Klimakonferenz
Markus Lanz & Richard David Precht
Zwischen Weihnachtsdeko und einer historischen Lampe aus dem alten Konrad-Adenauer-Haus schwenkt das Gespräch zur Weltklimakonferenz in Dubai — und zur absurd großen deutschen Delegation von 250 Personen. Allein das Außenministerium reist mit 60 Leuten an, das Kanzleramt mit 40, dazu kommen Vertreter von Bundesbank, Wetterdienst und Agrarinstitut. Während Olaf Scholz in seiner Eröffnungsrede noch das 1,5-Grad-Ziel beschwört, hält Richard David Precht dagegen: Kein seriöser Experte glaube daran noch ernsthaft.
„Alle in einem Flugzeug, wie muss man sich das vorstellen? Und aus Sicherheitsgründen verteilt auf zehn Maschinen.“
Erwähnte Medien (14)
Die fossile Party geht weiter
Christian Geinitz
Kritischer Kommentar zur Lobbyarbeit der fossilen Industrie. Christian Geinitz analysiert, wie Öl- und Gas-Konzerne durch Technologien wie Carbon Capture and Storage (CCS) ihre Geschäftsmodelle zu rechtfertigen versuchen. Der Text entlarvt die Strategien, mit denen die fossile Industrie ihre Relevanz in der Energiewende zu bewahren sucht.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:04:53 „Was ich so interessant finde ist, Christian Geinitz von der FAZ empfehle ich sehr, hat einen wirklich guten Kommentar geschrieben, die fossile Party geht weiter. Öl und Gas sind plötzlich wieder wahnsinnig beliebt, weil der ganz neue Dreh sozusagen, wobei so neu ist der gar nicht, ist und zwar unterstützt natürlich von der fossilen Industrie.“
Im Gespräch über die Weltklimakonferenz in Dubai empfiehlt Markus Lanz einen FAZ-Kommentar von Christian Geinitz, der beschreibt, wie die fossile Industrie weiterhin Lobbyarbeit betreibt und CCS (Carbon Capture and Storage) als Lösung propagiert, um fossile Energieträger weiter nutzen zu können. Lanz zitiert den Kommentar auch später nochmals wörtlich.
Interview mit Niall Ferguson
Niall Ferguson
Der Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson verteidigt in diesem Interview Donald Trump als Präsident der USA und kontrastiert dies mit seiner Kritik an Europa. Ferguson argumentiert, dass Europa zu einer statischen Institution, einem Museum, geworden ist, während innovative Menschen nach Kalifornien abwandern. Das Interview behandelt Fergusons These zum wirtschaftlichen Niedergang Europas und der technologischen Dynamik der USA unter Trump.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:13:35 „Ich habe quasi stellvertretend dafür zwei sehr, sehr interessante Interviews gelesen, Historiker jeweils. Der eine war Niall Ferguson, über den wir hier schon mehrfach gesprochen haben. Ein Stück, das überschrieben war mit Andernfalls dürfte ein dritter Weltkrieg immer näher rücken.“
Markus Lanz stellt zwei gegensätzliche Positionen zur Weltlage gegenüber. Niall Fergusons Interview vertritt die pessimistische Seite: Angesichts von Gaza, Ukraine und Klimakrise sieht er die Welt auf einen dritten Weltkrieg zusteuern. Lanz nutzt diesen Kontrast, um die Grundfrage der Folge aufzuwerfen: Untergang oder Zukunft?
Interview mit Andrew Moravcsik
Andrew Moravcsik
Andrew Moravcsik (f.1957) er professor i statskundskab og international politik ved Princeton University. Han er leder af The Lichtenstein Institute on Self Determination og grundlægger og leder af the European Union Program ved Princeton University. Interview af August Østergaard Nilsson og Felipe Oscar Bonilla Branner. USA har det største militær i verden, den største økonomi [...]
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:14:03 „Dann habe ich mich wenig später mit Andrew Morawczyk beschäftigt. Auch ein amerikanischer Politologe, Princeton University, der genau das Gegenteil sagt. Der sagt, nein, nein, nein, nein, nein, die Weltlage ist nicht völlig instabil und der Westen ist auch nicht völlig schwach.“
Als optimistischen Gegenpol zu Niall Ferguson zitiert Markus Lanz den Princeton-Politologen Andrew Moravcsik, der argumentiert, dass wir strukturell in relativ guten Zeiten leben. Er verweist darauf, dass die Zahl der Kriegstoten seit dem Zweiten Weltkrieg um 90 Prozent gesunken sei und Nationalismus bei weitem nicht so stark wie früher.
