Soll man seinen Kindern noch von Odysseus erzählen
Lars Weisbrod, Ijoma Mangold
Was verrät es über unsere Gegenwart, wenn der eine für Homers Epen schwärmt und der andere für Science-Fiction? Ausgehend von ihren eigenen gegensätzlichen Zeitreferenzen — Vergangenheit versus Zukunft — nehmen sich die beiden eine große kulturelle Diagnose vor: die angebliche Zukunftslosigkeit unserer Epoche, die sich lieber in Retro-Aufgüssen der Vergangenheit einrichtet, statt neue Visionen zu entwerfen.
„Wir haben unterschiedliche Zeitpräferenzen oder Referenzen. Bei dir ist vieles in die Zukunft ausgerichtet und mein dominanter Vektor in die Vergangenheit. Simpel heruntergebrochen: Ich schwärme von Homers Epen, du von Science-Fiction-Plots.“
Erwähnte Medien (19)
Homers Epen (Ilias/Odyssee)
Homer · 1876
Dieser Artikel beschreibt den Inhalt der Ilias, eines der ältesten Werke der griechischen und damit der europäischen Literatur.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:01:47 „ich schwärme von Homers Epen, du von Science-Fiction-Plots“
Mangold nutzt Homer als Beispiel für seine Vergangenheitsreferenz im Gegensatz zu Weisbrods Zukunftsorientierung
Ilias / Odyssee
Homer
Homers Ilias und Odyssee sind die ältesten überlieferten Schriften der westlichen Kultur und dokumentieren die altgriechische Vorstellung vom Leben nach dem Tod. Der Text zeigt, wie die Seelen verstorbener Helden im Hades in einer trostlosen Unterwelt existieren — ein kontrastreicher Gegensatz zu späteren religiösen Paradiesvorstellungen. Die Epen sind grundlegend für das Verständnis antiker Metaphysik und Philosophie.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:01:51 „Simpel heruntergebrochen, ich schwärme von Homers Epen, du von Science-Fiction-Plots. Und diese Differenz, von der ich glaube, dass sie mehr ist als nur eine Idiosynkrasie, als nur eine subjektive Gestimmtheit, sondern dass sich an ihr auch etwas ablesen lässt in unserem Verhältnis zur Welt.“
Ijoma Mangold nutzt Homers Epen als Inbegriff seiner eigenen Vergangenheitsreferenz. Er kontrastiert seine Begeisterung für antike Texte mit Lars Weisbrods Vorliebe für Science-Fiction, um die zentrale These der Episode zu illustrieren: dass Menschen grundlegend verschiedene Zeitpräferenzen haben, die ihr Denken und Fühlen prägen.
Magnum, P.I.
· 1980
Thomas Sullivan Magnum IV lebt auf Oahu, Hawaii, auf einem ansehnlichen, rund 80 Hektar großen Grundstück am Calagua Drive im Gästehaus des berühmten Schriftstellers Robin Masters, der selbst jedoch nie zu sehen ist. Masters erscheint nur andeutungsweise in wenigen Folgen, da er ständig unterwegs ist. Magnum ist ehemaliger Marine-Offizier (bis zu seinem 33.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:10:14 „Männer, die aussehen wie der von Tom Selle gespielte Privatdetektiv, an den wir uns alle hoffentlich noch erinnern. Auf Hawaii war er zu Hause, er fuhr einen Ferrari, er hatte einen Oberlippenbart. Er hatte bunte Hawaii-Hemden an, Shorts einer bestimmten Länge.“
Lars Weisbrod bringt im Gegenwartscheck die Beobachtung ein, dass junge Hipster-Männer sich heute kleiden wie Tom Selleck in der 80er-Jahre-Serie Magnum. Kurze Shorts, Hawaii-Hemden, Goldkettchen – ein Retro-Stil, der ironischerweise zum großen Thema der Episode passt: die Frage, ob unsere Gegenwart vergangenheitsobsessiv ist.
