Lanz & Precht – Der Fall Julian Assange
#130

Der Fall Julian Assange

Lanz & Precht / 01. März 2024 / 10 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Nach der Nawalny-Folge fordern viele Hörer eine Sendung über Julian Assange — die Hosts liefern und sezieren, warum die öffentliche Debatte die beiden Fälle ständig gegeneinander ausspielt: Wer ein positives USA-Bild hat, hält Nawalny für wichtiger; wer die USA kritisch sieht, ruft nach Assange. Dabei verbinde beide derselbe rücksichtslose Mut, sich mit übermächtigen Gegnern anzulegen, obwohl sie genau wussten, was ihnen blüht.

„Kann man nicht anerkennen, dass beide auf ihre Art und Weise ohne Rücksicht auf eigene Verluste den Mut hatten, gegen Herrschende vorzugehen, gegen sehr, sehr mächtige Gegner vorzugehen, von denen sie wussten, wie die mit ihnen umspringen würden?“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (10)

Pentagon Papers

Pentagon Papers

Daniel Ellsberg

Die Pentagon Papers sind eine umfassende Untersuchung der US-Militärpolitik im Vietnamkrieg, basierend auf klassifizierten Regierungsdokumenten. Das Werk deckt die Diskrepanzen zwischen öffentlicher Darstellung und tatsächlichen Militäreinsätzen auf und offenbarte ein System systematischer Fehlinformation. Ellsbergs Veröffentlichung gilt als Meilenstein für politische Transparenz und Accountability.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:06:32 „1971 hat Daniel Ellsberg, der im Pentagon arbeitete, der New York Times und der Washington Post 7000 Seiten illegal kopierte Papiere zur Verfügung gestellt. Die Pentagon Papers haben das Ansehen des US-amerikanischen Krieges, Engagements in Vietnam irreparabel beschädigt.“

Precht zieht eine historische Parallele zwischen den Pentagon Papers und WikiLeaks, um die Diskussion über Assange einzuordnen. Er argumentiert, dass Ellsberg damals genau das Gleiche getan hat wie Assange — geheime Dokumente veröffentlicht, die Kriegsverbrechen und Lügen der US-Regierung aufdeckten — und heute als Held gilt.

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Pentagon Papers

Pentagon Papers

Daniel Ellsberg

Die Pentagon Papers von 1971: Daniel Ellsberg, ein Pentagon-Mitarbeiter, gab der New York Times und der Washington Post 7000 Seiten klassifizierter Dokumente über Regierungslügen zum Vietnamkrieg. Ein Meilenstein des investigativen Journalismus und Wendepunkt in der Geschichte des Whistleblowings.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:07:47 „1971 hat Daniel Ellsberg, der im Pentagon arbeitete, Der New York Times und der Washington Post 7000 Seiten illegal kopierte Papiere zur Verfügung gestellt. Über den Vietnamkrieg. Die Pentagon Papers.“

Precht nutzt die Pentagon Papers als historischen Vergleichsfall zu Wikileaks, um die Frage aufzuwerfen, wo der Unterschied zwischen Ellsbergs Heldentat und Assanges Veröffentlichungen liegt

Zum Artikel bei New York Times Details
Die Verlegerin

Die Verlegerin

Steven Spielberg · 2017

In den 1970er Jahren übernimmt Katharine „Kay“ Graham das Unternehmen ihrer Familie – die Washington Post – und wird so zur ersten Zeitungsverlegerin der USA. Schon bald darauf sieht sie sich in eine Auseinandersetzung von ungeheuren Ausmaßen mit der amerikanischen Regierung verwickelt, als sie gemeinsam mit dem ehrgeizigen Redakteur Ben Bradlee auf eine Story über vier US-Präsidenten und deren jeweiliges geheimes Wissen über Amerikas Rolle im Vietnam-Krieg stößt.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:09:15 „So wird das heute auch gesehen. 2017 ist der Film Die Verlegerin in die Kinos gekommen mit Meryl Streep. Zwei Oscar-Nominierungen. Ja, super Film. Der das alles berichtet.“

Precht erwähnt den Film als Beleg dafür, dass die Veröffentlichung der Pentagon Papers heute als Heldentat angesehen wird. Er nutzt den Film als Brücke zu seiner Fangfrage an Lanz: Wo liegt der grundsätzliche Unterschied zwischen Ellsbergs Tat und dem, was Assange getan hat?

