Von Außengastro bis Neo-Barock
Lars Weisbrod, Nina Pauer, Ijoma Mangold
Die erste Live-Episode der sogenannten Gegenwart beim Zeit-Podcast-Festival — zum ersten Mal sind alle drei Hosts gemeinsam vor den Mikros versammelt. Siri eröffnet als automatische Sprachassistentin mit spitzen Seitenhieben auf Bitcoin, Impfstoff und Allesgesagt, bevor das Webinar-Publikum zur aktiven Mitarbeit aufgerufen wird.
„Wir sind hier beim Zeit-Podcast-Festival. Den ganzen Tag schon senden alle Podcasts aus dem Zeit-Multiversum live.“
Erwähnte Medien (7)
DCTP
Alexander Kluge
Alexander Kluges digitales Kulturmagazin dctp.tv präsentiert anspruchsvolle, experimentelle Inhalte jenseits des Mainstreams. Das Projekt entstand aus Kluges Kampf um Sendezeit im Privatfernsehen und steht exemplarisch für den Widerstand gegen Quotendruck und kommerzielle Vereinheitlichung. dctp.tv zeigt, dass Kulturfernsehen im Web möglich ist – ohne Rücksicht auf Einschaltquoten, aber mit großem künstlerischen Anspruch.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:04:27 „Alexander Kluge mit seinem DCTP… Das ist der totale Quotenkiller“
Ijoma vergleicht die Konkurrenzsituation mit dem historischen RTL-Streit um Alexander Kluges Kulturmagazin-Fenster im Privatfernsehen
Die 100.000 Mark Show
Die 100.000 Mark Show war eine deutsche Gameshow, die von 1993 bis 2000 auf RTL lief und insgesamt 74 Folgen in zwölf Staffeln umfasste. Die von Ulla Kock am Brink moderierte Sendung war Vorreiter eines damals neuartigen Formats: Kandidaten mussten sich absurden und zum Teil körperlich anstrengenden Herausforderungen stellen, um die Gewinn-summe zu verdienen – sei es im Besuch eines Vogelspinnen- und Schlangen-Streichelzoos, einem Bad in Schleimsuppe oder dem berüchtigten „heißen Draht". Die Show prägte eine ganze Generation und inspirierte unzählige Nachahmer, etablierte sich aber als das originäre und erfolgreichere Format in der deutschen Fernsehlandschaft.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:10:56 „Ich bin jetzt die Ulla, wie hieß die Moderatorin der 100.000 Mark Show? Ulla von der Brink. Ich dachte immer Ulla Cockernbrink. So diese Welt. Die 100.000 Mark Show, der heiße Draht und so.“
Lars Weisbrod vergleicht seine Rolle als Spielshow-Moderator des Gegenwartscheck-Specials mit der der 100.000-Mark-Show-Moderatorin Ulla Kock am Brink. Die nostalgische TV-Show dient als humorvolle Referenz für das kompetitive Live-Format, das sie an diesem Abend spielen.
Merkur
Deutsche Kulturzeitschrift für Gesellschaft, Philosophie und intellektuelle Reflexion. Merkur publiziert Vorabdrucke, Essays und tiefgehende Analysen für eine gebildete Leserschaft. Die Zeitschrift ist ein Ort der intellektuellen Auseinandersetzung und hat mehrere Generationen von Denkern geprägt.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:16:05 „Ich erinnere mich, dass ich als junger Student in Merkur einen Vorabdruck aus einem Buch von einem amerikanischen Soziologen las, der die sehr, jetzt im Rückblick würde ich denken, völlig naheliegend, aber damals für mich augenöffnende Erfahrung entfaltete, dass man die soziale Hierarchisierung am Verschriftlichungsgrad der Klamotten ablesen kann.“
Ijoma Mangold erwähnt die Kulturzeitschrift Merkur als den Ort, an dem er als Student einen prägenden Vorabdruck über Kleidung und soziale Hierarchie las. Merkur dient hier als Marker seiner intellektuellen Sozialisierung – der Moment, in dem er lernte, die Welt soziologisch zu deuten.