Kohelet (Prediger Salomo)
· 2014
Biblisches Weisheitsbuch, das sich mit der Vergänglichkeit aller menschlichen Bemühungen auseinandersetzt. Unter dem Leitmotiv »Nichts Neues unter der Sonne« wird hinterfragt, ob Reichtum, Weisheit und weltliche Erfolge echtem Sinn oder echter Erfüllung entsprechen – eine düstere Meditation über menschliche Begrenztheit.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:22:21 „Es scheint eben einen Moment der ewigen Wiederkehr zu geben in der Geschichte. Nichts Neues unter der Sonne. Und deswegen könnte selbst eine gewaltig neue Erfindung kommen, die es vorher technisch so noch gar nicht gegeben hat.“
Mangold verteidigt den Wert der Philosophiegeschichte und argumentiert, dass sich grundlegende Muster wiederholen. Er zitiert dabei wörtlich den berühmten Satz aus dem biblischen Buch Kohelet (Prediger 1,9), um seine These zu untermauern.
Star Trek VI: The Undiscovered Country
Nicholas Meyer · 1991
Nachdem die Explosion eines klingonischen Mondes das Imperium in die Knie zwingt, liegt das fremdartige Konzept eines Friedens mit der Föderation in greifbarer Nähe. Ironischerweise soll gerade Captain James T. Kirk als Botschafter den Frieden aushandeln. Alle Hoffnungen werden jedoch zunichte gemacht, als die Crew der U.S.S. Enterprise beschuldigt wird, einen klingonischen Diplomaten ermordet zu haben. Stattdessen stehen beide Seiten vor einem alles vernichtenden Krieg...
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:31:15 „Mir fällt nur gerade ein Zitat ein, was so schön perfekt passt zu allem, was du gesagt hast, weil in einer der Star Trek Filme heißt das unentdeckte Land, was sich als Metapher auf die Zukunft bezieht, also genauso wie du das jetzt gemacht hast, aber natürlich eigentlich, wie dann aufgeklärt wird, ein Shakespeare Zitat ist.“
Weisbrod greift Mangolds Metapher von der Zukunft als Terra Incognita auf und verweist auf den Star-Trek-Film, in dem 'das unentdeckte Land' als Zukunftsmetapher dient — die ihrerseits auf Shakespeare zurückgeht. Damit illustriert er, wie Science-Fiction und klassische Bildungstradition ineinandergreifen.
Hamlet
William Shakespeare
Regisseur Johann Simons inszeniert Shakespeares Hamlet am Schauspielhaus Bochum mit der Schauspielerin Sandra Hüller in der Hauptrolle. Die Produktion gewinnt durch Hüllers internationale Bekanntheit nach ihrer Oscar-Nominierung zusätzliche Aufmerksamkeit. Die Inszenierung tourt mittlerweile über Bochum hinaus und bildet einen Schwerpunkt des Regisseurs in der zeitgenössischen Shakespeare-Interpretation.
🗣 Lars Weisbrod zitiert daraus bei ⏱ 00:31:34 „Aber natürlich eigentlich, wie dann aufgeklärt wird, ein Shakespeare Zitat ist. Ich müsste es jetzt, glaube ich, nachschauen, aber mal irgendwie sowas gesagt hat, wie es gibt ein unentdecktes Land, kein Reisender kehrt je zurück aus diesem unentdeckten Land.“
Das 'undiscovered country'-Zitat stammt aus Hamlets berühmtem Monolog und bezieht sich dort auf den Tod. Weisbrod erkennt die Shakespeare-Quelle hinter dem Star-Trek-Titel und nutzt das als Beispiel dafür, dass selbst Science-Fiction auf klassische Bildungstraditionen zurückgreift.
Kapitalistischer Realismus ohne Alternative?
