Jahresrueckblick
Markus Lanz & Richard David Precht
In ihrem Jahresrückblick beginnen die beiden beim Januar und Boris Pistorius' Ernennung zum Verteidigungsminister — ein Mann, der vom niedersächsischen Innenminister zum beliebtesten Politiker Deutschlands aufstieg. Sie analysieren, warum ausgerechnet ein Verteidigungsminister diese Spitzenposition erreicht, und sehen den Schlüssel in seiner hemdsärmeligen Authentizität, die ihn von Vorgängern wie zu Guttenberg fundamental unterscheidet.
„Der hat so diese klassische alte sozialdemokratische Hemdsärmeligkeit, die man bei Sozialdemokraten immer ganz besonders geschätzt hat. Und die Olaf Scholz jetzt so gar nicht repräsentiert.“
Erwähnte Medien (11)
Top Gun
Tony Scott · 1986
Der junge Lieutenant Pete „Maverick“ Mitchell ist ein Kampfpilot bei der United States Navy. Bei einer heiklen Mission müssen Maverick und sein Waffensystemoffizier Nick „Goose“ Bradshaw die Befehle ihres Kommandanten „Stinger“ missachten, um einem Kameraden zu helfen, der eine Panikattacke bekommen hat. Dadurch werden Maverick und Goose von Stinger widerwillig für die Ausbildung bei der United States Navy Fighter Weapons School, genannt „Top Gun“, vorgeschlagen.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:03:29 „Überleg mal George W. Bush, der als er damals auf dem Flugzeugträger stand, in seiner, ich weiß nicht, Marschallsuniform... Und dann dachte ich, ja okay, der freut sich jetzt und denkt, der ist Tom Cruise und gibt geile Fotos und so.“
Precht vergleicht Politiker in Militärkleidung und erwähnt George W. Bushs berühmten Auftritt auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln 2003. Der Vergleich mit Tom Cruise auf einem Flugzeugträger ist eine implizite Referenz auf den Film Top Gun.
Artikel über die Gefahren beim Öffnen von Grabstätten
Ob bei Indiana Jones oder Die Mumie: In Filmen warten in Grabstätten oft gefährliche Fallen und giftige Substanzen auf Archäologen. Alles Fiktion – oder gab es solche Schutzmaßnahmen wirklich?
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:05:08 „In National Geographic habe ich einen bahnbrechenden Artikel gelesen zu der Frage, wie gefährlich ist das Öffnen von Grabstätten. Den finde ich deswegen sehr interessant, weil ich schon als Zehnjähriger beim Lesen von Tim und Struppi, und zwar die sieben Kristallkugeln, auf einen Gedanken gestoßen bin, der mich nachhaltig beschäftigt hat.“
Precht erwähnt einen Artikel aus dem National Geographic über die Gefahren beim Öffnen antiker Grabstätten, insbesondere über Abwehrmechanismen wie die des ersten Kaisers von China. Der Artikel dient als Aufhänger für eine Diskussion über den 'Fluch der Pharaonen' und historische Grabschutzmechanismen.
Die sieben Kristallkugeln
Hergé · 2000
Die sieben Kristallkugeln (französischer Originaltitel: Les 7 boules de cristal) ist der dreizehnte Band der Reihe Tim und Struppi des belgischen Comiczeichners Hergé. Diese Geschichte erschien ab dem 16. Dezember 1943 in der Zeitung Le Soir. Da Hergé nach der Befreiung Belgiens von der deutschen Besatzung politische Schwierigkeiten – wegen angeblicher Kollaboration mit dem Feind – hatte, dauerte die Erstveröffentlichung bis 1946.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:05:24 „Ich schon als Zehnjähriger beim Lesen von Tim und Struppi, und zwar die sieben Kristallkugeln, auf einen Gedanken gestoßen bin, der mich nachhaltig beschäftigt hat. Und da geht es darum, dass irgend so eine Expedition mit französischen, belgischen, was weiß ich was Forschern in Tim- und Struppiland Inka-Mumien ausgegraben hat und die nach Europa bringt, um sie da auszustellen.“
Precht erzählt, wie er als Kind durch diesen Tim-und-Struppi-Band auf die ethische Frage gestoßen ist, ob man Grabstätten anderer Kulturen öffnen und deren Artefakte nach Europa bringen darf. Er stellt eine Verbindung zu einem National-Geographic-Artikel über die Gefahren beim Öffnen von Grabstätten her und betont, dass Hergé diese postkoloniale Debatte Jahrzehnte vorweggenommen habe.
