Unter Pfarrerstöchtern – Hiob besiegt Gott
#108

Hiob besiegt Gott

Unter Pfarrerstöchtern / 03. November 2023 / 9 Medien

Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler

Gott antwortet Hiob endlich aus dem Wettersturm — doch statt Gerechtigkeit liefert er einen überwältigenden Naturvortrag über Nilpferde, Krokodile und die Gesetze der Schöpfung. Die Schwestern streiten darüber, ob Hiob am Ende einknickt oder triumphiert: Jack Miles argumentiert, dass Hiob Gott moralisch besiegt und ihn für den Rest des Alten Testaments zum Schweigen bringt.

„Seine Rede aus dem Sturm ist tatsächlich sein letzter Wille und sein Testament. Hiob hat Gott zum Schweigen gebracht.“
🗣 Sabine Rückert

Erwähnte Medien (9)

Der Blinde

Der Blinde

Bertolt Brecht · 1961

Der von Bertolt Brecht 1926 geprägte Begriff episches Theater verbindet zwei literarische Gattungen, das Drama und die Epik, also theatralische und erzählende Formen der Literatur. In den 1920er-Jahren hatten Bertolt Brecht und Erwin Piscator begonnen, mit neuen Formen des Theaters zu experimentieren. Sie wollten weg von der Darstellung tragischer Einzelschicksale, weg von der klassischen Illusionsbühne und ihrer Scheinrealität.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:07:15 „Lass mich kurz noch Bert Brecht zitieren. Der Bert Brecht sagt in der Kurzgeschichte der Blinde“

Johanna Haberer zitiert Brechts Kurzgeschichte über einen Mann, der erblindet und Gott nicht verzeihen will, als Gegenposition zur Hiob-Figur

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Das Tagebuch der Menschheit – Was die Bibel über unsere Evolution verrät

Das Tagebuch der Menschheit – Was die Bibel über unsere Evolution verrät

Carel van Schaik, Kai Michel · 2017

Gott wirft Adam und Eva aus dem Paradies, die Arche Noah übersteht die Sintflut, und Jesus von Nazareth erweckt Tote zum Leben – die faszinierenden Geschichten der Bibel sind fester Bestandteil unserer Kultur. Und doch stecken sie voller Rätsel und Widersprüche, die auch jahrhundertelange theologische Kontroversen nicht lösen konnten. Der Evolutionsbiologe Carel van Schaik und der Historiker Kai Michel legen nun erstmals eine verborgene Seite der Bibel frei.

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:15:20 „Ich habe natürlich hier wieder meine Anthropologen dabei, Karel van Schaik und Kai Michel, das Tagebuch der Menschheit.“

Sabine Rückert zitiert ausführlich aus dem Buch, um die Hiob-Geschichte und die Theodizee-Frage einzuordnen

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Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus

Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus

Max Weber · 2016

Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus In: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, 20. Bd., Heft 1, S. 1-54, 1904; 21. Bd., Heft 1, S. 1-110, 1905. Erstdruck der vorliegenden, umgearbeiteten Fassung in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. I, Tübingen (Mohr Siebeck) 1920, S. 17-206. Vollständige Neuausgabe. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2016, 2. Auflage.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:20:00 „Daraus erklärt sich ja auch zum Beispiel der Max Weber die ganze protestantische Arbeitsethik. Ich muss zeigen, dass Gott mir wohlgesonnen ist und deswegen habe ich hoffentlich 500 Esel und 500 Schafe und 1000, was weiß ich, und 5 Mercedes und 3 Tesla.“

Johanna Haberer verweist auf Max Webers berühmte These zum Zusammenhang von Kalvinismus und Kapitalismus, um den Tun-Ergehens-Zusammenhang in die Neuzeit zu übersetzen: Wohlstand als sichtbares Zeichen göttlicher Gnade. Sie nutzt das humorvoll, um zu zeigen, wie tief diese Hiob-Logik in der westlichen Kultur verankert ist.

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Hiob (Übersetzung)

Hiob (Übersetzung)

Jürgen Ebach · 1996

Enthält: Teil 1, Hiob 1-20; Teil 2, Hiob 21-42.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:22:08 „darum verwerfe ich und ändere meine Einstellung darüber, Auf Staub und Asche, übersetzt jetzt Ebach.“

Johanna Haberer vergleicht verschiedene Übersetzungen des Hiob-Textes und zitiert Ebachs Übersetzung als abweichende Lesart

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Kritik der zynischen Vernunft

Kritik der zynischen Vernunft

Peter Sloterdijk · 1983

Sloterdijks Untersuchung des Zynismus als Überlebensstrategie der Moderne. Er analysiert die kynische Tradition des Widerstands – vom antiken Diogenes bis zur zeitgenössischen Kritik – und zeigt, wie akademische Philosophie selbst zur Provokation werden kann. Ein Werk über Kritik, Widerstand und die Frage nach Sinn ohne Gott.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:23:30 „Aber auf der anderen Seite, in der Kritik der zynischen Vernunft, sagt das Lothar Deick, wir haben ja auch bei dem Hiob, wie gesagt, keine Theodizee-Frage. Und wenn wir keinen Gott mehr haben, welche Frage stellen wir dann eigentlich? Er nennt es eine Allgodizee-Frage.“

