Zu Weihnachten – das Erlebnis der Mystik
Sabine Rückert & Johanna Haberer
In dieser Weihnachtssondersendung dreht sich alles um die mystische Gotteserfahrung — von der Entrückung des Paulus auf dem Weg nach Damaskus bis zu den prophetischen Visionen des Alten Testaments. Dabei wird diskutiert, ob Mystik ein spezifisch christliches Phänomen ist oder in der gesamten jüdisch-christlichen Tradition wurzelt, und warum gerade Weihnachten als kollektives Gotteserlebnis verstanden werden kann.
„Ganz am Anfang des Christentums steht schon sowas wie eine Erfahrung der Entrückung.“
Erwähnte Medien (22)
Shodokar - Gesang vom Erleben der Wahrheit
Gedicht aus dem 7. Jahrhundert über die Einheit aller Religionen und mystische Erfahrung. Ein klassisches Werk der spirituellen Literatur, das religiöse Grenzen überwindet und die innere Dimension von Glaubenstraditionen erforscht.
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:04:42 „Ich habe in der Neuen Züricher Zeitung ein kleines Gedicht gefunden, das heißt Shodokar, Gesang vom Erleben der Wahrheit.“
Sabine Rückert zitiert ein Gedicht aus dem 7. Jahrhundert über die Einheit aller Religionen, um die religionsübergreifende Dimension der Mystik zu illustrieren
Shodokar – Gesang vom Erleben der Wahrheit
Buddhistische Gedicht aus dem 7. Jahrhundert, das die Einheit aller Religionen durch das Bild eines Mondes symbolisiert, der sich in allen Wassern spiegelt. Das Werk widerlegt die Ansicht, dass Mystik ausschließlich ein christliches Phänomen sei.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:04:45 „Ich habe in der Neuen Züricher Zeitung ein kleines Gedicht gefunden, das heißt Shodokar, Gesang vom Erleben der Wahrheit. Und da heißt es, ein und derselbe Mond spiegelt sich in allen Wassern. Alle Monde im Wasser spiegeln.“
Sabine Rückert zitiert dieses buddhistische Gedicht aus dem 7. Jahrhundert, das sie in der NZZ gefunden hat, als Gegenposition zu Johannas These, Mystik sei ein rein christliches Phänomen. Das Gedicht mit dem Bild des einen Mondes, der sich in allen Gewässern spiegelt, steht für die Einheit aller Religionen.
Artikel über Mystik als religionsübergreifende Erfahrung
Der NZZ-Artikel präsentiert das "Shodoka" (證道歌), ein klassisches Zen-Gedicht von Yoka Daishi aus dem 8. Jahrhundert, dessen Titel als "Gesang vom Erleben der Wahrheit" oder "Gesang der Erleuchtung" übersetzt wird. Der Artikel nutzt diesen Text als Ausgangspunkt für die These, dass mystische Erfahrung – ob in der jüdischen Kabbalah, im Zen-Buddhismus oder anderen Traditionen – kein konfessionelles Privileg ist, sondern ein universell-menschliches Phänomen. Mystik wird dabei als religionsübergreifende Direkterfahrung des Absoluten beschrieben, die jenseits dogmatischer Grenzen existiert.
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:05:43 „Ich habe in der Neuen Züricher Zeitung ein kleines Gedicht gefunden, das heißt Shodokar, Gesang vom Erleben der Wahrheit. Die schreiben auch darüber, dass eben Mystik tatsächlich Kabbalah, die jüdische Mystik und so, dass das eine religionsübergreifende Erfahrung ist.“
Sabine Rückert bezieht sich auf einen NZZ-Artikel, in dem argumentiert wird, dass Mystik – einschließlich Kabbalah und anderer Traditionen – eine religionsübergreifende Erfahrung sei. Der genaue Titel des Artikels wird nicht genannt.
