Die verrückte Geschichte des Gideon
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Gideon, der jüngste Sohn einer unbedeutenden Sippe, wird von Gott zum Befreier Israels berufen — braucht dafür aber erst ein verbranntes Ziegenböckchen, nasse Wolle auf trockener Tenne und die Gegenprobe als Beweis. Gott reduziert seine 32.000-Mann-Armee auf 300 Hundetrinker, besiegt die Midianiter mit Fackeln und Widerhörnern statt Schwertern, und Gideon lehnt danach die Königswürde ab — baut aber aus der Beute ein Kultbild, das Israel erneut in die Abgötterei treibt. Eine karnevaleske Heldengeschichte voller Ironie, in der das Buch der Richter zeigt: Ohne Tora ist Israel orientierungslos wie Deutschland ohne Grundgesetz.
„Ein bisschen erinnert mich Gott an einen Entfesselungskünstler, der sich dann selber die schlimmsten Sachen, die Plastiktüten über den Kopf zieht und die Beine fesselt und dann noch in der Luft aufhängt — oder wie ein Eiskunstläufer, der den Schwierigkeitsgrad selber künstlich erhöht, indem er den Doppellutz dreifach springen will.“
Erwähnte Medien (5)
Kodex Aleppo
Unter Seife (von althochdeutsch seifa „Seife, Harz“, ursprünglich „das Tröpfelnde“; von germanisch *saipōn-, woraus auch lateinisch sapo entlehnt ist) wird im allgemeinen Sprachgebrauch ein festes Reinigungsmittel verstanden, das, zusammen mit Wasser, in dem es sich löst, zur Reinigung, vor allem der Hände und des Körpers, benutzt wird. Aus chemischer Sicht sind diese festen Seifen Salze von Fettsäuren.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:05:44 „Dieses Richterbuch gibt es ganz in dem Kodex Aleppo. Und dieser Kodex Aleppo, der ist im 9. Jahrhundert nach Christus im Tiberias zum letzten Mal abgeschrieben worden. Und er ist dann von den sogenannten Masoreten vokalisiert worden und mit Akzenten versehen worden.“
Johanna Haberer erzählt die abenteuerliche Überlieferungsgeschichte des Kodex Aleppo – des wichtigsten hebräischen Bibelmanuskripts. Er wurde in Tiberias abgeschrieben, wanderte nach Kairo, wurde von Maimonides bearbeitet, gelangte nach Aleppo und galt nach der Verfolgung der dortigen Juden als verbrannt, bevor doch wieder Seiten auftauchten. Sie kündigt an, die Lebensgeschichten dieser alten Kodizes später zu vertiefen.
Judith und Holofernes
· 2021
Das illustrierte Manuskript zur gleichnamigen Vortragsreihe (erweiterte Neuauflage) Das Thema von Judith und Holofernes in der bildenden Kunst vom Mittelalter bis zum Barock. Abhängig von der Nachfrage könnte ein weiteres Kapitel mit einem Ausblick bis zur Moderne geplant werden. Die wechselhafte Darstellung der Hauptfiguren dieser biblischen Geschichte und die überraschende, damit verbundene Symbolik werden anhand von herausragenden Kunstwerken aus ganz Europa beleuchtet.
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:08:13 „Man fragt sich ja auch, wenn wir hier vor unserer dicken Bibel sitzen, wo kommen diese Texte alle her? Warum sind diese Texte hier drin, aber andere Texte, wie zum Beispiel Judith und Holofernes oder die tolle Geschichte der Lilith, der verstoßenen ersten Frau Adams, ist eben nicht in der Bibel.“
Sabine Rückert wirft die Frage auf, warum bestimmte Texte in den biblischen Kanon aufgenommen wurden und andere nicht. Sie nennt das apokryphe Buch Judith als Beispiel für einen ausgeschlossenen Text und kündigt an, dass sie sich auch mit den Apokryphen beschäftigen müssen, um keine wichtigen Geschichten auszulassen.
