Die Suche nach einem besseren Ort
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Ein Live-Mitschnitt vom Zeit-Online-Podcast-Festival: Inspiriert von Jasmina Rezas Roman „Serge
„Immer ist es irgendwo anders besser. In seinen Augen war das kein gutes Omen.“
Erwähnte Medien (15)
Serge
Yasmina Reza · 2021
« Chez ma mère, sur sa table de chevet, il y avait une photo de nous trois rigolant enchevêtrés l’un sur l’autre dans une brouette. C’est comme si on nous avait poussés dedans à une vitesse vertigineuse et qu’on nous avait versés dans le temps. »
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:01:30 „Ich las dieses Buch oder ich habe es vorgelesen bekommen, ehrlich gestanden von meinem Mann, von Jasmina Reza Sersch. Und da ist eine Stelle drin, die mich zu der Frage inspiriert hat, gibt es eigentlich einen besseren Ort? Und wenn ja, wo ist er?“
Der Roman "Serge" von Yasmina Reza ist der zentrale Ausgangspunkt der gesamten Folge. Sabine Rückert liest eine längere Passage daraus vor, in der der Erzähler Jean Tauben in Paris beobachtet, die rastlos von Ort zu Ort fliegen — als Metapher für die menschliche Suche nach dem besseren Ort. Diese Passage inspirierte Rückert, mit ihrer Schwester eine Sondersendung über das Paradies und die Sehnsucht nach dem besseren Ort zu machen.
Autobiographische Schriften
Thomas Bernhard · 2010
Einzigartig und einmalig: die autobiographischen Erzählungen Thomas Bernhards in einem Band! "Die Ursache" und ihre Folgen: In fünf Erzählungen zwischen Dichtung und Wahrheit legt Thomas Bernhard offen, wie er der Schrifsteller wurde, der er war - von der Kindheit über die Internatszeit in Salzburg, die Lehre und das Studium bis zur Isolation des Achtzehnjährigen in einer Lungenheilstätte.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:03:53 „Mir fällt Thomas Bernhard ein, der nach Nahtal ging, um sich von Wien zu erholen, und zurück nach Wien ging, um von Nahtal zu gesunden. Hin und her in einem immer hektischeren Rhythmus, der sich selbst mit einer grandiosen Formel als der unglücklichste Ankommende bezeichnete.“
Sabine Rückert liest aus Yasmina Rezas Roman 'Serge' vor und zitiert dabei eine Passage, in der der Erzähler Thomas Bernhards rastloses Pendeln zwischen Nathal und Wien als Parallele zur ruhelosen Suche nach dem besseren Ort heranzieht.
Der Mond ist aufgegangen
Matthias Claudius
Das Abendlied ist ein Gedicht von Matthias Claudius, das zu den bekanntesten Werken der deutschen Literatur gehört und unter dem Titel des ersten Verses Der Mond ist aufgegangen in der Vertonung von Johann Abraham Peter Schulz als christliches Lied bekannt ist. Es wurde zum ersten Mal im Musen-Almanach für 1779 (herausgegeben von Johann Heinrich Voß) veröffentlicht und fehlt seitdem in kaum einer Anthologie. Vorlage war das Gedicht Nun ruhen alle Wälder von Paul Gerhardt aus dem Jahre 1647.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:10:28 „das berühmtere Gedicht von Matthias Claudius, »Der Mond ist aufgegangen«, das wird hier jeder kennen.“
Sabine Rückert erwähnt das bekannte Gedicht als Referenz, bevor sie ein anderes, weniger bekanntes Gedicht von Claudius vorliest
Ich sehe oft um Mitternacht
Matthias Claudius
Matthias Claudius (Pseudonym Asmus, * 15. August 1740 in Reinfeld (Holstein); † 21. Januar 1815 in Hamburg) war ein deutscher Dichter und Journalist, bekannt als Lyriker mit volksliedhafter, intensiv empfundener Verskunst. Matthias Claudius wurde als viertes Kind des Reinfelder Pastors Matthias Claudius und als zweites Kind seiner zweiten Frau Maria, geborene Lorck, geboren. Er besuchte die Gelehrtenschule in Plön. Im Sommersemester 1759 begann er das Studium der Theologie in Jena, später der Rechts- und Verwaltungswissenschaft.