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen
Rainer Maria Rilke · 2015
Inspiriert von seinen Russlandreisen mit Lou Andreas-Salomé schrieb Rilke Verse von großer Musikalität und emotionaler Tiefe. In "Das Stunden-Buch" begegnen wir einem jungen Dichter auf der Suche: nach Gott, nach Sinn, nach einer Sprache für das Innerste. Rilke schafft dabei Gedichte, die wie moderne Gebete klingen – leise, tastend, oft von überraschender Klarheit.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:06:45 „Darf ich zum Anfang unserer Sendung ein gutes Wort zum Anfang sagen, das sehr schön hineinpasst? Ich habe ein schönes Gedicht, das dir vielleicht auch gefallen wird. Es ist nämlich von einem deiner Lieblingsdichter, Rainer Maria Rilke. Ein mystisches Gedicht, wie ich finde.“
Sabine Rückert trägt als Einstieg in die Sendung über Mystik ein Gedicht von Rilke vor, in dem das lyrische Ich um Gott kreist wie um einen uralten Turm. Sie wählt es bewusst als Beispiel für moderne Mystik in der Dichtung und als Überleitung zum Thema Gotteserfahrung.
Siddhartha
Hermann Hesse · 2017
Siddhartha is a work written in 1922 by Hermann Hesse that describes with the spiritual journey of a man named Siddhartha during the time of the Gautama Buddha. The book was Hesse's ninth novel and was written in German, in a very simple style.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:07:56 „Hermann Hesse, der aus der Erfahrung, der war ja Pfarrerssohn, aus der Erfahrung und dem Ablegen bestimmter christlicher, dogmatischer Normen und dann eine Reise nach Indien oder Indonesien und dort die asiatische Religion kennenlernend und das zusammendenkend, dann hat er seinen Siddhartha geschrieben und ganz mystische Gedichte.“
Johanna Haberer zählt Hermann Hesse zu den modernen deutschen Mystikern. Hesse habe als Pfarrerssohn christliche Dogmen abgelegt, sei nach Asien gereist und habe aus der Verbindung beider Welten den Siddhartha geschrieben – ein Paradebeispiel für religionsübergreifende mystische Literatur.
Der schwebende Engel
Ernst Barlach
Der schwebende Engel des Bildhauers Ernst Barlach wurde 1927 im Güstrower Dom installiert und prägt seitdem diesen Ort. Die Nationalsozialisten betrachteten das Kunstwerk als "entartet" und entfernten es 1937 aus politischen Gründen. Nach dem Krieg kehrte die Plastik an ihren ursprünglichen Platz zurück und steht heute als Zeugnis der kulturellen Widerstandskraft gegen die Zerstörungswut des NS-Regimes. Der Engel symbolisiert, wie bedeutende Kunstwerke die ideologischen Angriffe überdauern können.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:08:45 „Er erzählt zu den deutschen Mystikern auch Künstler wie Ernst Barlach, der diese wunderbaren Figuren, geistliche Figuren, den Engel zum Beispiel. Das ist in einer Güstroher Kirche, oder? Ja, der schwebende Engel. Großartig, wenn man da davor steht, da kann man im Grunde genommen, man kann ein bisschen erstarren davor und eine Stunde stehen und nur diesen Engel anschauen.“
Johanna Haberer nennt Ernst Barlachs schwebenden Engel in der Güstrower Kirche als Beispiel für mystische Kunst. Sie beschreibt die überwältigende Wirkung der Skulptur – man könne davor erstarren und sie eine Stunde lang anschauen – als Beleg dafür, dass mystische Erfahrung auch über bildende Kunst vermittelt wird.
Ich steh an deiner Krippen hier
Paul Gerhardt
Ich steh an deiner Krippen hier ist ein bekanntes evangelisches und ökumenisches Weihnachtslied.