Mark Fisher · 2009
Das Werk analysiert, wie die Popkultur und Gesellschaft die Fähigkeit verloren haben, sich Alternativen zum Kapitalismus vorzustellen. Fisher diagnostiziert eine kulturelle Lähmung: Selbst Kapitalismuskritik verfällt in nostalgischer Sehnsucht nach besseren Zeiten, statt neue Modelle zu entwerfen.
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:34:12 „Dem, was dann Mark Fischer berühmterweise den kapitalistischen Realismus genannt hat, eben gar keine Idee mehr von was anderem. Und selbst, so könnte man sagen, der Kapitalismuskritiker, dem fällt heute nichts Besseres ein, als zu sagen, oh ja, in den goldenen Nachkriegsjahrzehnten, da gab es noch starke Gewerkschaften, das war doch irgendwie besser.“
Weisbrod führt Mark Fishers zentrale These aus 'Kapitalistischer Realismus' ein: Die Popkultur und die Gesellschaft insgesamt haben die Fähigkeit verloren, sich eine Alternative zum Kapitalismus vorzustellen. Selbst Kapitalismuskritik greife nur noch nostalgisch auf die Vergangenheit zurück, statt Neues zu entwerfen.
Children of Men
Alfonso Cuarón · 2006
Im Jahre 2027 hat die Menschheit die Zeugungskraft verloren und steuert in einem letzten anarchistischen Aufbäumen dem eigenen Aussterben entgegen. Mittendrin: Theo, einst idealistischer Kämpfer für eine bessere Welt, jetzt resignierter, angepasster Regierungsagent in einem mitleidslosen Wettlauf um die Macht auf den kriminellen Straßen. Sein neuer Auftrag ist anders als die anderen: Er soll die junge Kee beschützen. Auf Kee hat es die ganze Welt abgesehen. Denn Kee ist schwanger.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:34:28 „Mark Fisher hat dafür ein Bild gefunden in einem britischen Film, Children of Man, einem dystopischen Science-Fiction-Film, auf jeden Fall einem dystopischen Zukunftsfilm. Da sind ganz viele Sachen dran interessant, die Mark Fisher in seinem Buch Kapitalistischer Realismus schön auseinandernimmt.“
Weisbrod erklärt, wie Mark Fisher den Film 'Children of Men' als Metapher für die Zukunftslosigkeit des kapitalistischen Realismus nutzt: Eine Welt, in der keine Kinder mehr geboren werden, steht sinnbildlich für eine Gesellschaft, die nichts Neues mehr hervorbringt und an ihren eigenen Ideen altert.
Graeber vs. Thiel Debatte
Öffentliche Debatte zwischen dem Anthropologen David Graeber und dem Unternehmer Peter Thiel über Innovation und Fortschritt. Obwohl sie gegensätzliche politische Positionen vertreten – Graeber aus anarchistischer, Thiel aus libertärer Perspektive – identifizieren beide ein Innovationsdefizit der modernen Gesellschaft. Die Diskussion zeigt, wie unterschiedliche Ideologien zu ähnlichen Diagnosen über den Stillstand technologischen Fortschritts gelangen können.
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:37:05 „Es gibt eine ganz tolle Debatte genau um diesen Punkt zwischen Graeber und Thiel, die mal vom US-Magazin Bethler veranstaltet wurde. Gibt es hoffentlich noch bei YouTube. Ich verlinke das unten.“
Weisbrod verweist auf eine öffentliche Debatte zwischen David Graeber und Peter Thiel, die trotz ihrer gegensätzlichen politischen Positionen (anarcho-links vs. rechtslibertär) beide ein Innovationsdefizit der Gegenwart diagnostizieren. Er will sie in den Shownotes verlinken.