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:10:28 „Er hat aber noch ein anderes Gedicht geschrieben, das mir sehr viel besser gefällt. Das ist mein Lieblingsgedicht von ihm. Und das geht so. Ich sehe oft um Mitternacht, wenn ich mein Werk getan“
Sabine Rückert liest das vollständige Gedicht vor, das von der Sehnsucht nach einem besseren Ort handelt und thematisch zur Sendung passt
Ich sehe oft um Mitternacht
Matthias Claudius · 1879
Das weniger bekannte Gedicht »Ich sehe oft um Mitternacht« von Matthias Claudius handelt von einem nächtlichen Betrachter, der die Sterne ansieht und eine tiefe existenzielle Sehnsucht empfindet. Das Gedicht thematisiert die menschliche Suche nach etwas Besseren jenseits von Schmerz und Lust und wird als poetischer Beleg für die innere, existenzielle Dimension dieser Sehnsüchte relevant.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:10:40 „Ich lese jetzt mal ein Gedicht vor von Matthias Claudius. Wahrscheinlich kennen das nicht viele Leute, aber das berühmtere Gedicht von Matthias Claudius, »Der Mond ist aufgegangen«, das wird hier jeder kennen. Er hat aber noch ein anderes Gedicht geschrieben, das mir sehr viel besser gefällt. Das ist mein Lieblingsgedicht von ihm.“
Sabine Rückert trägt das weniger bekannte Gedicht von Matthias Claudius vollständig vor, in dem ein nächtlicher Betrachter die Sterne ansieht und spürt, dass es etwas Besseres geben muss als Schmerz und Lust. Sie nutzt es als poetischen Beleg dafür, dass die Suche nach dem besseren Ort eine innere, existenzielle Sehnsucht ist.
Der Mond ist aufgegangen
Matthias Claudius · 2006
»Der Mond ist aufgegangen« ist eines der bekanntesten Gedichte des deutschen Dichters Matthias Claudius aus dem 18. Jahrhundert. Es beschreibt den Anblick des aufgehenden Mondes und verbindet Naturbeobachtung mit philosophischen Gedanken über Menschheit und Vergänglichkeit. Das Gedicht wurde vielfach vertont und ist in der deutschen Literaturgeschichte sehr präsent. Sabine Rückert nutzt es als bekannten Bezugspunkt, um ein weniger populäres Werk desselben Autors vorzustellen.
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:10:40 „Wahrscheinlich kennen das nicht viele Leute, aber das berühmtere Gedicht von Matthias Claudius, »Der Mond ist aufgegangen«, das wird hier jeder kennen.“
Sabine Rückert erwähnt das bekanntere Gedicht von Matthias Claudius als Kontrast, bevor sie sein weniger bekanntes Gedicht vorträgt, das sie persönlich bevorzugt.
Du musst dein Leben ändern
Peter Sloterdijk · 2009
Die Kleine Bibliothek der Weltweisheit versammelt berühmte Werke zur klugen und gelungenen Lebensführung. Sie befassen sich mit den zeitlos gültigen Fragen: Was überhaupt ist Glück? Was müssen wir tun, wie sollen wir handeln? Wie können wir mit Rückschlägen des Lebens am besten umgehen? Was sind wir unseren Mitmenschen schuldig? Und worin besteht ein richtiges, ein gerechtes Leben? Die hier versammelten Texte sind als Meisterwerke der Weltweisheit und Lebenskunst in das Gedächtnis der Menschheit...
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:14:48 „Der Philosoph Sloterdijk, der nennt das Aufwärtsspannung oder Senkrechtspannung, dass wir einfach eigentlich immer uns weiterentwickeln wollen. Vertikalspannung heißt es ja, dass wir uns immer weiterentwickeln wollen und immer besser werden wollen in dem, was wir tun.“
Johanna Haberer verweist auf Sloterdijks Konzept der Vertikalspannung — die urmenschliche Sehnsucht nach Selbstverbesserung. Sie ordnet dieses philosophische Konzept in die Diskussion über die Suche nach dem besseren Ort ein: Sowohl Glück als auch Unglück des Menschen liegen in dieser nie endenden Sehnsucht.
