Vom Sündenbock und von der Nächstenliebe
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Die Folge nimmt sich das Buch Leviticus vor und klärt zunächst eine offene Frage aus der letzten Episode: Warum kam Aaron nach dem Tanz ums goldene Kalb ungeschoren davon? Die Antwort liegt in der Entstehungszeit der Texte — konkurrierende Priesterkasten im babylonischen Exil schrieben ihre jeweiligen Machtansprüche in dieselben Bücher, weshalb Aaron mal als großer Hohepriester gefeiert und mal als Versager dargestellt wird. Dabei wird die Stiftshütte als Blaupause für den Wiederaufbau des Tempels entschlüsselt, den die reichen Eliten bei ihrer Heimkehr nach Jerusalem errichten sollten.
„Was wir da erleben ist der Wettbewerb und der Kampf und die Konkurrenz um die Privilegien der Priester.“
Erwähnte Medien (10)
Der Sündenbock
René Girard · 1996
Darstellung von René Girards anthropologischer Theorie des Sündenbocks: Wie Gesellschaften durch das Ritual des Sündenbocks innere Konflikte überwinden und zusammenhalten. Girard zeigt, wie dieser fundamentale Mechanismus offengelegt und damit überwindbar wird.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:29:37 „Es gibt einen französischen Anthropologen und Philosophen, René Girard. Der hat dann versucht, dieses Ritual des Sündenbocks so zu erklären, dass es die Dynamik einer Gesellschaft beschreibt, die selbst zerfallen ist, in Konflikten zerfallen ist.“
Im Kontext des Sündenbock-Rituals am Versöhnungstag stellt Johanna Haberer René Girards anthropologische Theorie vor: Gesellschaften brauchen Sündenböcke, um innere Konflikte zu überwinden und zusammenzuhalten. Girard sehe im Kreuzestod Christi den Fortschritt, dass dieser Mechanismus offengelegt und damit überwindbar werde. Der genaue Buchtitel wird nicht genannt, aber die beschriebene Theorie stammt aus Girards Hauptwerken zur mimetischen Theorie und Sündenbock-Thematik.
Freunde gesucht
Sabine Rückert
Sabine Rückert spricht im Online-Gespräch über das Loslassen und ihre Kolumne The Power of Goodbye. Sie reflektiert über ihren Leitartikel von 2015, in dem sie forderte, dass Deutsche sich syrische Flüchtlinge zum Freund nehmen – wofür sie heftige Kritik erhielt. Das Gespräch verbindet Abschieden, Neuanfänge und Empathie mit Fremden.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:40:32 „Da fällt mir ein, dass ich mal einen Text geschrieben habe, der hieß Freunde gesucht. Den habe ich 2015 geschrieben auf der Seite 1 der Zeit. Freunde gesucht, da ging es um die Syrer, die in großer Zahl sich vor den Grenzen stauten und aus ihrem völlig vernichteten Land heraufgezogen waren über die Balkanroute und Einlass suchten.“
Anlässlich der biblischen Passage über den Umgang mit Fremden erinnert sich Sabine Rückert an ihren eigenen Leitartikel auf Seite 1 der ZEIT aus dem Jahr 2015. Darin forderte sie, dass jeder Deutsche sich einen syrischen Flüchtling zum Freund nehmen solle – wofür sie heftige Kritik und böse Briefe erhielt.
Das alte Land
· 2007
Entdecken sie die Geheimnisse der Pyramiden, die erstaunlichsten Bauwerke der antiken Welt. Staunen Sie über die Alten Ägypter, die vom Leben nach dem Tod so fasziniert waren, dass sich dies in einer bemerkenswerten Baukunst niederschlug.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:42:05 „Aber ich glaube, die tiefe Erfahrung, dass man selbst auf der Flucht gewesen ist und schlecht behandelt wurde, wie jetzt in dem Film Das alte Land zum Beispiel, diese Erfahrungen, ich denke, die können einen nachsichtiger und barmherziger, sage ich mal das Wort, machen für Leute, die das gleiche Schicksal haben.“
Im Gespräch über das biblische Gebot, Fremde wie Einheimische zu behandeln, zieht Johanna Haberer eine Parallele zur heutigen Zeit. Sie verweist auf den Film 'Das alte Land' als Beispiel dafür, wie Fluchterfahrungen Menschen empathischer machen können gegenüber anderen Geflüchteten.