Parzival
Wolfram von Eschenbach · 1892
Mittelhochdeutsches Ritterepen über die Gralssuche des naiven Toren Parzival, der durch Unschuld und Herzenskraft besticht. Das Werk verbindet Ritterschaft, weltliche Liebe und die geistliche Suche nach Erlösung und Gnade.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:39:32 „Es gibt diesen Widerspruch noch zwischen Science-Fiction und Begeisterung für die Epik. Du liest gern den Parzival, ja?“
Der Parzival dient als Beispiel für Mangolds Vorliebe für mittelalterliche Epen und wird der Science-Fiction-Begeisterung Weisbrods gegenübergestellt. Die Spannung zwischen klassischer Literatur und Zukunftsliteratur ist eines der Kernthemen der Episode.
Dune
Frank Herbert
Set on the desert planet Arrakis, Dune is the story of the boy Paul Atreides, heir to a noble family tasked with ruling an inhospitable world where the only thing of value is the "spice" melange, a drug capable of extending life and enhancing consciousness. Coveted across the known universe, melange is a prize worth killing for... When House Atreides is betrayed, the destruction of Paul's family will set the boy on a journey toward a destiny greater than he could ever have imagined.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:39:43 „Und ich möchte jetzt endlich mal eine Folge über Dune machen hier im Podcast. Und wie geht das eigentlich zusammen?“
Weisbrod bringt Dune als sein Gegenbeispiel zu Mangolds Vorliebe für klassische Epen wie den Parzival ein. Später diskutieren beide die Atreiden aus Dune und deren Parallele zu den Atriden der griechischen Mythologie, wobei Mangold genau diese Verbindung zur Antike am meisten fasziniert.
Ilias
Homer
Die Odyssee ist eines der beiden großen Epos-Werke des antiken griechischen Dichters Homer und erzählt die zehnjährige Heimreise des Helden Odysseus nach dem Trojanischen Krieg. Das Werk gilt als Meisterwerk der Weltliteratur und behandelt Themen wie Abenteuer, Treue und menschliche Widerstandskraft, die bis heute faszinieren. Im Podcast-Kontext wurde die Odyssee gegenüber der Ilias bevorzugt, was zeigt, dass sie in der öffentlichen Rezeption eine besondere Anziehungskraft behält.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:41:03 „Deswegen waren die Beispiele gar nicht so gut gewählt, weil wenn ich jetzt die Chance habe, meinem Kind zum Einschlafen tatsächlich irgendwas, was ich nicht so gerade noch erinnere, aus Schwabs Zusammenfassung, die ich als Kind gelesen habe.“
Weisbrod relativiert den Vorwurf der Geschichtsferne: Mit der Ilias und ihren Figuren wie Odysseus und Achill kann man ihn durchaus abholen. Er erzählt, wie er seinem Kind die homerischen Helden nacherzählt und sie als 'Quellcode unserer Zivilisation' begreift.
Die Sagen des klassischen Altertums
Gustav Schwab
Die schönsten Sagen des klassischen Altertums, vom deutschen Schriftsteller Gustav Schwab.Die schönsten Sagen des klassischen Altertums sind eine Sammlung überlieferter Mythen aus dem Griechenland der Antike, die der deutsche Schriftsteller Gustav Schwab in den Jahren 1838 bis 1840 herausgab.Gustav Schwabs Sammlung gliedert sich in drei Bände, die Sie aufgeteilt in 2 Taschenbüchern erhalten.Dieses Taschenbuch umfaßt den zweiten Teil.Zweiter BandErstes bis fünftes Buch: Die Sagen TrojasDritter Ba...
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:41:21 „Auch als Arbeiterkind kam ich in eine Ausgabe von, wie heißt der, Gunter Schwab? Gustav Schwab. Sagen des klassischen Altertums. Und jetzt versuche ich das sozusagen auch meinem Kind irgendwie weiterzugeben.“
Weisbrod erzählt, dass er als Kind über Gustav Schwabs 'Sagen des klassischen Altertums' Zugang zur griechischen Mythologie fand — nicht über das griechische Original wie Mangold. Er gibt dieses Buch nun an sein eigenes Kind weiter, indem er die Geschichten von Odysseus und Achill nacherzählt.