Our World in Data
Hannah Ritchie
Hannah joined us in 2017. She became Deputy Editor and Science Outreach Lead at Our World in Data in 2023. She was previously Head of Research.She focuses on the long-term changes in the environment – energy, pollution, agriculture, food supply – and their compatibility with global development. Hannah completed her Ph.D. in GeoSciences at the University of Edinburgh.She is a researcher at the Oxford Martin Programme in Global Development, and an honorary fellow at the University of Edinburgh's School of Geosciences and Edinburgh’s Climate Change Institute. Her first book – Not the End of the World – looks at seven of our big environmental problems, and how to solve them. You can find more of her writing on her Substack – Sustainability by Numbers.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:15:15 „Wir sind in der Recherche auf einen Artikel von Hannah Ritchie gestoßen. Die Seite heißt Our World in Data, also unsere Welt in Daten.org. Und das sind mal wieder diese cleveren jungen Leute, ich glaube Oxford in dem Zusammenhang, die sich anschauen, wo sind wir eigentlich, wenn es um das Klima geht?“
Markus Lanz verweist auf Datenanalysen von Hannah Ritchie auf der Plattform Our World in Data, die zeigen, dass sich CO2-Ausstoß und Wirtschaftswachstum in reichen Ländern entkoppeln. Er nutzt die Daten als Gegenargument zum vorherrschenden Pessimismus und hebt hervor, dass Photovoltaik um 90 Prozent und Windkraft um 70 Prozent günstiger geworden sind.
Precht (ZDF-Sendung mit Ivan Krastev)
· 2012
Precht ist eine deutsche Philosophiesendung. Gast- und Namensgeber der Sendung ist der Philosoph und Publizist Richard David Precht, der in jeder Folge mit einem Gast aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft oder Politik eine aktuelle Frage des gesellschaftlichen Lebens erörtert.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:17:46 „Ich könnte dir eine gute Antwort geben, die nicht von mir ist, sondern ich habe am Sonntag, wird jetzt ausgestrahlt, eine Sendung, die ich wieder mal mit Ivan Krastev machen durfte.“
Richard David Precht erwähnt eine kommende Folge seiner ZDF-Sendung mit dem bulgarischen Politologen Ivan Krastev, in der er ihn zu Pessimismus und Zukunftsaussichten befragt hat. Krastev argumentiert, dass der europäische Pessimismus vor allem an der Überalterung der Gesellschaft und der europäischen Perspektive liege.
Enlightenment Now / The Better Angels of Our Nature
Steven Pinker · 2018
THE TOP TEN SUNDAY TIMES BESTSELLER 'Bristles with pure, crystalline intelligence, deep knowledge and human sympathy' Richard Dawkins Is modernity really failing? Or have we failed to appreciate progress and the ideals that make it possible? If you follow the headlines, the world in the 21st century appears to be sinking into chaos, hatred, and irrationality. Yet Steven Pinker shows that this is an illusion - a symptom of historical amnesia and statistical fallacies.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:20:04 „Die berühmten Pinker-Zahlen, über die wir hier schon oft geredet haben, von Steven Pinker, der gesagt hat, wie viele Menschen prozentual hungern denn heute, wie viele Menschen prozentual sterben denn in Kriegen, wann war es denn besser? Und dieses Pinker-Gefühl, das ist, glaube ich, sehr verbreitet in vielen Ländern des globalen Südens.“
Richard David Precht verweist auf Steven Pinkers bekannte Thesen, dass die Welt in vielen Kennzahlen besser geworden ist – weniger Hunger, weniger Kriegstote. Er argumentiert, dass dieses optimistische 'Pinker-Gefühl' zwar im globalen Süden verbreitet sei, Europäer diese Statistiken aber nicht emotional an sich heranlassen würden.
