Hiob – warum muss der Mensch leiden
Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler
Im Buch Hiob inszeniert die Bibel eine spektakuläre Himmelswette: Gott setzt seinen treuesten Diener aufs Spiel, weil der Satan bezweifelt, dass Hiobs Frömmigkeit mehr ist als ein gutes Geschäft. Der reiche, untadelige Hiob aus dem Lande Us wird zum Versuchsobjekt einer Frage, die bis heute unbequem bleibt — ob Glaube ohne Gegenleistung überhaupt existiert.
„Glaubt man, weil man dafür etwas bekommt? Oder glaubt man, was auch immer geschieht?“
Erwähnte Medien (6)
Faust
Johann Wolfgang von Goethe · 2018
Goethes »Faust. Der Tragödie erster Teil« mit 200 Wort- und Sacherklärungen für ein besseres Textverständnis Goethes »Faust« ist schlichtweg das Menschheitsdrama. Es ist das Drama des nach Erkenntnis strebenden Menschen, der an seine eigenen Grenzen stößt. In seinem Existenzhunger überschreitet Faust diese Grenze und geht einen Pakt mit dem Teufel ein. Goethes Faust-Dichtung ist eines der wort- und motivgewaltigsten Dramen der deutschen Literatur.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:10:10 „Er kommt bei Goethes Faust, der Prolog im Himmel vor, wie der Teufel mit Gott eine Wette auf den Faust macht.“
Goethes Faust wird als literarische Parallele zur Himmelswette im Buch Hiob herangezogen
Boten Gottes. Biblische Porträts und Legenden
Elie Wiesel · 2000
Sammlung biblischer Porträts und Legenden, die sich mit Leben und Leiden zentraler biblischer Figuren wie Hiob auseinandersetzt. Das Werk hinterfragt existenzielle Fragen von Glaube und Leiden sowie die Grenzen zwischen historischer Realität und literarischer Deutung.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:18:31 „Ich fand ganz toll ein Zitat von dem Elie Wiesel, der sagt, die einen sagen, Hiob hat sehr wohl gelebt, nur sein Leiden ist eine literarische Erfindung. Dem halten andere entgegen, Hiob hat niemals gelebt, aber er hat sehr wohl gelitten.“
Johanna Haberer zitiert den jüdischen Philosophen und Nobelpreisträger Elie Wiesel mit einer pointierten Aussage über die Frage, ob Hiob eine historische oder literarische Figur ist. Das Zitat stammt aus Wiesels Auseinandersetzung mit biblischen Gestalten, in der er Hiob als exemplarische Leidensfigur deutet.
Der Koran
· 1999
Translated out of Arabique into French, by the Sieur Du Ryer ... And newly Englished, for the satisfaction of all that desire to look into the Turkish vanities. (The life and death of Mahomet. A needfull Caveat, or Admonition for them who desire to know what use may be made of, or if there be danger in, reading the Alcoran, by A. Ross.).
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:27:21 „Ich glaube, dass in allen Religionen, Hiob kommt ja auch im Koran vor und das Problem kommt ja in allen Religionen wie, warum müssen Unschuldige leiden, ist ja auch die Frage, wird als ein Menschheitsproblem verhandelt.“
Johanna Haberer erwähnt den Koran, um zu zeigen, dass die Hiob-Figur und die Frage nach dem Leid Unschuldiger nicht nur ein jüdisch-christliches, sondern ein religionsübergreifendes Menschheitsproblem ist. Die Erwähnung ist beiläufig und dient der Einordnung.
Hiob-Kommentar
Jürgen Ebach · 2014
Das Schweigen in biblischen Texten zur Sprache bringen Dreimal spricht der Gottesbote zu Hagar, diese aber schweigt. »Da wollte Kain seinem Bruder Abel etwas sagen« heißt es in Genesis 4,8 – aber Kain spricht nicht. Was, wenn diese und weitere Leerstellen keine Tradierungsfehler, sondern literarische Absicht sind? Jürgen Ebach lauscht dem beredten Schweigen in Texten des Alten und des Neuen Testaments und entdeckt eine bisher nicht wirklich wahrgenommene Form biblischer Kommunikation.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:29:12 „Es gibt also einen wunderbaren Theologen, der einen Kommentar zu Hiob geschrieben hat, das ist der Jürgen Ebach“
Der theologische Kommentar wird als Erklärung für die redundante Struktur des Buches Hiob herangezogen
Hiob. Roman eines einfachen Mannes
Joseph Roth · 2022
"Vor vielen Jahren lebte in Zuchnow ein Mann namens Mendel Singer. Er war fromm, gottesfürchtig und gewöhnlich, ein ganz alltäglicher Jude. Er übte den schlichten Beruf eines Lehrers aus. In seinem Haus, das nur aus einer geräumigen Küche bestand, vermittelte er Kindern die Kenntnis der Bibel. Er lehrte mit ehrlichem Eifer und ohne aufsehnerregenden Erfolg. Gewiß war sein Leben ständig schwer und zuweilen sogar eine Plage. Eine Frau und drei Kinder mußte er kleiden und nähren.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:32:30 „Es gibt nämlich nicht nur das Buch Hiob in der Bibel, sondern es gibt auch den Roman Hiob von Josef Roth. Josef Roth ist selbst ein Hiob gewesen. Er hat dieses Buch sehr früh geschrieben, da war er vielleicht so 30 oder 35. Er ist auch nicht viel älter geworden, ich glaube, er ist mit 45 gestorben an Trunksucht.“
Sabine Rückert stellt Joseph Roths Roman als literarische Adaption der biblischen Hiob-Geschichte vor. Sie betont die biografische Parallele: Roth selbst hatte ein schweres Leben, seine Frau wurde psychisch krank, er starb jung an Alkoholismus. Rückert kündigt an, Passagen daraus vorzulesen, und nennt das Buch 'voller Weisheiten und so großartig'.
Psalmen
With an introd. by James Muilenburg. Translated by Thomas M. Horner.
🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:47:11 „Dann haben wir auch das ganze Wissen um die Psalmen da drin. Im Hintergrund, das ist ja fast alles Psalmen, was du da liest. Das ist ein großer, großer Klagepsalm des Hiob.“
Johanna Haberer ordnet das Buch Hiob literarisch ein und identifiziert die Psalmen als wichtige Hintergrundtexte. Sie beschreibt die Hiob-Reden als großen Klagepsalm und verweist damit auf die poetische Tradition, in der das Buch Hiob steht.