegen unfaire Belohnung.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:27:57 „Es gab Anfang der 2000er Jahre diese bahnbrechenden Experimente, die Franz de Waal an der Emory University in Atlanta gemacht hat mit Kapuzineraffen. Die sind sehr berühmt, die kann man sich auch bei YouTube angucken.“

Precht nutzt die berühmten Kapuzineraffen-Experimente von Frans de Waal, um seine These zu untermauern, dass Neid ein angeborener Sinn für Unfairness ist. Er beschreibt ausführlich das Versuchsdesign mit Gurken und Weintrauben und erklärt, wie der benachteiligte Affe die Arbeit einstellt – als Beweis dafür, dass dieses Fairness-Empfinden evolutionär verankert ist.

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Wall Street

Wall Street

Oliver Stone · 1987

Bud Fox, ein strebsamer, junger Börsenmakler, will das schnelle Geld machen. Nachdem er den skrupellosen, millionenschweren Spekulanten Gordon Gekko kennenlernt, scheint ein Traum in Erfüllung zu gehen. Aber dieser Traum hat seinen Preis. Durch Gekko wird Bud in einen Strudel krimineller Machenschaften gezogen. Als Gekko jedoch die Fluglinie, bei der Buds Vater beschäftigt ist, zu ruinieren droht, erkennt er seinen Irrtum. Es ist die Stunde der Entscheidung von Gier gegen Gewissen.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:46:47 „Gier ist gut, Gier ist richtig, Gier ist gesund. Du hast Wall Street gesehen, haben wir alle damals geguckt. Das sagt Michael Douglas als Gordon Gekko. Und das ist so der, wie soll man sagen, alles auf den Punkt gebracht.“

Lanz zitiert das berühmte Gordon-Gekko-Motto aus dem Film Wall Street als Inbegriff der Gier-Philosophie. Precht ergänzt, er habe den Film damals als Inbegriff dessen gesehen, was in der Welt schiefläuft, und konnte Michael Douglas danach über zehn Jahre hinweg in keiner Rolle mehr sehen, ohne ihn für das Arschloch aus dem Film zu halten.

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The Wolf of Wall Street

The Wolf of Wall Street

Martin Scorsese · 2013

New York in den frühen 1990er Jahren. Der aufstrebende Aktienhändler Jordan Belfort gründet mit Anfang 20 die Maklerfirma "Stratton Oakmont", mit der er schnell zum Multimillionär aufsteigt und zum Shootingstar der New Yorker Börse wird. Schon bald ist er hauptsächlich unter seinem neuen Spitznamen "Wolf of Wall Street" bekannt. Mit seinem Reichtum finanziert er einen ausschweifenden Lebensstil, der von Alkohol, Drogen, Sex und Dekadenz geprägt ist.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:47:16 „Bei Leonardo DiCaprio. Wolf of Wall Street? Ja, total. Genial. Besser geht's nicht.“

Lanz und Precht vergleichen die Wirkung von Wall Street mit The Wolf of Wall Street. Beide sind beeindruckt von Leonardo DiCaprios Darstellung – Precht lobt die gigantische schauspielerische Leistung, die den Zuschauer gleichzeitig in den Bann zieht und nervt. Lanz hebt besonders die unterschätzte Nebenrolle von Matthew McConaughey hervor.

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Phil Donahue Show – Interview mit Milton Friedman

Phil Donahue Show – Interview mit Milton Friedman

Phil Donahue / Milton Friedman · 2025

Gegen die Freiheit des Raubtierkapitalismus: Warum unsere Gesellschaft eine neue Wirtschaftspolitik braucht, um zukunftsfähig und gerechter zu werden Unter Donald Trump und Elon Musk greift ein Kult der Freiheit um sich. Doch die Wahl- und Meinungsfreiheit, die J.D. Vance & Co. zu einem Fetisch erhoben haben, geht immer auf Kosten der Freiheit anderer.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:51:26 „Sagen Sie mir mal, gibt es überhaupt eine Gesellschaft, die nicht auf Gier basiert? Glauben Sie, dass Russland nicht von Gier angetrieben wird? Glauben Sie, dass China nicht von Gier angetrieben wird?“

Lanz zitiert Milton Friedmans berühmte Verteidigung des Eigeninteresses aus dem Interview mit Phil Donahue (1979). Das Zitat wird im Kontext der Diskussion über Gier als systemimmanenten Mechanismus des Kapitalismus angeführt. Precht ergänzt, dass es um 'wohlverstandene eigene Interessen' gehen müsse.

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Artikel über Gier

Artikel über Gier

Richard David Precht

Richard David Precht schrieb einen philosophischen Essay über Gier für das ZEIT Magazin, möglicherweise im Kontext eines Kalender-Projekts des Magazins. Der Text behandelt die systemische Funktion von Gier – also warum Gier nicht nur ein individuelles Laster ist, sondern eine strukturelle Rolle im Wirtschaftssystem spielt. Precht konnte sich in einem Gespräch mit Markus Lanz nicht mehr erinnern, ob der Text ursprünglich als Magazin-Artikel oder als Beitrag für ein Kalender-Projekt entstand. Der Essay dürfte im Umfeld der Finanzkrise entstanden sein, als die gesellschaftliche Debatte über Gier als Systemtreiber besonders intensiv war.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:52:58 „Ich habe mal was über Gier geschrieben fürs Zeitmagazin. Kann sein, dass das dafür ist. Oder für so einen Kalender, den die Zeitmagazin gemacht hat.“

Markus Lanz liest ein Zitat über die systemische Funktion von Gier vor und fragt, wer es geschrieben hat. Precht erkennt es als seinen eigenen Text, kann sich aber nicht mehr erinnern, ob es aus einem Buch, einem Zeitmagazin-Artikel oder einem Kalender-Projekt stammt. Der Text entstand während der Finanzmarktkrise und verteidigte die Gier als Systemmerkmal gegen die individualpsychologische Schuldzuweisung an einzelne Banker.

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