Zukunft – Eine Bedienungsanleitung
Florence Gaub · 2023
Ein Buch, das Ängste nimmt und den Blick nach vorn schärft FLORENCE GAUB hilft, die Zukunft zu denken, zu planen und persönlich zu gestalten. Denn diese ist das Resultat unseres individuellen Handelns. »Der Mensch ist das Wesen, das die Fähigkeit hat, sich die Zukunft so detailliert vorzustellen, dass er sie erschaffen kann«, sagt Florence Gaub, und das ist eine Nachricht voll Hoffnung.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:20:46 „Ich habe mit Florence Kaup letzte Woche darüber gesprochen, die dieses schöne Buch über die Zukunft eine Bedienungsanleitung gemacht hat. Und die sagt es, es ist interessanterweise so, in Russland ist seit dem Einmarsch in der Ukraine der Optimismus gewachsen.“
Markus Lanz bezieht sich auf Florence Gaubs Buch und ein Gespräch mit ihr über den Zusammenhang zwischen Handlungsfähigkeit und Optimismus. Er hebt ihr Beispiel hervor, dass in Russland nach dem Einmarsch in die Ukraine der Optimismus gestiegen sei, weil die Menschen das Gefühl hätten, aktiv etwas zu gestalten statt passiv betroffen zu sein.
Spiegel-Titel über das Jahr 1923
Die Zwiebelfisch-Kolumne des Spiegels erklärt die korrekte grammatikalische Verwendung der Genitivformen "dieses Jahres" und "diesen Jahres", zwei häufig verwechselte Ausdrücke. Durch sprachliche Regeln und historische Beispiele zeigt der Artikel, wann welche Form angemessen ist und wie sich der Sprachgebrauch im Zeitkontext entwickelt hat.
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:24:52 „Und es gab ja, wenn du dich erinnerst, Anfang des Jahres auch einen Spiegeltitel sogar dazu. Ein Horrorjahr haben die damals beschrieben und zwar nicht 2023, sondern 1923, wo aus der Inflation von 1922 dann im Jahre 23 eine Hyperinflation geworden ist.“
Markus Lanz verweist auf einen Spiegel-Titel, der das Jahr 1923 als historisches Horrorjahr beschrieb, um die aktuelle Lage in Perspektive zu setzen. Er nutzt den Vergleich mit der Hyperinflation von 1923, um zu zeigen, dass es historisch schon weitaus schlimmere Zeiten gab als die heutige.
Die Theorie des Romans
Georg Lukács · 1977
Die Theorie des Romans. Ein geschichtsphilosophischer Versuch über die Formen der großen Epik ist eine 1916 in der Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft erstmals veröffentlichte literaturtheoretische Studie von Georg Lukács (1885–1971). Sie gilt als einer der wichtigsten Beiträge zur Theorie des Romans.
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:29:32 „Von dem Philosophen Georg Lukacs. Wir leben in einer transzendentalen Obdachlosigkeit. Ich habe das schon mal genannt. Das ist ein schöner Begriff.“
Precht zitiert Georg Lukács' Begriff der 'transzendentalen Obdachlosigkeit', um das Lebensgefühl der 1920er Jahre zu beschreiben — den Verlust aller Orientierung nach dem Ersten Weltkrieg. Er kontrastiert Lukács' Diagnose mit Kants Geborgenheit unter dem bestirnten Himmel und nutzt den Begriff als Analysewerkzeug für die Gegenwart. Der Begriff stammt aus Lukács' 'Die Theorie des Romans'.
Kritik der praktischen Vernunft
Immanuel Kant · 1788
Kants zweites großes Hauptwerk von 1788 untersucht die Grundlagen moralischen Handelns. Er entwickelt den kategorischen Imperativ als oberstes Prinzip der Sittlichkeit und zeigt, dass Moral auf reiner Vernunft gründet – unabhängig von Neigungen und Erfahrung. Ein Schlüsselwerk der Ethik.
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:29:47 „Also bei Kant, Kant guckt in den bestirnten Himmel und fühlt sich in der Welt geborgen. Und Kant horcht in sich hinein und erkennt das Sittengesetz, der Mensch mit seiner Pflicht. Und diese beiden Dinge verankern den Menschen in der Welt.“
Precht paraphrasiert Kants berühmtes Zitat über den bestirnten Himmel und das moralische Gesetz aus dem Beschluss der 'Kritik der praktischen Vernunft', um den Kontrast zu Lukács' transzendentaler Obdachlosigkeit herzustellen. Kant steht hier für eine Epoche, in der der Mensch sich noch in der Welt geborgen fühlte — im Gegensatz zur Orientierungslosigkeit der 1920er Jahre.