Bullshit Jobs
David Graeber
Ein Bullshit-Job ist eine Beschäftigungsform, die so völlig sinnlos, unnötig oder schädlich ist, dass selbst der Arbeitnehmer ihre Existenz nicht rechtfertigen kann. Es geht also gerade nicht um Jobs, die niemand machen will, sondern um solche, die eigentlich niemand braucht. Im Jahr 1930 prophezeite der britische Ökonom John Maynard Keynes, dass durch den technischen Fortschritt heute niemand mehr als 15 Stunden pro Woche arbeiten müsse.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:20:42 „Und er hat gesagt, er hofft, dass nach dieser Pandemie die Leute eben nicht in dem Sinne zur Normalität zurückkehren, dass sie alles vergessen, was sich an Erkenntnissen über die Welt und unsere Gesellschaft eröffnet hat. Zum Beispiel darüber, wer eigentlich wirklich die wichtigen Jobs macht.“
Lars Weisbrod erzählt von einem Interview, das er kurz vor David Graebers Tod mit ihm geführt hat. Graebers These, dass die Pandemie offengelegt habe, wer die wirklich wichtigen Jobs macht und welche finanziellen Möglichkeiten es gibt, verweist auf seine bekannte Analyse der sinnlosen Arbeitswelt aus 'Bullshit Jobs'.
Fifty Shades of Grey
E. L. James · 2022
Fifty Shades of Grey - erotischer geht es nicht. Sie ist 21, Literaturstudentin und in der Liebe nicht allzu erfahren. Doch dann lernt Ana Steele den reichen und ebenso unverschämt selbstbewussten wie attraktiven Unternehmer Christian Grey bei einem Interview für ihre Uni-Zeitung kennen. Und möchte ihn eigentlich schnellstmöglich wieder vergessen, denn die Begegnung mit ihm hat sie zutiefst verwirrt. Sosehr sie sich aber darum bemüht: Sie kommt von ihm nicht los.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:32:06 „Also ich bin davon so überfordert, dass ich mich hier jemandem aus dem Chat anschließe, der schrieb, ist alt. Und deswegen gebe ich dir den Punkt nicht. Ich muss da echt nochmal zwei Tage drüber nachdenken, woher das jetzt, also mit Shades of Grey irgendwie, mit diesem Sadomaso-Game, dann warum.“
Nina Pauer versucht das von Lars Weisbrod vorgestellte Phänomen Findom (Financial Dominance) einzuordnen und zieht als Referenzpunkt den Sadomaso-Mainstream-Erfolg von Shades of Grey heran. Es ist eine beiläufige Erwähnung, um den kulturellen Hintergrund von BDSM-Praktiken im Mainstream zu verorten.
Street Food: Asia
· 2019
Auf dieser kulinarischen Entdeckungsreise lernen Zuschauer die Welt des Streetfoods und die Schöpfer dieser schmackhaften Gerichte kennen.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:43:31 „Auch, um mal auf unsere ganz ersten Anfänge zurückzugehen, Ijeoma, die Kochsendungen auf Netflix, die wir besprochen haben, wenn da einer gesagt hat, wir machen nur, da haben wir ja über diese Asian Street Food Serie gesprochen und da macht er nur die Suppe aus Fischköpfen.“
Nina Pauer erinnert an eine frühere Folge des Podcasts, in der sie eine Netflix-Dokuserie über asiatisches Street Food besprochen hatten. Sie nutzt das Beispiel eines Kochs, der ausschließlich Fischkopfsuppe zubereitet, als Beleg für den Trend zum perfekten Einzelprodukt – passend zu Lars' Gegenwartscheck-Vorschlag über Firmen, die nur ein einziges Produkt herstellen.
Föto-Boys
Margarete Stokowski
Der Artikel behandelt Mode-Trends und die Rolle von Frauen im Feuilleton. Er bezieht sich auf Margarete Stokowskis Konzept der "Föto-Boys" und zeigt, wie Frauen ("Föto-Girls") zunehmend den Ton in der Modebranche und Kulturberichterstattung angeben. Das Feuilleton-T-Shirt dient als Beispiel für diese Verschiebung der Geschlechterdynamiken in der Mode- und Kulturszene.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:17:07 „Margarete Stokowski hatte doch mal den Begriff Föto-Boys etabliert. Aber wenn du jetzt dieses T-Shirt trägst, dann ist es eindeutig, sind es die Föto-Girls, die jetzt den Ton angeben.“
Am Ende der Sendung greift Ijoma Mangold einen von der Autorin und Kolumnistin Margarete Stokowski geprägten Begriff auf, um scherzhaft auf das Feuilleton-T-Shirt zu reagieren, das Nina Pauer als Siegerin gewonnen hat.