Die Wahlverwandtschaften
Johann Wolfgang von Goethe · 2019
Die Wahlverwandtschaften ist ein Roman von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1809. Er beschreibt die Geschichte des in abgeschiedener Zweisamkeit lebenden Paares Charlotte und Eduard, deren Ehe durch das Hinzukommen zweier weiterer Figuren auseinanderbricht. Wie gleichsam in einer chemischen Reaktion erfahren beide Eheleute eine starke, jeweils auch erwiderte, neue Anziehung: die vernunftbetonte Charlotte zu dem verst�ndig-tatkr�ftigen Hauptmann Otto; der impulsiv-leidenschaftliche Eduard ...
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:42:28 „Du willst mir jetzt mit Goethes Wahlverwandtschaften die Voraussetzungen der bürgerlichen Gesellschaft auseinandernehmen und damit die Inflation erklären oder so. Also vielleicht ist es doch nur spezifische Zeitabschnitte, mit denen ich so ein bisschen fremdele.“
Weisbrod nennt die Wahlverwandtschaften als Beispiel für eine bestimmte Art der Vergangenheitsreferenz, die ihn nicht erreicht: Wenn jemand über ein Goethe-Werk heutige ökonomische Phänomene erklären will. Er grenzt damit seinen Widerstand gegen bestimmte Epochen ein — mit der Antike hat er kein Problem, wohl aber mit der Neuzeit.
Faust. Der Tragödie zweiter Teil
Johann Wolfgang von Goethe · 2021
Faust Der Tragödie zweiter Teil - Johann Wolfgang von Goethe - Das Werk "Faust. Der Tragödie zweiter Teil", welches von Johann Wolfgang von Goethe verfasst wurde, ist die Fortsetzung seines Werkes "Faust 1".In dem zweiten Teil der Tragödie wird die Weiterentwicklung der Figur des Faust beschrieben. Das Drama, welches aus 5 Akten besteht, thematisiert die Ausbildung des Menschen in all seinen Fähigkeiten.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:43:00 „Das Inflationsbeispiel Goethes Faust 2 ist da die einschlägige Stelle und das ist ein brillanter Entwurf. Ja, Faust 2 ist auch Science Fiction, deswegen ist das wieder okay.“
Mangold korrigiert Weisbrod: Nicht die Wahlverwandtschaften, sondern Faust II enthält die berühmte Stelle über Papiergeld und Inflation. Er nennt es einen 'brillanten Entwurf' und überrascht mit der These, Faust II sei eigentlich auch Science-Fiction — was Weisbrod sofort versöhnlich stimmt.
Fragment 5 (Das Schildgedicht)
Archilochos · 1899
Fragment 5 des frühgriechischen Lyrikers Archilochos behandelt das berühmte Schildgedicht, in dem der Dichter die Flucht aus der Schlacht und den Verlust seines Schildes feiert. Das Gedicht symbolisiert einen antiheroischen Gestus und bricht mit traditionellen Kriegsvorstellungen. Seine Relevanz liegt darin, dass antike Texte zeitlose menschliche Erfahrungen ausdrücken und zeigen, wie Kulturkontinuität uns durch existenzielle Konflikte trägt.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:45:14 „Ich fühle mich gewissermaßen weniger allein, wenn ich weiß, dass auch schon der frühgriechische Lyriker Achillochos die Feigheit im Angesicht des Krieges gerühmt hat, um nur jetzt irgendein Beispiel zu nennen.“
Mangold erklärt sein tiefes Verbundenheitsgefühl mit der Vergangenheit und illustriert dies mit dem frühgriechischen Lyriker Archilochos, der in seinem berühmten Fragment den Verlust seines Schildes auf der Flucht feierte – ein Urbild des antiheroischen Gestus.