🗣 Johanna Haberer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:09:36 „nämlich Ich stehe an deiner Krippe hier. Und vielleicht hören wir uns diesen Text mal an.“
Johanna Haberer stellt das Weihnachtslied als Beispiel für einen mystischen Text vor, der allgemein bekannt ist, aber selten als mystisch erkannt wird
Meine Beichte
Leo Tolstoi · 2023
In "Meine Beichte" reflektiert Leo Tolstoi auf eindringliche Weise über sein Leben, seine inneren Kämpfe und die Suche nach Sinn und Wahrheit. In einem zutiefst persönlichen und autobiografischen Stil, der gleichzeitig auf eine universelle Dimension zielt, beschreibt Tolstoi seine geistigen Konflikte, die ihn zu einem radikalen Umdenken führten.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:13:06 „Er beschreibt in diesem Büchlein, das heißt Meine Beichte, hat er mit 50 geschrieben, beschreibt er, dass er sehr atheistisch geworden ist. Und zwar, er lebte im 19. Jahrhundert in einer Oberschicht.“
Johanna Haberer stellt Tolstois autobiografisches Werk ausführlich vor, in dem er seine zehnjährige Sinnkrise beschreibt. Der Text wird als Schlüsselwerk vorgelesen und besprochen: Tolstoi erkennt, dass die vernünftige Erkenntnis allein keine Antwort auf die Frage nach dem Lebenssinn gibt und dass nur der Glaube – das Verhältnis des Endlichen zum Unendlichen – diese Lücke füllen kann.
Der Tod des Iwan Iljitsch
Leo Tolstoi · 1886
Tolstois Novelle erzählt von Iwan Iljitsch, dessen Leben und hoher gesellschaftlicher Status sich beim Sterben als Illusion entpuppen. Nur der einfache Knecht Gerasim bietet ihm elementaren Trost, während die standesgemäße Umwelt versagt. Das Werk illustriert, dass echte menschliche Zuwendung jenseits von Intellekt und Konvention liegt und dient als literarisches Beispiel für die Tiefenwirkung echter Mitmenschlichkeit in existenziellen Momenten.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:17:44 „Er hat zum Beispiel das Buch geschrieben, Der Tod des Ivan Ilyich, wo es nur darum geht, dass jemand stirbt, der ein sinnloses Leben geführt hat und erst sterben kann, als er sich das eingesteht.“
Sabine Rückert erwähnt die Erzählung als Beispiel für Tolstois mystische Spätwerke
Der Morgenstern
Karl Ove Knausgård · 2022
Es ist Sommer in Norwegen. Eigentlich eine beschauliche, sonnengetränkte Zeit. Doch nun scheint etwas aus den Fugen geraten zu sein. Krabben spazieren an Land, Ratten tauchen an überraschenden Stellen auf, eine Katze kommt unter seltsamen Umständen ums Leben. Kurzum: Die Tiere verhalten sich wider ihre Natur.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:17:44 „Und aus dem Buch »Der Morgenstern«, Das kürzlich erschienen ist ein hochmystisches Werk über den langsam sich einstellenden Untergang der Welt.“
Sabine Rückert liest eine lange Passage aus dem apokalyptischen Roman vor, in der eine Figur eine mystische Erfahrung in einer Kirche und im Wald macht
Die Lilie auf dem Felde und der Vogel unter dem Himmel
Søren Kierkegaard · 1885
Søren Kierkegaards Predigtensammlung behandelt biblische Weisheiten über das Vertrauen und die spirituelle Freiheit, interpretiert anhand der Bibelstelle über die Lilien auf dem Feld und die Vögel des Himmels. Das Werk verbindet die philosophische Reflexion mit mystischer Erfahrung und wirkt als spiritueller Wendepunkt in der literarischen Verarbeitung innerer Transformationen.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:17:44 „Ein Band hatte Vogel im Titel und ich zog ihn heraus. die Lilie auf dem Felde und der Vogel unter dem Himmel.“
Wird innerhalb der vorgelesenen Knausgård-Passage erwähnt – die Romanfigur findet diesen Kierkegaard-Band und erlebt beim Lesen ein mystisches Gefühl
Auferstehung
Leo Tolstoi · 2024
"Nur die Menschen meinten, nicht dieser Frühlingsmorgen, nicht diese himmlische Weltenschönheit, die zur Freude aller lebenden Wesen geschaffen war und sie alle zum Frieden, zur Eintracht und Zärtlichkeit zurückführen sollte, wäre wichtig und heilig, nein, wichtig und heilig wäre nur das, was sie selbst ersonnen, um sich gegenseitig zu quälen und zu betrügen." (Zitat S. 3 in diesem Buch) Tolstois großer Roman "Auferstehung" fasziniert seine Leserinnen und Leser seit seinem Erscheinen.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:18:33 „Oder er hat geschrieben, die Auferstehung über einen jungen Patrizia, der eine ihm untergebene Dienerin oder Hausangestellte schwängert und stehen lässt und die dann ins Unglück stürzt und ihr dann später wieder begegnet, als er als Schöffe im Gericht sitzt und sie verurteilt wird.“
Sabine Rückert beschreibt Tolstois Roman als weiteres Beispiel für seine hochmoralischen Spätwerke. Die Geschichte eines Adligen, der die Konsequenzen seines eigenen Fehlverhaltens im Gerichtssaal erkennt, illustriert Tolstois mystisch-moralische Weltsicht nach seiner religiösen Wende.
