Lanz & Precht – Kimmel Ruhs und die Meinungsfreiheit
#212

Kimmel Ruhs und die Meinungsfreiheit

Lanz & Precht / 26. September 2025 / 10 Medien

Markus Lanz, Richard David Precht

Ausgangspunkt ist die Frage, ob jemals so intensiv über Meinungsfreiheit diskutiert wurde wie gerade — in Amerika wie in Deutschland. Precht zeichnet anhand der Allensbach-Umfragen nach, wie das Gefühl freier Meinungsäußerung in den 80er und 90er Jahren seinen Höhepunkt erreichte und seither dramatisch abgestürzt ist, besonders steil während Corona. Der historische Bogen reicht zurück in die restriktiven 50er Jahre der Adenauer-Republik, als Homosexualität strafbar war und Kommunismusverdacht Gefängnis bedeuten konnte.

„Mittlerweile glaubt mehr als die Hälfte der Bevölkerung oder gibt bei der Meinungsumfrage an, dass man in Deutschland nicht frei seine Meinung sagen kann, sondern dass man da vorsichtig sein wird und sich gut überlegen, was man sagt.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (10)

Interview mit Till Reiners im Tagesspiegel

Interview mit Till Reiners im Tagesspiegel

Till Reiners

Der Artikel diskutiert die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als Garant für Meinungsfreiheit und Demokratie. Im Zentrum steht die Frage, ob die ÖRR ihrer Gründungsidee nach dem Zweiten Weltkrieg noch gerecht werden – sie sollten als Schutzwall gegen Propaganda und Zensur fungieren. Der Artikel setzt sich dafür ein, dass die Öffentlich-Rechtlichen sich wieder stärker auf ihren ursprünglichen Auftrag besinnen.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:05:21 „Ich muss gerade denken an Till Reiners, liebe Grüße an der Stelle. Till hat neulich im Tagesspiegel, glaube ich war es, ein interessantes Interview gegeben und sagte, der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist nach dem Krieg geschaffen worden, damit Nazis nie wieder mit ihrer Propaganda durchdringen können.“

Markus Lanz zitiert ein Interview des Comedians Till Reiners im Tagesspiegel, in dem dieser die ursprüngliche Gründungsidee des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verteidigt. Reiners' Aussage dient als Brücke zur Diskussion über die Rolle des ÖRR als Schutzinstrument der Demokratie und Meinungsfreiheit.

Zum Artikel bei Tagesspiegel Details
K Artikel

Kommentar/Analyse zur 39-Prozent-Regel und FCC

Ronan Steinke

Der Artikel analysiert die FCC-39-Prozent-Regel und ihre Auswirkungen auf die Unabhängigkeit von Medienkonzernen. Am Beispiel der Absetzungen von Late-Night-Showmastern wird aufgezeigt, wie politische Akteure regulatorische Mittel zur Kontrolle von Medienmacht einsetzen können. Die Analyse verdeutlicht, wie solche Machtverhältnisse die Vielfalt in der Berichterstattung gefährden und Demokratien durch konzentrierte Meinungsmacht bedrohen.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:16:32 „Und das wurde dann, darauf hat Steinke eben hingewiesen, allgemein so interpretiert, dass man sagt, die Sache lösen heißt, wir nehmen euch die Lizenzen weg. [...] Es bewahrt eine Demokratie davor, so beschreibt das auch Steinke, das Meinungsmacht allzu sehr in der Hand von ein paar Medienkartellen.“

Markus Lanz erklärt die Mechanismen hinter der Absetzung von Jimmy Kimmel und Stephen Colbert und beruft sich dabei mehrfach auf eine Analyse von Steinke zur 39-Prozent-Regel der FCC und zur Erpressbarkeit von Medienkonzernen durch die Trump-Administration.

Zum Artikel bei Forum-recht-online.de Details
Klar

Klar

Julia Ruß · 2025

Im sommerlichen Schweden verschlägt es Klara mit ihrer Mutter aufs Land. Um schnell neue Freunde zu gewinnen, behauptet Klara, dass sie eine klasse Reiterin ist. Eine faustdicke Lüge, denn Klara kann nicht reiten, und ein Pferd hat sie auch nicht. Gut, dass sie den Nachbarsjungen Jonte kennenlernt. Zusammen mit Jonte und dem Pferd Star macht sich Klara daran, allen zu beweisen, was in ihr steckt. Dabei muss sie mehr als ein Hindernis überwinden und über ihren eigenen Schatten springen.

🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:22:55 „Und damit sind wir sozusagen mittendrin, Richard, in der Debatte um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Wir sind beim Fall Julia Ruß. Damit sind wir bei diesem Format namens Klar und der Frage, wie viel Meinungsvielfalt lässt eigentlich der öffentlich-rechtliche Rundfunk zu?“

Das NDR-Format 'Klar' mit Moderatorin Julia Ruß ist der aktuelle Anlass der Debatte. Es wurde als Versuch gestartet, ein konservativeres Meinungsspektrum im ÖRR abzubilden, stieß aber intern auf Widerstand. Precht kritisiert, dass die Moderatorin letztlich für etwas geopfert wurde, das die Programmverantwortlichen selbst angestoßen hatten.

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ZAK

ZAK

Friedrich Küppersbusch · 2011

WDR-Kulturmagazin mit freien, metaphernreichen Anmoderationen ohne Teleprompter. Die Sendung bot intellektuelle Medienkritik und gesellschaftliche Debatten mit originärer Sprachkunst. Ein Beispiel für die verlorene Meinungsvielfalt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:29:17 „Weil du vorhin Friedrich Küppersbusch sagtest, der hat ja eine ganze Generation beeinflusst, unter anderem auch mich mit Zack damals, wenn du dich erinnerst. Ich habe das immer wahnsinnig gerne geguckt, wegen dieser Anmoderation.“

Lanz nennt Friedrich Küppersbuuschs WDR-Sendung 'Zak' als persönliche Prägung. Er bewunderte vor allem die freien, metaphernreichen Anmoderationen ohne Teleprompter. Precht stimmt begeistert zu und lobt Küppersbuuschs Sprachkunst als einzigartig im deutschen Fernsehen. Die Sendung steht exemplarisch für die verlorene Meinungsvielfalt im ÖRR.

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Allensbach-Umfrage zur gefühlten Meinungsfreiheit

Allensbach-Umfrage zur gefühlten Meinungsfreiheit

Allensbach-Umfrage zur wahrgenommenen Meinungsfreiheit in Deutschland. Zeigt, dass junge Menschen heute deutlich mehr Angst vor freier Meinungsäußerung haben – aufgewachsen mit Cancel Culture und Shitstorms als Sanktionsmechanismen. Empirischer Beleg für sinkende gefühlte Meinungsfreiheit trotz unveränderter Gesetzeslage.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:32:02 „Und da ist einfach das Ergebnis der Allensbach-Umfrage, dass diese Angst heute viel, viel größer ist, vor allem bei der jungen Generation. Ich meine, die junge Generation ist mit Cancel Culture und Shitstorms als Waffen aufgewachsen.“

Precht verweist auf eine Allensbach-Umfrage, die belegt, dass insbesondere junge Menschen heute deutlich mehr Angst haben, ihre Meinung frei zu äußern. Er nutzt das Ergebnis als empirischen Beleg für seine These, dass die gefühlte Meinungsfreiheit – trotz unveränderter Gesetzeslage – stark abgenommen hat.

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K Serie

Klar (TV-Format ARD)

· 2025

Politisches TV-Magazin

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:36:05 „Die Kritik, die sich an Klar und an Julia Ruß entzündet hat, die hat ja was damit zu tun, glaube ich, mit insbesondere der Wortwahl, dem Framing sozusagen dieses Formats. Und darüber, glaube ich, müssen wir einmal kurz sprechen.“

Das ARD-Format 'Klar', moderiert von Julia Ruß und produziert von BR und NDR, steht im Zentrum der Debatte. Eine Sendung zum Thema Migration löste massive interne Kritik aus – 250 NDR-Mitarbeiter schrieben einen Protestbrief. Lanz und Precht diskutieren ausführlich das Framing der Sendung und den Umgang mit der Moderatorin.

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Angststillstand. Warum die Meinungsfreiheit schwindet

Angststillstand. Warum die Meinungsfreiheit schwindet

Richard David Precht

»Das Thema Meinungsfreiheit ist zu wichtig und zu dringend, um es den Rechtspopulisten zu überlassen.« Studien zufolge ist mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung der Ansicht, ihre Meinung nicht mehr frei äußern zu können. Woran liegt das? Je mehr Menschen heute ihre Individualität ausdehnen und die Dinge ›persönlich‹ nehmen, umso leichter fühlen sie sich gekränkt.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:49:34 „Genau, du hast sie geschrieben. Ich habe vorab darin gelesen, du hast ein neues Buch, an dem du jetzt, glaube ich, sehr, sehr lange gearbeitet hast. Und ich finde, das ist genau der Punkt. Es geht darum, diese Muster zu verstehen und zu kapieren, auf welcher Bahn wir da gerade sind.“

Lanz liest eine längere Passage vor, in der es um den strukturellen Freiheitsverlust und schwindende Meinungsfreiheit geht, und enthüllt dann, dass diese Sätze aus Prechts neuem, noch unveröffentlichten Buch stammen. Precht hat offenbar lange daran gearbeitet; das Buch analysiert, wie gesellschaftliche Mechanismen die gefühlte Meinungsfreiheit einschränken.