Babylon 5
J. Michael Straczynski · 1994
Das Babylon-Projekt war unsere letzte und einzige Hoffnung auf Frieden. Eine fünf Meilen lange Raumstation in einem neutralen Sektor. Eine Welt des Handels und der Diplomatie für eine Viertelmillion Menschen und Außerirdische, ein strahlendes Leuchtfeuer, einsam in der Dunkelheit des Alls. Es war der Beginn des dritten Zeitalters der Menschheit. Dies ist die Geschichte der letzten großen Weltraumstation. Der Name der Station: Babylon 5
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:49:17 „Es gibt eine Science-Fiction-Serie, die ich sehr schätze, die viele sehr schätzen, Babylon 5. Über eine Raumstation, eine epische Handlung, ja, da sagt man dann auch immer episch, sagt der Nerd dann, weil es sie so über mehrere Staffeln hinweg trägt.“
Weisbrod nennt Babylon 5 als Beispiel für eine Science-Fiction-Erzählung, die auch eine melancholische Seite hat. Er hebt besonders die letzte Folge hervor, die einen Zeitsprung von 100 und dann 1000 Jahren in die Zukunft macht — ein 'Tiefenblick', der für ihn Melancholie auslöst.
Über den Begriff der Geschichte
Walter Benjamin · 2010
Die Aufzeichnungen Walter Benjamins Über den Begriff der Geschichte, an denen er bis zum Frühjahr 1940 schrieb, sind zugleich nüchterne Bilanz eines leidenschaftlichen Intellektuellen und steile Konstruktion eines kühlen Theoretikers. Der Intellektuelle legt Rechenschaft darüber ab, wie es um das altehrwürdige Unternehmen, die Welt in eine menschenwürdigere zu transformieren, bestellt ist – zumal in einer Zeit, in der die Kräfte, denen man dies bislang zugetraut hatte, zerfallen und die Hoffnung...
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:50:00 „Das ist vielleicht wirklich so wie bei Walter Benjamin, dass einfach so Trümmer über Trümmer, gerade wenn es eher dystopische Zukunftsvorstellungen sind, sich gehäuft haben und irgendwo guckt noch so unsere Gegenwart so einmal so ganz kurz durch.“
Lars Weisbrod greift Walter Benjamins berühmtes Bild des Angelus Novus auf — den Engel der Geschichte, der auf sich auftürmende Trümmer blickt. Er überträgt dieses Bild auf dystopische Science-Fiction: In Zukunftsvisionen, die Tausende Jahre vorausblicken, schimmert die eigene Gegenwart nur noch als verschüttete Schicht durch, was eine eigentümliche Melancholie erzeugt.
Die Anmaßung von Wissen
Friedrich August von Hayek
Der Artikel diskutiert Friedrich von Hayeks Konzept der "Anmaßung von Wissen" im Kontext der Corona-Pandemie. Ausgehend von Hayeks Nobelpreisrede von 1974 wird untersucht, inwieweit Regierungen während der Pandemie mehr Wissen über ihre Entscheidungen beansprucht haben, als ihnen tatsächlich zur Verfügung stand. Die zentrale Frage ist, wie politische Entscheidungsträger mit epistemischen Grenzen umgegangen sind und welche Fehler aus dieser Überschätzung des Wissensstands resultierten.
🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:51:01 „Die Liberalen sind technologieoffen auf die Zukunft, werden aber extrem nervös, wenn jemand irgendwie in die Zukunft plant. Dann heißt es sofort, das ist hier Hayek Anmaßung von Wissen, das sind so böse Linke und wer da irgendwie in die Zukunft plant, eigentlich steht er schon mit halbem Fuß im Gulag.“
Im Gespräch über das Verhältnis politischer Strömungen zur Zukunft wird Hayeks Nobelpreisvorlesung von 1974 als Schlagwort für die liberale Skepsis gegenüber zentraler Zukunftsplanung herangezogen. Der Sprecher kritisiert ironisch, dass Liberale zwar technologieoffen seien, aber jede Form gesellschaftlicher Zukunftsgestaltung sofort als planwirtschaftliche Anmaßung abtun.