Geschichte der Lilith
· 1870
Lilith ist ein altorientalischer weiblicher Dämon sumerischer Herkunft. Wie in der späteren akkadischen Auffassung und in ihrem spätantiken Nachleben wird mit ihr eine negative Konnotation verbunden. Der Name wird heute in verschiedenen Sprachen als Vorname vergeben. Die Dämonin Lilith wohnte nach sumerischer Überlieferung im Stamm des Weltenbaumes (Heiliger Baum von Eridu). Nachdem dieser jedoch auf Befehl Inannas hin gespalten worden war, floh Lilith in ein unbekanntes Gebiet.
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:08:13 „Warum sind diese Texte hier drin, aber andere Texte, wie zum Beispiel Judith und Holofernes oder die tolle Geschichte der Lilith, der verstoßenen ersten Frau Adams, ist eben nicht in der Bibel. Also über die Apokryphen müssen wir uns auch nochmal unterhalten.“
Im Zusammenhang mit der Frage nach dem biblischen Kanon erwähnt Sabine Rückert die Lilith-Überlieferung – die Erzählung von der verstoßenen ersten Frau Adams. Sie bezeichnet sie als 'tolle Geschichte' und zählt sie zu den apokryphen Texten, die sie in späteren Episoden behandeln möchten.
Kolumne über den Blasphemie-Paragraphen
Thomas Fischer
Der Artikel hinterfragt den Straftatbestand der Gotteslästerung (§166 StGB) und argumentiert, dass dieser in einer aufgeklärten Gesellschaft überflüssig und rückständig ist. Der ehemalige BGH-Richter Thomas Fischer deutet sarkastisch an, dass ein allmächtiger Gott keinen staatlichen Schutz benötigt – eine Position, die bereits in biblischen Texten angelegt ist. Der Artikel stellt grundsätzlich infrage, ob der Staat überhaupt Weltanschauungen durch Strafrecht schützen sollte.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:24:51 „Wir hatten bis vor einigen Jahren einen Kolumnisten bei Zeit Online, der hieß Thomas Fischer und war ein Richter am Bundesgerichtshof. Und der hat sich eines Tages in einer Kolumne mit dem Paragrafen der Gotteslästerung auseinandergesetzt. In einer sehr lesenswerten Kolumne.“
Als Gideons Vater Joasch den sarkastischen Einwand macht, Baal solle sich doch selbst verteidigen, schlägt Sabine Rückert die Brücke zur Gegenwart. Sie zitiert ausführlich aus einer Kolumne des ehemaligen BGH-Richters Thomas Fischer auf Zeit Online, die den Blasphemie-Paragraphen (§166 StGB) hinterfragt. Fischer argumentiert brillant-sarkastisch, dass ein allmächtiger Gott keinen Straftatbestand zu seinem Schutz braucht – ein Gedanke, den Sabine Rückert bereits im Bibeltext des Joasch angelegt sieht.
Winnetou
Karl May · 2023
* Winnetou, l'Homme de la prairie * Le Trésor des Montagnes rocheuses * La Trahison des Commanches * Dans la forteresse des trappeurs Le narrateur, nouvel arrivé au FarWest, traité de greenhorn (piedtendre, novice) par ses compagnons avec qui il réalise l'arpentage du futur tracé d'une ligne de chemin de fer pour l'Atlantic and Pacific Company, ne tarde pas à réaliser, sans en avoir l'air, de tels exploits qu'on le surnomme rapidement Old Shatterhand (La main qui frappe).
🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:38:11 „Ja, du musst dir jetzt vorstellen, das ist so eine Karl-May-Anschleich-Aktion. Und dann kommt aber noch der Witz, wenn du dich alleine fürchtest, dann nimm doch deinen Diener Purer. Dann geh jetzt wie Winnetou mit dem Old Chatterhand, geht mal runter und belauscht.“
Johanna Haberer vergleicht die Spionage-Szene, in der Gideon und sein Diener Pura sich ins feindliche Lager der Midianiter schleichen, mit einer typischen Karl-May-Szene. Der Vergleich mit Winnetou und Old Shatterhand unterstreicht das Abenteuerhafte und leicht Absurde dieser biblischen Episode.