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Mehr Verständnis wagen

Mehr Verständnis wagen

Daniel Eggers · 2025

In einer Welt des ständigen Wandels zeichnen sich die stärksten und resilientesten Unternehmen durch eine klare Zukunftsvision aus: Der Wandel wird als treibende Kraft für Wachstum, positive Veränderung und als Katalysator für Innovation und Verantwortung verstanden. Der technologische Fortschritt, gesellschaftliche Transformationen und volatile Märkte verlangen von Unternehmen eine ständige Anpassung und Weiterentwicklung.

🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:52:16 „Ich würde gerne zum Schluss noch an Gedanken aufgreifen von Daniel Eggers. Das ist ein Regensburger, glaube ich, Historiker, der vor einiger Zeit schon, schon ein paar Monate her in der Zeit, einen sehr interessanten Essay geschrieben hat, mit der Überschrift, glaube ich, »Mehr Verständnis wagen«.“

Lanz greift am Ende der Sendung einen Essay des Historikers Daniel Eggers auf, der in der ZEIT erschienen ist. Der Essay fordert das Prinzip der wohlwollenden Interpretation ein – also den Versuch, Aussagen anderer zunächst so zu verstehen, wie sie gemeint sind, statt ihnen das Schlechteste zu unterstellen. Lanz nutzt den Text als konstruktiven Ausweg aus der zuvor diskutierten Meinungsfreiheits-Debatte.

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P Buch

Poetik und Hermeneutik (Forschungsgruppe/Publikationsreihe)

· 2017

Die in den frühen 60er Jahren gegründete Forschungsgruppe "Poetik und Hermeneutik" hat maßgeblichen Anteil an der intellectual history der Bundesrepublik. Das vorliegende Buch ist die erste wissenschaftsgeschichtliche Monographie zu dieser bemerkenswerten 'Akademie'. Hans Robert Jauß, Hans Blumenberg und Clemens Heselhaus - allesamt ordentliche Professoren für Romanistik, Philosophie und Germanistik in Gießen - luden im Sommer 1963, achtzehn Jahre nach dem Ende der Nationalsozialistischen Diktat...

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:55:04 „Und in den Literaturwissenschaften gab es eine Forschungsgruppe. Das waren die ganz großen Genies, interdisziplinär. Literaturwissenschaftler waren auch Philosophen, Theologen, Historiker dabei. Die nannte sich Poetik und Hermeneutik. Die haben sich so 20 Jahre lang getroffen und immer ein Thema diskutiert.“

Precht erinnert an die interdisziplinäre Forschungsgruppe 'Poetik und Hermeneutik', die über etwa 20 Jahre hinweg regelmäßig Themen diskutierte. Er hebt deren Diskussionsregel hervor: Bevor man jemanden kritisiert, muss man dessen Position erst korrekt zusammenfassen und sich das Okay des anderen holen. Precht schlägt vor, diese Methode als Vorbild für heutige Debatten zu nehmen.

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Ü Buch

Die Überwindung der Wokeness

Daniel Pascal Zorn

Das Werk analysiert, wie sich Mechanismen der öffentlichen Ächtung verselbstständigt haben und nun von populistischen Politikern wie Trump und der AfD gezielt als Waffe eingesetzt werden. Zentral ist die These, dass diese Akteure bewusst ihre Verurteilung provozieren, um sich anschließend als Opfer zu inszenieren. Das Buch untersucht diese Pervertierung von Praktiken, die ursprünglich von der linken Seite etabliert wurden, und deren politische Konsequenzen.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:56:31 „Er sagt, wir müssen uns klar machen, dass sich dieser Mechanismus, den wir sozusagen so lange jetzt abgesurft haben, dass der sich auf eine Art und Weise verselbstständigt hat und zu einem mächtigen Werkzeug sozusagen der anderen Seite geworden ist. Weil er sagt, der moderne Populismus von Leuten wie Trump und auch der AfD und so weiter ist ja nicht mehr der Typ sozusagen kreidefressender Wolf, sondern da reden wir über Politiker, die ihre öffentliche Geiselung als Rassisten und Sexisten ganz gezielt wollen und provozieren.“

Im letzten Abschnitt der Diskussion über Eggers' Thesen fasst Lanz dessen zentrale Warnung zusammen: Die Mechanismen der öffentlichen Ächtung haben sich verselbstständigt und werden nun von Populisten wie Trump und der AfD gezielt als Waffe eingesetzt. Politiker provozieren bewusst ihre Verurteilung, um sich anschließend als Opfer zu inszenieren. Precht ergänzt, dass Cancel Culture und Shitstorms ursprünglich von der linksgrünen Seite etabliert wurden, nun aber von Rechten noch schamloser genutzt werden.

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