David (Skulptur)
Michelangelo
Eine Schulleiterin in Florida verliert ihren Job, nachdem sie Schülern Michelangelos David ohne vorherige Elternbenachrichtigung gezeigt hatte. Die Skulptur wurde von konservativen Eltern als pornographisch kritisiert. Der Fall verdeutlicht den Konflikt zwischen künstlerischer Bildung und puritanischen Moralvorstellungen in den USA und wirft Fragen über die Zensur von Kunstwerken in Schulen auf.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:07:38 „Florida verbietet die Davidskultur von Michelangelo. Weil sie als Pornografie wahrgenommen wird. Und dann muss die Leiterin dieser Schule ihren Posten räumen, nachdem ihr der Vorsitzende der Schulbehörde ein Ultimatum gestellt hat.“
Lanz und Precht diskutieren den Fall einer Schulleiterin in Florida, die entlassen wurde, weil sie Schülern Michelangelos David-Skulptur ohne vorherige Elterninformation gezeigt hatte. Dies führt zu einer breiten Diskussion über Nacktheit in der Kunst, Puritanismus in Amerika und die Doppelmoral der modernen Gesellschaft.
Die Erschaffung Adams (Deckenfresko, Sixtinische Kapelle)
Michelangelo
Michelangelos berühmtes Deckenfresko aus der Sixtinischen Kapelle zeigt die biblische Schöpfung des Menschen, mit Adam und Gott als zentrale Figuren. Das Werk wurde im Florida-Schulskandal als unangemessen für den Unterricht von Elf- und Zwölfjährigen eingestuft und sollte nicht in diesen Klassen gezeigt werden. Es ist eines der bedeutendsten Meisterwerke der Renaissancekunst und prägt bis heute unsere Wahrnehmung klassischer Kunstgeschichte.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:08:49 „Also einmal Michelangelo, die Erschaffung Adams, kennt man. Und Botticelli, die Geburt der Venus, kennt man auch. Und dann sagt man, nee, das darf nicht gezeigt werden, das irre ist.“
Im Zusammenhang mit dem Florida-Schulskandal erwähnt Lanz zwei weitere Kunstwerke, die ebenfalls als problematisch eingestuft wurden. Die Erschaffung Adams wird als eines der Gemälde genannt, die im Unterricht für Elf- und Zwölfjährige nicht gezeigt werden sollten.
Die Geburt der Venus (La nascita di Venere)
Sandro Botticelli
Sandro Botticellis Renaissance-Meisterwerk wird im Rahmen eines US-amerikanischen Schulskandals als nicht unterrichtstauglich eingestuft, weil es weibliche Nacktheit zeigt. Der Fall verdeutlicht die Absurdität, mit der klassische Kunstwerke in einigen US-Bundesstaaten zensiert werden. Das Gemälde steht exemplarisch für die Spannung zwischen künstlerischem Erbe und restriktiver Schulpolitik.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:08:49 „Also einmal Michelangelo, die Erschaffung Adams, kennt man. Und Botticelli, die Geburt der Venus, kennt man auch. Und dann sagt man, nee, das darf nicht gezeigt werden, das irre ist.“
Botticellis berühmtes Gemälde wird als zweites Kunstwerk genannt, das im Rahmen des Florida-Schulskandals als nicht unterrichtstauglich eingestuft wurde. Die Erwähnung unterstreicht die Absurdität, dass Renaissance-Meisterwerke in den USA als pornografisch gelten können.
Gewalt und Leidenschaft
Luchino Visconti · 1974
Der Alltag eines gemütlichen Professors wird von seinen neuen Mietern gehörig aufgemischt. Die Lebenslust seiner Untermieter sorgt für reichlich Turbulenzen. Zunächst ist der Professor eher genervt, doch nach und nach lässt er sich von ihrem Lebenshunger anstecken...
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:25:08 „Also abgesehen davon, dass er nun wirklich in den Visconti-Filmen richtig gut aussieht. Am besten sieht er in dem Film aus Gewalt und Leidenschaft von Visconti.“
Im Nachruf auf den verstorbenen Helmut Berger erinnert Precht an dessen Filmkarriere. Er hebt 'Gewalt und Leidenschaft' als den Visconti-Film hervor, in dem Berger am besten ausgesehen habe, und kontrastiert das mit dessen Rolle als Bayernkönig Ludwig.
Ludwig
Luchino Visconti · 1973
1864 wird Ludwig II. zum König von Bayern gekrönt. Eine erste Amtshandlung ist die Förderung des Komponisten Richard Wagner. Dieser wird nach München geholt und großzügig mit finanziellen Mitteln ausgestattet. Ludwig bemerkt nicht, dass Wagner ein Verhältnis mit Cosima von Bülow hat; als er die Wahrheit erfährt, fühlt er sich hintergangen und bittet Wagner, München zu verlassen.