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Bedingt abwehrbereit

Bedingt abwehrbereit

Rudolf Augstein

Die Stationen seiner Karriere Rudolf Augstein wurde am 5. November 1923 in Hannover geboren. Nach dem Abitur 1941 arbeitete er unter anderem als Volontär beim Hannoverschen Anzeiger., Im Anschluss an das Volontariat wurde Augstein zum Arbeitsdienst eingezogen…

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:12:58 „Rudolf Augstein, der damals also geheime militärische Papiere im Spiegel veröffentlicht hat. Muss man einmal kurz erklären. Rudolf Augstein, der Gründer, Herausgeber des Spiegels. Der hatte also militärische Papiere veröffentlicht, bedingt abwehrbereit, hieß die Geschichte dazu“

Precht vergleicht die Spiegel-Affäre von 1962 mit dem Fall Assange als Beispiel für einen politischen Gefangenen wegen journalistischer Veröffentlichungen

Zum Artikel bei Spiegel Details
Collateral Murder

Collateral Murder

WikiLeaks · 2010

Dokumentation des US-Hubschrauberangriffs vom 12. Juli 2007 auf Zivilisten in Bagdad, das WikiLeaks veröffentlichte. Das Video zeigt den Einsatz einer Zielkamera und die zynischen Reaktionen der Piloten auf getötete Zivilisten, einschließlich eines verletzten Kameramanns und Kindern in einem Kleinbus. Das Material wurde zum Kernstück der internationalen Debatte über Julian Assange und WikiLeaks sowie zum Symbol für militärische Intransparenz.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:14:38 „Wenn wir über Julian Assange reden, dann reden wir vor allen Dingen über Videoaufnahmen, die ihn und Wikileaks weltberühmt gemacht haben. Wir reden über die Aufnahmen, wir haben die alle noch im Kopf, also wenn man einmal darüber liest, dann taucht das sofort wieder auf. Die Aufnahmen dieser Zielkamera, dieses Kampfhubschraubers über Bagdad.“

Lanz beschreibt ausführlich das berühmte WikiLeaks-Video vom 12. Juli 2007, das einen US-Hubschrauberangriff auf Zivilisten in Bagdad zeigt. Er schildert die verstörenden Details — den verletzten Kameramann, die zynischen Kommentare der Soldaten, den beschossenen Kleinbus mit zwei Kindern — als zentrales Dokument der Assange-Debatte.

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Apocalypse Now

Apocalypse Now

Francis Ford Coppola · 1979

Im Jahr 1969, mitten im Vietnamkrieg, erhält Captain Benjamin L. Willard den Auftrag, den abtrünnigen Colonel Walter E. Kurtz zu liquidieren. Dieser hat sich von der amerikanischen Militärführung distanziert und lässt sich nicht mehr kontrollieren. Im kambodschanischen Dschungel hat er sich ein eigenes „Reich“ aufgebaut, über das er gebieterisch herrscht. Captain Willard macht sich in einem Patrouillenboot samt Besatzung von Saigon aus auf den Weg durch den Dschungel.

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:15:51 „Irgendwie eine Szene wie aus Apokalypsen. Ja, wirklich. Genau. Genau so muss man sich das vorstellen.“

Lanz vergleicht die verstörenden Hubschrauber-Aufnahmen aus Bagdad mit dem Film Apocalypse Now, um die surreale Brutalität der Szene zu verdeutlichen. Der Vergleich fällt beiläufig, als er die zynischen Kommentare der US-Soldaten beim Beschuss von Zivilisten beschreibt.

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Panama Papers

Panama Papers

Süddeutsche Zeitung / ICIJ

Die Panama Papers sind ein massiver Leak von über 11,5 Millionen Finanz- und Rechtsdokumenten, der vom International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) enthüllt wurde. Der Leak deckt auf, wie ein globales System von geheimen Offshore-Firmen Kriminelle, Korruptionsakteure und andere illegal handelnde Personen ermöglicht. Die Dokumente stammen von Panamanian Quellen und offenbaren die Mechanismen zur Verschleierung von Vermögen und illegalen Aktivitäten weltweit. Die Veröffentlichung durch das ICIJ Netzwerk stellt einen bedeutenden Dokumentarjournalismus-Coup dar, der die Verflechtung zwischen Finanzindustrie, Rechtsanwälten und Politikern aufzeigt.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:18:14 „Das sind ganz tolle investigative Journalisten, die sich monatelang in irgendwelchen Kellern, wo irgendwelche Server stehen und so weiter, eingraben und dann diese Panama Papers in dem Fall zum Beispiel scannen. Über Monate hinweg.“