Erklärung des Nahostkonflikts (Homepage-Artikel)
Jürgen Trittin
Analyse des Nahostkonflikts von Jürgen Trittin. Der Artikel bietet eine nüchterne und sachliche Erklärung des komplexen politischen Konflikts. Trittin, ehemaliger Grünen-Politiker und Publizist, liefert eine fundierte Darstellung der Hintergründe und Entwicklungen. Die Analyse zeichnet sich durch ausgewogene Betrachtung und detailliertes Fachwissen aus.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:38:15 „Auf seiner Homepage zum Beispiel kannst du aktuell gerade mal eine sehr nüchterne, aber wirklich gute Erklärung des Nahostkonfliktes finden. Empfehle ich wirklich sehr.“
Markus Lanz spricht über Jürgen Trittin, den er als Sendungsgast hatte. Er lobt Trittins publizistische Arbeit und empfiehlt ausdrücklich dessen aktuelle Analyse des Nahostkonflikts auf seiner persönlichen Homepage.
Mache die Welt
Richard David Precht · 2023
Im vierten Band seiner Philosophiegeschichte widmet sich Richard David Precht den großen Ideen der Moderne. Die Moderne provoziert die Philosophie! Der Raum als feste Größe der Physik verliert an Bedeutung, die Frage, was Materie ist, erscheint auf einmal erstaunlich unklar. Ebenso unklar ist die Frage, was Leben ist, und auch das Bewusstsein wird zunehmend zum Rätsel.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:42:09 „Und da kommst du jetzt ins Spiel, in deinem vierten Band der Philosophiegeschichte, Mache die Welt, da beschreibst du ja, wie sich auch wirklich schlaue Leute in diesen 20er Jahren zum Beispiel, innerhalb kürzester Zeit radikalisieren.“
Markus Lanz verweist auf Prechts vierten Band seiner Philosophiegeschichte, um die Parallele zwischen den 1920er Jahren und der Gegenwart zu vertiefen. Er nutzt das Buch als Brücke zum Thema Radikalisierung von Intellektuellen wie Heidegger und leitet damit eine ausführliche Diskussion über die Anfälligkeit kluger Menschen für extremistische Ideologien ein.
Das Prinzip Hoffnung
Ernst Bloch · 2016
Ernst Blochs frühes Hauptwerk ist dem schwierigen Verhältnis von offener materialistischer Philosophie und geschlossenem Systemansatz gewidmet und ringt dabei mit der idealistischen Metaphysik ebenso wie mit der Existenzphilosophie. Der vorliegende Band erschließt Das Prinzip Hoffnung auf dem neuesten Stand der Debatte und macht seine ungebrochene Aktualität für ein breites akademisches Publikum zugänglich.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:47:25 „Und dass solche Leute so lange mit Gewalt an etwas glauben wollten... Und das finde ich persönlich wahnsinnig interessant. Eine große Bildung und eine hohe Intellektualität und ein wacher und scharfer Geist schützen dich nicht davor, verbrecherischen Ideologien auf den Leim zu kriechen.“
Precht erwähnt Ernst Bloch und sein Hauptwerk 'Das Prinzip Hoffnung' im Kontext der Radikalisierung von Intellektuellen in den 1920er und 30er Jahren. Bloch dient als Beispiel für einen bedeutenden Philosophen, der trotz seiner Brillanz dem Stalinismus lange die Stange hielt — ein Beleg für Prechts These, dass Intellektualität nicht vor ideologischer Verblendung schützt.
Die Torheit der Regierenden
Barbara Tuchman · 2006
Die Torheit der Regierenden ist ein Buch von Barbara Tuchman, das 1984 in Deutschland und den USA („The March of Folly“) erschienen ist. Es untersucht anhand einer Vielzahl historischer Ereignisse „politisches Handeln wider das eigene Interesse“, wodurch Regierungen stürzten und Systeme untergingen. Diese Torheit bleibe weit hinter dem zurück, was die Menschheit „auf fast allen anderen Gebieten vollbracht hat.“ Tuchmans Ziel ist die Verstärkung kritischer Tendenzen, die Entwicklung der Fähigkeit...
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:49:18 „Also die große Historikerin Barbara Tutschmann, die dieses berühmte Buch geschrieben hat über die Torheit der Regierenden, damals von Troja bis zum Vietnamkrieg reichend, und sich die Frage gestellt hat, warum ist der Menschheitsfortschritt in der Politik so geringer als der Menschheitsfortschritt auf allen anderen Ebenen.“
Precht zieht Barbara Tuchmans Klassiker heran, um seine These zu untermauern, dass politisches Handeln primär emotional gesteuert ist. Tuchmans zentrale Frage — warum wiederholt die Menschheit in der Politik immer dieselben Fehler, während sie in Medizin, Technik und Kunst enorme Fortschritte macht — dient Precht als historischer Beleg dafür, dass Intelligenz nicht vor politischer Verblendung schützt.