Furcht und Zittern
Søren Kierkegaard · 1950
Kierkegaards philosophisches Werk untersucht die Opferungsszene Abrahams durch psychologische Tiefenanalyse. Das Buch meditiert über das Ungesagte: die inneren Gedanken Abrahams, Sarahs und Isaaks während dieser existenziellen Prüfung. Die biblische Erzählung offenbart durch ihre Knappheit und Stille gerade dadurch ihre tiefe Wirkung auf philosophisches Denken.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:31:50 „Als ich damals Furcht und Zittern las, war ich so begeistert von Kierkegaards Gedanken und Stil gewesen, dass ich beim Verlag in Dänemark unverzüglich seine gesammelten Werke bestellt hatte. Es waren über 50 Bände und ich hatte, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, keinen einzigen von ihnen jemals geöffnet.“
Das Buch wird innerhalb der vorgelesenen Passage aus Knausgårds Roman erwähnt. Die Romanfigur erinnert sich an ihre frühere Begeisterung für Kierkegaards philosophisches Werk über den Glaubenssprung, die jedoch schnell verflog – ein Detail, das die intellektuelle Distanz der Figur zur Religion unterstreicht.
Dona Nobis Pacem
Agnus Dei (lateinisch für Lamm Gottes, oder altgriechisch Ἀμνὸς τοῦ Θεοῦ Amnòs toû Theoû) ist ein seit ältester Zeit im Christentum verbreitetes Symbol für Jesus Christus. Als Osterlamm, gekennzeichnet mit der Siegesfahne, ist es ein Symbol für die Auferstehung Jesu Christi. Es ist häufiger Bestandteil der christlichen Kunst und ein christliches Symbol in der Heraldik. Agnus Dei sind außerdem die ersten Worte eines Gebets oder Gesangs der eucharistischen Liturgie.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:35:16 „Und dann habe ich die gebeten, Dona Nobis Patem im Kanon zu singen. Und da war vollkommen klar, da gab es vielleicht zwei, die diesen Kanon jemals gehört haben und alle anderen. Aber wir hatten eine Geige dabei und wir hatten eine Sängerin. Wir haben das hingekriegt.“
Johanna Haberer erzählt von einer persönlichen Erfahrung bei einer Rotary-Club-Andacht, bei der sie die Anwesenden den Kanon 'Dona Nobis Pacem' singen ließ. Eine Frau war danach so bewegt, dass sie sagte, sie habe ihre eigene Stimme seit 40 Jahren nicht mehr beim Singen gehört.
Der Großinquisitor
Fjodor Dostojewski
In der Erzählung "Der Großinquisitor", einem Teil von Fjodor Michailowitsch Dostojewskis Meisterwerk "Die Brüder Karamasow", entfaltet sich ein intensiver Dialog zwischen Freiheit und Autorität in der Person des Großinquisitors, der Jesus Christus in die Inquisition vorführt. Dostojewski nutzt eine tiefgründige, philosophische Prosa und dichte Symbolik, um zentrale Themen wie Glauben, Zweifel und die menschliche Natur zu thematisieren.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:41:16 „Ja, es gibt es als Reklamheft. Der Großinquisitor kannst du dir extra bestellen. Als Exzerpt haben wir in der Schule gelesen.“
Sabine Rückert ergänzt, dass die Großinquisitor-Parabel auch als eigenständiges Reclam-Heft erhältlich ist und sie es bereits in der Schule gelesen hat. Dies unterstreicht die Bekanntheit und Bedeutung dieses Textauszugs als eigenständiges Werk.