Walking Dead
· 2010
Nach einer weltweiten Zombie-Apokalypse sucht eine Gruppe Überlebender, unter Führung des Sheriffs Rick Grimes, nach einer dauerhaften und vor allem sicheren Bleibe. Dabei stellen die fast überall präsenten Untoten eine permanent vorhandene Bedrohung dar, die jederzeit ohne Vorwarnung zuschlagen kann.
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:18:23 „Das ist ja im Moment ganz verbreitet, wenn man fast alle Serien beschäftigen sich damit, ob das Walking Dead ist oder sonst was“
Als Beispiel für die aktuelle Faszination von Dystopien in der Popkultur erwähnt
Utopia
Thomas Morus · 2018
Thomas Morus: Utopia | Für die eBook-Ausgabe neu lektoriert und mit modernisierter Rechtschreibung. Voll verlinkt, mit eBook-Inhaltsverzeichnis und einem erklärenden Vorwort. Dieses Buch hat gewaltige Wirkung hinterlassen. Es ist die erste ›Sozialutopie‹, und wurde zum Vorläufer eines ganzes Genres. Der Engländer Thomas More (1478–1535), der es im Alter von 37 Jahren schrieb, schildert darin einen, aus seiner Sicht idealen Staat. – Die Utopier kennen kein Privateigentum.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:18:43 „Es gibt ja den Begriff der Utopie. Und dieser Utopiebegriff, der ist auf einen Roman zurückzuführen, der vor über 500 Jahren geschrieben worden ist. Der hieß Utopia. Geschrieben wurde er von Thomas Morus, einem Politiker und Gelehrten, der 1487 bis 1535 gelebt hat.“
Sabine Rückert führt Thomas Morus' Roman "Utopia" als historischen Ursprung des Utopiebegriffs ein. Sie beschreibt ausführlich die auf der fiktiven Insel herrschenden Zustände — radikale Gleichheit, Abschaffung des Geldes, demokratische Regierung — und zieht dann die Parallele, dass in jeder Utopie bereits die Dystopie angelegt sei, wie der Sowjetkommunismus oder das heutige China zeigten.
Metro 2033
Dmitri Glukhovsky · 2017
The year is 2033. The world has been reduced to rubble. Humanity is nearly extinct and the half-destroyed cities have become uninhabitable through radiation. Beyond their boundaries, they say, lie endless burned-out deserts and the remains of splintered forests. Survivors still remember the past greatness of humankind, but the last remains of civilisation have already become a distant memory. Man has handed over stewardship of the Earth to new life-forms.
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:20:35 „Das ist ja im Moment ganz verbreitet, wenn man fast alle Serien beschäftigen sich damit, ob das Walking Dead ist oder sonst was, Metro 2033 oder natürlich alle, na wie heißt da, alle apokalyptischen Großfilme.“
Metro 2033 wird neben Walking Dead als weiteres Beispiel für populäre Dystopien genannt, die die gegenwärtige Angst vor apokalyptischen Szenarien widerspiegeln.
Terminator
James Cameron · 1984
Ein Cyborg aus der Zukunft wird auf eine tödliche Mission in die heutige Gegenwart geschickt. Er soll Sarah Connor töten, eine junge Frau, die eine entscheidende Rolle für die Zukunft der Menschheit spielen wird. Sie hat nur eine Chance, Kyle Reese, ein Freiheitskämpfer, der ebenfalls aus der Zukunft kommt.
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:20:50 „Ja, apokalyptische Großfilme, Terminator, genau. Das sind natürlich alles Dystopien.“
Terminator wird als Beispiel für apokalyptische Großfilme genannt, die dystopische Zukunftsvisionen zeigen. Sabine Rückert reiht den Film in eine Aufzählung populärkultureller Dystopien ein.