Markus Lanz vergleicht die Arbeitsweise von Wikileaks mit der sorgfältigen investigativen Arbeit der Süddeutschen Zeitung bei den Panama Papers. Er betont den Unterschied im Quellenschutz und der redaktionellen Aufbereitung als Argument dafür, warum Assanges Vorgehen nicht als klassischer Journalismus gelten könne.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung Details
Schachnovelle

Schachnovelle

Stefan Zweig · 2024

"Ich war durch meine fürchterliche Situation gezwungen, diese Spaltung in ein Ich Schwarz und ein Ich Weiß zumindest zu versuchen, um nicht erdrückt zu werden von dem grauenhaften Nichts um mich." (Zitat auf S. 32 in diesem Buch) Das berühmteste Werk von Stefan Zweig, die Schachnovelle, ist zugleich sein Letztes: Geschrieben von 1938 bis 1941 im brasilianischen Exil, erschien es zuerst in Buenos Aires in einer Auflage von 300 Exemplaren. Heute ist es ein millionenfacher Bestseller.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:30:48 „Da denkt jeder an die Schachnovelle. Also der Kontaktentzug macht wahnsinnig.“

Lanz vergleicht die Isolationshaft von Assange mit der psychischen Zerstörung durch Isolation, wie sie in der Schachnovelle beschrieben wird

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Der Mauretanier

Der Mauretanier

· 2021

Auf Befehl der US-Regierung wurde der Mauretanier Mohamedou Ould Slahi vor Jahren auf den Militärstützpunkt Guantanamo verschleppt und wird dort immer noch ohne Anklage oder Gerichtsverfahren festgehalten. Durch unzählige Verhöre und Folter längst aller Hoffnung beraubt, ist Slahi überrascht, als sich die Anwältin Nancy Hollander und ihre Kollegin Teri Duncan plötzlich für seinen Fall interessieren.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:34:14 „Also ich hatte dir beim letzten Mal erzählt von dem Mauritanier, diese wahre Geschichte von jemandem, der für einen der wichtigen Drahtzieher des 11. September gehalten wurde und dann sehr lange in Guantanamo war.“

Precht verweist auf die Geschichte von Mohamedou Ould Slahi, der unschuldig jahrelang in Guantanamo festgehalten wurde – bekannt durch den Film 'The Mauritanian' (2021) bzw. das zugrundeliegende Buch. Er nutzt den Fall als Gegenargument zu Lanz' Einschätzung, dass die USA im Fall Assange letztlich fair handeln würden: Selbst Obama habe Slahis Freilassung trotz erwiesener Unschuld jahrelang verzögert.

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Ein verheißenes Land

Ein verheißenes Land

Barack Obama · 2020

Ein fesselnder und zutiefst persönlicher Bericht darüber, wie Geschichte geschrieben wird – von dem US-Präsidenten, der uns inspirierte, an die Kraft der Demokratie zu glauben In diesem mit Spannung erwarteten ersten Band seiner Präsidentschaftserinnerungen erzählt Barack Obama die Geschichte seiner unwahrscheinlichen Odyssee vom jungen Mann auf der Suche nach seiner Identität bis hin zum führenden Politiker der freien Welt.

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:38:40 „Ich weiß, wie, das habe ich damals in der Beschäftigung mit der Biografie von Obama, da geht es nämlich auch darum. Und man ist ja irritiert und sagt, warte mal, so einer wie Obama, Friedensnobelpreisträger, von dem viele sagen, der gehört ja zu den Guten. Der ist da sehr hart in dieser Sache.“

Lanz erwähnt seine frühere Beschäftigung mit einer Obama-Biografie, in der auch dessen harte Haltung gegenüber Whistleblowern thematisiert wird. Er zeigt sich überrascht, dass ausgerechnet Obama als Friedensnobelpreisträger in Sachen Assange und Whistleblowing so unnachgiebig war. Der genaue Titel der Biografie wird nicht genannt – es könnte Obamas eigene Memoiren oder eine Fremdbiografie sein.

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