Im gelobten Land
Wolfgang Bauer
Der ZEIT-Autor Wolfgang Bauer wurde mit dem renommierten Bayeux-Preis für Kriegsberichterstattung ausgezeichnet. Die Auszeichnung erhielt er für seine Reportage "Unter Taliban", in der er die militärische Strategie des Taliban-Vormarsches detailliert analysiert. Die Jury würdigte Bauers gründliche journalistische Arbeit und seinen Beitrag zur Kriegsberichterstattung.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:42:22 „Wir haben damals auch Reporter geschickt, 2015 im August nach Passau am Raikon und Henning Sußebach sind damals runtergefahren und haben sich angeguckt, wie die Deutschen reagieren auf die Flüchtlinge. Und ich lese einfach mal einen Anfang vor von dem Dossier, das damals entstanden ist, Im gelobten Land.“
Sabine Rückert liest ausführlich aus einem ZEIT-Dossier von 2015 vor, das die Ankunft syrischer Flüchtlinge in Passau schildert. Die Reportage beschreibt die Szene einer Bäuerin, die morgens Flüchtlinge in ihrem Garten vorfindet, und den Zwiespalt zwischen Anteilnahme und Angst, der das ganze Land durchfuhr.
Spiegel-Interview mit Anton Hofreiter
Hat CDU-Chef Merz die Wähler getäuscht? Im SPIEGEL-Talk streiten Ines Schwerdtner, Thorsten Frei, Anton Hofreiter und Lothar Domröse über Wahlversprechen, Schwachstellen des geplanten Sondervermögens und die Aufrüstung Deutschlands.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:53:02 „Nämlich eine Passage aus dem Spiegel. Und da hat Anton Hofreiter, der bekannte Grünen-Politiker, ja ein Interview gegeben vor einigen Wochen, das für einigen Furore gesorgt hat. Er sagte nämlich, Einparteienhäuser verbrauchen viel Fläche und viele Baustoffe, viel Energie.“
Im Zusammenhang mit dem biblischen Jubeljahr und der Frage, wem Land eigentlich gehört, verweist Sabine Rückert auf das kontroverse Spiegel-Interview mit Anton Hofreiter. Darin kritisierte der Grünen-Politiker Einfamilienhäuser wegen ihres Flächenverbrauchs, was für großen öffentlichen Ärger sorgte.
Die letzte Wiese
Wolfgang Bauer
Der ZEIT-Artikel dokumentiert den Konflikt zwischen Wohnungsbau und Naturschutz am Beispiel einer Streuobstwiese in Baden-Württemberg, die bebaut werden soll. Er zeigt das deutsche Flächenfraß-Dilemma: Jede Sekunde werden sieben Quadratmeter Boden verbaut. Eine Geschichte über den alltäglichen Kampf zwischen Wohnungsmangel und Umweltschutz.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:56:59 „Wir hatten nämlich in der Zeit kürzlich einen Artikel, der hieß Die letzte Wiese. Das hat mein Kollege Wolfgang Bauer geschrieben und der beschreibt anhand einer Wiese irgendwo in Baden-Württemberg, Ein riesen Konflikt. Diese Wiese, eine wunderschöne Wiese, auf der so Streuobstbäume stehen und da sollen jetzt Häuser hingebaut werden.“
Im Kontext der biblischen Bodenreform und des Jubeljahres liest Sabine Rückert ausführlich aus dem ZEIT-Artikel ihres Kollegen Wolfgang Bauer vor. Der Artikel dokumentiert den Flächenfraß in Deutschland – jede Sekunde werden sieben Quadratmeter Boden verbaut – und den Konflikt zwischen Wohnungsbau und Naturschutz.