2012
· 2009
2012 endet nach dem Kalender der Maya ein Zeitalter und die bekannte Welt wird in einer Katastrophe untergehen. Während Experten nach einem Ausweg suchen und die US-Regierung bereits einen geheimen Plan für die Rettung eines Teils der Menschheit erstellt, sind sich normale Bürger wie Jackson Curtis der nahenden Naturkatastrophe nicht bewusst. Die Begegnung mit dem Wissenschaftler Charlie Frost, der die Anzeichen für das bevorstehende Weltende dokumentiert, nimmt Curtis zunächst nicht ernst.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:21:00 „Ja, 2012. Die Menschheit lebt irgendwie unter der Erde und so weiter. Das ist ja das, was uns im Moment zu Recht beschäftigt.“
Der Katastrophenfilm 2012 wird als weiteres Beispiel für dystopische Filme genannt, die die Vorstellung vom Weltuntergang thematisieren. Rückert sieht darin einen Spiegel aktueller gesellschaftlicher Ängste.
Titel über Utopien und Dystopien
Thomas Assheuer
Der Artikel von Thomas Assheuer untersucht das klassische Werk "Utopia" von Thomas Morus und diskutiert die Bedeutung von utopischem Denken in der heutigen Zeit. Er argumentiert, dass Utopien als politische Hoffnungsbilder kaum noch funktionieren und dass die wichtigste Aufgabe moderner Gesellschaften darin besteht, das Schlimmste zu verhindern, anstatt bessere Welten zu entwerfen.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:21:08 „Deswegen habe ich unseren Philosophen des Hauses, Thomas Assauer, damals gebeten, sich mit der Frage der Utopie und der Dystopie auseinanderzusetzen. Und er hat darüber einen phänomenalen Titel geschrieben. Und daraus lese ich jetzt was vor.“
Sabine Rückert zitiert ausführlich aus einer Titelgeschichte der ZEIT, die Thomas Assheuer über Utopie und Dystopie geschrieben hat. Der Artikel analysiert Thomas Morus' "Utopia" und schließt mit der These, dass die beste heutige Utopie nur noch darin bestehen könne, das Schlimmste zu verhindern.
Faust
Johann Wolfgang von Goethe · 2018
Goethes »Faust. Der Tragödie erster Teil« mit 200 Wort- und Sacherklärungen für ein besseres Textverständnis Goethes »Faust« ist schlichtweg das Menschheitsdrama. Es ist das Drama des nach Erkenntnis strebenden Menschen, der an seine eigenen Grenzen stößt. In seinem Existenzhunger überschreitet Faust diese Grenze und geht einen Pakt mit dem Teufel ein. Goethes Faust-Dichtung ist eines der wort- und motivgewaltigsten Dramen der deutschen Literatur.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:23:11 „Man ist angekommen. Verweile doch, du bist so schön. Und das schreibt er dann auch. Das Paradies ist auf schwer erträgliche Weise vollkommen.“
Sabine Rückert zitiert Goethes Faust-Formel beiläufig, als sie über Thomas Morus' Utopia spricht und die Gefahr beschreibt, dass ein vermeintlich perfekter Ort erstarrt, sobald man ihn für vollendet erklärt.
Rivers of Babylon
Boney M.
Rivers of Babylon ist ein 1978 durch die deutsche Disco-Gruppe Boney M. bekanntgewordener Song. Das Original aus dem Jahr 1970 stammt von der Rocksteady-Gruppe The Melodians und beruht auf Texten des Alten Testaments. Das Stück gehörte lange Zeit zu den meistverkauften Produktionen der deutschen Musikindustrie.
🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:32:45 „The River of Babylon, also wir kennen das, Psalm 126 ist es. Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.“
Johanna Haberer sucht ein tröstendes Schlusswort und leitet den Psalm 126 mit dem Verweis auf den bekannten Song 'Rivers of Babylon' ein, um die kulturelle Brücke zwischen Pop-Musik und biblischem Text zu schlagen. Die Erwähnung dient als Wiedererkennungsanker für die Zuhörer.