Die Brüder Karamasow
Fjodor Dostojewski · 2018
Der Großinquisitor ist das fünfte Kapitel des fünften Buches aus dem Roman Die Brüder Karamasow von Fjodor Dostojewski, das auch separat unter demselben Titel veröffentlicht worden ist. Zur Inhalt: Die Brüder Iwan und Aljoscha Karamasow treffen sich in einem Gasthaus. Der jüngere Aljoscha ist ein tief gläubiger Mönch, während Iwan ein atheistischer Intellektueller ist. Er erzählt die Binnenerzählung über den Großinquisitor. Diese handelt davon, dass Jesus Christus im Sevilla des 16.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:48:30 „Warum bist du gekommen, uns zu stören? Ja, das ist ja fantastisch. Das ist eine fantastische Passage. Der Dostoevsky, was für ein verrückter Typ.“
Johanna Haberer kommentiert begeistert eine offenbar vorgelesene Passage aus Dostojewskis Großinquisitor-Kapitel als Beispiel für mystischen und institutionenkritischen Zugang
Bertelsmann-Umfrage zu Kirchenaustritten
Die Bertelsmann-Umfrage untersucht die Kirchenaustritte in Deutschland und dokumentiert eine erhebliche Austrittswelle im Jahr 2022. Trotz dieser Austritte glauben über 80 Prozent der Deutschen weiterhin an Gott, was auf eine innere Abwendung von institutionalisierten Kirchen hindeutet. Die Studie illustriert den Wandel zu einer personalisierten, weniger institutionsgebundenen Spiritualität und untermauert damit theologische Überlegungen zur Zukunft der Religiosität in modernen Gesellschaften.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:49:57 „Aber wir haben jetzt auch eine neue Bertelsmann-Umfrage in der Zeit veröffentlicht, in der es darum geht, dass die Leute sich innerlich von den Kirchen abwenden. Viele treten ja aus aus der Kirche. Wir haben eine erhebliche Austrittswelle im Jahr 2022 wieder gehabt.“
Sabine Rückert verweist auf eine in der ZEIT veröffentlichte Bertelsmann-Umfrage, die zeigt, dass viele Menschen aus der Kirche austreten, aber über 80 Prozent der Deutschen weiterhin an Gott glauben. Sie nutzt die Studie, um Karl Rahners These von der Zukunft der Mystik zu untermauern.
Mittagsstunde
Lars Jessen · 2022
Ingwer Feddersen kehrt in sein Heimatdorf Brinkebüll zurück, als er sieht, dass seine Großeltern mit Problemen zu kämpfen haben. Sein Großvater will seine Kneipe nicht aufgeben und seine Großmutter wird immer verwirrter. Ingwer merkt schnell, dass das ganze Dorf nicht mehr so ist wie früher. Er fragt sich, wann genau der Niedergang begonnen hat.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:53:46 „auch aus einem modernen Buch von Dörte Hansen, Mittagsstunde. Es handelt sich um das Leben in einem kleinen Dorf an der Nordseeküste“
Sabine Rückert liest eine lange Passage vor, in der ein Kriegsheimkehrer eine dunkle, auf Vergeltung beruhende Gottesbeziehung erlebt – Johanna Haberer empfiehlt das Buch ausdrücklich
Mittagsstunde
Dörte Hansen · 2018
Über Verlust, Neuanfang und das, was Heimat bedeutet Die Wolken hängen schwer über der Geest, als Ingwer Feddersen, 47, in sein Heimatdorf zurückkehrt. Er hat hier noch etwas gutzumachen. Großmutter Ella ist dabei, ihren Verstand zu verlieren, Großvater Sönke hält in seinem alten Dorfkrug stur die Stellung. Er hat die besten Zeiten hinter sich, genau wie das ganze Dorf.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:54:29 „Ich habe noch eine wunderbare Geschichte mitgebracht, auch modern, auch aus einem modernen Buch von Dörte Hansen, Mittagsstunde. Es handelt sich um das Leben in einem kleinen Dorf an der Nordseeküste und ein Mann, ein Russlandsoldat, kehrt nach langer Gefangenschaft in Sibirien zurück in sein Zuhause und stellt fest, dass dort niemand auf ihn gewartet hat.“
Sabine Rückert liest eine längere Passage aus Dörte Hansens Roman vor, in der ein Kriegsheimkehrer seine Schuld mit einem rechnenden, strafenden Gott verarbeitet. Sie empfiehlt das Buch am Ende ausdrücklich: 'Das Buch ist fantastisch. Das kann ich nur jedem empfehlen. Mittagsstunde, ein unglaubliches Buch.'