Johanna Haberer bringt Sloterdijks philosophisches Hauptwerk ins Gespräch, um die Hiob-Frage in die Moderne zu übersetzen. Wenn es keinen Gott mehr gibt, bleibt die Frage: Wie halten wir den Schmerz überhaupt aus? Sloterdijk nennt das eine 'Allgodizee-Frage' – eine Frage nach der Gerechtigkeit des Schmerzes ohne göttliche Adresse. Haberer spricht den Namen fälschlicherweise als 'Lothar Deick' aus, meint aber Peter Sloterdijk.

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Gott. Eine Biografie

Gott. Eine Biografie

Jack Miles · 2001

Five years after his everywhere-acclaimed, brilliantly successful, Pulitzer Prize-winning book about God as portrayed in the Old Testament--God: A Biography--Jack Miles gives us his striking consideration of Christ. He presents Christ as a hero of literature based only in part on the historical Jesus, asking us to take the idea of Christ as God Incarnate not as a dogma of religion but as the premise of a work of art, the New Testament.

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:24:10 „Ich habe hier auch Jack Miles dabei, meinen Lieblingsdichter hier und meinen Kommentator zur Sache. Gott, eine Biografie.“

Sabine Rückert zitiert ausführlich aus dem Buch, das die Bibel als Biografie einer sich wandelnden Gottesgestalt liest

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Le Sacre du Printemps

Le Sacre du Printemps

Igor Strawinsky

Le sacre du printemps. Tableaux de la Russie païenne en deux parties (dt.: Die Frühlingsweihe. Bilder aus dem heidnischen Russland in zwei Teilen; häufig auch Das Frühlingsopfer) ist die 1913 komponierte dritte der drei großen Ballettmusiken für großes Orchester, die Igor Strawinsky vor dem Ersten Weltkrieg für die Ballets Russes von Sergei Djagilew komponiert hat.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:24:10 „Während sie zu vertonen, käme nur Igor Stravinsky's Sacre du Printemps in die Nähe ihrer brandenden, donnernden Macht.“

Jack Miles vergleicht in seinem Buch die Wucht der Gottesreden im Buch Hiob mit Strawinskys Komposition

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Antwort auf Hiob

Antwort auf Hiob

C.G. Jung · 1973

Psychoanalytische Deutung des biblischen Hiob-Buches: Jung untersucht, wie ein Gott ohne Schatten unvollständig bleibt. Hiob gewinnt die moralische Auseinandersetzung, indem er Gott zwingt, seinen eigenen Schatten anzuerkennen. Eine Meditation über Ganzwerdung und das Dunkle im Göttlichen.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:29:47 „Es gibt von dem Psychoanalytiker im 20. Jahrhundert die Antwort auf Hiob von C.G. Jung. Der hat mit 72 Jahren eine Antwort auf Hiob und hat so ähnlich geschrieben wie dein Jack Miles versucht sozusagen die Entwicklung des Gottesbildes zu schreiben.“

Johanna Haberer stellt C.G. Jungs Spätwerk als psychoanalytische Parallele zu Jack Miles' literarischer Analyse vor. Jungs zentrale These: Ein Gott ohne Schatten ist kein ganzer Gott – und Hiob gewinnt am Ende moralisch, weil er Gott zwingt, seinen eigenen Schatten zu erkennen. Haberer verbindet dies mit der Idee einer ganzheitlichen Lebenserfahrung.

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Briefe an einen jungen Dichter

Briefe an einen jungen Dichter

Rainer Maria Rilke · 2025

Rilke spricht in "Briefe an einen jungen Dichter" über Poesie, doch reichen seine Gedanken tiefer und werden zum Nachdenken über das Menschsein. Er rät zur Geduld mit den ungelösten Fragen, zum Verweilen in der Unsicherheit, zur Entwicklung einer eigenen inneren Welt. In einer Zeit äußerer Geschwindigkeit und ständiger Vergleichbarkeit klingen seine Worte wie ein stiller Gegenentwurf: "Gehen Sie in sich.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:33:21 „Aber jetzt noch ein kleines gutes Wort zum Schluss, das aber nicht selbst aus der Bibel ist, sondern das ist von Rainer Maria Rilke.“

Johanna Haberer wählt zum Abschluss der Episode ein berühmtes Rilke-Zitat über die Geduld mit ungelösten Fragen. Der Erzähler liest die Passage vor: 'Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antworten hinein.' Das Zitat stammt aus den 'Briefen an einen jungen Dichter' und wird als versöhnlicher Schlusspunkt nach der intensiven Hiob-Debatte gesetzt.

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