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:25:09 „Ich fand ihn in der Rolle des Bayernkönigs Ludwig, da sah er nicht so gut aus mit seinen dunklen Haaren. Aber er war natürlich ein sehr attraktiver Mann.“
Precht erwähnt Viscontis Ludwig-Film beiläufig im Vergleich zu 'Gewalt und Leidenschaft'. Er findet, dass Helmut Berger in der Rolle des Bayernkönigs weniger gut aussah als in anderen Visconti-Filmen.
Kissinger-Dokumentation
Die Dokumentation zeigt ein Langzeit-Interview mit Henry Kissinger in seinem Gästehaus, in dem er Journalisten seine Lebensgeschichte erzählt. Die Reportage beleuchtet kritisch seine politischen Entscheidungen und deckt dabei Widersprüche und Ungenauigkeiten in seinen Darstellungen auf — insbesondere bezüglich seiner Rolle beim chilenischen Putsch 1973 und seines Verhältnisses zu Bundeskanzler Willy Brandt.
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:33:12 „Zu diesem Anlass gab es auf Arte in der Mediathek, für diejenigen, die sich nicht Zeit ihres Lebens mit ihm befasst haben, eine sehr, sehr gute, auch schon 10, 15 Jahre alte Reportage. Da hat Henry Kissinger in sein Gästehaus geladen, die Journalisten oder den Journalisten und hat gesagt, wenn wir so richtig reinen Tisch machen und mal aus seinem Leben erzählen.“
Nach dem Tod Henry Kissingers empfiehlt Precht eine Dokumentation auf Arte, vermutlich eine WDR-Produktion, in der Kissinger Journalisten einlud und seine Lebensgeschichte erzählte — dabei aber nachweislich falsche Behauptungen aufstellte, etwa über seine Rolle beim Pinochet-Putsch 1973 oder sein Verhältnis zu Willy Brandt. Precht lobt die Doku als 'sehr, sehr gut', weil sie diese Widersprüche aufdeckt.
Magnum, P.I.
· 1980
Thomas Sullivan Magnum IV lebt auf Oahu, Hawaii, auf einem ansehnlichen, rund 80 Hektar großen Grundstück am Calagua Drive im Gästehaus des berühmten Schriftstellers Robin Masters, der selbst jedoch nie zu sehen ist. Masters erscheint nur andeutungsweise in wenigen Folgen, da er ständig unterwegs ist. Magnum ist ehemaliger Marine-Offizier (bis zu seinem 33.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:42:32 „Erinnert mich so ein bisschen an Higgins. Higgins von Magnum. Da ist ja Higgins der Hausverwalter. Aber ich gehöre zu jenen Verschwörungstheoretikern, die der festen Überzeugung sind, dass Higgins in Wirklichkeit Robin McMasters ist, also der Besitzer des Ganzen.“
Anlass ist die Geschichte des heimlichen Multimillionärs Jeffrey Holtz, der als bescheidener Hausmeister lebte. Precht zieht die Parallele zur TV-Serie Magnum, in der Higgins offiziell nur Hausverwalter ist, aber laut Prechts persönlicher Theorie in Wirklichkeit der Besitzer Robin McMasters selbst sei, der die bescheidene Rolle genießt.
Enzyklopädie der Säugetiere
· 2007
Der Wickelbär (Potos flavus), manchmal auch Honigbär genannt, ist eine in Zentralamerika und in großen Teilen Südamerikas lebende Art der Kleinbären (Procyonidae). Von allen anderen Kleinbären unterscheidet er sich durch einen langen, greiffähigen Schwanz, den er geschickt zum Klettern einzusetzen vermag. Er ernährt sich überwiegend von Früchten. Wickelbären sind nachtaktive Baumbewohner.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:46:29 „Also ich habe hier vor mir die große Enzyklopädie der Säugetiere liegen, in der tatsächlich alle Säugetiere aufgeführt werden. Und da taucht er nicht mehr drin auf. Weil er als ausgestorben gilt.“
Precht erzählt vom De Wintons Goldmull, der 87 Jahre lang als ausgestorben galt und nun wiederentdeckt wurde. Er verweist auf seine eigene Enzyklopädie der Säugetiere, in der das Tier nicht mehr aufgeführt ist — als Beleg dafür, wie vollständig es aus dem wissenschaftlichen Bewusstsein verschwunden war.