Interview mit Janosch zum 90. Geburtstag
Peter Gaymann würdigt seinen Freund Janosch anlässlich dessen 95. Geburtstags in einem persönlichen Beitrag. Die beiden Zeichner lernten sich 2008 bei einer Vernissage in Freiburg kennen, wo auch Tomi Ungerer anwesend war. In einer E-Mail kurz nach diesem Treffen schickte Janosch Gaymann eine charakteristische, freche Zeichnung zu einem provokanten Thema – ein Beispiel für Janoschs unverwechselbaren künstlerischen Humor und Geist.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:02:46 „Ja, und zwar gab es dort vor kurzem ein Interview, ein wunderschönes Interview mit Janosch. Janosch ist ja ein berühmter Zeichner. Genau. Ach, wie schön ist Panama, ganz berühmt. Und Janosch wurde 90 und wurde da von der Süddeutschen Zeitung interviewt.“
Sabine Rückert zitiert ausführlich aus einem Interview der Süddeutschen Zeitung mit dem Kinderbuchautor und Zeichner Janosch zu dessen 90. Geburtstag. Sie liest besonders die Passagen vor, in denen Janosch humorvoll über Gott, das Alter und das Vergessen spricht – als 'gutes Wort zum Schluss' der Episode.
Oh, wie schön ist Panama
Janosch · 2011
Eines Tages machen sich der kleine Bär und der kleine Tiger auf den Weg: sie suchen Panama, das Land ihrer Sehnsucht. Wenn man einen Freund hat, braucht man sich vor nichts zu fürchten!" Dass der kleine Bär und der kleine Tiger dicke Freunde sind, weiß jedes Kind. Zusammen sind die beiden wunderbar stark, stark wie ein Bär und stark wie ein Tiger. In ihrem Haus am Fluss haben sie es gemütlich. Eines Tages findet der kleine Bär eine Kiste, die von oben bis unten nach Bananen riecht.
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:02:58 „Janosch ist ja ein berühmter Zeichner. Genau. Ach, wie schön ist Panama, ganz berühmt.“
Sabine Rückert erwähnt Janoschs bekanntestes Kinderbuch beiläufig, um den Lesern einzuordnen, wer Janosch ist, bevor sie aus dem Süddeutsche-Zeitung-Interview mit ihm vorliest.
Tagebuch eines frommen Ketzers
Janosch · 1998
Janosch' humorvolle, seit Jahrzehnten angekündigte Autobiografie, die provokativ mit "Gott ist schuld" beginnen soll. Eine Meditation über Glaube, Ketzerei und die menschliche Absurdität – ein witziges künstlerisches Versprechen, das bewusst unvollended bleibt.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 01:03:30 „Er wird gefragt, sie schreiben seit Jahrzehnten an ihrer Autobiografie das Tagebuch eines frommen Ketzers. Das Buch soll anfangen mit dem Satz, Gott ist schuld. Wie geht's weiter? Janosch antwortet, der Rest ist Schweigen.“
Im Rahmen des Janosch-Interviews wird seine seit Jahrzehnten angekündigte, aber nie fertiggestellte Autobiografie erwähnt. Janosch erklärt humorvoll, dass das Buch nie erscheinen wird, weil er die Rache Gottes fürchte.
Hamlet
William Shakespeare
Regisseur Johann Simons inszeniert Shakespeares Hamlet am Schauspielhaus Bochum mit der Schauspielerin Sandra Hüller in der Hauptrolle. Die Produktion gewinnt durch Hüllers internationale Bekanntheit nach ihrer Oscar-Nominierung zusätzliche Aufmerksamkeit. Die Inszenierung tourt mittlerweile über Bochum hinaus und bildet einen Schwerpunkt des Regisseurs in der zeitgenössischen Shakespeare-Interpretation.
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 01:03:44 „Janosch antwortet, der Rest ist Schweigen. Das ist aber geklaut. Von Shakespeare, glaube ich. Oder war es Schiller?“
Janosch zitiert im Interview die berühmten letzten Worte Hamlets – 'Der Rest ist Schweigen' – als Antwort auf die Frage nach seiner Autobiografie und merkt selbst an, dass der Satz 'geklaut' sei, vermutlich von Shakespeare.