Großer Gott, wir loben dich (Te Deum)
Ignaz Franz
Großer Gott, wir loben dich ist ein römisch-katholisches, heute auch ökumenisches Kirchenlied. Ignaz Franz dichtete es 1768 als freie deutsche Fassung des aus dem 4. Jahrhundert stammenden lateinischen Gesangs Te Deum laudamus (Dich, Gott, loben wir), dessen liturgische Rolle es oftmals übernimmt. Es wird häufig zum Ende von feierlichen Dankgottesdiensten, etwa zum Jahresschluss, oder zu freudigen Anlässen wie der Fronleichnamsprozession gesungen und ist eines der bekanntesten deutschen Kirchenl...
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:58:32 „Die Blaskapelle auf dem Bahnhof hatte 'Großer Gott, wir loben dich' gespielt. Nur eine fromme Lüge. Wer sollte seinen Gott denn dafür loben, dass danach tausend Tagen ein Gespenst nach Hause kam?“
Das Kirchenlied wird innerhalb der vorgelesenen Passage aus Dörte Hansens 'Mittagsstunde' erwähnt. Die Blaskapelle spielt es bei der Ankunft des Kriegsheimkehrers am Bahnhof, doch für den Protagonisten ist es nur eine 'fromme Lüge' angesichts dessen, was er erlebt und getan hat.
Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren
Angelus Silesius · 1923
Dies ist eine Liste von Kirchenliedern in alphabetischer Reihenfolge mit Verweisen zu den Komponisten (K) und den Dichtern (D).
🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 01:01:37 „Es gibt einen Mystiker im 17. Jahrhundert, ein Theologe, Dichter und Arzt, der heißt Angelus Silesius. Und der sagt den berühmten weihnachtlichen Satz, und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, doch nicht in dir, du gingest ewiglich verloren. Das ist sozusagen der Spitzensatz der weihnachtlichen Mystik.“
Johanna Haberer zitiert den berühmten Vers von Angelus Silesius als Höhepunkt der weihnachtlichen Mystik-Diskussion. Der Spruch stammt aus dem 'Cherubinischen Wandersmann' und fasst die mystische These zusammen, dass religiöse Erfahrung innerlich und persönlich sein muss.
Tagebücher
Franz Kafka · 1967
Sammlung persönlicher Aufzeichnungen mit Gedanken, inneren Konflikten und philosophischen Reflexionen. Die Einträge verbinden alltägliche Beobachtungen mit tiefgründigen Überlegungen zur Natur des Lebens, zur Existenz und der verborgenen Schönheit, die überall bereit liegt.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 01:02:50 „Und er hat ein wunderbares, gutes Wort zum Schluss gesagt, das ich jetzt hier vorlesen möchte. Es steht in seinem Tagebuch aus dem Jahr 1921, ist also mehr als 100 Jahre her. Es ist sehr gut denkbar, dass die Herrlichkeit des Lebens um jeden und immer in ihrer ganzen Fülle bereit liegt, aber verhängt, in der Tiefe, unsichtbar, sehr weit.“
Sabine Rückert liest zum Abschluss der Folge ein Zitat aus Kafkas Tagebuch von 1921 vor, in dem es um die verborgene Herrlichkeit des Lebens geht, die man nur mit dem richtigen Wort rufen muss. Sie bezeichnet Kafka als mystischen Schriftsteller, der durch die Welt hindurchblickt wie durch Glas.